Robo-Advisor – Algorithmen beraten bei der Geldanlage

Fortgeschrittene

Digitale Vermögensberatung und -verwaltung

Von André Jasch
7 Minuten Lesezeit

Wer sich als Anleger bei Fragen zur Geldanlage beraten lassen wollte, hatte bisher vor allem zwei Möglichkeiten. Entweder er ging zu seiner Hausbank und ließ sich dort vom Vermögensberater der Bank informieren. Dieser verkaufte dem Anleger in der Regel vor allem die hauseigenen Produkte und kassierte dafür hohe Abschlussgebühren und Provisionen.

Immer mehr Kunden waren jedoch vom Bankberater enttäuscht, weil sie das Gefühl hatten, dass er nicht in ihrem Interesse handelte, sondern im Interesse der Bank. Ihnen blieb bisher nur der Weg zu einem Honorarberater, der zwar provisionsunabhängig beriet, dafür aber oft Stundensätze von 150 Euro verlangte, was sich nicht jeder Anleger leisten konnte. Genau in diese Bresche schlugen vor einigen Jahren die ersten Firmen, die im Internet vorgefertigte Strategien zur Geldanlage anboten – sogenannte Robo-Advisor (zu Deutsch: Anlage-Roboter).

Darunter stellt sich manch ein Anleger einen intelligenten, künstlich erschaffenen Roboter vor, doch soweit ist es noch nicht. Vielmehr handelt es sich dabei eine Software, die auf Kundenpräferenzen, historische Daten und finanzmathematische Modelle zurückgreift, um dem Kunden verschiedene Anlagemöglichkeiten anzubieten. Seit 2008 gibt es die ersten Algorithmen-gesteuerten Vermögensberater und -verwalter im Internet. In Deutschland umfasst der Markt bisher rund 400 Millionen Euro verwaltetes Vermögen – Tendenz steigend.

Diese automatisierten Vermögensberater schlagen Anlegern verschiedene Portfolios aus Aktien, Anleihen und manchmal auch Rohstoffen vor, in die Anleger ihr Geld anlegen können. Bei den vorgeschlagenen Anlageobjekten nehmen die Robo-Advisor Rücksicht auf die Risikopräferenz der Kunden Rücksicht, die je nach Investoren-Typ unterschiedlich ausfällt.

Zur Kernzielgruppe der Robo-Advisor zählen Kunden, denen große Investmenterfahrung und großes Kapital zur Geldanlage fehlt. Wer ausreichend Kapital hat, kann sich gute Finanzberater leisten. Und wer ausreichend Knowhow im Investmentbereich hat, braucht keine Berater. Für den großen Rest war es bisher schwierig, guten Finanzberatung und passende Anlageformen zu finden.

 

Robo-Advisor: Zukunft der Vermögensverwaltung

Der digitalen Vermögensverwaltung gehört die Zukunft, zumindest wenn man Frederik Meheus Glauben schenken darf. Meheus leitet die technologische Entwicklung im Privatkundengeschäft des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock. „Viele unserer Kunden fragen uns bereits nach der Möglichkeit, die Gelder ihrer Anleger über Robo-Advisor zu investieren“, so Meheus gegenüber der Frankfurter Allgemeinen (FAZ).

In den USA habe sich Backrock bereits an zwei Anbietern von automatisierter Anlageberatung beteiligt, so die FAZ. Außerdem habe Blackrock maßgeblich dazu beigetragen, dass große Unternehmen und Banken sich für die Robo-Advisor interessieren. Auch in Deutschland investiert Blackrock in die Technologie. Der Vermögensverwalter hat hierzulande eine Finanzierungsrunde für das Münchner Startup Scalable Capital in Höhe von 30 Millionen Euro angeführt.

Auch andere Venture-Capital-Firmen haben das Thema Robo-Advice längst im Blick. Zwischen 2012 und 2017 flossen rund 1,3 Milliarden Dollar in mehr als 100 Robo-Advisor, davon etwa 20 Prozent nach Europa. Getrieben wird der Trend auch vom Niedrigzinsumfeld, in denen die Kunden immer stärker nach kostengünstigen Finanzanlagen verlangen.

Blackrock will mit dem Investment in Scalable Capital seinen großen Kunden wie Konzernen und Finanzinstituten die vollautomatisierte Geldanlage anbieten können. „Das ist mehr als nur ein finanzielles Investment“, zitiert die FAZ den Blackrock-Manager weiter. „Wir wollen unseren Kunden helfen, sich mit Scalable Capital auf die digitale Zukunft vorzubereiten.“

Da bei der Anlageberatung und Besteuerung je Land unterschiedliche Regeln gelten, hat sich Blackrock mit dem Investment zugleich Zugang zum europäischen Markt erkauft. Außerdem ergänzen sich Blackrock und Scalable Capital, denn Robo-Advisor greifen bei der Geldanlage oft auf börsengehandelten Indexfonds (ETF) zurück und Blackrock ist weltweit größter Anbieter von ETFs.

 

Robo-Advisor sind günstiger als Bankberater

Die Kosten der digitalen Vermögensberater liegen deutlich unter den Beratungshonoraren menschlicher Vermögensberater. Günstiger sei es nur, sich selbst ein Finanzportfolio aus ETF, Festgeld und Tagesgeld zusammenzustellen. Wer als Anleger jedoch nicht die Zeit und Mühe in die Recherche passender Anlageprodukte stecken möchte, zugleich jedoch nicht das Geld für eine umfassende Finanzberatung parat hat, für den sind Robo-Advisor eine interessante Alternative.

Einige Anbieter bieten eine Komplettlösung aus digitaler Vermögensberatung und Vermögensverwaltung an. Hier übernimmt der Robo-Advisor die Geldanlage komplett. Sie unterscheiden sich nur in der Art der Anlagestrategie und in den jährlichen Kosten. Robo-Advisor mit aktiver Anlagestrategie nutzen meistens ein finanzmathematisches Modell, nach welchem sie die Anlagen im Finanzportfolio umschichten. Sie reduzieren beispielsweise den Aktienanteil, wenn bestimmte Risikoindikatoren ansteigen.

Bei passiven Robo-Advisorn dagegen ist die Verteilung der Gelder auf unterschiedliche Fonds vorgegeben und wird regelmäßig auf die Ausgangsverteilung zurückgesetzt (auch Rebalancing genannt). Andere Anbieter, vor allem Bankinstitute, setzen dagegen auf eine reine Beratungssoftware. Diese Software unterstützt den Kunden bei der Geldanlage, in dem sie ihm vorschlägt, wie er sein Geld auf verschiedene Fonds verteilen kann. Kaufen muss der Anleger die Anteile dann aber selbst.

 

Robo-Advisor im Überblick: Die Qual der Wahl

Es gibt eine ganze Reihe von Anbietern zur automatisierten Vermögensberatung. Der Markt für Robo-Advisor ist hart umkämpft, was für Anleger aber auch eine große Auswahl bedeutet. Das Verbraucherportal Finanztip hat die bekanntesten Robo-Advisor getestet. Finanztip hat dabei zwischen zwei Arten der Robo-Advisor: Firmen, die eine Komplettverwaltung des Vermögens anbieten und Firmen, die nur eine Beratungssoftware zur Verfügung stellen, die bei der Auswahl von ETFs hilft.

Robo-Advisor mit einer aktiven Anlagestrategie wurden dagegen nicht berücksichtigt. Das heißt, dass alle von Finanztip getesteten Anbieter das Geld in ETFs anlegen und nur bei Bedarf so umschichten, dass die ursprüngliche Verteilung wieder hergestellt ist. Zudem investieren die Robo-Advisor einen Teil des Vermögens in Rentenfonds. Diese Rentenfonds wiederum investieren vorwiegend in Staats- und Unternehmensanleihen. Darin sieht Finanztip einen ersten generellen Kritikpunkt, denn Rentenfonds werfen in Zeiten von Niedrigzinsen kaum Rendite ab.

Zu den führenden Anbietern, die eine Komplettlösung anbieten, zählen Scalable Capital, Vaamo, Easyfolio, Ginmon, Quirion und Growney. Mit Ausnahme von Scalable Capital, das eine aktive Anlagestrategie verfolgt, wurden all diese Anbieter von Komplettlösungen durch Finanztip getestet. Das Ergebnis des Tests: Easyfolio landete vor Vaamo und Growney. Alle überzeugen durch geringe oder keine Mindestanlagesummen, zielgenaue Kundenbefragung und eine ausgewogene Anlagestrategie. Esayfolio konnte zudem mit besonders niedrigen Kosten von 0,9 Prozent pro Jahr punkten.

Demgegenüber stehen Firmen, die eine Beratungssoftware ohne Vermögensverwaltung anbieten. In einigen Fällen stehen dahinter Banken, die noch immer auf die klassische Vermögensberatung setzen und die Software nur als Ergänzung zum menschlichen Berater sehen. Zu den führenden Anbietern zählen hierbei Deutsche Bank, Comdirect, DAB Bank, Targobank, Moneyfilter, 1822 direkt und JustETF. Hier empfiehlt das Verbraucherportal JustETF als besten Anbieter. Dort könnten Verbraucher mit Investmenterfahrung eigene Musterportfolios erstellen oder ein vorgefertigtes Finanzportfolio nachbauen.

 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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