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By Kai

Griechenlands Gründerzeit oder Krise als Chance

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Nahezu jeder Gründerzeit geht eine existenzielle Krise voraus. Ursprünglich handelte es sich beim Wort „Krise“ (krísis) um einen medizinischen Ausdruck, der im antiken Griechenland den Moment bezeichnete, in dem sich etwas entscheidend verändert. Einen Wendepunkt hin zum Positiven oder Negativen. Steht Hellas also eine Gründerzeit bevor?

Hellas erlebt eine ökonomische und soziale Verheerung sondergleichen, im fünften Jahr in Folge schrumpft die Wirtschaft, Arbeitslosigkeit und Steuerlast sind dramatisch hoch. Griechenland hat keinen Zugang mehr zum Kapitalmarkt, griechische Banken geben keine Kredite aus, ausländische Investoren nehmen erst recht Abstand. In Zeiten wie diesen, wenn überkommene Strukturen neu erdacht werden müssen, ereignet sich das, was der Ökonom Joseph Schumpeter „schöpferische Zerstörung“ nannte; Marktbereinigung. Die alten Griechen kannten Kairos, den Gott des günstigen Augenblicks, den man nicht verstreichen lassen dürfe. Vielleicht ist das ein Kairos-Moment.

Unbemerkt von der Weltpresse treten in Griechenland in der Krise mutige Gründer auf den Plan, viele von ihnen sind überraschend optimistisch. Sie haben einen schweren Stand, allerdings haben gerade die Jungen auch keine andere Wahl.

Status quo

Tatsächlich gibt es in Griechenland mehr Selbständige als Arbeitnehmer, tatsächlich hat Griechenland die höchste Selbständigenquote Europas, aber das ist nicht in jedem Fall zu begrüßen. Griechenland krankt an seinen etwa 150 geschlossenen Berufsgruppen (Apotheker, Anwälte und Notare, Taxifahrer...) und Handelsgesellschaften, die Quasi-Monopole errichtet haben. Im Doing-Business-Ranking der Weltbank rangiert Hellas auf Platz 100, bei der Frage, wie einfach es ist, ein Unternehmen zu gründen, sogar nur auf Platz 135 (nach 149 im letzten Jahr). Liz Alderman berichtete kürzlich in der New York Times, dass ein Mann, der eine Schneckenfarm betreibt, 18 Monate auf eine entsprechende behördliche Genehmigung warten musste (in Neuseeland kann man eine Firma an einem Tag gründen, in Deutschland in 15). Online kann man schon mal gar nicht gründen; 3500 Euro fallen jährlich an, nur damit die Behörden Ergebnisse veröffentlichen. Die Hürden für Unternehmensgründer, gerade im eBusiness, sind so enorm, dass der Präsident der Nationalen Konföderation des Hellenischen Handels, Vassilis Korkidis, freimütig einräumt: „Sie können mir alles erzählen und ich würde es glauben. Ich habe schon alles gesehen."

Selbstverständlich lässt sich eine Unternehmensgründung in Hellas durchaus beschleunigen - was genau das Problem ist: bei Transparency International nimmt Hellas bei der Wahrnehmung von Korruption den unrühmlichen 80. Platz ein. Auch deswegen gab es Wettbewerb jahrzehntelange gar nicht, Hellas belegt bei der Wettbewerbsfähigkeit im 2012/13er Ranking des World Economic Forum Platz 96 von 144 verglichenen Volkswirtschaften. Monopole bremsen die Wirtschaft brutal aus. Zweifellos braute sich hier etwas zusammen – jedoch kein einheimisches Bier. Jahrzehntelang konnte man quasi nur Heineken oder Amstel trinken, einheimische Brauer wie der eigens aus den USA heimgekehrte Demetri Politopoulos hatten keine Chance. Medizintechnik-Importe waren deutlich teurer als in Deutschland.

Hilf dir selbst!

Die Regierung hat qua Ministerium für Entwicklung eine eigene Kampagne für griechische Startups ins Leben gerufen, weil die Verheerung der griechischen Wirtschaft eine ganze Generation – die bestausgebildete aller Zeiten - das Land fliehen ließ. 50% Jugendarbeitslosigkeit. Weil staatliche Strukturen sich jedoch als das größte Hindernis für junge Unternehmer entpuppen, organisieren sie sich lieber selbst und errichten eine Plattform für Gleichgesinnte oder co-working spaces wie das coLab in Athen. Um Behörden-Schikanen zu vermeiden, sind viele der dort untergebrachten Startups offiziell in den unternehmerfreundlicheren USA und in UK registriert, ihre Geschäfte wickeln sie ebenfalls mehrheitlich im Ausland ab.

Der Spartaner Costis Papadimitrakopoulos hält es ebenso. Der ehemalige Windsurfing-Champion ermöglicht es mit seiner Firma Globo Plc., Apps auf alten Mobil-Telefonen laufen zu lassen. Ein mögliches Milliarden-Geschäft in den Emerging Markets, für deren Bürger Smart-Phones oft noch unerschwinglich sind. Now THAT’s smart! Nachdem ein indonesischer Mobilfunkbetreiber mit 70 Mio. Kunden Papadimitrakopoulos’ Service nutzte, fanden sich am ersten Tag des Joint Ventures 100.000 Kunden auf seiner Plattform ein. Unabhängig von griechischen Banken ist er allemal, da Globo Plc., das auch Software für abhörsichere Handys entwickelt, an der Londoner Börse gelistet ist.

Arm aber sexy?

Das Zentrum der griechischen Gründerszene ist Athen. Bei der dortigen Entrepreneur Week schauten kürzlich 600 Unternehmer vorbei, auch die Tedx-Veranstaltungsreihe gastierte hier im Juni, kurz nachdem schon die Startup Live-Konferenz in Attika die Zelte aufgeschlagen hatte. Hellas’ Krise ist nicht das Initial dieser Entwicklung, doch nun richten die Medien verstärkt den Blick auf lokale Startups, die schon zuvor international vernetzt waren. Tatsächlich weist Griechenland ähnliche Vorteile für eine Startup-Szene auf wie zum Beispiel Berlin: gut ausgebildete, hart arbeitende junge Leute und krisenbedingte Niedrigstlöhne. Mittlerweile befinden sich ein paar Weltmarktführer unter den Athener Startups. App-basierte Proof-of-Concept-Unternehmen wie Griechenlands BetterTaxi, TaxiBeat, expandieren demnächst nach Rio, Paris und Bukarest, das hellenische Äquivalent zu doxter, doctoranytime.gr, ist sehr populär.

Operation Kalimera: Reset Greece

Nicht nur „Krise“ ist Altgriechisch: „Ökonomie“ ist es ebenfalls. Der renommierte NYU-Professor für Ökonomie, Nicholas Economides, der zum Thema Greekonomics einiges veröffentlicht hat, trägt seine Berufung schon im Namen (oikos = Haus, nomos = Gesetz). Ein weiterer Economides, Peter nämlich, ist ein so bedeutender wie rastloser Werber. Er ersann nicht nur Apples „Think different"-Kampagne und machte den Konzern damit wieder sexy und erfolgreich, nun versucht er sich gar an einem Nation Re-Branding für Griechenland im Sinne der „Incredible India"-Vorlage. Economides und seine Partner werden im Rahmen des Projekts Ginetai („Es ist machbar!“) Büros und Infrastruktur auf dem aufgegebenen Athener Flughafen Ellinikon zur Verfügung stellen, damit junge Gründer eine Perspektive haben. Business-Plan einreichen, fertig. Keine Fakelaki, keine Rusfeti, nur gute Ideen. Heureka!

So sei es.



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