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Von Kai

Women in tech (Teil 2)

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Im ersten Teil unseres "Women in tech"-Spezials betrachteten wir einige Vorurteile, die Männer über Gründerinnen und/oder Frauen in Startups hegen, ob und wie Frauen Job und Familie unter einen Hut bringen und wie Frauen Unternehmen führen. Gerade in Europa arbeiten viel zu wenige Frauen in Startups. Jetzt schauen wir mal, was Frauen machen, um wahrgenommen zu werden.

Weibliche Vorbilder?

Zwar stehen inzwischen zumindest in den USA immer mehr Frauen an der Spitze großer Tech-Startups. Marissa Mayer etwa, vormals als Vize bei Google maßgeblich verantwortlich für den Erfolg, führt nun Yahoo, während Sheryl Sandberg das Tagesgeschäft bei Facebook verantwortet. Sicherlich ermutigen sie viele junge Frauen, es ihnen gleich zu tun, doch sehen sie sich auch harter Kritik ausgesetzt. Am 11. März erschien in den USA Sheryl Sandbergs Buch «Lean In: Women, Work and the Will to Lead» und schon im Vorfeld schlug es hohe Wellen. Nicht nur Feministinnen sind empört, weil Sandberg - eine der reichsten Frauen der Welt - auch die Erwartungshaltung der Frauen und geschlechterspezifisches Verhalten für ihre Lage verantwortlich macht (Twitter Hashtag: #leanin). 

Mayer wiederum kehrte bereits zwei Wochen nach der Geburt ihres Kindes auf den Chefsessel bei Yahoo zurück und setzte so womöglich Frauen unter Druck. Darüber hinaus schaffte sie das Home Office ab, weil schreiende Kinder zuhause die jungen Mütter nur ablenkten und diese deswegen nicht produktiv arbeiteten. Unverständnis allenthalben. Ungewollt diskriminieren also auch Frauen Frauen. 

Auch Padma Warrior kehrte als junge Frau zwei Wochen nach der Geburt ihres Kindes an die Arbeit zurück. Heute ist die 52jährige als Technikchefin beim Netzausrüster Cisco eine der einflussreichsten Personen der digitalen Welt, schreibt Varinia Bernau in der Süddeutschen Zeitung. 1,5 Millionen Twitter-Follower hat Warrior, man hört ihr sehr genau zu. Sie hat es weit gebracht - weil sie sich nicht so gab, wie man es von einer Frau in der Tech-Branche erwartete. Heute rät sie jungen Frauen, die ein Startup hochziehen wollen, sich nicht zu verstellen. Frauen neigten Warrior zufolge dazu, die Dinge etwas zu genau zu analysieren und sich selbst zu unterschätzen, während Männer die erstbeste Chance ergriffen. 

Andere Frauen in vergleichbaren Positionen, die man kennen sollte, listet die einflussreiche News-Seite Mashable auf, während TechCrunch eine von den Londoner Girls in Tech erstellte Liste mit den 100 wichtigsten europäischen Gründerinnen veröffentlichte. Das hat insofern Nachrichtenwert, als dass es Gründerinnen/Entwicklerinnen in Europa offenbar besonders schwer haben.

Alte Welt = altes Denken?

Eurostat, die europäische Statistikbehörde gibt den Anteil von Frauen im Technologie-Sektor mit 21,8% an. In den USA sind es 24%, 1991 allerdings waren es 36% laut National Center for Women & Information Technology an der University of Colorado. Im Baltikum und einigen osteuropäischen Staaten ist der Anteil der weiblichen Programmierer auch erhbelich höher als in Europas Westen. So sind laut Eurostat in Lettland 33% der Programmierer Frauen, in Rumänien sind es 30,6% (mehr dazu hier).

Ausweislich des Startup Genome Reports, der die Attraktivität von globalen Startup-Zentren untersucht, stellen unter den Startuppern in Santiago de Chile, New York City und Toronto Frauen immerhin 20, 18 und 18 Prozent der Beschäftigten. In London sind es neun, in Paris magere sieben und in Madrid und Berlin kaum noch messbare drei Prozent. Ist die Alte Welt also chauvinistischer? Merkwürdigerweise korrelieren diese Angaben übrigens mit einer anderen Zahl. „Auf den Spitzenplätzen kann Berlin den globalen Wettbewerber immerhin beim Bildungsgrad Contra geben: Stolze 86 Prozent haben laut Untersuchung einen Universitätsabschluss oder gar einen Doktortitel. Übertroffen wird das lediglich von Madrid mit 89 Prozent und Paris mit unglaublichen 96 Prozent”, heißt es bei Gründerszene.de. Das könnte ein Zufall sein. Muss es aber nicht.

In der Berliner Startup-Szene sind Frauen also krass unterrepräsentiert. Wie wäre es also, wenn man... 

Gründerinnen aller Länder, vernetzt euch!

In der Startup-Branche sind (informelle) Netzwerke sehr wichtig. Was liegt näher, als eine Interessenvertretung für weibliche Startupper auf die Beine zu stellen? Angetreten, um den Frauen in der männerdominierten Startup-Welt Gehör zu verschaffen, sind z.B. die Berlin Geekettes. Gegründet im Februar 2012 von Jess Erickson, sind die Geekettes ein Netzwerk von mittlerweile mehr als 300 tech-affinen Unternehmerinnen (oder female entrepreneurs), die in allen Startups der Hauptstadt vertreten sind.

Sie organisieren Mentorinnen für junge Frauen, Hackathons und Seminare und sind der Darling internationaler Top-Medien (ForbesNY TimesGuardianEl Pais u.a. berichteten, auch DER SPIEGEL). Im Verbund werden sie als Faktor sichtbar und weisen auf den mindestens latenten Chauvinismus der Branche hin. Ihr Ansatz ist dabei pragmatisch, nicht ideologisch, sie sind an Lösungen interessiert. "Es geht um Technologie. Wir wollen Dinge bauen!", sagt Denise Philipp, Managerin der Geekettes.

Von positiver Diskriminierung halten die Geekettes nichts. Frauen wollten nicht angestellt werden, weil sie Röcke tragen, sondern aufgrund ihrer Expertise, ihres Talents. Außerdem käme es auf den gesunden Mix von Talenten in den Startups an, das Geschlecht dürfe da keine Rolle spielen. Insgesamt geht es ihnen darum, eine Lücke zu schließen und nicht darum, die Kluft zwischen den Geschlechtern noch zu vergrößern. 

 

                                                                             (Photos courtesy of Aurelie Bazard)

Für ihre Veranstaltungen können die Geekettes Unternehmen wie Facebook oder Google als Partner gewinnen. Das ist nur konsequent, denn das Internet ist weiblich, 70% aller Online-Käufe werden von Frauen getätigt, soziale Netzwerke sind ihre Domäne genauso wie Social Games. Bestimmte Firmen stellen deswegen vermehrt Frauen ein, um Produktentwicklung  und -management der weiblichen Perspektive anzupassen. Etsy, ein Marktplatz für Selbstgemachtes und Ausgefallenes, hat beispielsweise die Anzahl seiner weiblichen Entwickler innerhalb eines Jahres um nahezu 500% gesteigert, auch weil 80% der Kunden Frauen sind.

Den Geekettes gelten Mayer und Sandberg übrigens durchaus als Vorbild, weil sie Familien haben und als Unternehmerinnen reüssieren, aber es gäbe noch sehr viel mehr nachahmenswerte Frauen, die weniger im Scheinwerferlicht stehen. Die Szene brauche mehr weibliche Vorbilder, sagt Philipp. Hilary Mason etwa oder Danielle LaPorte oder auch Coco Chanel. Und dann ist da noch Ada Lovelace. 

Ada Lovelace

Heutzutage könnte der Einplatinen-Computer Raspberry Pi auch einen neuen Programmier-Boom bei jungen Frauen auslösen. Vor 170 Jahren wäre dergleichen undenkbar gewesen und dennoch war der erste Mensch, der 1843 ein Programm im weitesten Sinne geschrieben hat, eine Frau, Ada Lovelace. Nach der Mathematikerin und Tochter des großen Dichter-Fürsten Lord Byron wurde sogar eine eigene Sprache – Ada – benannt. 

Eine lesenswerte Liste weiterer weiblicher Entwicklungen im Tech-Bereich findet sich hier.

Dass Frauen in der Startup-Szene unverzichtbar sind, sollte also klar sein. Offensichtlich ist noch viel zu tun, damit das Gleichgewicht, das die Geekettes anstreben, erreicht wird. Es wäre jedoch schon mal ein Anfang, wenn die Startup-Szene versteht, was Geekette und Xyologic-Gründerin Zoe Adamovicz bemerkt: “There is no male and female business – there is just business.” Eben. Sie muss es wissen: sie hat seit 1999 sechs Startups hochgezogen - und wie viele Männer können das schon von sich behaupten?



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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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