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Von Kai

Berliner Pflanzen

Öffentlich
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Super, ein Berlin-Feature, wie originell!

Sachte. Wir dürfen. Wir wurden hier geboren.

99 von 100 Berlin-Artikeln beginnen mit dem sch(m)erzhaften Befund des Berliner Regierenden Bürgermeisters aus dem Jahr 2003, Berlin sei arm, aber sexy. Dieser hier auch. Tatsächlich nämlich vermag dieser Slogan zu erklären, warum die Stadt in manchen Bereichen dermaßen boomt, denn es hat sich viel getan in der Zwischenzeit. Die IHK Berlin spricht stadtweit von 1300 allein Web-basierten Startups seit 2008, 2011 allein entstanden um die 500. Dass die Hauptstadtpresse derartige Zahlen zum Anlass für Berichterstattung nimmt, ist nachvollziehbar. Aber es ist ja nicht nur sie; die halbe Welt schließt sich an, obwohl sich natürlich auch in anderen deutschen Regionen beachtliche Gründerszenen geformt haben und interessante Unternehmen entstehen.

Berlin erscheint vielen Web-Entrepreneuren neuerdings so attraktiv, dass wir im Vergleich mit anderen kontinentaleuropäischen Hauptstädten über pari/Paris notieren und in so mancher Umfrage noch vor dem Silicon Valley und der britischen Hauptstadt landen/London. Obwohl an Seine und Themse Startups en masse entstehen, investieren immer mehr französische und britische Investoren lieber an der Spree, Amerikaner sowieso. 150 Millionen Euro flossen seitens Investoren im vergangenen Jahr in die Szene. 103 deutsche Internet-basierte Startups erhielten internationales Wagniskapital, die meisten von ihnen stammen aus Berlin; nur die USA und China konnten noch mehr Geld einnehmen. Hier geht also was. Doch warum? Warum ist etwa Chris Olsen vom VC-Schwergewicht Sequoia Capital überzeugt, Berlin sei „die einzige Stadt in Europa, die dem Silicon Valley gleicht”?

From doom...

Berlin bietet nur 106.300 Arbeitsplätze in der Industrie - 100.000 zu wenig, um mit anderen europäischen Metropolen mithalten zu können, mahnt die IHK. Siemens, der einzige deutsche Technologie-Konzern von Weltgeltung, wurde durchaus 1847 in Berlin gegründet und unterhält hier mit 12.600 Mitarbeitern seinen weltgrößten Fertigungsstandort - sitzt aber längst in München. Tatsächlich hat kein DAX-Konzern seinen Sitz in Berlin. Von den 3,4 Mio. Berlinern sind 150.000 Beamte oder Angestellte der Stadt. Ein Strukturproblem; die Verschuldung des Landes Berlin beträgt immense 63 Milliarden Euro, Arbeitslosigkeit beutelt Berlin stärker als jedes andere Bundesland, das Steueraufkommen ist gering. Nebenbei bleiben die Mieten günstig. Was machen? Der Berliner liebt seine Scholle; wegziehen scheidet aus. Selbstständigkeit liegt nahe, heutzutage jedoch aus anderen Gründen als früher. Das erklärt jedoch noch nicht, weshalb internationales Talent in Berlin stürmt und drängt.

... to boom!

Not macht erfinderisch. Nicht nur Tech-Expats empfinden Berlin als so an- wie aufregend, als großes Experiment, Verheißung, gewaltige Gelegenheit, als etwas, das man nicht verpassen darf. Es gibt wohl nicht den einen Grund für diese Entwicklung, vielmehr verschränken und verstärken sich etliche Ursachen gegenseitig. Berlin etabliert sich als Wissenschaftsstandort und punktet neben guten Clubs, (subventionierter) Kultur und Infrastruktur durch jene vergleichsweise niedrigen Mieten, Lebenshaltungs- und entsprechende Lohnkosten für Entwickler aller Herren Länder, die die einheimischen Hacker des Chaos Computer Clubs ergänzen. Vom Brain-Drain der krisengeplagten europäischen Peripherie-Staaten profitiert Berlin ebenfalls nicht unerheblich, was den Trend noch verstetigt.

All das, was ursprünglich Berlins Nachteil war, verkehrt sich im Bereich Startups in einen Vorteil und erzeugt erst die Gravitationskraft für eine kritische Masse an Kreativen, die hier Wurzeln schlagen. Das Gros dieser Leute ist sehr jung, sie sind digital natives, aufgewachsen mit Social Media. Ihnen folgten bald klassische Wagniskapitalgeber wie Early Bird und Balderton, Beteiligungsgesellschaften, Business Angel-Netzwerke und Inkubatoren. Die hier ansässigen Universitäten trugen dieser Entwicklung ebenfalls Rechnung und richteten entsprechende Entrepreneurship-Studiengänge ein, selbst Erfindergeist wird trainiert. Inzwischen verfügt die Region Berlin auch über das größte Glasfasernetz Europas. Tech-Blogs widmen sich exklusiv dem Hauptstadtgeschehen. So entstand und entsteht ein behagliches Habitat für die Szene. Ein Cluster.

In der gleichsam provinziellen wie internationalen Stadt leben fast so viele Nationalitäten und Konfessionen zusammen wie in New York, getreu dem Motto, das der Alte Fritz, dessen 300. Geburtstag Berlin in diesem Jahr begeht, seinem Volke anempfahl: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“. Vielleicht ist es das. Jeder hat seine eigene Vorstellung von Berlin und zieht sein Ding durch. Sinnigerweise firmiert die Hauptstadt-Kampagne seit 2008 nebulös unter dem Titel be Berlin - ganz so, als ließe sich Berlins Appeal nur als Gefühlszustand umschreiben. Mittlerweile haben die Stadtoberen eine weitere Kampagne ins Leben gerufen, die Berlin als Tech-Hub bewirbt; log in.berlin.

Das Gegenteil von Mauerblümchen

In der Wahrnehmung einiger kundiger Beobachter schickt sich Berlin daher an, zum europäischen Pendant des Silicon Valley heranzureifen, die Rede ist allenthalben vom „Mekka der Startups“. Berlin is buzz, Hype nicht unbedingt, wenngleich es auch andere Meinungen gibt. Viele der hier ansässigen jungen Unternehmen müssen ihre Profitabilität und Nachhaltigkeit erst noch beweisen und auch, dass sie Jobs schaffen können. Nach und nach wird sich die Spree-Spreu vom Weizen trennen. Die Ideen der Berliner Startups sind erfreulicherweise aber auf dem eigenen Mist gewachsen, reine Copycats sind selten. Eigengewächse wie Crowdpark, EyeEm, Gidsy, Madvertise, Readmill, Smeet, SoundCloud, tape.tv, Wooga, 6Wunderkinder und andere machen auch jenseits des großen Teichs von sich reden, teilweise haben sie mehrere Millionen Nutzer und Millionen Dollar an Wagniskapital eingeworben. US-Unternehmen verstehen Spree wörtlich - i. S. v. shopping spree, Kaufrausch - und integrieren Berliner Startups in ihre Strategie wie im Fall Casacanda/Fab oder Daily Deal/Google.

Selbstverständlich eignet sich diese Umgebung auch für eine von Berlinern betriebene Crowdinvesting-Plattform, denn das einzige, das nach Expertenmeinung hier fehlt, ist Kapital für Gründer, gerade in der absoluten Startphase. Auch wir arbeiten daran, dass es zur 775-Jahrfeier Berlins Ende Oktober 2012 vielleicht nur noch heißt:

Berlin ist sexy. Punkt. Um nicht zu sagen: Amen.



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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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