von André Jasch

Gründer aufgepasst: 9 Wege der Startup-Finanzierung

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Gründer aufgepasst: 9 Wege der Startup-Finanzierung

Die meisten Gründer kennen das: Man hat eine tolle Idee, aber das nötige Startkapital fehlt. Dann beginnt die große Suche nach der passenden Finanzierung. Doch die Palette der Möglichkeiten ist breit und unübersichtlich. Wir liefern euch den Kompass für den Finanzierungsdschungel.

Bootstrapping

Mit Bootstrapping bezeichnet man eine Unternehmensgründung mit Selbstfinanzierung. Die meisten Gründer in Deutschland finanzieren sich noch immer über die eigenen Ersparnisse. Laut dem Deutschen Startup-Monitor (DSM) der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, einer Umfrage unter mehr als 3.000 Gründern, greifen 84 Prozent auf die eigenen Reserven zurück.

Das hat den Vorteil, dass es die Motivation erhöht, auf den Exit hinzuarbeiten. Wer selbst zu einem hohen Grad finanziell in seine Idee investiert ist, wird alles dafür tun, sie zum Erfolg zu bringen. Außerdem ist man als Gründer nicht so abhängig von fremden Investoren, die einem in den Geschäftsablauf hineinreden. Es bleibt also viel mehr Gestaltungsspielraum.

Der Nachteil dieser Finanzierungsform: Unternehmensgründer, die auf Bootstrapping zurückgreifen, sind an einen sehr knappen Budget- und einen engen Zeitplan gebunden. Es fehlt häufig der nötige finanzielle Spielraum für Fehlentscheidungen und auch für ein schnelles Wachstum. Dadurch muss die Geschäftsidee von Anfang an auf Effizienz getrimmt werden.

Darlehen von Freunden und Familie

Wenn die eigenen Ersparnisse nicht zur Gründung ausreichen, werden häufig zuerst Freunde und Familie aktiviert. Zündet die Geschäftsidee im engsten Bekanntenkreis nicht, wird es auch schwer, eine große Menge von Menschen davon zu überzeugen. Etwa ein Drittel aller Gründer nutzt laut DSM Freunde und Familie als Finanzierungsquelle.

Der Vorteil für Gründer liegt meist in den günstigen Konditionen. Freunde und Familie verzichten schon mal auf Zinsen auf ihr Darlehen und sind allgemein spendabler als jede Bank. Der Nachteil dieser Finanzierungsquelle ist offensichtlich: Wenn die Idee scheitert, ist der Ärger im Familien- und Freundeskreis vorprogrammiert. Eine alte Weisheit besagt nicht ohne Grund, die Themen Geld und Familie/Freunde sauber zu trennen.

Bankkredit

Der Klassiker unter den Finanzierungsformen: Mit dem Business Plan unterm Arm und einem knackigen Pitch soll der Bankberater für einen Kredit überzeugt werden. Doch Banken sind in ihrer Kreditvergabe sehr zögerlich und wollen im Gegenzug Sicherheiten sehen, über die nur die wenigsten Gründer verfügen.

Zugleich sind sie an strenge Regeln bei der Kreditvergabe (Basel III) gebunden, die es Investitionen in Startups erschweren. Das macht den Gang zur Bank für Unternehmensgründer häufig zur herben Enttäuschung, was sich auch in den Zahlen des DSM widerspiegelt. Nur knapp 14 Prozent konnten im vergangenen Jahr auf ein Bankdarlehen zur Finanzierung zurückgreifen.

Der Vorteil dieser Finanzierung: Hält eine Bank das Geschäftsmodell für solide, ist das ein positives Zeichen für künftige Investoren, denn Banken sind für eine gründliche Due-Diligence-Prüfung bekannt. Der Nachteil: Bankdarlehen müssen regelmäßig getilgt werden, was die Finanzreserven eines jungen Unternehmens schnell strapazieren kann.

Staatliche Förderprogramme

Dass es in Deutschland an Wagniskapital mangelt, hat sich längst auch bis in Regierungskreise herumgesprochen. Der Staat versucht jungen Gründern mit Förderprogrammen unter die Arme zu greifen. Damit sollen sie vor allem die schwierige Anfangsphase überbrücken.

Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe staatlicher Förderprogramme für Existenzgründer. Das reicht von subventionierten Darlehen, über geförderte Angebote für Weiterbildungen bis hin zu Gründungszuschüssen. Zu den bekanntesten Förderprogrammen gehört EXIST, ein Gründerzuschuss für Wissenschaftler, die mit technologiebasierten Existenzgründungen den Weg in die freie Wirtschaft wagen.

Neben den Förderprogrammen ist der Staat auch über Fondsgesellschaften und Förderbanken in der Frühphasen-Finanzierung von Startups aktiv. Zu den bekanntesten Akteuren zählen hierbei das Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der High-Tech Gründerfonds (HTGF).

Die KfW-Bank unterstützt Gründer vor allem über subventionierte Darlehen und Förderkredite. Die KfW-Konditionen sind günstiger als bei der Hausbank, doch auch hier gilt: Kredite müssen regelmäßig getilgt werden, was jungen Unternehmen schnell finanzielle Engpässe bescheren kann.

Der teilstaatliche HTGF agiert dagegen als klassischer Venture-Capital-Geber, der bis zu 3 Millionen Euro (Start- und Anschluss-Finanzierung) vorwiegend in Software- und Technologieunternehmen investiert. Wer den HTFG als Gründer von seiner Idee überzeugen kann, der setzt ein starkes Signal für spätere Investoren, sich ebenfalls zu beteiligen.

Der Nachteil von staatlichen Förderungen ist, dass sie immer mit einem hohen Bürokratie-Aufwand verbunden und langen Wartezeiten verbunden sind. Zudem ist ihre Anzahl stark begrenzt und an hohe Auflagen gebunden. Laut DSM greifen immerhin rund 35 Prozent aller Startups auf staatliche Förderung zurück.


Das Labyrinth der Finanzierungsformen ist weit verzweigt. Damit Gründer den Überblick behalten, haben wir eine Orientierungshilfe erstellt. (Quelle: Companisto)

Inkubatoren und Acceleratoren

Acceleratoren sind „Startup-Beschleuniger“, die eine bereits vorhandene Geschäftsidee auf der Überholspur voranbringen. Sie unterstützen die Gründer bei der konkreten Umsetzung ihrer Idee, bieten mehrwöchige Coaching-Seminare an, stellen temporär Räumlichkeiten zur Verfügung und statten das Startup mit einer ersten Anschubfinanzierung aus. Zu den bekanntesten Acceleratoren hierzulande zählen Axel Springer Plug and Play, Allianz Digital Accelerator und German Accelerator.

Inkubatoren sind „Brutkästen für Startups“, die ähnlich wie Acceleratoren sowohl Kapital und Mentoring als auch Infrastruktur für Gründer bereitstellen. Doch die Beziehung von Inkubator und Startup ist hier noch einmal enger, die Auswahlkriterien sind strikter und die Anschubfinanzierung höher. Dafür verlangen Inkubatoren in der Regel auch mehr Anteile und Mitspracherechte. Bekannte Inkubatoren sind das GREENHOUSE Innovation Lab des Verlagshauses Gruner + Jahr oder der hub:raum-Inkubator der Deutschen Telekom.

Laut DSM erhielten knapp 8 Prozent der befragten Gründer die Unterstützung eines Inkubators oder Accelerators. Der Vorteil: Jungunternehmer können auf die Expertise und das Netzwerk von Startup-Profis zurückgreifen, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem können sie die vorhandene Infrastruktur nutzen, was Kosten senkt. Der Nachteil: Für diese Unterstützung müssen Gründer häufig viele Anteile zu für sie ungünstigen Konditionen abgeben, was sich bei Erfolg durchaus rächen kann.

Venture Capital Gesellschaften

Davon träumen fast alle Gründer: Ein perfekter Pitch und eine große Venture Capital Gesellschaft (VC) steigt mit einer Millionensumme in das Startup ein. Der VC-Investor stellt neben der Anschubfinanzierung in der Regel auch Know-how in punkto Unternehmensaufbau sowie ein breites Experten-Netzwerk zur Verfügung.

VCs spielen besonders bei der Anschlussfinanzierung eine wichtige Rolle. Wenn das Unternehmen bereits bewiesen hat, dass das Geschäftsmodell funktioniert und nun eine Kapitalspritze benötigt, um das Modell zu skalieren oder ins Ausland zu expandieren, werden schnell zwei- bis dreistellige Millionenbeträge gebraucht.

Laut DSM konnten immerhin knapp 19 Prozent der Gründer auf die Unterstützung eines VCs bauen. Große Fondsgesellschaften wie die börsennotierte German Startups Group (GSG), die Berliner VC-Investoren Early Bird und Project A oder die Hamburger VC-Gesellschaft Holtzbrinck Ventures gehören zu den namhaftesten Vertretern der Wagniskapital-Branche. Doch weil es in Deutschland eine erhebliche Wagniskapitallücke besonders bei Later-Stage-Finanzierungen gibt, drängen auch immer mehr ausländische VC-Gesellschaften auf den Markt.

Business Angels

Wer selbst einmal gegründet hat, der weiß, wie schwer es ist, an Kapital zu kommen. Deshalb sind unter den Business Angels auch viele Gründer, die mit dem Exit ihrer Firma zu Wohlstand gekommen sind – den sie nun wieder in die Gründerszene investieren. In Deutschland sind viele Angel-Investoren im Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) organisiert, der jedes Jahr den Business Angel des Jahres auszeichnet.

Laut DSM erhielten im letzten Jahr etwa 22 Prozent der befragten Gründer Unterstützung durch Angel-Investoren. Zu den prominenten Vertretern zählen beispielsweise Christian Vollmann (Gründer von edarling.de, nebenan.de), Martin Sinner (Gründer von Idealo), Dr. Christian Schulz (BA des Jahres 2015) und Dr. Tobias Engelhardt (BA des Jahres 2016).

Crowdfunding

Im digitalen Zeitalter gehen Gründer auch neue Wege bei der Kapitalsuche. Einer dieser Wege ist die Finanzierung mithilfe der Crowd. Beim Crowdfunding schließen sich viele Menschen zusammen, um mit relativ kleinen Beträgen eine große Fundingsumme zu erreichen. Die Crowd erwartet keine finanzielle Gegenleistung, sondern unterstützt das Projekt aus Idealismus.

Die bekanntesten Crowdfunding-Plattformen sind Kickstarter, Indiegogo und Startnext. Für Startups ist dieser Weg vor allem dann interessant, wenn sie in einer sehr frühen Phase sind und Kapital für die Entwicklung des Produkt benötigen. Außerdem erreicht man ohne großes Marketing-Budget eine breite Öffentlichkeit und man muss als Gründer keine Firmenanteile abgeben.

Crowdinvesting

Wenn Crowdfunding Gründern dabei hilft, ihr Produkt zu entwickeln, dann hilft Crowdinvesting ihnen dabei, ihr Unternehmen aufzubauen. Anders als beim klassischen Crowdfunding erwarten die Investoren hier eine Rendite für ihr frühzeitiges Engagement. Sie unterstützen eine Geschäftsidee in Regel erst, wenn das Startup bereits über die konzeptionelle Phase hinaus ist, also eine Gesellschaft gegründet hat und über ein marktreifes Produkt verfügt.

Die Investoren beteiligen sich dann über Darlehen an dem Unternehmen und erhalten dafür eine Gewinn- und Exit-Beteiligung. Sollte das Startup also in Zukunft Gewinne erwirtschaften oder verkauft werden, werden sie anteilig am Erfolg beteiligt. Die Crowd agiert beim Crowdinvesting also wie ein klassischer Venture-Capital-Geber, mit dem Unterschied, dass sie keinen Einfluss auf das operative Geschäft hat.

Gründer können über diese Finanzierungsform ein breites Publikum ansprechen und auf ein Netzwerk an Partnern zurückgreifen. Bei Companisto bestehen etwa Kooperationen mit Amazon und PriceWaterhouseCoopers. Zudem sind auch später weitere Finanzierungen durch VCs oder BAs ohne Probleme möglich, wie die hohe Quote der Co- und Anschlussfinanzierungen auf Companisto belegt.


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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