Investitionsmöglichkeiten über die Crowd

Fortgeschrittene

Crowdinvesting und Crowdlending

Von André Jasch
10 Minuten Lesezeit

Privatanleger investieren heutzutage vermehrt über das Internet und als Teil einer größeren Gruppe von Investoren – der sogenannten Crowd. Mit Crowdfinanzierungen sammeln Gründer, Projektentwickler und Kreative größere Geldsummen über das Internet ein. Der Markt für Crowdfinanzierungen startete vor einigen Jahren als Nischenmarkt, ist seither jedoch stetig gewachsen. Im Jahr 2016 wurden etwa 145 Millionen Euro über die Crowd eingeworben, wie aus einer Studie des Portals Für Gründer hervorgeht. Das entspricht einem Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Es gibt verschiedene Formen der Crowdfinanzierung: Crowdfunding, Crowdlending und Crowdinvesting. Künstler und Musiker bedienen sich vor allem dem spenden- oder gegenleistungsbasierten Crowdfunding, um ihre Projekte zu realisieren. Dabei erhält die Crowd zwar eine symbolische Dankesgeste (beispielsweise eine CD oder ein Buchexemplar), aber keine finanzielle Gegenleistung für ihre Unterstützung.  

Gründer und Projektentwickler stützen sich dagegen auf Crowdinvesting und Crowdlending, um ihren Kapitalbedarf zu decken. Privatanleger investieren hier in der Erwartung einer Rendite. Für sie haben diese Anlageformen den Vorteil, dass sie auf die Schwarmintelligenz vieler Investoren setzen. Zudem sind Eintrittsbarrieren für Privatanleger gering, sodass sie schon mit wenig Kapital an wachsenden Märkten teilhaben können, die ihnen zuvor verschlossen waren.

 

Die Kreditvergabe ist ein solcher Markt, der zuvor das Kerngeschäft von Banken darstellte. Doch da die Geldinstitute diesen Bereich seit Einführung der Niedrigzinsen zunehmend vernachlässigen, hat die Crowd in diesem Segment eine Nische erschlossen – mit dem sogenannten Crowdlending. Beim Crowdlending vergeben Privatpersonen Kredite an andere Privatpersonen oder an Unternehmen über Kreditplattformen.

Bei der Kreditvergabe an Privatpersonen spricht man vom Peer-to-Peer-Lending, bei der Kreditvergabe an Unternehmen spricht man vom Peer-to-Business-Lending. Während Privatpersonen die Kredite vorwiegend für Weiterbildungen und privaten Konsum verwenden, leihen sich kleine und mittelständische Unternehmen Geld für die Ausweitung ihrer Produktionsanlagen oder die Entwicklung neuer Produkte.

Für sie stellt die Crowdfinanzierung eine Alternative zum Bankkredit dar, da sie flexibler ist und schneller abläuft. Außerdem ist diese Form der Kreditvergabe für Unternehmen mit geringerem Bürokratieaufwand verbunden als der klassische Bankkredit. Laut einem Branchenbericht von Für Gründer erhielten Selbstständige, Unternehmer und Gründer im Jahr 2016 rund 76,7 Millionen Euro über die Crowd – also etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die bekanntesten Kreditplattformen in Deutschland sind Auxmoney, Lendico und Funding Circle. Die Plattformen prüfen die Kreditanträge der privaten und betrieblichen Kreditnehmer. Sie teilen die Kreditanträge aufgrund der Bonität der Antragsteller in eine bestimmte Risikoklasse ein und ordnen ihnen einen Zinssatz zu. Anschließend legen sie eine Laufzeit fest und stellen das Angebot dann der Crowd vor. Wenn sich dann genügend Geldgeber finden, wird der Kredit bereitgestellt.

Die Mindestinvestmentsumme für Kleinanleger liegt je nach Anbieter zwischen 25 und 100 Euro. Die Laufzeiten der Darlehen liegen zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Kleinanleger profitieren hierbei über die Zinsen, die der Kreditnehmer für das Darlehen zahlen muss. Kreditnehmer zahlen je nach Plattform eine Vermittlungsgebühr zwischen 0,25 und 5 Prozent. Kreditgeber zahlen ebenfalls eine Servicegebühr von 1 Prozent auf alle Zins- und Tilgungszahlungen.

Die Zinsen auf die Kredite variieren dabei je nach Bonität des Kreditnehmers. Einige Plattformen haben dafür unterschiedliche Bonitätsklassen eingeführt, in die Kreditnehmer eingeteilt werden. Die Zinsen werden meistens monatlich, in einigen Fällen auch vierteljährlich getilgt und ausgezahlt. Das Finanzierungvolumen unterscheidet sich je nach Crowdlending-Plattform und reicht von 1.000 Euro bis zu 2,5 Millionen Euro.   

Crowdlending bietet Privatinvestoren gute Renditechancen, ist jedoch auch mit Risiken verbunden. Das Kernrisiko liegt darin, dass Kredite nicht fristgerecht getilgt werden oder sogar gänzlich ausfallen können. Wenn die Privatpersonen oder Unternehmen insolvent gehen, droht für Investoren der Totalausfall der Geldanlage. Bei manchen Plattformen können Sicherheiten hinterlegt werden, sodass immerhin ein Teilverlust abgedeckt ist.

Um das Risiko zu minimeren, sollten Kleinanleger ihr Vermögen nicht in ein einzelnes Crowdlending-Projekt stecken, sondern über mehrere Projekte verteilen. Zudem sollten Sie die Angebote genau prüfen. Wofür wird der Kredit verwendet? Ist eine fristgerechte Rückzahlung angesichts der Bonität des Kreditnehmers wahrscheinlich? Generell gilt: Je höher der angebotene Zinsatz, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits.

 

Beim Crowdinvesting investieren viele Anleger gemeinsam in ein Projekt. Das können Immobilien- oder Energie-Projekte sein  oder aber Investitionen in Startups und Wachstumsunternehmen. Sie erhalten im Gegenzug eine anteilige Beteiligung an Gewinnen oder eine Exit-Beteiligung, über die sie am Verkaufserlös eines Startups teilhaben.

Ein anderer Name für Crowdinvesting lautet Equity-based Crowdfunding (Zu Deutsch: Eigenkapital-basierte Crowdfinanzierung). Der Crowdinvesting-Markt legte im Jahr 2016 um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu und setzte insgesamt  rund 60 Millionen Euro um. Man unterscheidet hierbei zwischen Crowdfinanzierungen für Startups, Energie- oder Immobilien-Projekte.

 

Immobilien-Crowdinvesting

Beim Immobilien-Crowdinvesting schließen sich Privatanleger zu einer Crowd zusammen, um die Realisierung eines Bauvorhabens zu finanzieren. Privatanleger können schon mit geringen Beträgen an der Entwicklung des Immobiliensektors teilhaben, was zuvor nur mit hohem Kapitaleinsatz und über Immobilienfonds oder –aktien möglich war.    

Die Crowdinvestoren teilfinanzieren eine Bestandsimmobilie oder ein Immobilienprojekt über ein Darlehen. Sie erhalten im Gegenzug einen jährlichen Zinssatz zwischen 4,5 und 7,5 Prozent. Die Mindestinvestitionssummen liegen je nach Anbieter zwischen 100 und 1000 Euro. Die Laufzeiten der Darlehen betragen zwischen 18 und 36 Monaten. Bekannte Vertreter dieser Branche sind Exporo, Zinsland und Zinsbaustein.

Privatanleger beteiligen sich beim Immobilien-Crowdinvesting über Mezzanine-Kapital in Form nachrangiger Darlehen. Im Falle eines Scheiterns des Bauvorhabens werden also zuerst Großgläubiger wie Banken ausgezahlt. Um die Rechte der Crowdinvestoren hier zu stärken, haben einige Anbieter das Format weiterentwickelt. Sie lassen nachrangige Grundbucheinträge vornehmen und setzen Treuhänder ein, die die Interessen der Crowdinvestoren vertreten sollen.

Um das Risiko eines Immobilien-Crowdinvestings zu minimieren, sollten Privatanleger niemals ihr gesamtes Vermögen in ein Immobilienpojekt stecken, sondern ihr Risiko möglichst breit streuen. Außerdem sollten sie nach Angeboten mit einem möglichst späten Projekteinstieg Ausschau halten, wenn Kosten- und Genehmigungsrisiken bereits ausgeräumt sind. Die Selbstverpflichtung des Bauträgers kann ebenfalls ein positiver Faktor sein. Wenn er selbst in das Projekt investiert hat, zeigt das, dass er an den Erfolg des Bauvorhabens glaubt.

Der Markt für Immobilien-Crowdinvesting ist im Jahr 2016 stark gewachsen, wie aus einer Marktumfrage des Informationsportals crowdfunding.de hervorgeht. Das gesamte Finanzierungsvolumen belief sich auf 63,8 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Crowdinvesting-Plattformen, die auf Immobilien-Projekte spezialisiert sind, haben im vergangenen Jahr 40,3 Millionen Euro umgesetzt. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 

Energie-Crowdinvesting

Mit Crowdinvesting können Kleinanleger auch in Energieprojekte investieren und dabei auch noch die Energiewende vorantreiben. Die Crowd kann sowohl in Energieeffizienzprojekte als auch in nachhaltige Energieerzeugung investieren. Energieeffizienzprojekte haben den Sinn, Kosten und Energie einzusparen.

Die Projekte zur nachhaltigen Energieerzeugung bedienen sich zur Strom- und Wärmeproduktion vor allem regenerativer Energiequellen wie Wind, Sonne und Biogas und werben mit der Einsparung von Treibhausgasen wie CO2. Zu den größten Anbietern von Energie-Investments zählen bettervest, econeers und LeihDeinerUmweltGeld.

Kleinanleger, die sich an Energieprojekten beteiligen wollen, investieren über Nachrangdarlehen in den Bau von Photovoltaikanlagen, Biomasseheizwerken oder Windkraftanlagen. Sie erzielen im Gegenzug eine jährliche Rendite über einen festen Zinssatz zwischen 4 und 8 Prozent. Auch hierbei handelt es sich um Wagniskapital, das mit entsprechenden Risiken verbunden ist. Ein Kernrisiko bei Energie-Investments ist, dass die Anlage eine schlechte Performance aufweist und nicht wirtschaftlich arbeitet.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass staatliche Subventionen für regenerative Energien wegfallen können, wie Solarpanel-Anleger in Spanien und Italien in den letzten Jahren schmerzlich erfahren mussten. Auch in Deutschland könnte die sogenannte EEG-Umlage dann zum Problem für Investoren werden,  wenn etwa der EEG-Schuldner – also Netzbetreiber, Energieversorger oder Direktvermittler – der die EEG-Umlage ausschüttet, Insolvenz anmelden muss.    

Um das Risiko zu senken, sollten Kleinanleger die Angebote genau unterscheiden. Es gibt sowohl Projekte zur Errichtung neuer Energieanlagen als auch Projekte zur Erweiterung bestehender Anlagen. Im zweiten Fall ist das Ausfallrisiko geringer, da die Anlagen ihre Funktionalität und Wirtschaftlichkeit bereits unter Beweis gestellt haben. Zudem gilt für Anleger – wie immer bei Wagniskapital – nicht ihre gesamten Ersparnisse in Energieprojekte zu investieren und die investierten Beträge nach Möglichkeit auf unterschiedliche Projekte zu verteilen.  

 

Startup-Crowdinvesting

Junge Unternehmen stehen in der ersten Zeit nach ihrer Gründung häufig vor dem Problem, dass sie nicht ausreichend Kapital für ein schnelles Wachstum aufbringen können. Während das Kapital bei Startups für die Umsetzung der Geschäftsidee nötig ist, benötigen kleine und mittelständische Wachstumsunternehmen das Geld, um eine neue Produktpalette aufzulegen, ihre Produktionsanlagen auszubauen oder eine Expansion ins Ausland zu finanzieren.

Um diese sogenannte Wagniskapitallücke zu überbrücken, wenden sich die Unternehmen zunehmend an die Crowd – und das mit Erfolg. Insgesamt wurden so laut dem Informationsportal crowdinvest.de über 70 Millionen Euro über die Crowd bereitgestellt. Mit rund 73 Prozent ist der Großteil dieses Kapitals nach wie vor aktiv. Im Jahr 2016 lag das Finanzierungsvolumen für Startups und Wachstumsunternehmen bei rund 18,8 Millionen Euro und konnte damit maßgeblich dazu beitragen, innovative Geschäftsideen mit Kapital zu versorgen.

Auf Companisto finden Investoren verschiedene Investitionsmöglichkeiten, um sich an Startups oder Wachstumsunternehmen zu beteiligen. Während einer Kampagne können sich die Crowdinvestoren mit anderen Investoren und den Gründern austauschen. Die Investmentschwelle jeder Kampagne – also das minimale Finanzierungsziel – liegt bei mindestens 100.000 Euro. Wenn dieses Finanzierungsziel nicht erreicht wird, kommt keine Finanzierung zustande und alle Anleger erhalten ihr Geld zurück.

Darüber hinaus definiert das Startup selbst ein Finanzierungsziel und gibt an, wie es die eingeworbenen Mittel verwenden will. Investoren, die ihr Geld in einem Startup oder Wachstumsunternehmen anlegen, können auf unterschiedlichen Wegen Renditen erzielen. Bei Investitionen in Wachstumsunternehmen sind die Darlehen mit einem jährlichen Festzins in Höhe von 8 Prozent ausgestattet. Die Auszahlung erfolgt halbjährlich. Die Laufzeiten der Darlehen liegen zwischen drei und vier Jahren.

Investitionen in Startups sind dagegen mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren langfristige Investments. Zwar verfügen auch diese Darlehen über einen jährlichen Festzins von 1 Prozent, doch Investoren profitieren hierbei über eine Gewinn- und Exitbeteiligung. Wenn das Startup Gewinne erwirtschaftet oder verkauft wird, werden die Investoren anteilig daran beteiligt.  

Crowdinvesting in junge Unternehmen ist eine Form des Wagniskapitals. Startups entwickeln innovative Geschäftsideen, die sich jedoch erst am Markt durchsetzen müssen. Investoren sollten also niemals ihr gesamtes Vermögen in Startups anlegen. Außerdem sollten sie ihre Investments auf mehrere Startup-Investments verteilen, um das Risiko zu streuen. Somit erhöhen sie die Chance, dass ein erfolgreiches Startup einen möglichen Verlust anderer überkompensiert. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Akademie-Beitrag „Diversifiaktion und Portfolio-Theorie“.


 


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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