Venture Capital in Deutschland

Fortgeschrittene

Warum Wagniskapital wichtig für die Wirtschaft ist

Von André Jasch
15 Minuten Lesezeit

Venture Capital ermöglicht Innovationen. Mit Wagniskapital-Investitionen in junge Unternehmen werden neue Produkte und Dienstleistungen realisiert und Arbeitsplätze geschaffen. Es ermöglicht somit nicht nur die technologische Weiterentwicklung einer Volkswirtschaft, sondern sorgt auch für Wirtschaftswachstum. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Venture Capital? Und wie sieht die Lage in Deutschland aus?  

 

Venture Capital (zu Deutsch: Risiko- oder Wagniskapital) gehört zum Bereich des außerbörslichen Beteiligungskapitals – auch Private Equity genannt. Venture Capital ist Kapital, das eine Privatperson oder eine Venture-Capital-Gesellschaft einem Unternehmen zur Verfügung stellt. Bei diesen Unternehmen handelt es sich meistens um junge Technologieunternehmen – sogenannte Startups – die nicht an der Börse gehandelt werden. Aufgrund der Unvorhersagbarkeit der Entwicklung dieser Startups gilt dieses Investment als riskant. 

Der Venture-Capital-Geber (VC) stellt dem Unternehmen sein Kapital entweder in Form einer Eigenkapitalbeteiligung oder eigenkapitalsähnlichen Beteiligungsformen wie Mezzanine-Kapital oder Wandelanleihen zur Verfügung. VC-Kapitalgeber gehen mit der Unterstützung junger Unternehmen ein hohes Risiko ein, für das sie eine entsprechend hohe Rendite erwarten.

Diese Rendite erzielen sie meistens bei einem Verkauf – auch Exit genannt – oder späteren Börsengang des Unternehmens. Neben Finanzmitteln stellen VCs dem Unternehmensgründer häufig auch Managementunterstützung, Know-How und Zugriff auf ihr Netzwerk zur Verfügung. Als Anteilsinhaber haben VCs in der Regel außerdem Mitbestimmungsrechte bei wichtigen Entscheidungen des Managements.

Auch Investitionen in Startups oder Wachstumsunternehmen im Rahmen von Crowdinvesting gehören zum Venture-Capital-Bereich. Dieser gliedert sich nochmal nach den vier Phasen der Unternehmensentwicklung auf:

Seed-Phase: Geschäftsidee und Produkt entwickeln

Die erste Finanzierungsrunde eines Startups wird gemeinhin als Seed-Finanzierung bezeichnet. Die Seed-Finanzierung stellt das Anschubkapital für eine Geschäftsidee bereit. In der Regel liegt in der Seed-Phase noch kein marktreifes Produkt vor und der kommerzielle Erfolg ist nur schwer einschätzbar. Das Produkt muss erst entwickelt werden und Businessplan sowie Finanzplan müssen erst noch erarbeitet werden.

Seed-Finanzierungen werden entweder durch die Gründer selbst geleistet (eigene Ersparnisse, Freunde und Familie) oder über Investoren (Business Angels, Venture-Kapitalgeber oder Crowdinvestoren). Für das hohe Risiko, das Investoren in dieser frühen Phase eingehen, wollen sie auch mit einer hohen Beteiligungsquote – also einem günstigen Einstiegspreis – belohnt werden. Das Finanzierungsvolumen liegt im mittleren fünfstelligen bis mittleren sechsstelligen Bereich.

Early-Phase: Gründung und Markteintritt

Da Technologieunternehmen in der Regel in den ersten Jahren nach ihrer Gründung keine Gewinne erwirtschaften, sind weitere Finanzierungsrunden für ein kontinuierliches Wachstum nötig. Diese ersten Anschlussfinanzierungen erfolgen in der sogenannten Early-Stage-Phase (auch Startup-Phase). Das Finanzierungsvolumen liegt hier im niedrigen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Bereich und wird durch VCs, Business Angels und Crowdinvestoren bereitgestellt.

Die Early-Phase setzt ein, nachdem das Unternehmen gegründet wurde und erstes Wachstumspotenzial erkennbar ist. Das Risiko für VCs ist bereits niedriger als in der Seed-Phase, da das Produkt seine Funkionalität meist schon unter Beweis gestellt hat. Typischerweise liegen Finanzierungen (Serie A) hierbei zwischen 400.000 Euro und 2 Millionen Euro, Anschlussfinanzierungen in der Early-Phase dann zwischen 2 bis 15 Millionen Euro. Das eingesammelte Kapital wird im Finanzplan vorwiegend für die Weiterentwicklung des Produkts, den Aufbau der Produktion und des Vertrieb sowie die Ausweitung des Kundenstamms verwendet.

Expansions-Phase: Wachstum und Skalierung

Die Expansions-Phase beginnt nachdem das Startup die Gewinnschwelle erreicht hat. In der Expansion-Phase dreht sich alles um weiteres Wachstum des Unternehmens. Ab jetzt liegt der Fokus darauf, das Unternehmen und den Businessplan auf die nächste Ebene jenseits der ersten Entwicklungsstufe zu heben. In einer ersten Finanzierung (Serie B) werden dafür im Schnitt noch einmal zwischen 5 und 10 Millionen Euro eingesammelt. Diese Mittel dienen im Finanzplan meist dem Ausbau des Teams, vor allem der Bereiche Business Development, Vertrieb, Marketing und IT.

In einer zweiten Finanzierungsrunde (Serie C) investieren VC-Kapitalgeber noch einmal Finanzmittel in das Startup, um es am Markt zu etablieren. Die teilnehmenden VCs sind häufig dieselben, die schon in der Early-Phase in das Startup investiert haben. In dieser Finanzierungsrunde werden zwischen ein- und dreistelligen Millionenbeträgen eingesammelt. Das eingesammelte Kapital fließt in die Perfektionierung des Produkts und die weitere Skalierung des Geschäftsmodells.

Later-Phase: Verkauf oder Börsengang

In der Later-Phase (auch Buyout-Phase genannt) ist das Produkt bereits sehr weit entwickelt und der Markt mitunter schon gesättigt. Es gilt nun, Kapital für eine Erweiterung der Produktpalette, eine Ausweitung der Produktionskapazitäten und die Erschließung neuer Märkte zu gewinnen.

In dieser späten Phase werden außerdem Nachfolgelösungen im Management vorbereitet, die eventuell Überbrückungsfinanzierungen für den Ausstieg eines Gründungsgesellschafters im Finanzplan vorsehen. Auch der Verkauf an einen Wettbewerber (auch Exit genannt) oder ein Börsengang werden nun wahrscheinlicher. Ebenso denkbar ist, dass das Wachstumsunternehmebn selbst einen Wettbewerber übernehmen will, und dafür Kapital benötigt.

Da das Beteiligungskapital in der Seed- und Early-Phase bereits zu einem großen Teil aufgeteilt wurde und das Risiko im Vergleich zu diesen Phasen deutlich gesunken ist, müssen neue VCs einen höheren Einstiegspreis zahlen. Im Gegenzug erhalten sie einen genaueren Überblick darüber, welche Beteiligungsgesellschaft mit an Bord ist und wieviel Beteiligungskapital noch zu erwerben ist. Sie entscheiden anhand dieser Faktoren, ob sich eine Eigenkapitalbeteiligung noch lohnt oder nicht.

VC-Kapitalgeber hoffen in der Later-Phase noch einmal auf zweistellige Renditen, falls es später zu einem Börsengang kommt. Denn sobald die Firma an die Börse geht und die breite Öffentlichkeit Anteile erwerben kann, sinken die Renditechancen stark. Technologieunternehmen gehen heute deutlich später an die Börse, als dies noch in den 80er und 90er Jahren der Fall war. Der Wertzuwachs der Beteiligungen ist damit nach einem Börsengang deutlich geringer als in der Vergangenheit.

 

Wagniskapital fördert Innovation und Unternehmertum (Englisch: Entrepreneurship). Ohne Entrepreneurship, das immer wieder innovative Geschäftsmodelle hervorbringt, bleibt eine Volkswirtschaft auf Dauer nicht wettbewerbsfähig. Jede Wirtschaft muss sich immer wieder neu erfinden, sobald alte Geschäftsmodelle überholt sind. Wenn jedoch nicht genügend Kapital für neue Geschäftsmodelle bereitgestellt wird, ziehen andere Volkswirtschaften im Innovationswettkampf vorbei. Sie besetzen dann die Schlüsselmärkte der Zukunft.

Startups greifen neue Technologien häufig als erstes auf und entwickeln daraus marktreife Produkte. Sie haben jedoch oft Probleme bei der Finanzierung ihrer Geschäftsideen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Wagniskapitallücke. Damit ist das Finanzierungsproblem gemeint, mit dem sich viele Gründer in der Frühphase ihrer Geschäftsidee konfrontiert sehen. Da ein junges Unternehmen in der Regel erst nach einigen Jahren Gewinne erwirtschaftet, muss diese Phase mit Risikokapital überbrückt werden. 

Klassische Kapitalgeber wie Banken, Kredit- und Förderinstitute investieren nicht in unerprobte Geschäftsmodelle. Sie wollen in der Regel Sicherheiten sehen, die ein Gründer nicht bieten kann. Hier greift die Venture-Capital-Branche. Sie besteht aus Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften, staatlichen und privaten Investmentfonds sowie Crowdinvestoren. Nur wenn eine Volkswirtschaft, die eine lebhafte Venture-Capital-Landschaft aufweisen kann, kann Unternehmensgründer mit ausreichend Kapital für ihre Geschäftsideen versorgen.

Das wiederum stärkt den Wirtschaftsstandort und schafft dauerhaft neue Arbeitsplätze. Auch Firmen wie Google, Facebook, Amazon oder Tesla wären ohne Risikokapital niemals entstanden. Es braucht mutige Investoren, die bereit sind, in einer frühen Phase zu investieren - mit der Aussicht, zu einem späteren Zeitpunkt hohe Rendite zu erzielen. Heute kennt jeder diese Unternehmen, die die neu erschlossenenen Geschäftsfelder als Pioniere nun dominieren. Leider stammt keines dieser Unternehmen aus Deutschland.

 

Investitionen in Risikokapital werden bisher in keiner amtlichen Statistik erfasst, da es sich bei den Marktteilnehmern (Business Angels, Venture Capital-Gesellschaften, Crowdinvestoren) nicht um institutionelle Investoren handelt. Über den Umfang des Venture Capital Bereichs kann jedoch der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) Auskunft geben, der regelmäßige Befragungen von Venture-Capital-Gebern durchführt und Statistiken erhebt.

In Deutschland gibt es noch immer einen Mangel an Wagniskapital. Von einem geschätzten Gesamtvermögen der Deutschen in Höhe von 7 Billionen Euro, fließen nur etwa 80 Milliarden Euro in alternative Investments, zu denen auch Venture-Capital-Investitionen zählen. In Deutschland wurden im letzten Jahr nur noch 1,9 Milliarden Euro in Startups investiert. Im Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden Euro, wie der BVK berichtet.

Der „Deutsche Startup Monitor 2016 (DSM)“, herausgeben von den Wirtschaftsprüfern von KPMG, zeichnet ein ähnliches Bild. Der DSM 2016 war eine repräsentative Befragung unter 1.224 Startups und 3.043 Gründern. Die DSM-Startups sammelten im Jahr 2016 zwar rund 1,1 Milliarden Euro externes Kapital ein, hatten jedoch auch einen Kapitalbedarf in den kommenden zwölf Monaten von nochmals 1,3 Milliarden Euro. Rund 84 Prozent der DSM-Startups finanzierten sich aus Ersparnissen und etwa ein Drittel (30 Prozent) nutze als Kapitalquelle Freunde und Familie.

Dagegen ist der Anteil der Finanzierungen durch Business Angels (22,6 Prozent), Venture Capital (18,8) sowie Inkubatoren/Company Builders/Acceleratoren (8,3) jeweils leicht zurückgegangen. Der Mangel an Wagniskapital hat eine Bresche hinterlassen, in die der Staat gesprungen ist. Der Anteil an Startups, die staatliche Fördermittel in Anspruch nahmen, stieg von 29,4 auf 35,5 Prozent und war somit für die zweithäufigste Finanzierungsquelle.

 

 

Die meisten Venture-Capital-Investitionen aller Bundesländer zieht Berlin an. Rund 412 Millionen Euro wurden im Jahr 2016 laut Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) in Berliner Startups investiert. Im Jahr 2015 waren es noch 372 Millionen Euro Risikokapital, die nach Berlin flossen. Das entspricht einer Steigerung von knapp 11 Prozent. Mit 236 Millionen Euro flossen nur knapp die Hälfte der Venture Capital Investitionen von Berlin nach Bayern – vor allem angetrieben durch den Startup-Standort München. Im Vorjahr sicherte sich Bayern noch Risikokapital in Höhe von etwa 198 Millionen Euro. Demnach stieg der Kapitalzufluss von 2015 auf 2016 um rund 19 Prozent an.  

Ebenfalls stark zulegen konnte Hamburg. Die Hansestadt kam im Jahr 2015 noch auf rund 19 Millionen Euro VC-Investitionen. Im Folgejahr waren es dann laut BVK schon über 70 Millionen Euro – eine Steigerung von 268 Prozent. Darunter litten jedoch andere Bundesländer. In Nordrhein-Westfalen etwa wurden 2015 noch rund 87 Millionen Euro durch VCs investiert. 2016 waren es nur noch 49 Millionen Euro  ein Einbruch um fast 44 Prozent. Nach Baden-Württemberg flossen 2015 noch etwa 39 Millionen Euro Wagniskapital und im Folgejahr nur noch 35,7 Millionen Euro – ein Rückgang um mehr als 8 Prozent.

Berlin zieht das meiste Risikokapital an, weil hier auch die meisten Startups ansässig sind. So berichtet der „DSM 2016“, eine repräsentative Befragung unter 1.224 Startups, davon, dass rund 17 Prozent aller Startups aus Berlin stammten. Im Jahr 2015 kam sogar noch jedes dritte Startup (31 Prozent) aus der Bundeshauptstadt. Es folgt die Metropolregion Rhein-Ruhr, in der 2016 etwa 14 Prozent aller Startups beheimatet waren. Danach kamen Stuttgart/ Karlsruhe (8,9 Prozent), München (7), Hannover (6,9) und Hamburg (6,4).  

Von den Berliner Startups konnten sich laut „DSM 2016“ rund 31 Prozent Venture Capital sichern. Damit belegt Berlin mit Abstand den Spitzenplatz. Die Venture Capital Branche in München entwickelt sich ebenfalls robust. Die bayerische Landeshauptstadt konnte den Anteil der Startups, die durch Wagniskapital finanziert wurden, um 4 Prozentpunkte auf rund 24 Prozent steigern.

Auch Hamburg verzeichnete eine Aufwärtstrend um plus zehn Prozentpunkte auf rund 23 Prozent.In der Metropolregion Rhein-Ruhr ging die Zahl der durch VCs finanzierten Startups dagegen leicht zurück, von 17,4 auf 14,4 Prozent. Bundesweit konnten nur rund 19 Prozent der DSM-Startups auf Risikokapital als Finanzierungsquelle zurückgreifen – ein Rückgang von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Verteilung des Wagniskapitals nach Bundesländern deckt sich mit der Verteilung der VCs in Deutschland. Dem BVK sind 163 VC-Gesellschaften mit Sitz in Deutschland bekannt. Davon belegt Berlin den Spitzenplatz mit 40 VCs, dicht gefolgt von München (34), Hamburg (13), Düsseldorf (7), Köln (6), Frankfrut a.M. (5) und Stuttgart (4) und Potsdam (2).

 

Neben der klassischen Wagniskapitallücke, mit der sich Gründer in der Anfangszeit konfrontiert sehen, gibt es noch in Deutschland eine große Investitionslücke in den Later-Stage-Phasen. Diese Kapitallücke eröffnet sich jungen Unternehmen erst in einer späteren Phase, häufig in der Serie-C-, Serie-D- oder Serie-E-Anschlussfinanzierung. Das Unternehmen hat zu diesem Zeitpunkt bereits Anschlussfinanzierungen erhalten und ist nun auf der Suche nach weiterem Kapital.

Die Deutsche Börse hat diese Investitionslücke genau beziffert. Demnach wird es ab 50 Millionen Euro für Startups sehr schwierig, eine Anschlussfinanzierung in Deutschland zu finden. Das liegt vor allem daran, dass die VC-Landschaft in Deutschland noch nicht so ausgeprägt ist wie in den USA und Großbritannien. Es gibt hierzulande keine Gründerfonds mit einer Kapitalausstattung über einer Milliarde Euro. Der größte Fonds ist derzeit Holtzbrink Ventures mit nach eigenen Angaben 735 Millionen Euro unter seiner Verwaltung. Holzbrinck Ventures investiert allerdings nur in Seed- oder Early Stage-Phasen. Damit bleibt kein einziger Investor, der eine Summe über 50 Millionen Euro in ein Startup investieren könnte. 

Dass es in Deutschland eine VC-Angebotslücke gibt, belegt auch das Kreditinstitut für Wiederaufbau (KfW). Einer aktuellen Erhebung zufolge wenden sich deutsche Wachstumsunternehmen, die eine Anschlussfinanzierung im zweistelligen Millionenbereich benötigen, häufig an ausländische Venture-Kapitalgeber. Die US-amerikanische VC-Gesellschaft Sequoia Capital hat beispielsweise rund 4,2 Milliarden Dollar unter ihrer Verwaltung und kann daher auch Anschlussfinanzierungen von bis zu 100 Millionen Dollar stemmen. Sequoia Capital hat unter anderem in Apple, Yahoo und Google investiert, bevor sie an die Börse gingen.

Ausländische VCs nutzen die Chance, um zu günstigen Konditionen in einen Markt einzusteigen, der eine ähnliche Qualität an Geschäftsideen und eine hohe Rechtssicherheit bietet. Im letzten Jahr haben diese VCs ihren Einsatz in Deutschland nahezu verdoppelt, während die Investitionen inländischer VCs stagnieren. „Deutsches Wagniskapital bleibt trotz der Niedrigzinsphase Mangelware“, beklagt auch Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF) gegenüber der Frankfurter Allgemeinen.

Der HTGF ist ein überwiegend staatlich finanzierter Fonds mit Branchenfokus auf Software- und Technologieunternehmen. Der Fonds investiert seit 2005 in junge Unternehmensgründer und innovative Ideen. Das Beteiligungskapital stammt dabei überwiegend aus dem Bundeshaushalt und von der Förderbank KfW. Seit seiner Gründung hat der HTGF in 460 Startups investiert, von denen 130 den Durchbruch am Markt nicht geschafft haben, wie die Frankfurter Allgemeine berichtet.  

Bei vielen anderen Technologieunternehmen hat sich die Investition des HTGF dagegen bezahlt gemacht. So wurden 70 Startups mittlerweile an eine andere Beteiligungsgesellschaft weiterverkauft. Der gesamten Investitionssumme des HTGF von rund 248 Millionen Euro stehen somit Rückflüsse in Höhe von etwa 84 Millionen Euro gegenüber.

Kürzlich gab der Fonds bekannt, sein Investmentlimit zu erhöhen. Demnach sollen nun bis zu 3 Millionen Euro in Startups fließen können. Bisher stellte der VC nur 600.000 Euro in der Seed-Finanzierung und nochmal bis zu 1,4 Millionen Euro in der Anschlussfinanzierung zur Verfügung. Durch die Erhöhung des Investitionslimits soll der Branchenfokus auf die Bereiche Chemie, Umwelttechnik und Maschinenbau erweitert werden.

 

Im Jahr 2016 sind die VC-Investitionen weltweit zurückgegangen. Dies geht aus der Marktanalyse „Venture Pulse 2016“ hervor, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erstellt wird. Demnach sank das Venture Capital-Volumen auf insgesamt 127 Milliarden Dollar, also 14 Milliarden Dollar weniger als 2015.

Die weltweite Zahl der Venture-Capital-Deals ist ebenfalls rückläufig. Im Jahr 2016 fiel die Zahl von 17.992 auf 13.665. Besonders deutlich schrumpfte dabei der Anteil der Erstfinanzierungen von 18 auf 13 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 27 Prozent entspricht. In Europa ging die Gesamtzahl der Deals um fast ein Drittel zurück, von  4.378 (2015) auf 3.142 (2016). In Deutschland war der Rückgang mit 15 Prozent (von 407 Deals in 2015 auf 345 Deals in 2016) noch vergleichsweise glimpflich.  

Um Einblick die europäische Venture Capital-Branche zu erhalten, hilft ein Blick auf Statistiken des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) sowie der European Venture Capital and Private Equity Association (EVCA). Laut einer Statistik des BVK wurde 2014 in Deutschland Wagnsikapital in Höhe von 671,3 Millionen Euro investiert.

Das entspricht etwa 0,02 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zieht man die Länder zum Vergleich heran, mit denen Deutschland im direkten Innovationswettbewerb steht, wird der große Rückstand offensichtlich. Deutschland liegt weit abgeschlagen hinter Israel (0,39% des BIP), USA (0,17%), Schweden (0,066%), Großbritannien (0,038%) und Frankreich (0,029%).

 

 

Auch in Europa hinkt Deutschland der Konkurrenz weit hinterher, wie aus den Statistiken von BVK und EVCA hervorgeht. Deutschland liegt hier nicht nur hinter dem europäischen Durchschnitt (0,024% des BIP), sondern auch hinter zwölf anderen Nationen. Schweden belegt den Spitzenplatz bei VC-Investitionen (0,066%), gefolgt von Finnland (0,060%), Irland (0,049%), Großbritannien (0,038%) und der Schweiz (0,031%).

Im europäischen Städtevergleich hat London trotz des Brexit weiter die Nase vorn, wie aus der KPMG-Erhebnung hervorgeht. Dort wurden im Jahr 2016 3,1 Milliarden Euro in die Startup-Szene investiert. Auf dem zweiten Rang landete Paris mit 1,1 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen, dich gefolgt von Berlin mit 1 Milliarde Euro.


 


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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