Passiv investieren mit Indexfonds

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Wie funktioniert ein Indexfonds (ETF)?

Von André Jasch
10 Minuten Lesezeit

Die Zinsen liegen seit Jahren auf Rekordtief und Immobilien sind unerschwinglich. Warum sein Geld also nicht an der Börse anlegen? Immer mehr Anleger investieren passiv, in dem sie ihr Kapital in Indexfonds anlegen. Doch was genau sind Indexfonds und wie funktionieren sie?

Börsengehandelte Indexfonds sind auch unter der englischen Bezeichnung Exchange Traded Funds (ETF) bekannt. Im Gegensatz zu einem aktiv gemanagten Fonds, bei dem ein Fondsmanager durch wohl überlegte Investmententscheidungen versucht, den Index zu schlagen, bilden Indexfonds die bekanntesten Aktienindizes einfach ab. Sie setzen also auf die Marktentwicklung als Ganzes. So gibt es etwa einen Indexfonds, der den US-Börsenindex S&P 500 nachzeichnet und auch einen, der die Entwicklung der den Weltaktienindex MSCI World abbildet.

 

Investoren profitieren so direkt von der Wertentwicklung der jeweiligen Indizes. Besonders für Anleger, die nicht die Zeit oder Expertise haben, sich intensiv mit einzelnen Unternehmenswerten auseinander zu setzen, sind Indexfonds eine gute Wahl. Der entscheidende Vorteil der Indexfonds liegt in ihren vergleichsweise niedrigen Kosten, denn aktiv gemanagte Fonds müssen noch die Gehälter von Analysten und Fondsmanagern zahlen. Diese Kosten fallen auf die Anleger in Form von Gebühren zurück. Hedgefonds verlangen in der Regel eine Verwaltungsgebühr von zwei Prozent. Hinzu kommt noch einmal eine erfolgsabhängige Provision von bis zu 20 Prozent auf erzielte Gewinne. Durch all diese Faktoren schmälert sich die Rendite der Anleger.

„Ich schätze, dass über den Zeitraum von neun Jahren ungefähr 60 Prozent aller von den fünf Dachfonds erzielten Gewinne in die zwei Management-Ebenen umgeleitet wurden“, schrieb etwa Investorenlegende Warren Buffett an die Aktionäre seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway. Die Anleger nehmen die finanzielle Belastung solange hin, wie die Performance der Fonds stimmt. Doch langfristig gesehen gelingt es immer weniger Fondsmanagern, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Die Folge sind seit Jahren Mittelabflüsse aus diesen Fonds hin zu passiven Indexfonds.

Demgegenüber steht etwa der Indexfonds Vanguard S&P 500 ETF (WKN:A1H59U), der den US-Börsenindex S&P 500 abbildet. Er wird genau wie eine Aktie an der Börse gehandelt, was es für Privatanleger extrem einfach macht, darin zu investieren. Dieser Indexfonds weist eine rekordverdächtig niedrige Kostenquote von 0,05 Prozent auf. Das bedeutet, dass nur bei einer Investmentsumme von 10.000 Euro, nur fünf Euro an Gebühren für den Anleger anfallen und der Großteil des Gewinns zu ihm zurückfließt, anstatt in die Taschen von Fondsmanagern und Analysten. 

Grundsätzlich werden zwei Arten von börsengehandelten ETFs unterschieden: thesaurierende und ausschüttende ETFs. Thesaurierende ETFs legen erwirtschaftete Erträge aus Dividenden wieder an, während ausschüttende ETFs die Erträge aus Dividenden an die Anleger auszahlen. Wiederanlegende ETFs sind für Anleger interessant, die mittelfristig Vermögen aufbauen möchten. Ausschüttende ETFs sind dagegen vorteilhaft für Anleger, die regelmäßige Rückflüsse aus ihrer Vermögensanlage erwarten.  

Außerdem können Anleger auswählen, ob der ETF die im Index befindlichen Aktien direkt kauft (physischer ETF) oder sich die Wertentwicklung per Tauschgeschäft von einer Bank zusichern lässt (synthetischer ETF). Der größte Anbieter von börsengehandelten Indexfonds ist der Vermögensverwalter BlackRock. Das US-amerikanische Unternehmen kaufte im Jahr 2009 der Investmentbank Barclays ihre ETF-Sparte namens iShares für 13,5 Milliarden Dollar ab und stieg damit zum Marktführer auf.

Das Verbraucherportal Finanztip hat sieben verschiedene ETFs, die den Weltaktienindex MSCI World abbilden, auf Kostenstruktur und Perfomance untersucht. Das Ergebnis: Alle sieben unterscheiden sich in Kosten und Wertentwicklung nur geringfügig. Die finale Auswahl hängt von den Präferenzen des Anlegers ab: Soll Vermögen aufgebaut werden oder sollen jährliche Rückflüsse aus Dividenden erzielt werden? In jedem Fall bilden ETFs auf den MSCI World ein solides Fundament für ein ausgeglichenes Anlageportfolio.

 

Auch Investoren-Legende Warren Buffett ist der Ansicht, dass Indexfonds der richtige Weg für Privatanleger sind, um von der Wertentwicklung der Börse zu profitieren. Buffett, der selbst durch die geschickte Auswahl von einzelnen Aktien zum Milliardär wurde, sieht in Indexfonds jedoch nicht nur eine Anlageklasse für Privatanleger, sondern auch für institutionelle Investoren wie Pensionsfonds. Aktiv gemanagten Fonds – allen voran Hedgefonds – wirft er vor, zu hohe Gebühren bei zu geringer Leistung zu verlangen.

„Wenn Billionen von Dollar von Wall-Street-Managern verwaltet werden, die hohe Gebühren verlangen, werden es in der Regel die Vermögensverwalter sein, die enorme Gewinne machen, und nicht die Kunden“, schrieb der Starinvestor aus Omaha in seinem jüngsten Brief an die Aktionäre seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway.

Um seine Position zu unterstreichen, ging Buffett vor neun Jahren eine Wette mit der Hedgefonds-Gesellschaft Protégé Partners ein. Er wettete, dass der Indexfonds Vanguard S&P 500, der den gleichnamigen Index abbildet, eine beliebige Auswahl von fünf sogenannten Dachfonds über einen Zeitraum von zehn Jahren schlagen würde. Der Erlös der Wette soll in jedem Fall einer Wohltätigkeitsorganisation zufallen.

Die fünf Dachfonds investierten nicht direkt in Aktien, sondern ihrerseits in 100 verschiedene Hedgefonds und streuten das Risiko damit extrem breit. Hedgefonds wiederum rühmen sich, in jeder Marktlage durch geschickte Auswahl der Einzelwerte eine Rendite für ihre Investoren zu erzielen. Doch nach neun Jahren liegt der Indexfonds bereits uneinholbar vorne. Er erzielte jedes Jahr durchschnittlich 7,1 Prozent Rendite, während die aktiv gemanagten Fonds nur durchschnittlich 2,2 Prozent pro Jahr verbuchen konnten.

 

Damit bestätigt sich, was bereits verschiedene Analysen und Studien zu dem Thema gezeigt haben: Fondsmanager schlagen den Index auf lange Sicht gesehen nur in den seltensten Fällen und rechtfertigen damit die hohen Gebühren. Diese Einsicht setzt sich auch zunehmend bei Privatanlegern durch. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres flossen etwa 124 Milliarden Dollar in die Anlageklasse der börsengehandelten Indexfonds, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Daten des Vermögensverwalters BlackRock. Das ist der stärkste Jahresstart, den das ETF-Segment jemals verzeichnet hat.

Sind die aktiv gemanagten Fonds also vom Aussterben bedroht? Noch haben sie den Kampf nicht aufgegeben und dieses Jahr könnte tatsächlich die große Ausnahme werden, denn zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 scheinen aktiv gemanagte Fonds die passive Konkurrenz zu schlagen. Wie die Frankfurter Allgemeine unter Berufung auf einen Branchenreport berichtet, hat die Hälfte der aktiv gemanagten Fonds, die auf Aktien großer Firmen spezialisiert sind, den Vergleichsindex S&P 500 in den ersten fünf Monaten des Jahres geschlagen. Es ist das beste Ergebnis seit März 2009, als eine bis heute andauernde Hausse begann, in der jedes Jahr passive Aktienfonds die Nase vorne hatten.

Die Investmentbank Goldman Sachs warnt jedoch vor zu viel Euphorie bei Fondsmanagern. Das gute Zwischenergebnis könnte viel eher einem Herdentrieb als gutem Spürsinn zu verdanken sein, denn die gute Performance der aktiv gemanagten Fonds gründet vor allem auf einem Aktientyp: Technologiewerten. Sie seien der Treiber der guten Wertentwicklung der Fonds gewesen, weil sie überdurchschnittlich in ihren Portfolios vertreten sind.

Insgesamt machen Tech-Werte etwa 23 Prozent des S&P 500 aus, gefolgt von Finanz- und Gesundheitswerten mit jeweils 14 Prozent. Die Performance der aktiv gemanagten Fonds hängt also zugleich stark davon ab, dass sich die Tech-Werte weiter so gut entwickeln wie bisher – und da ist Zweifel durchaus angebracht, wenn man die aktuelle Talfahrt der Aktien von Facebook, Amazon und Alphabet betrachtet. So könnte es im direkten Duell zwischen Aktiv- und Passivfonds am Ende des Jahres Letztere doch wieder die Nase vorn haben.

 

John Bogle, Gründer der Investmentgesellschaft The Vanguard Group, legte im Jahr 1975 den ersten Indexfonds auf und verhalf der Anlageklasse später zum Durchbruch. Noch heute ist Vanguard eine der bekanntesten Investmentfirmen, die sowohl aktive als auch passive Fonds anbietet. Ausgerechnet Bogle mahnt nun angesichts des ETF-Booms zur Vorsicht. „Wenn jeder nur noch in Indizes investiert, dann kann man das nur als Chaos, Katastrophe beschreiben.“

Bogles Befürchtung lautet konkret: Wenn alle Welt in Indexfonds investiert und niemand mehr aktiv handelt, friert die Preisbildung an den Börsen ein. Denn für eine funktionierende Preisbildung wären ausreichend bewusste Kaufs- und Verkaufsentscheidungen nötig. Die Börse kann dann ihre eigentliche Funktion nicht mehr ausüben, nämlich Unternehmenswerte möglichst genau abzubilden. Der anhaltende ETF-Trend birgt noch ein weiteres Risiko für die gesamte Wirtschaft. Denn durch Indexfonds, so ist zu befürchten, drohen künftige Kursausschläge an der Börse heftiger auszufallen. Sie verstärken also den Herdentrieb und damit die potenzielle Fallhöhe bei einem Börsencrash.

Die Risiken des Passiv-Investierens betreffen also eher die Wirtschaft als Ganzes als den einzelnen Anleger. Das sieht auch Warren Buffetts langjähriger Investmentpartner Charlie Munger so. Der 93-Jährige US-Milliardär kritisiert, Indexfonds seien dauerhafte Aktienbesitzer, die „niemals verkaufen“. Außerdem würden sie ihre immense Macht in Form von Stimmrechten nicht nutzen.

Und tatsächlich verbergen die ETF-Fondsmanager diese Passivität nicht. So sagte etwa der Deutschlandchef der französischen ETF-Schmiede Lyxor im Gespräch mit manager magazin online: „ETFs bilden passiv einen vorgegeben Index ab. Deshalb halten wir es für richtig, auf Entscheidungen einzelner im Index enthaltener Unternehmen keinen aktiven Einfluss zu nehmen.“

Für einzelne Privatanleger sind ETFs mit einem vergleichbar niedrigen Risiko verbunden. In jedem Fall sollten Anleger auf börsengehandelte Indexfonds setzen, da bei Fondanteilen, die nicht an der Börse gehandelt werden, die Nebenkosten steigen. Für den Einstieg empfiehlt es sich zudem, nur in ETFs zu investieren, die ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro aufweisen und seit mehr als fünf Jahren gehandelt werden. Das reduziert das Risiko, dass die Fonds mangels Rentabilität geschlossen oder mit anderen ETFs zusammengelegt werden.

Darüber hinaus sollten Einsteiger Abstand von komplizierten ETF-Produkten nehmen. Dazu gehören etwa gehebelte ETFs sowie ETFs, denen Derivate (sogenannte Swap-Geschäfte) zugrunde liegen. Mit steigender Komplexität wird auch mehr Grundwissen benötigt und zugleich steigt die Chance, Fehler zu begehen und so das angelegte Geld zu verlieren.


 


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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