Diversifikation - Die häufigsten Fehler bei der Risikostreuung

Recht/ Steuern und Hilfsthemen

Vermeidbare Fehler erhöhen das Risiko

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Um in Sachen Geldanlage erfolgreich zu sein, ist ein diversifiziertes Portfolio unerlässlich. Diversifikation ist eine Strategie aus dem Bereich der Geldanlage, mit der ein Anleger sein Vermögen mit unterschiedlichen Betragshöhen auf Kapitalanlagen aus verschiedenen Risikoklassen und mit unterschiedlichen Laufzeiten verteilt. Dadurch verringert sich das Risiko im gesamten Portfolio, was wiederum die Renditechancen des Anlegers signifikant erhöht.

In Anlehnung an die englische Redewendung „There is no such thing as a free lunch“ (Zu Deutsch sinngemäß: „Alles hat seinen Preis“) wird Diversifikation von Profi-Investoren häufig als „The only free lunch in investing“ bezeichnet, weil es den Investor nur wenig Mühe kostet, aber einen erheblichen Mehrwert haben kann. Doch bei der Diversifikation des Portfolios sollten Anleger einige grundlegende Regeln beachten. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Fehler, die Privatanleger bei der Diversifikation ihrer Geldanlage begehen.

Zu den häufigsten Fehlern bei der Diversifikation zählt eine zu geringe Streuung der Kapitalanlagen. Wer in zu wenige verschiedene Anlageklasse investiert, riskiert damit, dass die Performance seines Portfolios zu abhängig von der Entwicklung einiger weniger Wertpapiere ist. Wer ausschließlich in sichere Geldanlagen investiert, wird es in Zeiten niedriger Zinsen schwer haben, eine positive Rendite zu erzielen. Wer dagegen nur in risikoreiche Anlagen mit hohem Renditepotenzial investiert, riskiert im Krisenfall den Verlust des eingesetzten Kapitals. Bei der Auswahl der Anlageklassen sollten sich daher Risiko und Renditechancen die Waage halten. Die Risiko-Gewichtung des Portfolios hängt dabei stark vom Investoren-Typ ab. Ein Teil des Vermögens sollte als Barreserve auf Festgeld- oder Tagesgeldkonten gehalten werden, um für die nötige Liquidität zu sorgen. Das restliche freie Vermögen sollte auf unterschiedliche Anlageklassen wie Edelmetalle, Rohstoffe, Anleihen, Aktien und Indexfonds (ETFs) verteilt werden. Ein kleiner Teil kann auch in Wagniskapital in Form von Crowdinvesting fließen, das zwar als sehr risikoreich gilt, aber auch hohe Renditechancen birgt.

 

Ein solides Grundwissen ist zwar eine gute Voraussetzung für die Geldanlage, sollte aber nicht daran hindern, sich auch mit ausländischen Märkten und Industrien zu beschäftigen. Wer nur in Märkte oder Branchen investiert, in denen er sich besonders gut auskennt, läuft Gefahr, dass sein Portfolio im Krisenfall stark an Wert verliert. Bei der Risikostreuung eines Aktiendepots genügt es beispielsweise keineswegs, in viele verschiedene Aktien der Automobilbranche zu investieren. Gleiches gilt für Investitionen in einem einzigen Land. Gerade deutsche Anleger neigen dazu, nur in deutsche Aktien zu investieren, da ihnen diese Unternehmen besonders vertraut sind. Doch so entgehen ihnen Chancen in anderen Märkten, beispielsweise Wertpapiere von Unternehmen aus Schwellenländern. Diese weisen zwar ein höheres Risiko auf als deutsche Unternehmen, halten aber auch höhere Ertragschancen bereit und sind vor allem nicht an die Entwicklung der deutschen Börse gekoppelt.

 

Privatanleger ignorieren zu oft die Korrelation einzelner Wertpapiere in ihrem Aktiendepot. Die Korrelation beschreibt den kausalen Zusammenhang zwischen zwei Kapitalanlagen. Im Fall von Aktieninvestments drückt die Korrelation aus, wie stark sich eine Kursänderung eines Wertpapiers auf das andere Wertpapier auswirkt. Ein Anleger könnte beispielsweise in Aktien eines Autoherstellers investieren und in ein Software-Unternehmen, in der Annahme, beide Industrien hätten wenig miteinander zu tun. Doch angenommen, das Software-Unternehmen hat sich auf Bordcomputer von Fahrzeugen spezialisiert und die Automobilbranche gehört zu seinen wichtigsten Kunden. Dann weisen beide Aktien eine hohe Korrelation auf, denn wenn die Automobilbranche in der Krise steckt, leidet auch das Technologieunternehmen. Es gibt in der Finanzmathematik Formeln, um die Korrelation zweier Kapitalanlagen zu bestimmen. Wenn die Wertpapiere eines Depots zu stark korrelieren, kann es zu sogenannten Klumpenrisiken kommen. Das führt dazu, dass die Risikotragfähigkeit des Portfolios überschritten wird und im Krisenfall alle Wertpapiere im Kurs fallen.

 

Teil des Risikomanagements ist es nicht nur, die passenden Kapitalanlagen zu identifizieren, sondern auch den korrekten Betrag zu ermitteln, der in die Anlagen investiert werden sollte. Privatanleger neigen dazu, ihr Vermögen gleichmäßig auf alle Kapitalanlagen zu verteilen. Wenn sie ein lohnendes Investment ausmachen, versuchen sie, den Ertrag zu maximieren, in dem sie das höchst mögliche Vermögen darauf verteilen. Die Größe einer Portfolio-Position sollte im Verhältnis von möglicher Rendite und dem Risiko einer Kapitalanlage betrachtet werden. Wenn die Positionsgröße zu groß gewählt wird, kann eine schlechte Wertentwicklung eines Wertpapiers das gesamte Portfolio gefährden. Die korrekte Positionsgröße lässt sich verschiedenen Methoden bestimmen, hängt aber schlussendlich wieder vom Investoren-Typ und der Anlagestrategie des Investors ab. 

 

Privatanleger neigen speziell bei Aktieninvestments dazu, ihr Depot zu häufig umzuschichten. Dadurch erhöhen sich die Transaktionskosten, was zugleich die Rendite des gesamten Portfolios senkt. Denn jedes Mal, wenn eine Kapitalanlage gehandelt wird, verdienen Finanzdienstleister dabei mit. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie (Hackethal & Meyer, 2015), die im Auftrag von Finanztest erstellt wurde. Dabei wurden Aktiendepots von 40.000 Direktbankkunden analysiert und festgestellt, dass diese Anleger zwischen 2005 und 2015 rund 3 Prozent weniger jährliche Rendite erzielt hatten als der Marktdurchschnitt. Grund war nicht mangelndes Finanzwissen, sondern schlechtes Timing beim Handel. Das Verhalten der Anleger war teils von Aktionismus geprägt, sie stießen ihre Wertpapiere bei fallenden Kursen vorzeitig ab und verpassten so langfristige Kursgewinne. Langfristige Anlagestrategien sind in der Regel erfolgreicher und verhindern auch, dass die Korrelationen der Geldanlagen immer wieder neu berechnet werden müssen.

 

Welche Erfahrungen haben sie bisher mit Risikostreuung gesammelt? Schreiben Sie uns einen Kommentar dazu!


 


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André Jasch

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