Wie bewerte ich Aktien? Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Recht/ Steuern und Hilfsthemen

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Die Möglichkeiten, in Aktien zu investieren, sind schier unendlich. Doch wie bestimmt man den Wert einer Aktie? Wie entscheidet man, ob sie gerade günstig oder teuer ist? Aufschluss kann das Kurs-Gewinn-Verhältnis geben.

 

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezeichnet die Beziehung zwischen dem Gewinn eines Unternehmens und dem aktuellen Aktienkurs des Unternehmens. Im englischen auch als Price Earnings Ratio (PER) benannt, untersucht das KGV den erwarteten Gewinn pro Aktie. Der Wert, der dabei entsteht, ist ein Anhaltspunkt dafür, ob die Aktie teuer oder günstig ist.

Ein Beispiel:

Die beiden Unternehmen Medtronic plc (2M6.DE) und die Eli Lilly and Company (LLY.F) sind in der Gesundheitsbranche aktiv. Sie haben einen ähnlichen Aktienkurs und ähnlich viele Aktien im Umlauf:

 

Dennoch liegt das KGV bei Medtronic bei 19,64 und bei Eli Lilly and Company bei 34,03. Das KGV zeigt hier an, dass die Medtronic-Aktie deutlich günstiger zu kaufen ist, als die andere. Der KGV beschreibt, um welchen Faktor der Reingewinn pro Aktie den Aktienkurs bestimmt.

Der KGV von 19,64 sagt hier etwa aus, dass der Kurs von Medtronic rund zwanzig Mal über dem Gewinn pro Aktie liegt, den das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt macht. Das wiederum sagt etwas über die Bewertung der Aktie aus: Sie wird mit dem zwanzigfachen Jahresgewinn bewertet. Es würde also rund 20 Jahre dauern, bis das Unternehmen durch seine Gewinne den Wert der Aktien erwirtschaftet hätte. 

 

Das KGV teilt den Aktienkurs durch den Gewinn des Unternehmens pro Aktie. Daher lautet die Formel:

 

KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie.

KGV = Aktienkurs / (Gewinn des Unternehmens / Anzahl der Aktien)

 

Um bei dem Beispiel zu bleiben: Wenn die Aktie von Medtronic 71,40€ kostet und das Unternehmen 3,63€ pro Aktie erzielt, lautet die Rechnung zum KGV:

 

KGV = 71,40€ / 3,63€ (Gewinn pro Aktie)

KGV = 19,64

 

Bei Portalen wie zum Beispiel Yahoo Finance ist der KGV angegeben, sodass Sie ihn nicht selbst berechnen müssen. Sie sollten allerdings immer nachvollziehen, mit welchen Gewinnen hier gerechnet worden ist. Die Rechnung sollte immer mit dem Reingewinn vollzogen werden, also nach Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Auch von Bedeutung ist der Zeitpunkt der Berechnung der Gewinne. Handelt es sich um die Zahlen des letzten Jahres? Dann sind die Berechnungen zwar solide, aber auch alt. Werden Gewinnerwartungen aus der Zukunft herangezogen? Dann können sie mitunter zu optimistisch sein. Am besten eignen sich die Gewinne aus dem laufenden Geschäftsjahr. Die Gewinne der letzten Quartale bieten die beste Auskunft.

 

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist nur eine Kennzahl innerhalb eines ökonomischen Modells zur Bestimmung des Wertes von Aktien. Leider gibt es selbst in diesem keine allgemeingültige Regel, ab welchem Wert eine Aktie als überteuert gilt. In den einzelnen Branchen ist der KGV weiterhin unterschiedlich. Verschiedene Quellen geben den Richtwerte zwischen 12 und 15 an, an dem sich die Aktien messen lassen: Unterhalb dieses Richtwertes gilt eine Aktie als tendenziell günstig bewertet, darüber als tendenziell teurer.

Eine Daumenregel, die der Finanzjournalist Gereon Kruse für zutreffender hält, ist diese: Dass KGV darf etwa der durchschnittlichen Wachstumsrate des Unternehmens entsprechen. Wenn unser Beispiel Medtronic demnach den Umsatz von einem zum anderen Geschäftsjahr um 20 Prozent steigert, dann ist das KGV von 20 gerechtfertigt. Wenn man das KGV mit dem Wachstum abgleicht, so nennt man diese Gegenüberstellung auch PEG – Die „Price-Earnings-Growth-Ratio“.

Tipp: Wenn Sie sich den Verlauf einer Aktie ansehen und starke Schwankungen feststellen, so bietet es sich an, einen Durchschnittswert zu bilden. So lassen sich verlässlichere Kennzahlen bilden und die Schwankungen ins Verhältnis zu setzen.

Grundsätzlich ist eine Aktie mit einem niedrigen Wert günstiger. Finanzexperte Detlev Landmesser ergänzt jedoch, dass Aktien mit niedrigem KGV auch ein Warnzeichen darstellen können, wenn eine Mehrheit der Anleger zum Beispiel mit einem Gewinneinbruch rechnet und ihre Aktien verkauft. Dann kann sich das auch durch einen niedrigen KGV zeigen. In diesem Fall wäre ein niedriger KGV eher ein Anhaltspunkt für einen eher ungeeigneten Zeitpunkt.

Aktien mit hohem zweistelligen KGV müssen gleichzeitig nicht teuer sein, wenn das Umsatzwachstum dazu passt. Daher gilt:

Bei der Interpretation des KGVs sollten immer weitere ökonomische Faktoren untersucht werden.

Die Historie der Gewinne kann zum Beispiel wichtig sein um die Gewinnhochrechnungen einzuschätzen. Auch die Bilanz (Danke an dieser Stelle noch einmal an Rene) des Unternehmens sollte hinzugezogen werden. 

 

Ökonomen gehen in ihren Modellen immer vom rational handelnden und über alle Informationen verfügenden Investor aus. Die Realität sieht jedoch anders aus. Politische Voraussetzungen und emotionales Handeln können jedes Investitionsmodell aushebeln. 

Als Beispiel lässt sich die Aktie von Amazon.com Inc. (AMZN) ansehen. Eine Aktie kostet heute 1276,68 US-Dollar. Das Unternehmen verdient 3,92 US-Dollar pro Aktie. Damit kommt man auf ein KGV von 325,52. Jeder Ökonom würde Anlegern dringend davon abraten, die Aktie zu diesem Zeitpunkt zu kaufen, da sie sehr teuer ist. Die PEG (Price-Earnings-Growth-Ratio) gibt Yahoo für Amazon mit 17,48 an. Auch durch Amazon´s Wachstum lässt sich das hohe KGV nicht rechtfertigen. Trotzdem steigt die Aktie beständig im Wert. In den letzten 52 Wochen legte sie um mehr als 50 % zu. Investoren setzen auf die zukünftige Entwicklung von Amazon und kaufen die Aktie deshalb trotzdem, auch wenn das finanztheoretisch nicht unbedingt begründet werden kann, definitiv nicht mit dem KGV.

 

Das KGV ist die populärste Kennzahl innerhalb der sogenannten Fundamentalanalyse. Diese wird angewendet, um Aktien bewerten zu können. Man spricht davon, durch die Fundamentalanalyse den „inneren Wert“ einer Aktie zu ermitteln. Dieser wird durch betriebswirtschaftliche Daten und dem ökonomischen Kontexts eines Unternehmens erzeugt.

Dazu werden neben dem KGV zum Beispiel auch das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV), die Gesamtkapitalrendite, das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), die Dividendenrendite oder die Eigenkapitalquote untersucht. Durch diese erhält der Anleger ein Kursziel. Eine Fundamentalanalyse erstellen vor allem Investoren, die das Konzept des Value Investing verfolgen. Der Gegensatz zur Fundamentalanalyse ist die Chartanalyse, die sich auf die Auswertung von Börsenkursen und Mustern beruft.

Bei der Fundamentalanalyse können auch Unternehmen unterschiedlicher Größe miteinander verglichen werden. Dazu zieht man die Quartals- oder Jahresberichte der Firmen heran und stellt sie gegenüber. Für die Kennzahl Dividendenrendite wird zum Beispiel die ausgeschüttete Rendite mit dem Aktienkurs in Beziehung gesetzt. Je höher die Dividendenrendite, desto besser die Investition für den Anleger. 

Alle Bestandteile der Fundamentalanalyse finden Sie auch im Artikel "Value Investing in Aktien". 

 


 


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Cristin Liekfeldt

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