von Roland Christoph Panter

10 Jahre bei Twitter – und wofür?

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10 Jahre bei Twitter – und wofür?

Am heutigen Tag feiere ich meine erste Dekade bei Twitter. Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist mein Lieblingsnetzwerk. Vielleicht bin ich in Zeiten des dort herrschenden Trumpismus etwas müde geworden, es ändert aber nichts wesentliches an meiner Wahrnehmung des Netzwerks. In 10 Jahren Twitter lernte ich mit 140 Zeichen zu kommunizieren. Das gelang mal besser, mal schlechter. Der jüngste Umstieg auf 280 Zeichen verlief – ganz anders als erwartet – völlig lautlos (mit dem ein oder anderen kleinen „aber“).

10 Jahre Twitter, eine Medaille mit zwei Seiten. Da sind viele tolle Menschen, an deren Leben ich teilnehmen durfte, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin. Großartige Freundschaften, die auf diesem Weg entstanden sind. Da war mal der sympathische „Hier-funktioniert-gerade-etwas-nicht“-Anzeiger, der „Fail Whale“. Dann sind da andere Momente, in denen ich fassungslos vor dem Monitor saß und ich Echtzeit beobachtete, wie auf dem New Yorker Hudson Glückskinder aus einem notgewasserten Flugzeug kletterten.


Der Kommunikationskanal

Schaue ich als professioneller Kommunikator auf das Netzwerk, dann ist es ein Quell guter Möglichkeiten. Hier tummeln sich Experten, Politiker, Journalisten und viele andere Menschen und befruchten sich mit ihren Geschichten. Hier kann ich meine eigenen Stories in die Welt entlassen. Den geneigten Leserinnen und Lesern die Vor- und Nachteile von unserem Leistungsangebot vermitteln. Dabei bin ich nahbar, erreichbar und kann Selbiges in die andere Richtung erreichen. Dialog. Austausch.

Wir haben während meiner Zeit bei Twitter ganze Berufszweige erfunden. Dieses „wir“ meint all die Leute, die sich mit großem Enthusiasmus auf Twitter und die anderen Social-Media-Kanäle eingelassen haben. Wir haben uns die Köpfe heißgeredet, wie man Dinge machen kann, welche Tools es braucht und welche Fähigkeiten. Heute sind Social Media Manager, Community Manager und die anderen neuen Berufe ganz selbstverständlich in jedem Startup anzutreffen. Genauso, wie man ganz selbstverständlich diverse Tools nutzt, um Prozesse zu automatisieren oder Dinge zu beobachten.

Dieser Ansatz der technisch getriebenen Ausspielung von Informationen macht auch vor Twitter nicht halt. Nachrichten werden immer stärker per Algorithmus gefiltert. Dabei ist die chronologische Timeline nahezu perfekt. Vielleicht, ja hoffentlich, gibt es an dieser Stelle irgendwann ein entkomplizierendes „Back to the roots“.


Professionalisierung der Unternehmenskommunikation

Bei Twitter geht es um Reichweitenaufbau, um Multiplikation von Botschaften. Damals wie heute. Dieses Geschäft wurde in den vergangenen 10 Jahren deutlich professionalisiert. Wir denken in Strategien und kommunizieren in der Regel auf der Basis sorgsam erarbeiteter Redaktionspläne. Mit Kennzahlensystemen erfassen wir den Erfolg unserer Kommunikationsmaßnahmen und bewerten Aufwand und Ertrag. Viele Maßnahmen sind zahlengetrieben.

Dabei geht manchmal das Zwischenmenschliche verloren. Genau an der Stelle liegt die besondere Qualität von Twitter. Wenn alle nur senden wollen, dann hört am Ende keiner mehr zu. Wenn alle nur noch ihre Positionen verkünden, aber nicht mehr bereit sind voneinander zu lernen, auch dann machen solche Kanäle in Zukunft weniger Sinn. Daher möchte ich dafür plädieren, auch den Dialog auf diesem Kanal in seinen Planungen zu berücksichtigen. Als ich vor 10 Jahren angefangen habe, ging es vor allem darum. Wir haben im Dialog viel voneinander gelernt und Entwicklungsschritte häufig parallel gemacht. Als Teil der Digitalen Gesellschaft, wie wir das damals nannten.

Ich möchte mit einer Anmerkung schließen, die die Gruner und Jahr Chefin Julia Jäkel am vergangenen Mittwoch beim 42. Mediengipfel in Berlin machte. Sie sagte sinngemäß, dass wir nicht nur auf die Messbarkeit der Kommunikation schielen sollten. Viel Qualität läge auch abseits digital messbarer Pfade – nur weil es messbar sei, sei es zudem nicht automatisch gut. Sie bezog dies natürlich vor allem auf ihr eigenes Geschäft mit gedruckten Medien. Ich bin jedoch sicher, dass dies gleichermaßen für die Bewertung der Kommunikation zwischen Menschen gilt. Da geht es um Beziehungen, Anerkennung und Sympathie, eben um die weichen Faktoren.

Einer dieser wichtigen Nebeneffekte ist das Trendscouting. Durch die Summe der Accounts denen ich bei Twitter folge bestimme ich ungefähr welche Informationen an mich herangetragen werden. Das kann auf der Wissensebene sehr nützlich für mein Unternehmen sein. Hier haben wir eine klare Pull-Funktion. Relevante Informationen kommen zu mir. Nicht wirklich strukturiert, aber sehr oft mit überraschenden Erkenntnissen. Eine der großen Qualitäten von Twitter.

Unter anderem deshalb bleibt es mein Lieblingsnetzwerk – trotz algorithmischer Gehversuche des Netzwerks, trotz zunehmender Sendementalität der Nutzer. In dem Sinne, auf die nächsten 10.


 

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