von Cristin Liekfeldt

Über den Einfluss von Crowdfunding auf Investment Banking

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Über den Einfluss von Crowdfunding auf Investment Banking

Wer „Wolf of Wall Street“ gesehen hat, weiß, wie das Bild des typischen Investment Bankers gezeichnet wird. Ein cleverer, risikoaffiner Typ im Anzug, der Millionen in Sekunden generiert, ohne Moral, Anstand, Mitgefühl. Ein kleiner Dialog aus dem Film zwischen Mentor Mark Hanna (Matthew McConaughey) und Jordan Belford (Leonardo DiCaprio), der Hauptfigur und aufstrebender Börsenhändler über den Job:

Hanna: „Das Spiel heißt: Zieh deinen Kunden das Geld aus der Tasche und lass es in Deine verschwinden.“

Belford: „Und wenn ich damit dann Profit für die Kunden mache, haben ja beide Seiten was davon, richtig?“

Hanna: (lacht über dessen Naivität) „Nein. [...] Niemand kann sagen, ob der Kurs einer Aktie steigt oder fällt oder sich im Kreis dreht. Auch nicht wir Broker.  Das ist Fugasi, Vagasi, Feenstaub. Wir erschaffen einen Scheißdreck."

Mit der zunehmenden Beliebtheit von neuen Anlagemöglichkeiten, wie zum Beispiel Investments in Startups und Wachstumsunternehmen, könnte der Bereich des provisiongetriebenen Investment Bankings jedoch nachhaltig verändert werden, findet Nate Nead, Investment Banker bei der amerikanischen IB Investment Bank. Er beschäftigt sich besonders mit dem Mittelstand und kennt sich mit Unternehmens(ver-)käufen, Unternehmensbewertung und Rekapitalisierung bestens aus.

„Wenn neue, verbesserte Technologien auf eine Industrie treffen, wird es immer Opfer geben. Wir sehen überall Umbrüche – von Transport bis hin zur Bildung. Investmentbanking ist eine der Industrien, die gerade sehr von einer Überholung durch neue Technologien und Möglichkeiten betroffen sind. Crowdinvesting und andere, alternative Finanz-Technologien werden kein Allheilmittel für die traditionellen Methoden sein oder diese völlig ersetzen. Aber es wird Bereiche geben, in denen beides in friedlicher Co-Existenz wichtige Veränderungen in der Finanzierung junger Unternehmen bewirken wird.“

Ganz kurz zum Zwecke der Abgrenzung: Investment Banker verwalten auf Provisionsbasis das Vermögen ihrer Kunden, unterstützen sie beim Erwerb und Verkauf von Unternehmensanteilen, bei der Emission von Eigen- und Fremdkapital und handeln mit Wertpapieren.

Nead findet nicht weniger als zehn Punkte, wie dieses Investment Banking durch Crowdinvesting nachhaltig beeinflusst wird.

Geschwindigkeit der Transaktionen

Zum Beispiel wird sich die Geschwindigkeit der Transaktionen erhöhen, denn Investitionen über Plattformen im Internet brachten digitale Services mit sich. Darunter sind unter anderem digitale Signaturen oder Online-Bestätigungen für akkreditierte Investoren. Geschäfte können so schneller abgewickelt werden, eben nicht nur im Crowdinvesting sondern auch im Investment Banking.

Buchhaltung und Offenlegung

Informationen werden weiter stetig an Bedeutung gewinnen. Die Bereitstellung von Informationen ist der Schlüssel für den Aufbau von vertrauenswürdigen Beziehungen und Ausschluss von Betrugsfällen. Das gilt sowohl für akkreditierte und nicht akkreditierte Investoren. Wenn Investment Banking zum Beispiel Vertrauenseinbußen hinnehmen muss (Mich würde interessieren, wie viele Menschen nach „Wolf of Wall Street“ sofort ihr Geld zurückgefordert haben), weil der Investor beim Crowdinvesting viel mehr Informationen über seine Anlagen bekommt, dann leidet das Geschäft. Also müssen Investment Banker nachziehen und Transparenz zeigen.

Effizienz und Disziplin

Die Zukunft des Crowdfunding wird durch Disziplin und verbindlicher Verantwortlichkeit bestimmt: Startups, die nach einer Finanzierung suchen, werden feststellen, dass sie regelmäßig über die Erfolge und Fehler berichten müssen, wenn sie die Investoren langfristig an sich binden wollen. „Gründer und Geschäftseigner sind jetzt direkt gegenüber ihrer Shareholder verantwortlich. Und diese Verantwortlichkeit wird die Qualität und Quantität des Dealflows im Investment Banking mit beeinflussen.“ so Nead.


                                                                                              Nate Nead, Investment Banker bei der IB Investitionsbank

Einbruch der Margen und Personalrückgang

„Der zunehmende Einfluss von Computern auf die Investment Branche ist ein perfektes Beispiel für kreative Zerstörung – durch das Teilen von Informationen und die nun mögliche, oft kostenlose Investition in junge Unternehmen durch Plattformen brachen die Margen der Investment Banker bereits ein. Das wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen.“, konstituiert Nead und fügt hinzu, dass auch die Arbeitsplätze für Investment Banker weniger werden. Die Analysen der Geschäfte werden zunehmend ebenfalls von Computern übernommen werden.

Bei diesem Punkt lässt sich allerdings diskutieren: Kann ein Computerprogramm das Potenzial von Gründerteam und Produkt wirklich erkennen? Der Wirtschaftler verabschiedete sich bereits vom rational denkenden homo oeconomicus und erkannte an, dass der Mensch emotionale Entscheidungen trifft. Frühfinanzierungen von Startups basieren auf Annahmen, Prognosen, Orientierungswerten. Wie könnte ein Programm dies einschätzen?

Logisch scheint dagegen, dass Portale und Plattformen einige Broker ersetzen werden und damit auch Einfluss auf den Arbeitsmarkt der Investment Banker haben. Der Schwerpunkt wird eher auf der Sichtbarkeit der Plattform liegen, über die direkt investiert werden kann. Das spart Personalkosten und bündelt viele Investmentmöglichkeiten.

Eigenkapitalfinanzierung

Egal ob jemand Geld für die eigene Firma oder den Kauf einer Immobilie benötigt – Es fehlt allzu oft an Eigenkapital.

Nead: „Fremdkapital zu sammeln, ist im heutigen, liquiden Finanzmarkt recht einfach, besonders wenn man Sicherheiten zu bieten hat. (Anmerkung der Redaktion: Die Beschaffung von Fremdkapital sieht in Europa allerdings auch noch mal ganz anders aus als im amerikanischen Finanzmarkt.) Die Crowd hilft aber auch, wenn kleinere Summen fehlen. Investment Banken dagegen schrecken davor eher zurück, Summen unter einer Million US-Dollar bereitzustellen." 

Co-Finanzierungen können die Lösung dafür sein und beide Seiten besser absichern. Daher werden Investment Banker in Zukunft auch Finanzierungsrunden durch Crowdinvesting-Portale vorantreiben.

Mehr Investoren

Durch die öffentliche Bereitstellung von Investitionsmöglichkeiten wächst die Anzahl der Investoren.

"Die Privatinvestoren sind dabei in Bezug auf Investitionen weniger gut gebildet und emotionaler als professionelle Investment Banker.“ vermutet der Investment Banker Nead.

Er erkennt aber auch selbst, dass die Finanzierung über die Crowd wohl am meisten die Banker selbst beeinflussen wird: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, was in Zukunft auf uns zukommen wird. Es ist möglich, dass Crowdfunder und Investment Banker friedlich nebeneinander leben. Das wird aber nicht ohne wachsende Sorgen und die beidseitige Konsolidierung der Industrien ablaufen.“


Crowdinvesting bedeutet vor allem die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Entscheidungen. Der Investor entscheidet selbst, in welche Startups er oder sie investiert. Klar abzugrenzen ist davon die Aufgabe eines Investment Bankers, der von fremden Kunden eine bestimmte Summe Geldes in die Hand gegeben bekommt und dann entscheidet, wohin er es steckt. Und Provision dafür bekommt, natürlich.

Bei der Finanzierung von Startups werden tatsächliche Werte geschaffen. Auch wenn es dem Wagniskapital zuzuordnen ist. Wenn es noch einen freien Sonntag Abend gibt, könnte man sich mal "Inside Job" ansehen. Es handelt sich hierbei um eine Oscar-prämierte Doku um die Wirtschaftskrise 2008. Der Film deckt die Zusammenhänge zwischen der Liberalisierung der Wirtschaft und Korruption in Wissenschaft und Politik auf. Nach 2008 verschwanden die fünf größten amerikanischen Investmentbanken von der Bildfläche. Ein Blick hinter die Fassade lohnt sich daher allemal.

Zu beobachten, für welches Modell der Geldanlage der Investor sich in Zukunft entscheidet oder ob beides nebeneinander möglich ist, wird demnach sehr spannend! Wo wird es in Zukunft die höheren Renditen geben? Von wem werden die schlaueren Entscheidungen getroffen?



Headerbild: ©Flickr/Paramount Pictures


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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