von Jana Biesterfeldt

Die Gründer von morgen – Unternehmergeist bei jungen Menschen fördern

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Die Gründer von morgen – Unternehmergeist bei jungen Menschen fördern

Oft fragen sich Schülerinnen und Schüler im Unterricht: Wozu muss ich das lernen? Das brauche ich nie wieder! Mathematische Formeln und Grafiken erstellen, historische Daten oder lateinische Vokabeln pauken. Dieses Wissen würde einem nie wieder im Alltag begegnen.

Vor Jahren erregte ein Tweet einer Schülerin die öffentliche Aufmerksamkeit: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“.

Kritik von Schülern am Schulsystem und ihr Wunsch nach mehr Alltagswissen sind nicht neu. Beim Thema der Wirtschaft erkennen die Schüler selbst den Bedarf.

Bei sinkenden Gründerzahlen bedeutet das für die Zukunft der Wirtschaft: Wie können wir junge Leute dazu bringen, dieses Verlangen nach Wissen in mehr Unternehmensgründungen umzuwandeln?

Jugendliche wollen mehr wissen 

Heutzutage wünschen sich die Jugendlichen mehr Wissensvermittlung, vor allen Dingen mehr Wirtschaftsunterricht in der Schule. Dies fand eine aktuelle Studie des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) heraus.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind der Meinung, dass sie in der Schule viel zu wenig über Wirtschaft lernen oder gelernt haben. Davon sind 71 Prozent der Befragten überzeugt. „Sie wünschen sich eindeutig mehr Informationen über Wirtschaft. Das ist ein klarer Appell an die Politik“, resümiert der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Andreas Krautscheid.

Drei Viertel der befragten Jugendlichen geben an, dass Informationen zu Geldanlageaspekten wichtig sind. Gleichzeitig weiß nur die Hälfte, was eine Rendite ist. Strategien zur Geldanlage sind nur bei wenigen Befragten ausgeprägt: 9 Prozent verfügen bereits über Aktien und Wertpapiere, 6 Prozent legen ihr Geld in Kryptowährungen an.

Das Interesse an Wirtschaft und Finanzen ist vorhanden, aber durch das wenig vermittelte Wissen fehlen wichtige Kenntnisse für den künftigen Alltag. Dagegen sollte und könnte man etwas tun.

Mehr Gründer durch mehr Wirtschaftswissen?

Deutschland lebt von seiner starken Wirtschaftslage. Gleichzeitig gehen die Zahlen der Existenzgründungen laut KfW-Gründungsmonitor zurück. Bei einem Wirtschaftsaufschwung gehen die Bürger eher Angestelltenverhältnisse ein anstatt selbst zu gründen, weil es ein hohes Angebot an offenen Stellen gibt. Ein weiterer Grund für die niedrigen Gründungszahlen liegt beim Thema Bildung. Deutschland hinkt der internationalen Konkurrenz hinterher, wenn es um die Vermittlung von Wirtschaftswissen in der Schule geht. Der Global Entrepreneurship Monitor 2018 sieht Deutschland bei einem Ranking der unternehmerischen Bildung nur auf Platz 42 von 54 Ländern.

Der Shell-Jugendstudie 2015 zufolge wünschen sich Jugendliche und junge Erwachsene Sicherheit im Job. Der öffentliche Dienst ist sehr beliebt als Berufsziel, denn er vermittelt das Gefühl von Absicherung und Stabilität. Selbstständigkeit, zum Beispiel als Unternehmensgründer, wird weniger angestrebt.

Für die Selbstständigkeit ist umfangreiches wirtschaftliches Wissen essentiell, um erfolgreich ein Unternehmen aufzubauen. Das Wirtschaftsministerium ist überzeugt, dass Existenzgründungen die Grundlage und der Motor für wirtschaftliches Wachstum und Förderung von Innovationen sind. Verbaut sich der Wirtschaftsstandort Deutschland die Chance, Gründer auszubilden und mehr Gründungen zu erreichen?

Wie kann die Jugend vermehrt für Unternehmertum gewonnen werden?

„Das Bildungssystem ist ein wichtiger Hebel“

Die Politik ist hier in der Pflicht. In der Schule sollten mehr Möglichkeiten geschaffen werden, um wirtschaftliches und unternehmerisches Know-how zu vermitteln und die Schüler zu inspirieren. Wirtschaftsunterricht ist in vielen Bundesländern wie in Baden-Württemberg schon Teil des Curriculums. In Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel wird Wirtschaft nur in Kombination mit Politik oder anderen Fächern unterrichtet. Da bleibt kaum Zeit Basiswissen an den Schüler zubringen.

Eine Reformation des Bildungssystems scheint im Hinblick auf die voranschreitende Digitalisierung und die veränderten Anforderungen an das moderne Berufsleben überfällig. Von Unternehmern wie Franz Fehrenbach, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Robert Bosch GmbH, und Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Unternehmens Trumpf, wird die Dringlichkeit solcher Reformen mit einen Appell in der „Zeit“ unterstützt. Fehrenbach: 

„Neben die klassischen Fächer müssen Fächer treten, die Schüler befähigen, in der künftigen Welt ein Auskommen zu haben.“ 

Auf Unternehmertum und Selbstständigkeit ist das Bildungssystem ebenfalls nicht ausgelegt.

Martin Schebesta, Koordinator für Grundsatzfragen der Ordnungspolitik und Sozialen Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), bemerkt dazu:

„Die Gründer von heute sind der Mittelstand von morgen – doch leider ist die Anzahl der Neugründungen momentan auf einem Tiefstand. Jugendliche und junge Erwachsene zieht es in feste Angestelltenverhältnisse anstatt in die Selbstständigkeit. Das Bildungssystem ist ein wichtiger Hebel, um dem Problem entgegenzutreten. Denn in Schulen lassen sich bestehende Maßnahmen wie Projektwochen hervorragend nutzen, um Kinder und Jugendliche für Unternehmertum zu begeistern und unternehmerische Kompetenzen zu vermitteln.“

Die KAS und die Wirtschaftsjunioren Deutschland schlagen in einem Thesenpapier („Bildungsrepublik ohne Gründer. Wie fördern wir den Mittelstand von morgen?“) vor: „Planspiele, Schülerfirmen und Wettbewerbe sind innovative Möglichkeiten, den Unternehmergeist in Schülern zu wecken.“

Die Jugend praktisch begeistern

Nicht nur die Politik oder die Schulen können Anreize schaffen. Auch private Initiativen nehmen sich des Themas an. Dies wird zum Beispiel durch Schülerfirmen geleistet, die die Themen Unternehmensgründung und -führung den Schülern real und praktisch näherbringen sollen. Bei Schülerfirmen handelt es sich um keine faktischen Wirtschaftsunternehmen, sondern um pädagogische Projekte im Kontext der Schule. Ziel ist es, den Schülern betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse und Zusammenhänge durch praktisches Arbeiten mit einem Ergebnis am Ende näher zu bringen. Gleichzeitig sollen die Jugendlichen Verantwortungsgefühl und Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit entwickeln.

Die Initiative „Seed“ will speziell das Sozialunternehmertum unter Kindern und Jugendlichen fördern. In Workshops, Projekttagen und Sommercamps können sie eigene Innovationen entwickeln. Zuerst findet ein Brainstorming statt. Die Jugendlichen finden heraus, was sie stört und was sie gern in der Gesellschaft verändern würden.

Dann werden Ideen entwickelt, was sie selbst dafür tun könnten. Daraus sollen sie überlegen, wie sich eine sozialunternehmerische Geschäftsidee entwickeln ließe. In einem Sommercamp kommen die Jugendlichen mit Mentoren zusammen. „Wir wollen Jugendliche mehr und mehr mit Gründern nachhaltiger Startups zusammenbringen. Das inspiriert und vernetzt die Schüler mit der Szene“, sagt Marleen Rheinfeld, einer Vertreterin der Initiative, gegenüber dem Magazin Good Impact.

Die Online-Plattform Startup-Teens möchte seit 2015 unternehmerisches Denken und Handeln bei Schülern im Alter von 14 bis 19 Jahren aktiv fördern. Das Unternehmertum soll als Alternative zu den klassischen Berufswegen wahrgenommen werden. Die Plattform bietet Lehrmaterialien an sowie die Möglichkeit mit Mentoren in Kontakt zu kommen. Ein Wettbewerb, bei dem der beste Businessplan von Schülern gekürt wird, wurde darüber hinaus ins Leben gerufen. Die Devise von Startup-Teens lautet:

„Unternehmer zu sein bedeutet, unabhängig zu sein und fest auf eigenen Füßen zu stehen. Unternehmerisches Denken hilft dabei, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, eigene Ideen in die Tat umzusetzen, seine Träume zu verwirklichen und Spaß daran zu haben, zu gestalten, zu verändern, Innovationen hervorzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem denken Gründer und Unternehmer in Chancen statt in Risiken – und diese Einstellung brauchen wir in Deutschland noch viel mehr, um erfolgreich zu sein.“

Auffällig bei diesen Initiativen ist, dass mit erfahrenen Mentoren gearbeitet wird und sich viele erfahrene Gründer selbst dort engagieren. Dies wirft die grundsätzliche Frage auf: Fehlen ausreichend Vorbilder für die Jugendlichen aus der Gründerszene?

Erfolgreiche Gründer, die zeigen, dass der Weg in Selbstständigkeit und Unternehmensgründung auch eine Alternative ist, könnten präsenter sein. In den breiten Medien sind eher US-Gründer wie Elon Musk und Mark Zuckerberg in den Schlagzeilen, wobei diese sich in letzter Zeit weniger mit positiven Berichten hervortaten. Deutsche Gründer könnten mit gutem Beispiel vorangehen und sich als Vorbilder junger Leute etablieren, die sich über ihren Berufsweg noch unsicher sind.


Sollten jungen Menschen schon in der Schulzeit ans Unternehmertum herangeführt werden? Diskutieren Sie mit uns!


 

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