von Jana Biesterfeldt

Mehr (weibliche) Programmierer braucht das Land

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Mehr (weibliche) Programmierer braucht das Land

Fachkräftemangel in Deutschland. Das ist ein Thema, von dem wir in letzter Zeit öfter hören und welches uns noch Jahre lang begleiten wird.

Besonders die Startup-Szene hat ihre Mühe, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Unternehmensberatungsunternehmen PwC fand jüngst heraus, dass sechs von zehn Gründer Schwierigkeiten haben, Personal für ihr junges Unternehmen zu finden. Die größten Probleme sind demnach die Gehaltsvorstellungen der Bewerber (45 Prozent) und der allgemeine Fachkräftemangel (37 Prozent).

Vor allen Dingen technisch versierte Mitarbeiter fehlen. Ende April 2018 waren über 300.000 Stellen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) nicht besetzt, so das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IWD). Ab dem Jahr 2021 sollen es sogar mehr werden.

Wie können Unternehmen diesem Problem fehlender Fachleute entgegenwirken? Und warum kommt man bei diesem Thema auch nicht an „Frauenförderung“ vorbei?

Entwickler verzweifelt gesucht

Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom mangelt es in Deutschland an rund 55.000 IT-Fachkräften. Schon 2017 erkannte eine Studie der Internetplattform Stack Overflow, dass „es weniger IT-Experten und besonders Entwickler als passende offene Stellen gibt.“

In dieser Studie gaben über 40 Prozent der befragten Unternehmer an, dass sie nicht genügend Kandidaten finden würden. Nur 5,8 Prozent konnten ihre freien Stellen ausreichend besetzen. Über die Hälfte der Befragten war sich einig: Es müssten mehr Bewerber sein.

Auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, besonders nach IT-Experten, Programmierern und Entwicklern sind auch viele Startups. Startups sind oftmals Tech-Unternehmen und ohne diese Experten können sie ihre digitalen Geschäftsmodelle nicht umsetzen. Startups spüren gewisse Nachteile gegenüber großen Unternehmen, u.a. bei der angemessenen Bezahlung.

Wie sollen aber junge und noch nicht etablierte Unternehmen geeignete Kandidaten finden?

Für die Suche nach einem sachverständigen Mitarbeiter hat zum Beispiel ein Startup die Lösung: Sourced, ein spanisches Unternehmen, will mithilfe von Künstlicher Intelligenz Unternehmen helfen, den für sie passenden Entwickler zu finden. Knapp 30.000 Entwickler sind bereits in ihrem System vermerkt.

„Besonders IT-Fachleute zu finden ist schwierig“, sagt Sascha Kaczmarek, Mit-Gründer vom Startup MotionMiners aus Dortmund. „Bei Entwicklern ist es oftmals eine Mentalitätsfrage. Viele ziehen es vor, im Konzern zu arbeiten mit festen Arbeitszeiten und Strukturen“.

Doch auch die großen Konzerne verspüren Druck seitens der Startups. Die ausgefallene Marketingkampagne #TakeTheExit für die Metro AG, die Startups deren Programmierer abwerben wollte, machte Anfang des Jahres Schlagzeilen und sorgte für Diskussionen. Metro ließ sich diese Kampagne vermutlich einiges kosten, was auch zeigt, dass der Konzern es schwer hat, bei umworbenem IT-Personal gegen Startups zu punkten.

Denn Startups setzen oft auf ihre junge und moderne Unternehmenskultur, um Mitarbeiter zu werben. Die Werte „Verantwortung übernehmen“, „Teamgeist“ und „flache Hierarchien“ sind für viele junge Leute attraktive Gründe, in einem Startup zu arbeiten.

Für neue IT-Genies in Deutschland

Gegen den Notstand versuchen viele Stellen entgegenzuwirken. Schulungen, Workshops oder Programme arbeiten vertieft daran, bei Kindern und der Jugend Begeisterung für IT und das Programmieren zu wecken und zu fördern.

„Im Jahr 2018 gehört dazu eben auch die digitale Mündigkeit. Es ist wichtig, Kinder früh an die Technik heranzuführen und dabei vor allem die Mädchen mitzunehmen“, führt Verena Pausder als Gründerin von Digitalwerkstätten in einem Interview mit der Süddeutschen an.

Um mehr Kinder für diese Technik zu begeistern, gibt es zum Beispiel die  Hacker School Berlin. Diese arbeitet in Kooperation mit RatePAY, einen Berliner FinTech. RatePAYs Mit-Gründerin Miriam Wohlfahrt ist dies ein besonderes Anliegen, denn sie möchte durch dieses Programm Kindern und Jugendlichen einen praktischen Einblick in die Welt der IT und Programmierung geben.

Besonder für junge Mädchen gibt es spezielle Workshop, wie das App Summer Camp. Dieser Workshop will speziell Schülerinnen erste Programmier- und Computerkenntnisse beibringen. App Camps aus Hamburg wurde 2013 gegründet und führte im Sommer das erste App Summer Camp ein. Gefördert wird das Camp von Otto, Xing oder der Google Zukunftswerkstatt. Ihr Motto: „Wir wollen, dass alle Menschen − unabhängig von Geschlecht oder sozialer Herkunft − von der Digitalisierung profitieren.“ Laut ihrer eigenen Einschätzung wollten 71 Prozent der Teilnehmer noch mehr über Programmierung lernen, das Interesse sei sogar bei den jungen Mädchen stärker ausgeprägt als bei den Jungen.

Das Leipziger Projekt Code Girls organisiert Workshops und Vorträge für Einsteigerinnen rund ums Programmieren, Coden und Digitalisierung. „Wir möchten Frauen gezielt ansprechen und sie dazu motivieren, sich mit Code auseinanderzusetzen und ihn als Werkzeug zu sehen, um kreativ zu werden. Frauen sind in vielen IT-Bereichen unterrepräsentiert und es wäre schön, wenn sich das ändert. Die digitale Welt sollte auch von digitalen Architektinnen mitgestaltet werden“, so Julia Hoffmann und Natalie Sontopski, die Gründerinnen der Code Girls.

In den MINT-Fächern sind vor allen Dingen Frauen weniger präsent. Sie studieren lieber Geistes- und Sozialwissenschaften. So bleiben MINT-Berufe ein von Männern dominiertes Feld.

Ein eigener Informatikstudiengang für Frauen könnte Abhilfe schaffen. So einen Studiengang gibt es bei der HTW Berlin (Hochschule für Technik und Wirtschaft): „Informatik und Wirtschaft“. Dieser soll Frauen befähigen, in die vielfältigen Aufgabenfelder der Informatik einzusteigen. Die Hochschule wirbt damit, dass „kommunikationsstarke Informatikerinnen“ gesucht werden. Vor allen Dingen für Frauen seien die Chancen auf dem Arbeitsmarkt groß. „Mögliche Arbeitgeber sind zum Beispiel Internet-Startups, der öffentliche Dienst oder auch große Konzerne. Viele IT-Unternehmen suchen gezielt nach weiblicher Verstärkung für ihre Teams.“

Wo sind die Frauen?

Laut einer Auswertung von 41 OECD- und EU-Ländern liegt der Frauenanteil in der IT-Branche mit 30,3 Prozent in Bulgarien am höchsten. Danach folgen Australien (28 Prozent) und Rumänien (26,3 Prozent). Deutschland ist mit 16,6 Prozent auf Platz 20.

Eine Bitkom-Studie Anfang des Jahres zeigt auf, dass 2017 rund 28 Prozent aller IT-Mitarbeiter Frauen waren. Im Vergleich zu 2015 sind das 4 Prozent mehr. Es bleibt aber dabei: Weibliche Programmierer gibt es nicht wie Sand am Meer.

Auch wenn es für viele nicht sofort einleuchtend klingt: Frauen und Programmieren, das passt einfach zusammen. Immerhin wurde der erste Algorithmus von einer Frau entwickelt – Ada Lovelace. Die ersten Programmierer im 20. Jahrhundert waren sogar Frauen und das aus einem Grund: „Programmieren war anfangs als Arbeit für Bürokräfte mit niedrigem Status gedacht - also für Frauen. Die Disziplin wurde erst nach und nach bewusst in ein wissenschaftliches, männliches Fach mit hohem Status transformiert“, zitiert Spiegel Online den Historiker Nathan Ensmenger.

Doch nun ist es ein gleichberechtigter Beruf. Dazu lassen wir eine echte Programmiererin zu Wort kommen. Hier bei Companisto haben wir natürlich auch Programmierer. Eine davon ist Eliza aus Rumänien. Uns erzählt sie, dass sie ihre Arbeit gerne macht: „Ich mag es, weil jeder Tag eine Herausforderung ist. Es ist wirklich interessant. Man schafft eine Lösung für ein Problem, die von Menschen genutzt werden kann, um ihre Arbeit zu erleichtern.“ Sie selbst sei aus der Begeisterung zur Mathematik und logischen Denken zur Informatik gekommen.

Für Frauen sei der Job als Programmierer nicht anders als für Männer. „Ich glaube nicht, dass es einen allgemeinen Unterschied gibt. Jeder Programmierer hat unterschiedliche Fähigkeiten, Arbeitsstile, Problemlösungsansätze oder Codestrukturen, die geschlechtsunabhängig sind.“ 


 

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