von Jana Biesterfeldt

Virtual Reality und Augmented Reality - Hype oder Zukunftstrend?

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Virtual Reality und Augmented Reality -  Hype oder Zukunftstrend?

Was wäre unsere Welt, ohne ein wenig zu träumen und die Bestrebungen, diese Träume wahr werden zu lassen? Wir wollen in neue Welten eintauchen, unseren Alltag vereinfachen und verschönern. Technologien, die diese Träume in der Realität möglich machen können, gehören bereits zu unserer Gegenwart und zum Alltag dazu. Möglich machen dies Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Seit Jahren wurden hohe Erwartungen an die „Technologie der Zukunft“ gestellt – was wurde daraus?

Google Glass wollte unsere Welt verändern – das war vor fünf Jahren! Es wurde ein Flop. Der wieder abgeflachte Hype um die AR-App Pokemon Go ist nicht lange her, aber auch wieder verschwunden.

Sind deswegen Virtual Reality und Augmented Reality auch out, obwohl sie immer als „das nächste große Ding“ gehypted wurden? Zählen sie überhaupt noch als Trend? Neuere Technologien überholten sie und sind in der Öffentlichkeit viel präsenter, zum Beispiel Blockchain, Künstliche Intelligenz oder Flugtaxis.

Waren die virtuellen und erweiterten Welten einfach noch nicht ausgereift? Die Fachpresse und diverse Studien zeigen sich überzeugt, dass VR und AR ab 2018 durchstarten werden.

VR und AR: Mehr als nur Spielerei

Das Prinzip der „neuen Realitäten“ ist einfach erklärt: 

Virtual Reality (VR), die virtuelle Realität, ermöglicht eine Darstellung sowie Wahrnehmung einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Welt. Für den Nutzer werden so Erfahrungen simuliert, die ihm sonst verschlossen bleiben, wie die Visualisierung seines neuen Badezimmers oder in ein anderes Land zu reisen. VR wird vor allem mit der Unterhaltungsbranche, also mit Filmen und Videospielen, in Verbindung gebracht. Weniger bekannt sind die vielfältigeren Anwendungsfelder der Medizin, Architektur, Design, Pilotenausbildung oder Shopping.

In Abgrenzung zur Virtual Reality steht die Augmented Reality (AR), die erweiterte Realität. Hier werden mithilfe eines technischen Hilfsmittels zusätzliche Informationen, zum Beispiel Bilder, Videos oder virtuelle Objekte, visuell in die reale Umgebung integriert. Augmented Reality ist uns bereits im Alltag näher als Virtual Reality – und etwas günstiger in der Anschaffung. Schon jetzt wird es genutzt: bei Fußballübertragungen oder Pokemon Go, Snapchat, Architekturdesign, in Museen oder bei Stadtführungen. Diese Technologie ist mithilfe von Alltagsgegenständen wie Smartphones und Tablets einfacher im Alltag zu integrieren als Virtual Reality.

Diese Technologie als eine Spielerei oder nur als Lifestyle-Technologie abzutun, wäre zu leicht. Aber sie hat das Potential für mehr Bereiche und Anwendungsfelder. Der „Worldwide Semiannual Augmented and Virtual Reality Spending Guide“ vom Beratungsunternehmen International Data Corporation (IDC) machte jüngst deutlich: „Auf der Seite der virtuellen Realität haben die Unternehmen verstanden, dass es viel mehr Potential als nur Spiele gibt. AR wird vorerst weiterhin einen Unternehmensfokus haben.“

VR und AR: Die Branchen der Zukunft?

Aber wie kann eine Zukunft mit den neuen Realitäten aussehen? So manche Branchen arbeiten daran, heben sich besonders hervor und fördern den Ausbau neuer Innovationen.

Verfolgt der aufmerksame Beobachter die Tech-Szene, erkennt er die üblichen Verdächtigen der innovationsentwickelnden Unternehmen. In diesem Bereich heißt es, wie so oft, Google oder Apple. Aber auch andere Global Player wie Facebook mit Oculus, Samsung, Microsoft, Sony und chinesische Unternehmen wie Baidu, Alibaba oder Xiaomi sind dabei und entwickeln Hardware-Geräte und Software-Anwendungen für einen Massenmarkt. Ab den 2020ern soll die Massentauglichkeit bei vielen Produkten Realität werden.

Bei VR und AR denkt man immer noch zuerst an Brillen. Dieses Hilfsmittel wird sich auch vorerst nicht umgehen lassen. Google scheiterte zwar mit Google Glass, gab aber nicht auf. Der Versuch eines Comebacks wird gestartet, Google Lens für das Smartphone und andere Produkte sind in der Mache.

Auch kleinere Unternehmen mischen mit, arbeiten an neuen Anwendungen und bringen sich gegen die Großen in Stellung. Zum Beispiel brachte die Firma Vuzix mit ihren Smartglasses ein konkurrenzfähiges Gerät zu Google heraus. Das US-Startup Magic Leap produziert die nötige Hardware, AR-Brillen, und wird von Investoren schon mit über eine Milliarde Dollar bewertet.

Mehr Bewegung scheint es in der Automobilindustrie zu geben. Mehr Optimismus auch. Dort soll AR den Mainstream-Markt noch vor Smartglasses und Headsets erobern und massentauglich werden. Für den Autofahrer selbst sollen Punkte wie Sicherheit und Komfort im Auto ausgebaut werden. Bald können wir in unseren Autos Informationen zur Geschwindigkeit oder Navigation über die Windschutzscheibe erhalten. Der Fahrer behält so seine Augen auf der Straße.

Volkswagen hat für sein Konzept-Fahrzeug XL1 eine interaktive AR-Reparaturanleitung als App entwickelt. Weiterhin kann durch AR der Design- und Konstruktionsprozess bei der Herstellung neuer Autos vereinfacht werden. Ford zum Beispiel löst im Designprozess mittels einer Microsoft-HoloLens-Brille durch AR geometrische Probleme wie den toten Winkel im Rückspiegel.

AR kann, wie hier bei den Autobauern, vor allen Dingen die tägliche Arbeit von Ingenieuren erleichtern. Ein Ingenieur trägt bei der Wartung oder Konstruktion einer Maschine eine spezielle Brille, über die er mit einem Experten zu einem Problem kommunizieren kann oder über die er eine interaktive Anleitung durch AR-Einblendungen erhält. Dabei hat dieser überdies die Hände frei und kann die Arbeitsschritte vor Ort ausführen, wie sie ihm per erweiterter Realität aufgezeigt werden.

Daher wird sich zunächst mehr am Arbeitsplatz ändern als für den alltäglichen Konsumenten. Dr. Leif Oppermann, Leiter Mixed and Augmented Reality Solutions beim Fraunhofer Institut, sagt im Interview mit Haufe dazu: „Der Einsatz von Head-Mounted-Displays zu Marketingzwecken ist so lange möglich, wie sie noch dem Reiz des Neuen unterliegen. Innovationen für den Arbeitsplatz der Zukunft sind da viel nachhaltiger.“

Auch andere Branchen nutzen die neue Technologie, um ihre Arbeit zu erleichtern. Im Baugewerbe kann an der Baustelle vor Ort durch AR eine Verbindung zwischen dem 3D-Designmodell und dem 2D-Bauplan hergestellt werden. Durch den HoloCrane-Simulator können Bauarbeiter mithilfe von AR und VR am virtuellen Kran ausgebildet werden, ohne teureres Equipment eventuell zu beschädigen.

VR und AR ziehen mehr Investitionen an

Investitionen in VR- und AR-Unternehmen sind in den letzten Jahren gewachsen. Viele Studien prophezeien, dass der Markt zukünftig auf 162 Milliarden US-Dollar ausgeweitet wird und die Investitionen bis 2021 steigen werden. Eine Umfrage unter Startup-Gründern, Führungskräften von Technologieunternehmen und Investoren durch Perkins Coie LLP, einer globalen Anwaltskanzlei, bestätigt: Es besteht ein starkes Vertrauen der Investoren in deren wachsendes Potential.

Viele Anleger investieren daher schon in der Early-Stage-Phase solcher Unternehmen. Bekannte Investoren in VR und AR sind VC´s oder Accelerators wie Rothenberg Ventures, boostVC und Vive X. Gründer Mike Rothenberg von Rothenberg Ventures ist überzeugt, dass alle Branchen von VR profitieren werden. Daher unterstützt der amerikanische VC verschiedene Firmen in vielen Ländern.

Laut dem „VR/AR Global Investment Report“, einer Gemeinschaft von VR/AR-Investoren, wird zurzeit besonders in den USA (45 Prozent) und China (25 Prozent) investiert.

Für das Jahr 2018 werden in den USA mehr Investments in VR und AR erwartet. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt den Bereich der AR als lukrativer ein. Er habe das Potential zu einer transformierenden Technologie, die die Endmärkte im B2B- als auch im B2C-Bereich stärker beeinflussen wird als VR. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC stützt diese Einschätzung mit seiner Untersuchung zum VR/AR-Markt. AR werde demnach VR in fast jeder Kategorie überholen.

Deutschlands Rolle beim Zukunftstrend

Die USA sowie China sind weit vorne im VR- und AR-Markt und lassen Europa allgemein und Deutschland im Besonderen hinter sich. Jedoch sollen bis 2020 bis zu 480.000 Jobs entstehen und Europa führend in der VR-Technologie in der Welt machen, sagt Ecorys, eine europäische Beratungsfirma.

In Deutschland gäbe es weniger Unternehmen, die sich an dieser Technologie versuchen und in die letztendlich investiert wird, so zahlreiche Marktanalysen. Unter den Finanzierungsgewinnern finden sich Unternehmen aus China, den USA und der Schweiz. Deutsche Unternehmen findet man nicht in den Top-Ten der internationalen Unternehmen, aber ein Wachstum des deutschen VR- und AR-Marktes geht voran.

Denn es wurden auch positive Zahlen für Deutschland rausgegeben. Laut dem Digitalverband Bitkom könnten im Jahr 2020 alleine in Deutschland rund eine Milliarde Euro mit VR und AR umgesetzt werden. Timm Lutter, Bereichsleiter Digital Media bei Bitkom, erklärte dazu: „Die Möglichkeit, die Realitätswahrnehmung zu erweitern, birgt riesiges Potenzial für deutsche Unternehmen, etwa in der Industrie 4.0.“

Noch kommen die meisten relevanten Unternehmen sowie Startups aus den USA. Deutsche VR- oder AR-Startups haben es da schwer sich zu etablieren. Doch es gibt sie, die innovativen deutschen Startups in Bereich VR und AR. So kaufte Apple 2015 etwa das Pionier-AR-Unternehmen Metaio aus München. Dieses arbeitete auch mit VW, Audi sowie Ikea zusammen.

Zwei deutsche VR-Startups, die schon auf dem „South by Southwest“ Accelerator-Wettbewerb 2016 erfolgreich vertreten waren, sind SpiceVR aus Hamburg und das Berliner Startup SplashVR. Co-Gründer Michael Ronen von SplashVR ist fasziniert von der Technologie, weiß aber, dass VR noch „in den Kinderschuhen steckt und noch einen langen Weg vor sich hat.“ Viele Leute würden noch zu wenig über die Möglichkeiten der Technologie wissen, so Ronen.

Mehr Kapital und mehr risikofreudige, weitsichtige Investoren könnten Abhilfe schaffen, damit Deutschland sich stärker an diesem kommenden Trend beteiligt und nicht abgehängt wird.


Was halten Sie von Virtual und Augmented Reality? Ist es noch ein Zukunftstrend? Diskutieren Sie mit uns!


 

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