von Cristin Liekfeldt

Ring frei zur ersten Runde: Startups versus Großkonzerne

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Ring frei zur ersten Runde: Startups versus Großkonzerne

Zwischen Startups und traditionellen, großen Firmen ist dicke Luft, könnte man meinen. Die Situation erinnert ein wenig an David vs. Goliath: der kleine, wendige David mit der schlauen Idee und der Riese Goliath mit der dementsprechenden Durchschlagskraft - ein spannender, ungleicher Kampf. Aber muss es ein Duell sein? Wie kann das Zusammenleben von Startups und großen Konzernen funktionieren?

Die Initiative Deutschland – Land der Ideen initiiert seit 2005 Projekte an regionalen Standorten. Ein Panel mit Peter Borchers vom hub:raum der Telekom als Moderator und Maxim Nohroudi (Gründer/CEO von ally), Christoph Räthke (Gründer Berlin Startup Academy und Director Education des GTEC Berlin), Sebastian Fittko (RWE) und Caspar von Gadow (Head of Business Development and Partnermanagement, taskforce - Management on Demand AG, Transporting Ideas GmbH) als Diskussionspartner um die Beziehung zwischen Großkonzernen und Startups. Immerhin stürzen diese ganze Branchenlogiken um und stellen die Geschäftsmodelle großer Konzernriesen in Frage.

Können Konzerne sich überhaupt vor Disruption schützen?

Sebastian Fittko: Nein, so lange es Fortschritt gibt, gibt es auch Disruption. Die einzige Möglichkeit ist es, mit Startups zu kooperieren um sich mit ihnen weiterzuentwickeln. Die Pipeline sollte stets gefüllt sein, es gilt das New Horizon Model: drei Ebenen von Wachstumsmaßnahmen müssen im Auge behalten werden: 1. Das Kernprodukt erweitern und verteidigen, 2. aufkommende Geschäftszweige aufbauen und 3. realisierbare Möglichkeiten kreiren.

Was sind Stärken und Schwächen von Großkonzernen und Startups?

Maxim Nohroudi: Große Unternehmen haben eine enorme Reichweite, sind eine etablierte Marke und haben viel Erfahrung sammeln können. Vor allem aber haben sie das Geld, um Dinge ausprobieren zu können.

Christoph Räthke: Eine Anmerkung dazu: Scheitern ist kein Startup-Problem. Auch große Unternehmen scheitern, vielleicht sogar mit viel höherer Frequenz. Aber wenn da eine Marketing-kampagne schief geht, sind eben 200.000€ weg, das ist zwar doof, wird aber den Konzern nicht in Schwierigkeiten bringen. Ein Startup dagegen schon.

Caspar von Gadow: Die Schwächen von großen Konzernen sind ganz klar. Sie sind saturiert und entwickeln eine Firmenpolitik, die verlangsamt. Und dann bewegt man sich eben seitwärts statt vorwärts. Dagegen steht bei den Startups die besondere Marktnähe, sie entwickeln Geschäftsmodell und Produkt von null an selbst und haben daher eine enorme Entscheidungsfreiheit.

Christoph Räthke: Startups haben meiner Meinung nach überhaupt keine Schwächen. Die fundamentale Kreativität und essentielle Freiheit, sein eigener Herr zu sein – das ist zukunftsweisend! Was früher einmal groß gegen klein war, ist heute langsam gegen schnell.

Caspar von Gadow: Man muss allerdings anmerken: volkswirtschaftlich spielen Startups in der Bundesrepublik keine Rolle. Daher muss vor allem auf Zusammenarbeit gesetzt werden und ein Miteinander gefunden werden.

Foto: Deutschland - Land der Ideen, © Bernd Brundert
Foto: Deutschland - Land der Ideen, © Bernd Brundert


Zukunftsmusik?

Maxim Nohroudi: Wobei die Frage bleibt, wie lange das noch so sein wird. Es gab in Deutschland früher über achtzig Kutschenhersteller. Was meinen Sie, wie viele davon den Schritt von Pferd und Wagen hin zu Motor und Wagen gegangen sind?

– Einer. Das sollte auch große Konzerne zum Nachdenken anregen. Wir haben hier auch einfach einen riesigen Unterschied zu den USA: Nehmen wir das Beispiel Automobilindustrie. In Deutschland kann man mit dem Verkauf von Autos noch Geld machen; das Geschäftsmodell funktioniert noch. In den USA (wir haben unter anderem eine Kooperation mit General Motors) ist das nicht so. Da gibt es eine ganz andere Beziehung zum Internet und Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Über 20% des BIP wird von Unternehmen erwirtschaftet, die es vor 25 Jahren nicht mal gab.

Sebastian Fittko: Wir müssen jetzt erst einmal Interfaces bauen, die beiden Parteien nutzen. Es muss Wege geben, wie man vernünftig miteinander arbeitet. Die großen Unternehmen schauen, was für Assets von den Startups bearbeitet können und was diese mit ihrer Gestaltungsfreiheit den Großkonzernen zurückgeben können. So entstehen ganz neue Firmenstrukturen. Es geht hier um ein Miteinander statt Gegeneinander!


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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