von Cristin Liekfeldt

Die Mensch-Maschine

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Die Mensch-Maschine

Bisher kannten wir Cyborgs nur aus der Welt der Science-Fiction: Doch immer mehr Menschen lassen sich Technik implantieren. Und sie werfen damit Fragen auf über das Verhältnis von Mensch und Maschine.

Bis vor ein paar Jahren kannten wir sie nur aus Animations- und Science-Fiction-Filmen, halb Mensch, halb Roboter: Cyborgs. Statt eines rechten Arms besaßen sie mitunter eine Laserkanone oder ein Maschinengewehr, denkt man an Arnold Schwarzenegger in „Terminator“, kommt unter dem halb zerstörten, menschlichen Gesicht kühl-aggressives Metall und ein rot leuchtendes Kamera-Auge zum Vorschein.

Der Mensch produziert solche Filme, um einerseits zu unterhalten, anderseits aber auch, um den Unterschied aufzuzeigen. Das ist Mensch – das andere Maschine. Aber heute, am 05. Juli 2016, gibt es bereits wirkliche Cyborgs: Menschen, die ihren Körper mit kleinen Maschinen, künstlich hergestellten Implantaten und Ersatzteilen erweitert haben. Mensch-Maschinen. Zwar sind wir noch von der Romanwelt eines William Gibson entfernt, in der Menschen Implantate im Gehirn haben, aber der Anfang ist gemacht.


Cyborg Enno Park hört besser dank Implantat

Ein Beispiel für den modernen Cyborg ist Enno Park. Der Berliner Wirtschaftsinformatiker ist eigentlich seit seinem 17. Lebensjahr schwer hörgeschädigt. Aber er trägt ein Cochlear-Implantat und hört sehr gut. Beim Cochlear-Implantat wird in den Schädelknochen hinter den Ohren ein Loch gebohrt, ebenso kleine Kanäle in der Nähe des Innenohrs. Am Ende der Drähte, die in diese Kanäle eingeführt werden, sitzen Elektroden, die die Nerven des Hörapparates stimulieren. Das angehängte Mikrofon und der Sprachprozessor ermöglichen dem Implantat, umliegende Geräusche aufzuzeichnen, um sie dann als digitales Signal an die zuständigen biologischen Schnittstellen im Körper zu senden.


Enno Park und die Cyborgs / Flickr
Enno Park und die Cyborgs / Flickr

Park gründete im Dezember 2013 den ersten Cyborg-Verein in Berlin. Hier wird vor allem gebastelt und gehackt, aber auch moralische und technische Fragen diskutiert: Wer nimmt wen in Besitz? Die Maschine den Menschen? Oder der Mensch die Maschine? Oder ist es vielleicht sogar ein gleichberechtigtes Nebeneinander? Eine Partnerschaft? 


Ein Cyborg ist in einer schwierigen rechtlichen Lage

Eine einfache, integrierte Prothese macht aus einem Menschen noch keinen echten Cyborg. Die Verbindung zwischen Mensch und Maschine ist bei Cyborgs noch viel mehr miteinander verwoben Es sind Elektroden, die an Nervenenden anschließen, Symbiosen von künstlichen und natürlichen Stimulationen, die biochemisch miteinander funktionieren. Doch die Implantate, die das möglich machen, gehören rechtlich nicht zum Körper eines Menschen. Noch. 

Der Brite Neil Harbisson ist der erste, juristisch anerkannte Cyborg der Welt. Er ist farbenblind. Eigentlich. Durch einen Chip im Hinterkopf und einen Sensor, der wie eine Antenne bis hin zur Stirn reicht, hört Harbisson Töne. Rot ist ein F, Helles Grün ein Gis, Gelb ein G. Die Kamera nimmt Farbspektren auf, sendet die Farbinformationen an den Chip und der schickt Vibrationen an die Knochen in Harbissons Körper.


Neil Harbisson, Foto: fastcoexist.com
Neil Harbisson, Foto: fastcoexist.com

„Eyeborg“ heißt die Erfindung. Sie darf mittlerweile sogar mit auf das offizielle Passfoto und wurde von der britischen Regierung anerkannt. Nach einer Umstellungsphase funktioniert die Farberkennung für Harbisson mittlerweile automatisch, das Hirn lernte schnell, die Informationen zu verarbeiten. Und er geht über die Grenzen der menschlichen Fähigkeiten hinaus – er sieht auch Infrarot und Ultraviolett.


Besser sehen dank Implantaten – und mit den Fingerkuppen telefonieren

Es sind Fähigkeiten, die über die Vorstellungskraft vieler Menschen hinausgehen. Der Tagesspiegel interviewte vor kurzem Stefan Greiner, ebenfalls Mitglied im Cyborg-Verein. Er ließ sich einen Magneten in die Fingerkuppe bauen, der in etwa so groß wie ein Reiskorn ist. Durch Herumspielen, sagt Greiner, stieß er auf die Tatsache, dass der Magnet Töne wiedergeben konnte. Nun ist seine linke Hand Lautsprecher. Und wenn er mit dem Smartphone telefoniert, muss er sich nur den Zeigefinger an sein Ohr halten.

Rob Spence ist kanadischer Dokumentarfilmer, der sein Auge mit neun Jahren verlor. Die Idee, das Auge durch eine Kamera zu ersetzen, ist nicht neu. Spence hat es gemacht. Seine Augenkamera überträgt die Bilder auf einen kleinen Bildschirm, den er mit sich trägt. Allerdings kann er nur drei Minuten am Stück filmen, sonst überhitzt das Implantat sich. Es ist für ihn erst der Anfang.

Auch Hugh Herr verlor in seiner Jugend wichtige Körperteile: Seine beiden Beine. Als leidenschaftlicher Kletterer traf ihn das tief, so tief, dass er Prothesen entwickelte, die ihn eines Tages wieder klettern lassen würden. Keine zwölf Monate später hing der Sportler an derselben Felswand wie vor dem Unfall. 

Hugh Herr mit seinen Ausgeh-Prothesen / Axonpublic.org
Hugh Herr mit seinen Ausgeh-Prothesen / Axonpublic.org

Er arbeitet im MIT Media Lab mit einem Team an der Entwicklung von bionischen Prothesen, die durch Sensoren in einer Art Strumpf die Bedienung erleichtern. Diese Sensoren sind mit den intakten Nervenenden im Körper verbunden und so wird der mechanische Teil der Prothese allein durch das Denken, wie ein normaler Bestandteil des Körpers, gesteuert. Hier ist der TedTalk dazu (allerdings in Englisch):


Ted Talk von Hugh Herr

Cyborgs sind keine Wesen aus der Welt der Science-Fiction mehr, auch wenn wir gerade erst am Anfang der Entwicklung stehen. Die Frage ist dennoch: Ist es vermessen, die menschlichen Grenzen zu erweitern oder ist das nichts anderes als eine technische Art der Evolution? Ich bin gespannt auf eure Meinungen! 



 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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