von Cristin Liekfeldt

Genprogrammierer und Silver Girl Power - Leben im Jahr 2030

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Genprogrammierer und Silver Girl Power - Leben im Jahr 2030

Stichwort Megatrend - Der demografische Wandel, die Globalisierung und der Klimawandel, dynamische Innovationen und neue Technologien werden die nächsten 15 Jahre unseres Lebens prägen. Dazu wirbeln Sharing Economy und eine zunehmende Ressourcen-Knappheit bekannte Abläufe durcheinander. Wie könnte man sich 2030 vorstellen?

Roland Berger, weltweit bekannte Unternehmens- und Strategieberatung, hat kürzlich einen Trend-Report bis 2030 veröffenlicht und einige Lebensbereiche untersucht.


Wohnen

Den Traum vom ausgebauten Bauernhaus kann man wohl eher vernachlässigen - die Zukunft wird aus high-tech-Häusern im Baukasten-Prinzip gebaut.

Sie werden ökologisch, recyclebar, energieeffizient und sparsam sein - wenn die neueste Technologie installiert ist, wird automatisch Wasser gespart, Solarenergie nur nach Bedarf und effizient genutzt. Außerdem werden anstatt Dächern beliebig erweiterbare, massenproduzierte (Wohn-)Einheiten das Straßenbild prägen. So können mehrere Generationen unter einem Dach wohnen, beliebig angebaut und Altenpflege erleichtert werden. Außdem wird die eigene Wohnung beim Betreten die Bedürfnisse erkennen, auf gesprochene Befehle reagieren und sowieso werden alle elektronischen Geräte miteinander verbunden sein.

5D-Videostreaming wird völlig in den Alltag integriert werden, nebenbei können Freunde und Verwandte über die virtuelle Videokonferenz mitmischen. Nachrichten werden durch das häusliche Netzwerk auf der Tapete erscheinen, wenn zum Beispiel das Essen im Ofen gar ist.


Essen & Trinken

Wir werden nicht bloß essen. Stattdessen zieht "Pharming" in unseren (Essens-)Alltag ein. Das Essen und Trinken wird nicht nur der Nahrungsaufnahme dienen, sondern gleichzeitig dazu, unseren Körper etwas zu dopen: in den Nahrungsmitteln sind konzentrations-, verdauungs-, oder schlaffördernde Substanzen enthalten, die unsere Synapsen schneller machen oder die Kreativität erhöhen.

Fast Food wird nicht mehr länger Burger sein, sondern durch schnelle, fertige, biologische und gesunde Mahlzeiten ersetzt werden, die selbstverständlich online bestellt und mit dem Fahrrad ökologisch korrekt geliefert werden. Die Verpackungen werden RFID-chips enthalten und so die Datenspeicherung über Funk ermöglichen - aufgerufen werden können zum Beispiel nützliche Informationen, etwa wie lange der Körper braucht, um das Lebensmittel zu verdauen. Natürlich kaufen wir Lebensmittel nur noch online und das Papiergeld gibt es nicht mehr.


Lernen

Die Lehrer von morgen werden "globale Superstars" - die virtuellen Kurse, die sie geben, werden automatisch und in Echtzeit in alle anderen Sprachen übersetzt. Weiterhin starten die Kinder, wann immer sie morgens dazu fertig sind. Die Kurse werden mit 3D-Technologie und Telepräsenz  sowie interaktive Links und Mediadateien durchgeführt und Gruppen zum gegenseitigen Austausch durchbrechen das vornehmlich eigenständige, computerbasierte E-learning.

Virtuelle Assistenten und "Gurus" werden uns das maßgechneiderte Lernprogramm für das ganze Leben heraussuchen, es unseren Bedürfnisse anpassen und  aktualisieren. Unsere Kinder verstehen technische Neuerungen und die Interaktion in jeweils virtuellen als auch in realen Welten viel besser als die Älteren und werden daher deren Mentoren. Die Mehrlagigkeit der Welten haben einen positiven Einfluss auf das Lernen und fördern kritisches Denken und die Entwicklung von Problemlösungsfähigkeit.


Arbeiten

Home-Office-Fans aufgepasst - 2030 werden wir nur noch 5 - 8 Stunden pro Woche im Büro verbringen. Die restliche Zeit arbeiten wir von zu Hause aus oder unterwegs - selbst im Flugzeug kann man sich dank einer allumfassenden Konnektivität (alles ist mit allem verbunden) problemlos und sicher in die Arbeit einloggen. Papier wird komplett überflüssig.

Menschen werden tendenziell immer älter und dank neuer biochemischer und medizinischer Techniken auch immer fitter und länger selbstständig. Gerade die Frauen 65+ werden länger berufstätig sein und ihre Finanzen selbstständig verwalten ("Silver Girl Power").

Auch die Berufe der Zukunft werden sich ändern. So sieht man weniger Ärzte, Anwälte oder Mechaniker sondern Gewebetechnologen, Genprogrammierer, Pharmer, Datengräber, Virtual Reality Schauspieler und Simulatoren oder Wissensingenieure.


Reisen

Unsere Fahrzeuge werden intelligent - zwar gibt es wahrscheinlich noch einen Anteil an kohlenstoffausstoßenden Autos, Tendenz aber fallend. Stattdessen gibt es wasserstoffbetriebene Autos, die dank Nanotechnologie allen Schmutz von sich weisen und die mittels GPS-Geräten und Black-Boxen die individuellen Steuern und Versicherung des Autos festlegen.

Carsharing und -pooling wird gerade in den Städten überaus populär, denn es werden zur Smogvermeidung Staugebühren und Mautstraßen eingerichtet. Der Urlaub wird generell schneller und kürzer. Etwa 4 - 5 Mal im Jahr nehmen wir diesen Kurzurlaub. Wegen der Überschallflugzeuge brauchen wir nicht länger als 5 Stunden (wenn wir dafür zahlen) zu allen Zielen der Welt. China wird und bleibt Reiseziel Nummer Eins.

Aber auch das Reisen in den Weltraum wird real und 20 Jahre nach der Markteinführung sogar für den Ottonormalverbraucher erschwinglich. Man fliegt etwa drei Stunden, 100km weit weg von der Erde genießt man den Blick auf die Erde und die Schwerelosigkeit und macht sich danach wieder auf die Rückreise. 3.500 - 100.000 US-Dollar kostet der Spaß dann etwa, größter Anbieter dieser Reisen wird vorraussichtlich Dubai.


Kommunikation

DIe Kommunikation mit den mobilden Endgeräten wird viel enger, regelmäßiger und dauerhafter sein als heute. Wir haben nicht nur Websiten, in die wir uns einloggen, um zu arbeiten, sondern haben solche Dashboards auch privat - und organisieren dadurch unsere sozialen Termine, Anrufe und Nachrichten, vernetzen uns und wohnen virtuellen Konferenzen bei.

Wir müssen auch keine fremden Sprachen mehr lernen oder sprechen. Englisch bleibt zwar die Weltsprache, aber durch kostengünstige, automatisierte Echtzeit-Übersetzung kann jederzeit alles von allen verstanden werden. Dies hat zur Folge, dass sich Minderheitensprache und Dialekte wieder ausbreiten und sich entwickeln. Die Linguistik kann sich in diesem Falle auf einen ganz anderen Bereich konzentrieren: auf die Kommunikation zwischen Mensch und Tier.

Außerdem gibt es zahlreiche Community-Plattformen, die keinerlei Hirarchie haben, sondern ihre Mitglieder aufgrund ihrer Interessen und Vorlieben nimmt, sie vernetzt, ihnen die Diskussion  und auch 1-zu-1-Interaktionen ermöglicht. So spielen sich komplexe Kulturen und entscheidende Systeme den Regierungsorganen verborgen und nicht messbar virtuell ab.


Entspannung

Wir definieren die Familie als solches neu. Nicht nur die Kernfamilie, beispielsweise die Eltern und Kinder einer Person, sondern auch die sogenannte "periphäre Familie" wie Avatare, Community Partner, Netzwerke, E-Lehrer, und persönliche Assistenzen werden zur Familie gezählt. Die Zeit mit der eigentlichen Kernfamilie ist daher eher knapp bemessen. Daher ändert sich wohl auch unsere Vorstellung vom Zusammenleben.

Digitale Ferien: Da die digitalen Medien manchmal besser sind als die Realität, außergewöhnlicher und besonderer, werden wir ganze Wochenenden und länger in der visuellen Welt  verbringen.

Einfach mal nichts tun: Wenn wir keine Lust mehr haben, gar nicht zu tun, ist das auch in Ordnung. Durch funktionale Nanomaterialien haben sich selbst reinigende Fenster, Bäder und Einrichtungsgegenstände etabliert - der persönliche, digitale Assistent kümmert sich um die alltägliche Routine - organisiert Termine, Reisen und die hausapotheken, gibt finanziellen und juristischen Rat und kontrolliert die häuslichen Netzwerke. Kann man wegen der Arbeit oder aus anderen Gründen nicht nach Hause kommen, gibt es spezielle T-shirts, die simulieren, dass man einen geliebten Menschen um sich herum hat. 


Mir scheint die Vorstellung der Zukunft durch die Strategen von Roland Berger beinahe etwas zu positiv. Gibt es da nicht noch mehr Entwicklungen? Wie seht ihr 2030 entgegen? Erinnert es nicht doch etwas an den Überwachungsstaat in "1984" (George Orwell) wenn mithilfe von Tracking-Software gemessen wird, wie viel Bewegung ein Mensch täglich hat, um auf der Datengrundlage dann den Krankenkassenbeitrag festzulegen?



 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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