von André Jasch

Digitalisierung des Güterverkehrs: Eric Steck von ASE zum Status Quo

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Digitalisierung des Güterverkehrs: Eric Steck von ASE zum Status Quo

Wir bestellen auf Amazon, Zalando und Co. fast täglich Waren. Doch wer macht sich wirklich Gedanken darüber, wie diese Ware zu uns kommt? Die meisten bestellten Warensendungen haben seit ihrer Produktion einen lange Reise hinter sich. Eine Jeanshose zum Beispiel ist schon über 50.000 Kilometer unterwegs, bevor sie das erste Mal getragen wird. Die ASE GmbH digitalisiert mit ihrer Software den Güterverkehr. Um den komplizierten Markt zu verstehen, gibt ASE-Geschäftsführer Dr. Erik Steck einen Einblick in die aktuelle Lage des Gütertransports im Exportland Deutschland.


André Jasch: Herr Dr. Steck, wie ist die Situation auf dem deutschen Gütermarkt und wie ist die Entwicklung?

Dr. Eric Steck: In Deutschland wurden 2016 mehr Güter transportiert als je zuvor. Laut Bundesverkehrswegeplan des BMVI wird für Deutschland in Zukunft mit einer Kapazitätssteigerung von 38 Prozent gerechnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das Transportaufkommen weltweit gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent auf 4,6 Milliarden Tonnen, das klingt erst einmal wenig, ist aber global betrachtet ein großes Volumen. 

Der Containertransport nimmt stetig zu, jährlich um weltweit 3 Prozent laut der Drewry Hochrechnung von Oktober 2017. Die Erhebungen des indischen DS Research Centers gehen von rund 20 Prozent Kapazitätssteigerung bis 2021 aus. In diese Hochrechnung sind weltweit 24 Logistikterminals einberechnet. Diese wachsende Kapazität muss von allen Logistikern gemeinsam bedient werden.


André Jasch: Wie steht es um die Infrastruktur in Deutschland? Kann diese mit den steigenden Kapazitäten mithalten?

Dr. Eric Steck: Die Infrastruktur der Staße ist besser als die der Schiene. Aus diesem Grund werden auch 79 Prozent der Gütermenge in Deutschland mit Lkw transportiert. In Bayern und Schleswig-Holstein werden sogar Spitzenwerte von 95 Prozent gemessen. Generell ist zu sagen: Die steigenden Kapazitäten treffen auf eine überlastete Infrastruktur in Deutschland. Aus mangelnder Kapazität griff die Deutsche Bahn letztes Jahr schon auf Trassen des Personalverkehrs zurück, so zum Beispiel in Frankfurt am Main.

Das BMVI möchte Finanzmittel des Bundes bis 2030 zu rund 54 Prozent in den Ausbau der Straßen investieren, viel weniger in den Schienenverkehr. Die alten Gütertransportstrukturen werden gefestigt und nicht modernisiert. Gerade der Ausbau des Schienennetzes ermöglicht eine effizientere Abwicklung und eine Entlastung des Straßenverkehrs. Die Prognosen zeigen ein weiteres Wachstum an.


André Jasch: Angesichts der Digitalisierung in der Branche müssen sich auch Logistiker mit Innovation auseinander setzen. Wie rüsten sich die Güterverkehrsunternehmen für die Digitalisierung?

Dr. Eric Steck: Nicht umsonst haben viele Unternehmen schon reagiert und sich auf die Veränderung im Güterverkehr eingestellt. Die Zahl der Warenlieferungen steigt unaufhörlich an. In Deutschland lassen sich 68 Prozent der Millennials immer oder zumindest häufig die Ware bis zur Haustür liefern. Die Städte selbst wachsen immer weiter und damit nehmen auch die Herausforderungen für die Logistik zu. Bis 2050 werden nach einer Prognose der Vereinten Nationen 66 Prozent der Menschen in Städten leben. Für uns gibt es hier keinen Weg an einer Digitalisierung vorbei. Viele Unternehmen beginnen mit der Integration von digitalen Services, so unter anderem große deutsche Unternehmen wie Hafen Hamburg, Hafen Mannheim und BASF.

Für noch schnellere und effiziente, digitalisierte Prozesse in der Branche fehlt es aber im Moment an der Infrastruktur. Wie schon gesagt, die Trassen in Deutschland sind völlig überlastet und auch die sogenannte letzte Meile zum Kunden ist oft nicht effektiv gelöst. Der Hinterland-Verkehr, also der letzte Weg zu den Logistikzentren im Inland und zum Endkunden, ist bislang sehr starr und unumgänglich an den Lkw-Transport gebunden. Das behindert die Innovation nachhaltig.

Auch die Datenerfassung ist nicht einheitlich und in den meisten Fällen immer noch manuell. Hier bedarf es eindeutig einer Modernisierung für zukünftige Kapazitäten. Aber es gibt viele innovative Ideen innerhalb der Branche. Das Stichwort Industrie 4.0 ist ein wichtiges Themenfeld für die Branche. Auch wir, mit unserer Datenerfassungssoftware, arbeiten in diesem Bereich. Die Software NUMBERCheck automatisiert die Gütererkennung an allen Waggons und Containern.


André Jasch: Welche Trends sehen Sie für die Zukunft des Güterverkehrs? Gibt es Lösungsansätze um die steigenden Kapazitäten zu bewältigen?

Dr. Eric Steck: Die Branche ist stetig im Wandel, das ist sicher. Die Kapazitätssteigerung ist für alle Teilnehmer eine Herausforderung. Die internationale Logistik ist eine schnell expandierende Branche. Die meiste Ware hat bis zum Endkunden eine lange Reise hinter sich. So hat sich auf dem globalen Gütermarkt einen Trend entwickelt, der seit 2008 stetig zunimmt: Die Kombination von verschiedenen Verkehrsmitteln. 

In der Branche spricht man von Kombiniertem Verkehr (KV). Etwa 110 Mio. Tonnen werden im internationalen Güterverkehr mit vielen unterschiedlichen Transportmitteln vom Produkteur zum Kunden gebracht. Das entspricht ungefähr einem Viertel des gesamten Güterverkehrs. Gerade hier ist es wichtig, die unterschiedlichen Unternehmen auch digitaler zu vernetzen und die Datenerfassung zu optimieren. 

Unsere Kunden berichten uns, dass einige Güterumschlag-Terminals sich räumlich nicht mehr vergrößern können, weil sie bereits so eng in die bestehende Infrastruktur eingebunden sind. Hier beibt wirklich nur eine Lösung um die steigenden Kapazitäten abzudecken: Die einzelnen Prozesse des Verladens der Ware müssen beschleunigt werden, indem sie effizienter abgearbeitet werden. Und das führt mich auch gleich zum Lösungsansatz für die Branche: Die Prozesse müssen digitalisiert und vereinfacht werden. 

Die Datenübertragung muss schneller und effizienter zwischen einzelnen Logistikunternehmen ausgetauscht werden können. Das ist zum Beispiel auch wichtig für die Sicherheit der Transporte. So weiß jeder Logistikunternehmen, von Bahn, Lkw bis hin zum Schiff, welches Gefahrengut aktuell transportiert wird, und kann bereits Vorkehrungen treffen. Die Unternehmen im modernen Güterverkehr müssen noch intensiver zusammenarbeiten. Nur so kann die Herausforderung des internationalen Gütertransports gestemmt werden.


André Jasch: Wenn Sie sich auf einen Lösungsansatz festlegen müssten, welcher ist Ihrer Ansicht nach zur Optimierung des Gütertransports besonders wichtig?

Dr. Eric Steck: Es gibt ein Thema, das uns jeden Tag besonders beschäftigt. Viele unserer Kunden, mit denen wir zusammen arbeiten, bestätigen uns das. Alle Akteure - also Speditionen, Häfen, Terminals und Eisenbahnunternehmen - agieren mit unterschiedlichen Systemen zur Datenerfassung, es gibt keine einheitliche Erfassung. Das macht die Prozesse sehr unübersichtlich und verzögert die Prozesse des Umladens unnötig.

Laut dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) setzen 52 Prozent der befragten Unternehmen viele unterschiedliche Identifikationstechnologien, wie RFIDSysteme, Barcodes und Sensorik, ein. Zum besseren Verständnis: Diese Identifikationstechnologien dienen dem übergeordneten Management von Transportketten, wie Sendungsverfolgung, automatisierte Kommunikation und Vernetzung. Gibt es hier keine einheitliche Lösung, muss jeder Container und jeder Waggon einzeln notiert werden. Dieser Prozess ist sehr zeitaufwendig.

Ein Einlesen der Daten in ein standardisiertes System käme allen Beteiligten zugute, die schnelle Erfassung wäre gewährleistet und es wäre auch aus Sicherheitsaspekten vorteilhaft: Gefahrengüter werden schneller erkannt und können über den ganzen Transportweg besser geplant werden.


André Jasch: Vielen Dank für das Interview.


Zur Person: Eric Steck lebt als gebürtiger Franzose bereits seit 1990 in Deutschland und hat sich nach seinem Studium der Elektrotechnik sehr bald auf die Sicherheits- und Überwachungstechnik konzentriert. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit der Entwicklung von Videoüberwachungssystemen für verschiedenste Anwendungen weiß er genau, wie Anforderungen und Lösungen gestaltet werden müssen. Die ASE GmbH hat er 2002 gegründet und konzentriert sich seitdem auf die Bereiche Vertrieb und Forschung & Entwicklung. Dank seiner hohen Sozialkompetenz und seinem angeborenen „savoir-vivre“ ist der Vertrieb sein Steckenpferd.


 

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