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von Jana Biesterfeldt

„Es braucht Startups, um die Etablierten herauszufordern“

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„Es braucht Startups, um die Etablierten herauszufordern“

Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt Unmut bei vielen Startups. 86 Prozent der 300 befragten Startups werfen der Politik mangelndes Verständnis für die Probleme junger Unternehmen vor. Weiterhin gehen die meisten davon aus, dass nur wenige Versprechen der Großen Koalition umgesetzt werden. Was wird wirklich für Startups in Deutschland getan, wie kann die Szene weiter unterstützt werden?

Dazu haben wir bei der Politik nachgefragt: Danyal Bayaz ist Startup-Beauftragter vom Bündnis 90/Die Grünen und ist Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda.


Jana Biesterfeldt: Was macht ein Startup-Beauftragter? Was sind Ihrer Meinung nach die Themen, die dabei wichtig sind und werden?

Danyal Bayaz: Wir sollten die Funktion eines Startup-Beauftragten – zumal in der Opposition – nicht größer machen, als sie vermeintlich ist. Aber uns war wichtig, dass eine der zentralen Communities für Innovation und Kreativität auch einen eigenen Ansprechpartner hat. Schon während der Jamaika-Sondierungen hat sich herausgestellt, dass andere Parteien das Thema Startups und Gründungen wenig auf dem Schirm haben. Deswegen war mir wichtig, hier auch ein Zeichen zu setzen.

Ich verstehe meine Rolle in erster Linie als Botschafter: Ich bringe einerseits die Perspektive der Startup-Szene in die Politik und in parlamentarische Initiativen ein. Da geht es viel um Fragen wie Zugang zu Kapital, ausreichend Flächen und Experimentierräume oder die gesellschaftliche Akzeptanz der Gründerkultur. Andererseits versuche ich, die Startup-Community für die Mechanismen der Politik, die häufig langsam sind, zu sensibilisieren. Und ich diskutiere viel mit Verwaltungen, Politikern oder Mittelständlern, was man von Startups lernen kann.


Jana Biesterfeldt: Wie sehen Sie die Potentiale von Startups für die wirtschaftliche und digitale Zukunft Deutschlands?

Danyal Bayaz: Wir sind ja kein Gründerland auf dem Level von Israel oder dem Silicon Valley – und das, obwohl wir hochinnovative Weltfirmen und Spitzenuniversitäten haben. Das heißt, wir haben hier noch enormes Potential. Bei Startups entstehen viele neue Arbeitsplätze, gerade auch im Vergleich zu etablierten Konzernen. Unser „Problem“ ist: Unserer Wirtschaft geht es aktuell gut, das macht bequem. Jetzt kommt aber eine neue Welle der Digitalisierung, eine neue industrielle Revolution in atemberaubendem Tempo. Es ist ja gerade die Kombination von Technologien wie Internet der Dinge, künstliche Intelligenz oder Automatisierung, die Märkte und Geschäftsmodelle über Nacht verändern. 

Beispiel Automobil: Wenn die Batterie aus China kommt und die digitalen Features aus den USA, wo bleibt dann eigentlich unsere Wertschöpfung? Karosserie alleine ist ja kein Hightech. Hier haben Konzerne und Politik einfach zu lange geschlafen. Hier braucht es Startups, die die Etablierten in ihren Strukturen und ihrem Denken herausfordern und neue Ideen einbringen. Das schafft Wettbewerb um die innovativsten Ideen und davon profitieren am Ende auch die Verbraucherinnen und Verbraucher.


Jana Biesterfeldt: In Deutschland herrscht ein Mangel an Wagniskapital. Crowdinvesting kann einen Beitrag leisten, diese Lücke zu verringern. Wie bewerten Sie das?

Danyal Bayaz: Aktuell gibt es sowas wie drei Zeitzonen für Venture Capital: Erstens China. Da wird wahnsinnig viel Geld in Startups, vor allem in Schlüsseltechnologien wie KI oder Batterieforschung, gesteckt. Zweitens die USA mit hochprofessionellen Strukturen für Risikokapital. Und erst in Zeitzone drei kommt Europa mit UK, Paris und Berlin. Deutschland ist da noch ganz OK aufgestellt, aber in vielen heute wirtschaftlich starken Regionen in Europa gibt es z.B. quasi keine Venture-Capital-Landschaft. Das bereitet mir Sorge und da müssen wir insgesamt mehr tun mit Blick auf privates, aber auch staatliches Kapital.

Was Crowdinvesting im Konkreten angeht, so ist das sicherlich ein wichtiges Element im Finanzierungsmix, um mehr Risikokapital einzusammeln. Crowdinvesting allein kann den Rückstand aber nicht aufholen. Daher ist es gut, dass die EU-Kommission endlich die Initiative ergriffen hat und jetzt immerhin die Möglichkeit schaffen möchte, dass Crowdfunding-Plattformen künftig effektiver europaweit agieren können. Das ist ganz im Sinne eines einheitlichen Binnenmarktes. Ich kann mir auch vorstellen, dass künftig die Ausgabe von Token ein weiterer, einfacher Kanal zum Einholen von Kapital ist. Aber hier gilt’s schnell die vielen, offenen regulatorischen Fragen zu klären.


Jana Biesterfeldt: Durch die EU-Prospektverordnung von 2017 wird auf EU-Ebene versucht, die Finanzierung von Startups zu erleichtern. Startups sind aber oft GmbHs und diese sind in der Verordnung ausgeschlossen. Wie bewerten Sie diesen Umstand im Hinblick auf Startups?

Danyal Bayaz: Natürlich erfahren GmbHs auch Erleichterungen, wenn sie Wertpapiere wie Anleihen oder Genussscheine herausgeben. Richtig ist aber auch, dass GmbH-Anteile als Vermögensanlage gelten und deshalb nicht von den Erleichterungen profitieren. Für ein öffentliches Angebot eignen sie sich aber aufgrund der notwendigen notariellen Beglaubigung sowieso nur bedingt. Dies ist einer der Nachteile, der bei der Wahl der GmbH als Rechtsform bei der Unternehmensgründung mit einbezogen werden sollte.


Jana Biesterfeldt: Das Scheitern ist in Deutschland noch immer stark stigmatisiert. Steht diese deutsche Mentalität mehr Unternehmensgründungen im Weg?

Danyal Bayaz: Das ist ein sehr wesentlicher Punkt und wir müssen uns fragen, wie wir da einen Kulturwandel einleiten können. Da müssen wir uns auch hinterfragen, wie wir mit dem Scheitern umgehen. Das kann aber nicht die Politik alleine regeln, da braucht es gesamtgesellschaftliche Akzeptanz und Wertschätzung. Dazu kommt unsere bereits angesprochene gute Wirtschaftslage, die zum Luxusproblem wird. Warum als Wirtschaftsingenieurin mit einer genialen, vielleicht aber auch verrückten Idee ins Risiko gehen, wenn ich schon drei Jobangebote von großen Playern mit 70. 000 Euro Einstiegsgehalt auf dem Tisch habe?

Wir haben in der Startup-Welt aber noch ein anderes Mentalitätsproblem: Der allergrößte Teil der Gründer sind Männer. 99% des Venture Capitals in den USA geht an männliche Gründer. Da Diversity und Innovation aber Hand in Hand gehen, lassen wir hier richtig viel Potential auf der Straße liegen. Auch hier müssen wir Wege finden, wie wir insbesondere mehr Frauen den Weg in die Gründung ebnen.


Jana Biesterfeldt: Vielen Dank für das Interview, Herr Bayaz! 


Zur Person: 

Danyal Bayaz ist seit Oktober 2017 Mitglied des deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Als Wirtschaftswissenschaftler ist er der Startup-Beauftragter der Grünen-Bundestagsfraktion. Er ist Mitglied im Finanzausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss und im Ausschuss Digitale Agenda. 

Foto: © Stefan Kaminski



 

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