von Cristin Liekfeldt

"Startups zu unterstützen ist ist für uns moralische Verpflichtung!"

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Der August ist dunkelgrau, schwere Wolken hängen über dem Büro und drückt auf das Gemüt. Ein Montag mal wieder. Und das soll Sommer sein. Dass ich nicht lache.

Herr Doktor Schenk dagegen lacht mir auf der Webseite der Kanzlei Schenk entgegen, als hätte er von all dem Mistwetter nichts bemerkt. Was das wohl für ein Mensch ist? 

Ich stieß während meiner Recherche zur Anlegerperspektive zu Crowdinvesting auf die Kanzlei und zwei ihrer Studien von 2014. Umfragen zum Crowdinvesting mit den Investoren. Eine Menge Fragen wurden dort beantwortet, 26 um genau zu sein. Die Ergebnisse sind interessant, 82 % der Befragten meinten zum Beispiel, Politik, Interessenverbände und das Bildungssystem sollten eine intensivere Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung bezüglich Crowdinvesting betreiben. 39 % glauben an ein dynamisches Wachstum von Crowdinvesting, 35% pflichten nur bei einer zweckmäßigen Regulierung zu.

Seit 2014 ist einiges passiert, die Regulierung kam mit dem Kleinanlegerschutzgesetz ein Jahr später. Ich beschließe, Herrn Schenk ans Telefon zu holen um mir die Meinung eines Außenstehenden einzuholen. Wie sehen die Anleger Crowdinvesting? Was wird für gut befunden? Was wird bemängelt?

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Gespräch.

Hallo Herr Dr. Schenk. Ich habe Ihre Umfragen im Internet gefunden und wollte Sie einfach mal ein paar Sachen dazu fragen. Wie kommt es denn eigentlich, dass Sie sich als Steuerberater für die Finanzierung von Startups interessieren?

Ich interessiere mich generell für die Unterstützung von Startups. Aufgrund der Banken- und Finanzkrise haben alle Anleger Grund zur Sorge, es müssen neue, transparente Lösungen her. FinTechs werden über kurz oder lang die Position der Banken einnehmen. Diese Entwicklung hält das alte System nicht mehr auf! Gute Ideen, die junge Gründer haben, werden durch Banken nicht finanziert - die haben kein Interesse daran, weil sie nicht wissen, ob sie das Geld je wiedersehen. Hinzu kommt noch, dass für die meisten Banken der Einsatz von staatlichen Fördermitteln eher ein Fluch als ein Segen ist. Es verbleibt den Banken trotz Einsatz von Fördermitteln dann immer noch ein Rest-Risiko, das sie nicht tragen wollen und der Ertrag geht sowieso gegen null. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, insbesondere bei den regionalen Genossenschaftsbanken. Diese kann man als Berater für seine Startup-Mandanten durchaus überzeugen, mit an Bord zu gehen und das Startup gemeinsam nach vorne zu pushen. Zusammen mit dem wirtschaftlichen Eigenkapital der Crowd kann man eine Gesamtfinanzierung des Vorhabens erreichen. Das setzt aber voraus, dass der Berater auch in Bezug auf Unternehmensfinanzierungen fachlich fit ist und als Moderator die Fäden in der Hand halten kann. Dass mit der Lust ist bei vielen Steuerberatern übrigens meist genauso problematisch: Mit Startups lässt sich im ersten Moment nicht viel verdienen, also haben die keine große Lust, denen unter die Arme zu greifen. Wir sind eine Mittelstandskanzlei und sehen das als unsere soziale Verantwortung, solchen jungen Unternehmen zu helfen. Unsere Mission ist, dem Mittelstand zu dienen! 

Investieren Sie denn selbst in Startups?

Ich habe das zwei Mal mit Erfolg ausprobiert, ja. Nicht über Companisto allerdings.

Und was halten Sie dann vom Crowdinvesting?

Ich finde das Prinzip der Solidargemeinschaft und der Demokratisierung des Kapitals über das Internet absolut klasse. Die junge Wirtschaft über die Crowd zu unterstützen, bringt uns alle nach vorne. Das wird auch ein immer wichtigerer Bestandteil der Wirtschaft. In den USA werden bereits 21% des Bruttoinlandsprodukts durch ehemalige Startups erzeugt. Phänomenal! Meiner Meinung nach entwickelt es sich aber in Deutschland noch zu langsam, vor allem in den Köpfen: Die Akzeptanz und Einsicht, dass die Startups die Zukunft der Wirtschaft sind und wesentlich zum Erhalt der Arbeitsplätze beitragen können, ist noch nicht ganz angekommen. Die Welt und die Wirtschaft dreht sich immer schneller. Wer sich nicht anpassen will oder kann, fliegt raus. 

Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Crowdlending und arbeite auch gerade mit einem Team aus Hamburg und Wissenschaftlern einer internationalen Universität an einer transnationalen sozioökonomischen Crowdlending Plattform. Crowdinvesting als Begriff gibt es ja im Übrigen auch nur in Deutschland und Österreich. Eigentlich ist der Begriff quatsch, es handelt sich um Crowdfunding in der Variante „equity based“, also vor allem um die Unterstützung von Startups durch Einsatz von Crowd-Kapital in Form von Nachrangdarlehen oder partiarischen Nachrangdarlehen. Natürlich ist das equity-based, aber trotzdem ist die Absicht die Förderung neuer Ideen als Solidargemeinschaft aus Investoren und Gründern.

Sie sagen, dass Crowdinvesting zu langsam wächst. Wieso?

Naja, die Plattformen wachsen nicht schnell genug. Die Plattformen müssen sich mangels Skalierbarkeit einen großen Fixkostenposten aufbauen. Das geht einher mit einer gewissen Ertragsproblematik: Die Plattformen müssen sich ja durch Gebühren für Startups in den Finanzierungsrunden finanzieren. Geld gibt es für die Plattformen nur bei Erfolg. Und wenn man nun zum Beispiel die Prüfung der Startups richtig groß aufbaut, so wie bei einem VC, dann braucht man mehr Leute im Team dafür. Computer und Roboter können das leider noch nicht erledigen. Dieses Team an Leuten muss natürlich auch bezahlt werden. Und dazu bräuchte man wieder mehr erfolgreiche Finanzierungsrunden. Außerdem haben die wenigsten Plattformen eine hauseigene IT. Da kann man gar nicht "mal schnell was ändern". Externe kosten Geld und die Reaktionsfähigkeit ist auch nicht schnell genug. Man müsste indessen die Startups mehr schützen und die Quote des Scheiterns weiter verringern. 

Was ich noch loswerden möchte: Companisto hebt sich konzeptionell dabei von den anderen „Crowdinvesting“ Plattformen ab. Das gefällt mir.

Vielen Dank für die Blumen! Zur Finanzierung der Plattformen: Das ist auch bei uns die Art, wie wir Geld verdienen. Aber die Auswahl der Projekte ist darüber hinaus auch für uns wichtig, weil man uns damit verbinden wird. Eine Plattform ist nur so gut wie ihre Projekte. Deshalb suchen wir immer nach spannenden Ideen und Unternehmen mit viel Potenzial. Wir versuchen ja tatsächlich immer wieder neu zu denken und die Anleger mehr zu schützen. Deshalb kam das Venture Loan dazu, das Crowd-Voting oder die Lifetime-Beteiligung. Wie ist denn Ihrer Meinung nach die Stimmung bei den Crowdinvestoren allgemein? Wir können ja immer nur unsere Companisten befragen, nicht aber die anderen Investoren.

Das ist schwer zu beantworten. Die Crowd ist ja eine heterogene Gruppe mit verschiedenen Positionen: Da gibt es die Neu-Investoren und die Wiederanleger. Es gibt die fachlich Kompetenten und die, die noch nicht so lange dabei sind oder sich nicht auskennen. Vielleicht gibt es aber auch eine echte Schwarmintelligenz. Hier ist man noch nicht zu einem echten Ergebnis gekommen. Die vielen Crowdinvestoren kann man schwer zusammenfassen. In der Umfrage von 2014 habe ich zum Beispiel gefragt, ob der Anleger schon Erfahrung mit Vermögensanlage oder Aktien hat - 41 % sagten "Ja, sogar direkt", 39% sagten "Ja, über die Bank oder Finanzdienstleiter" und 27% "nein" - Die Gruppe ist divers.

Was würden Sie denn empfehlen: Was braucht es, damit Crowdinvesting noch besser wird?

Für die Kommunikation zwischen Startups, Investoren und Plattformen müssen standardisierte Regeln her. Die sollten dann auch konsequent durchgezogen werden. Man müsste außerdem weiter an Strategien arbeiten, wie das Risiko verteilt werden kann. Ich berate seit 15 Jahren mittelständische und junge Unternehmen und habe die Erfahrung gemacht, dass Prozesse vor allem einfach und standardisiert sein müssen. Das schafft Sicherheit und Effizienz. Companisto macht da schon vieles richtig. Nicht alles läuft optimal beim Crowdfunding. Companisto scheint sich als einzige Crowdinvesting Plattform in Deutschland die eigentliche Philosophie des Crowdfunding zu erhalten und diversifiziert nicht in Richtung Immobilienfinanzierung. Auch die transnationale Expansion innerhalb der EU ist ein notwendiger und wichtiger Meilenstein. Companisto hat das begriffen.

Die Wahrnehmung in der Bevölkerung für Crowdfunding würde rapide steigen, wenn zu Beispiel der Berufsstand der Steuerberater sich dafür einsetzen würde. Rund 70.000 Steuerkanzleien haben rund 3,3 Mio. Unternehmen als Klientel. Jedes Unternehmen für sich beschäftigt wiederum Arbeitnehmer. Der Berufsstand der Steuerberater ist leider immer noch weitestgehend reaktionär, reagiert nicht und nutzt nicht die historische Chance, als Multiplikator in einer neuen digitalen Wirtschaft zu fungieren, um damit Millionen potenzieller Investoren zu motivieren, in deutsche Unternehmen und damit in die eigene Volkswirtschaft zu investieren und sich selbst den Markt der Zukunft zu erschließen. Für viele Berufskollegen bin ich wohl der Unbequeme und Reformer unter den Steuerberatern. Macht nichts! Ich habe ein breites Kreuz und bleibe meiner Linie der Innovation in der Steuerberatung treu.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Schenk! Wir bleiben in Kontakt! Und Sie konvertieren die Steuerberater! : )



 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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