von André Jasch

Fliegen wir bald mit dem Auto zur Arbeit?

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Fliegen wir bald mit dem Auto zur Arbeit?

Frank Thelen tut es. Christian Reber auch. Und Larry Page ist schon lange mit dabei. Die Rede ist von Investitionen in fliegende Autos. Startups aus Deutschland, Japan und den USA arbeiten an den ersten Prototypen und auch große Unternehmen wie Toyota, Uber und Google erforschen das Potenzial von solchen Flugautos. Was auf den ersten Blick nach ferner Science-Fiction klingt, könnte schon bald Realität sein.

Verstopfte Straßen werden in Großstädten auf der ganzen Welt immer mehr zum Problem. Zugleich hat sich die Weltgemeinschaft ambitionierte Klimaziele gesetzt, die der E-Mobilität starken Aufwind geben. Während so manche Stadt auf öffentliche Verkehrsmittel setzt, um die Probleme anzugehen, entdecken andere den individuellen und voll-elektrischen Flugverkehr für sich. Emissionsfrei, geräuscharm und vollkommen autonom.

Die Namen der neue Fluggeräte variieren dabei ebenso so sehr wie ihr Design: Flugauto, Aeromobil, Flugtaxi und Taxi-Drohne sind nur einige der Wortneuschöpfungen. Doch im Kern handelt es sich bei all diesen Typen um senkrechtstartende, voll-elektrische und meist auch autonom-fliegende Autos. Und Deutschland ist bei der Entwicklung dieser neuen Technologie ganz vorne mit dabei.


Senkrechtstarter „Made in Germany“

Das Münchner Startup Lilium Aviation will den ersten elektrisch-betriebenen, senkrechtstartenden Jet bauen. Mit seinen zwei seitlich montierten Flügeln erinnert der Lilium Jet tatsächlich eher an ein Flugzeug als an ein Auto. Der Lilium Jet soll eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h erreichen und eine Reichweite von 300 Kilometern haben. Der Jet soll autonom fliegen können und bei Bedarf per App geordert werden. Der Prototyp hat den ersten unbemannten Testflug im April erfolgreich absolviert.

Lilium-Gründer Daniel Wiegand ist überzeugt: „Wir werden die Art und Weise revolutionieren, wie wir uns in und rund um die Metropolen unserer Welt bewegen“

In den ersten Finanzierungsrunden erhielt Lilium Aviation etwa 10 Millionen Dollar. Zu den Frühphasen-Investoren zählte unter anderem Freigeist Capital, die Investmentfirma von Frank Thelen („Höhle der Löwen“), Marc Sieberger, Alex Koch und Christian Reber („6Wunderkinder“). In einer zweiten Finanzierungsrunde sammelte das Münchner Startup nun nochmals rund 90 Millionen Dollar ein. Diesmal investierten auch der chinesische Internetkonzern Tencent und der britische Investmentfonds Atomico.



Ein weiteres deutsches Unternehmen, das voll und ganz auf die Zukunft des individuellen Flugverkehrs setzt, ist Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe, an dem auch der Automobilkonzern Daimler beteiligt ist. Das Unternehmen hat einen voll-elektrischen Multikopter gebaut, der im Gegensatz zum Helikopter gleich auf eine Vielzahl von Rotoren setzt.

Der Volocopter erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 68 km/h und kann etwa 30 Minuten fliegen, bevor er wieder zwei Stunden an die Ladestation muss. Er bietet Platz für zwei Passagiere und wird mittels Joystick oder Autopilot gesteuert. 2013 hob das Flugauto zum Jungfernflug ab und 2016 erhielt er als erster seiner Art die Fluglizenz.

Damit hat das Unternehmen aus Bruchsal schon bürokratische Hürden übersprungen, die Lilium Aviation noch bevorstehen. Zurzeit wird das Aeromobil aus Bruchsal in Zusammenarbeit mit der staatlichen Verkehrsbehörde von Dubai über einen Zeitraum von fünf Jahren getestet. Dort soll das Flugauto „Made in Germany“ den Stadtverkehr entlasten, denn schon ab 2030 soll ein Viertel des Verkehrs in Dubai über solche autonomen Passagierdrohnen abgewickelt werden.


Konkurrenz aus Asien und Russland

Konkurrenz erhält das deutsche Flugauto aus Fernost, denn Dubai behält sich nach wie vor offen, welches Modell es künftig im Verkehr einsetzen wird. Während einer Konferenz stellte das kleine Emirat auch einen Prototyp des chinesischen Herstellers Ehang vor, das in den nächsten fünf Jahren getestet werden soll. Die voll-elektrische Taxi-Drohne eHang 184 fliegt autonom entlang einer vorher programmierten Route. Gesteuert wird sie von einem Kontrollzentrum am Boden. Die Ehang 184 kann eine Höhe von 300 Metern und eine Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h erreichen. Die Batterie hält etwa 30 Minuten lang, was einer Reichweite von rund 50 Kilometern entspricht.

Zu den großen Vorreitern im Bereich der individuellen Luftfahrt gehört auch Toyota. Der japanische Automobilhersteller investierte jüngst einen sechsstelligen Betrag in ein Crowdfunding-Projekt namens Skydrive. Das dahinter stehende Startup Cartivator beschäftigt 20 Mitarbeiter mit der Entwicklung und will bis 2020 einen ersten Prototyp präsentieren. Mit den Maßen 2,9 mal 1,3 Meter soll es das kleinste fliegende Auto der Welt werden. Der Skydrive soll in einer Höhe von etwa zehn Metern unterwegs sein und dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h erreichen.

Ebenfalls mit von der Partie ist der russische Rüstungskonzern Kalaschnikow. Der Hersteller des Sturmgewehrs AK-47 enthüllte kürzlich den Prototyp eines Flugautos. Der Senkrechtstarter besteht aus einem Stahlrahmen mit acht seitlich befestigten Rotoren. Genaue Details über den Produktionsstart, sowie technische Daten präsentierte das russische Unternehmen bisher noch nicht.

Der europäische Luftfahrt-Konzern Airbus will das Feld nicht kampflos der Konkurrenz aus Russland und Asien überlassen. Airbus stellte Anfang 2017 auf dem Genfer Autosalon sein "Pop.up"-Konzept vor, eine Hybrid-Lösung aus Automobil und Aeromobil. Passierge sollen per App ihre Reise planen und Airbus errechnet dann die beste Transportmöglichkeit. Abhängig von Nutzerfähigkeiten, Zeitplanung, Verkehrsverhältnissen und Kosten wird die Passagierkapsel mit dem Fahr- oder Flugmodul versehen.


Silicon Valley schläft nicht

Das US-Unternehmen Uber interessiert sich ebenfalls für den Markt des individuellen Flugverkehrs. Der amerikanische Tech-Konzern will in Zukunft ein Netz aus sogenannten Vertiports betreiben, auf denen die Flugautos starten und landen können. Uber arbeitet dazu mit Hubschrauber-Hersteller Bell und dem Flugzeugbauer Embraer zusammen, die die Flugtaxis entwickeln sollen, während Uber sich auf die Vermittlung der Flugautos und den Betrieb der Infrastruktur konzentrieren will.

Auch Uber-Konkurrent Google scheint an einem Aeromobil zu arbeiten. Google-Gründer Larry Page, bekannt für seine visionären und experimentellen Ideen, rief dazu das Startup Kitty Hawk ins Leben. Der ehemalige Google-Staringenieur Anthony Levandowski – der bei dem Tech-Riesen lange die Abteilung für autonomes Fahren leitete, bevor er zur Konkurrenz von Uber wechselte – übernahm die Federführung des Projekts.

Kitty Hawk hat ein fliegendes Motorrad entwickelt. Das Ein-Mann-Fluggerät soll auch ohne Pilotenlizenz bewegt werden dürfen. Der Pilot sitzt mittig auf einer Doppelkreuz-Rahmenkonstruktion. An der Unterseite des Rahmens befinden sich acht elektrisch getriebene Rotoren. Der senkrechtstartende Kitty Hawk verfügt über einen Rumpf wie man ihn von einem Wasserflugzeug kennt, was das Aufsetzen auf Wasseroberflächen ermöglichen soll.

Der Einsatz des Kitty Hawk beschränkt sich zunächst auch auf Wassergebiete. Dort kann das Aeromobil eine Höhe von etwa vier Meters automatisch halten und eine Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h erreichen. Der Kitty Hawk soll schon Ende 2017 in Serie produziert werden und zunächst nur in den USA zum Kauf angeboten werden. Zum Verkaufspreis machte Kitty Hawk bisher keine Angaben.


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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