von Jana Biesterfeldt

Let´s talk about SexTech!

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Let´s talk about SexTech!

Erröten Sie schon beim Titel? Müssen Sie nicht. Sex ist in unserer Gesellschaft eigentlich schon kein Tabu mehr. Mit Beate Uhse fing alles an, von den 68ern und ihrem Plädoyer für freie Liebe, von Sex and the City bis in die heutige Zeit: Die Themen Sex und Sexualität wurden über die Jahrzehnte in unserer Gesellschaft omnipräsent und sind für viele im Alltag ein normales Gesprächsthema.

Die Möglichkeiten für mehr technische Experimente im Bereich der Sexualität sind heutzutage größer und erscheinen unendlich in ihrer Vielfalt. SexTechs sind zurzeit besonders in den USA stark im Gespräch, doch auch in Deutschland ist Potential sichtbar. Getrieben werden die neuen Entwicklungen durch die steigende Nachfrage der Konsumenten.

Die Zukunft der Sexualität

Neue Technologien entstehen meist mit dem Ziel, unser Leben zu verbessern. Aber was genau können SexTechs tun, um das Leben der Menschen zu verbessern?

Die Definition von SexTech ist einfach. Damit ist jede Technologie gemeint, die speziell entwickelt wurde, um unsere Sexualität und sexuelle Erfahrungen zu erweitern, zu erneuern oder ganz auf den Kopf zu stellen. SexTechs tragen mit ihren Innovationen dazu bei, das Thema Sex in unserer Gesellschaft weiter zu enttabuisieren.

SexTechs sind dabei nicht nur eine Spielerei in einer gesellschaftlichen Nische, sondern ein großer Absatzmarkt mit steigenden Umsätzen. Für die US-Gründerin von Soda, einer E-Commerce-Plattform für Frauen, Grace Gould kann die SexTech-Industrie bis 2020 alleine in Großbritannien einen Umsatz von 22 Millionen Pfund erreichen, erzählte sie dem britischen Standard. Die US-SexTech-Plattform Future of Sex geht davon aus, dass der 30-Milliarden-Dollar-Markt pro Jahr um 30 Prozent wachsen wird. Die Nachfrage ist also da – und so auch das Angebot.

Praktisch bedeutet das Sexspielzeuge, Sexroboter, Apps, Virtual-Reality-Pornos oder andere technische Hilfsmittel für sinnliche Momente, wie Touchscreens oder Wearables. Es wurde sogar eine Revolution der Sexspielzeuge zum Vorteil des weiblichen Orgasmus ausgerufen: für mehr Spaß und Befriedigung im Sexualleben der Menschen. Teilweise entstehen kuriose Gerätschaften. Die Universität für Elektro-Kommunikation in Tokio hat ein Gerät entwickelt, welches über Distanzen hinweg Zungenküsse ermöglichen soll.

Auch die Erotikindustrie hat die neuen technischen Möglichkeiten für sich entdeckt: Virtual-Reality-Pornos sind stark im Kommen. Das Berliner Startup Memento 3D möchte mit seiner vrXcity eine Welt schaffen, in der Menschen mit ihren Avataren mittels VR-Brille visuell interagieren können, bald auch physisch mit Sexspielzeugen. Dafür scannte das Startup berühmte Pornodarstellerinnen für die Avatare, die sich in der virtuellen Welt bewegen. Geschäftsführer Tobias Platte stellte aber in einem Bericht der FAZ klar: „Den richtigen Sex wird es nicht ersetzen können“.

Mehr als nur Sex?

Aber SexTech bedeutet viel mehr als nur Befriedigung und berührt viele Bereiche unseres sexuellen Lebens. Diese Technologien können zum Beispiel zu Therapiezwecken eingesetzt werden, zur Sexualaufklärung, Medizin, Fragen zur eigenen Geschlechteridentität bis hin zu Verbrechens- und Gewaltmeldungen. Zu nennen sind da unter anderem Sexualtherapien mit Robotern für Menschen, die traumatisiert sind und sich mental nicht sexuell auf andere Menschen einlassen können oder Menschen mit Handicap, die Probleme haben einen geeigneten Partner zu finden.

Das bisherige Problem von SexTechs liegt auf der Hand und wird von Bryony Cole, Gründerin des Future-of-Sex-Podcasts, gut zusammengefasst: Die Branche ist durch Männer dominiert, dementsprechend sind viele Produkte für eine männliche Zielgruppe geschaffen worden. Viele Gerätschaften sollen eher dem Mann helfen, auf seine Kosten zu kommen. Kein Wunder in einer von Männern dominierten Startup- und IT-Welt und auf der anderen Seite einer männerdominierten VC-Szene. Versinnbildlicht wird dieser Umstand durch Sexroboter, welche überwiegend für Männer designt wurden.

Ein solcher Sexroboter kommt aus den USA. Da haben wir Roxxy, den nach eigenen Angaben ersten Sexroboter der Welt. Optisch entspricht sie dem gewünschten Klischee einer „idealen“ Frau: jung, weiß, dünn und Körbchengröße C. Gebaut von der US-amerikanischen Firma TrueCompanion kann der Roboter nicht nur die sexuellen Präferenzen ihres männlichen, menschlichen Gegenübers lernen, sondern auch Konversation betreiben und „I love you“ hauchen. Roxxxy hat viele Persönlichkeiten einprogrammiert, mal darf sie schläfrig, gesprächig oder „in Stimmung“ sein. Für ca. 9,995 Dollar ist sie und andere Modelle käuflich zu erwerben. Für Frauen gibt es das Modell „Rocky“. Laut TrueCompanion werden weibliche und männliche Roboter in der Zukunft für uns alle normaler Alltag sein.

Für Kritiker wie die britische Ethik- und Robotikforscherin Kathleen Richardson sind solche Entwicklungen aber „ein Zeichen des kontinuierlichen Hasses gegen Frauen und Mädchen“, erklärte sie in einem Interview mit Der Standard. Sie leitet die "Campaign Against Sex Robots", die sich gegen Sexroboter stellt und sogar Lobbyismus gegen ihre Entwicklung betreibt. Solche Produkte seien „selbst wenn sie in Form einer KI kommen, nicht mit Frauen austauschbar. Es gibt eine Bewegung, die menschliche Entfremdung und Einsamkeit normalisiert. Dazu kommt die sexuelle Ausbeutung von Frauen, was zu Gewalt gegen sie führt.“

Also wo bleiben da die Frauen oder alle, die sich als LGBT identifizieren? Startups, die sich in dem Bereich auf Vorteile für Frauen spezialisiert haben, nennen sich FemTechs. So gibt es Startups wie Unbound, die sich auf das Designen von speziell geformten Vibratoren statt der allgemeinen phallischen Optik spezialisiert haben. Diese neuen Vibratoren sollen auch das Schamgefühl der Frauen reduzieren.

Zum Thema Sex gehört die Verhütung. Das Startup YourChoice Therapeutics, bestehend aus Forschern der kalifornischen Universität Berkeley, möchte ein alternatives Verhütungsmittel für Mann und Frau entwickeln und das ganz ohne Hormone. „Männer haben keine guten Optionen und Frauen haben anscheinend so viele Möglichkeiten, aber sie sind alle wirklich schlecht“, sagte Gründerin Nadja Mannowetz, Doktor der Samenphysiologie, gegenüber dem Nachrichtenportal TechCrunch. Das erste Produkt des Startups wird ein vaginales Verhütungsmittel sein.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Aus Deutschland kennen deutsche Verbraucher den Erotik-Onlineshop Amorelie, den veganen Kondomhersteller Einhorn oder femtasy, eine Streaming-Plattform für sinnliche Hörgeschichten . Auch Paid-Dating-Anbieter Ohlala lässt sich unter dem Begriff SexTech verorten. Dennoch sind SexTechs in der deutschen Startup-Szene eher unterrepräsentiert.

Ein viel größerer Markt für Startups aus dem SexTech-Bereich ist in den USA zu finden. Viele Produkte kommen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Trotzdem haben es SexTech-Startups schwer Investoren zu finden. Viele Venture-Capital-Geber schrecken eher zurück, denn „Was sollen die anderen Leute denken?“. Für die US-Plattform Make Love Not Porn kam mit einem anonymen Investor in der Seed-Phase die Rettung, dieser finanziert die Plattform auch heute noch. Die Plattform bildet quasi ein Gegenstück zur Erotikindustrie. Dort sind Menschen, ob Paare oder nicht, dazu eingeladen, ihre eigenen pornofreien Sex-Videos unter dem Motto #realworldsex hochzustellen. Die Konzepte Echtes Leben vs. virtuelles Leben werden so beide in der Zukunft koexistieren und ihre Abnehmer finden.

Es scheint aufwärts für SexTechs zu gehen. In den USA gibt es bereits den ersten Accelerator für den Bereich SexTech der Plattform Future of Sex, der Future of Sex Accelerator. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, die neuen SexTech-Gründer, Designer und Techniker zu entdecken und sie in den globalen Markt zu bringen. SexTech-Hackathons gab es schon weltweit, so etwa den SexTech New York Hackathon. Hackathons sind Workshops, bei denen diverse Gruppen zusammengeführt werden, um neue Geschäftsideen oder Technologien gemeinsam zu testen und zu entwickeln. In diesem Fall entstehen neue Produkte für den SexTech-Markt.

Trotz der Kritik gegen technische Innovationen wie den Sexroboter können diese laut Fachleuten wie Trudy Barber der University of Portsmouth bis 2040 als „sozial normal“ gelten. Dies sind nur Prognosen, doch Experten sind sich sicher, dass diese Technologien nicht menschliche Interaktionen komplett ersetzen werden. Sie werden diese nur verändern und für viele Menschen eine andere Sichtweise auf sich und ihre Sexualität ermöglichen.


Was halten Sie von SexTechs? Werden sie die Zukunft des Sex sein? Diskutieren Sie mit uns!


 

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