von Cristin Liekfeldt

Unterwasser-Rechenzentrum: Werden unsere Daten jetzt im Meer gespeichert?

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Unterwasser-Rechenzentrum: Werden unsere Daten jetzt im Meer gespeichert?

Microsoft versenkt Rechenzentrum-Prototypen einen Kilometer vor der Küste Californiens in den Pazifik. "Die Hälfte von uns lebt nahe der Küste. Warum nicht auch unsere Daten?" titelt die Website des Microsoft Research Projektes. Wird es bald eine Art Datenspeicher-Atlantis im Meer geben?


Der erste experimentelle Daten-Behälter Leona Philpot operierte bereits zwischen August und November 2015 auf dem pazifischen Meeresgrund, in zehn Metern Wassertiefe. Der Prototyp ist eine mit Stickstoff gefüllte Stahlkapsel, der innen einen ganzen Haufen Rechner beherbergt.

"Es ist ein bisschen, als ob man einen Satelliten ins Weltall schießt - die Kapsel einmal gebaut und den Menschen mit der Rakete - in unserem Fall den Typen mit dem Kran- übergeben, kannst du nichts mehr tun, wenn es schief geht." sagt Forschungsingenieur Jeff Kramer. "Es ist aber eben nicht so etwas wie ein Mondflug, sondern ein Land-Projekt. Wir können wirklich ein lebensfähige Produkt bauen." ergänzt sein Kollege Spencer Fowers in dem Video über das Natick-Projekt.


Erneuerbare Wasser-Energien sollen die Datenspeicher mit Strom versorgen

Während der ersten Testphase wurde das Unterwasser-Rechenzentrum noch vom Stromnetz auf dem Festland betrieben, in Zukunft aber sollen die Datenspeicher allein durch marine, erneuerbare Energie wie (Offshore-) Wind, Wellen, Strömungen, Ebbe und Flut betrieben werden. Etwa 20 Jahre soll eine solche Datenkapsel durchhalten, bevor sie recycled wird. Alle 5 Jahre, wenn die Technik veraltet sein wird, soll die Kapsel wieder an Land gebracht, neue Computer angebracht und die allgemeine Technik modernisiert werden. Vier Male wird die Kapsel damit versenkt und wieder aus dem Meer gehoben werden. Die Rechner müssen damit besonders standfest und sicher sein - eine Chance, so Microsoft, die Weiterentwicklung dieser besonders voranzutreiben. Die Kapseln sollen aus Recycling-Material hergestellt und auch wieder weiterverarbeitet werden können, sodass keinerlei Abfallprodukte entstehen.

Die Kosten für das Kühlen der Rechner fällt weg

Die Vorteile der Unterwasserkapseln beschreibt Microsoft auf der Projekt Natick-Website so: Zum einen seien die Speicher näher an den Nutzern und würden so schneller Daten übertragen. Cloud Computing gewinne an Bedeutung und Microsoft würde dem Rechnung tragen - und somit eine hoch-interaktive Zukunft für die Ballungszentren nahe der Küste wirtschaftlich und technisch versieren. Die Behälter können sehr schnell gebaut werden - in nur 90 Tagen vom Plan zur Fertigstellung. Nicht zu vernachlässigen wäre auch der günstige Betrieb der Deepwater-Kapseln. Die Kühlung von Rechenzentren an Land kann laut dem Spiegel Online ein Drittel der Energiekosten ausmachen. Das würde hier komplett wegfallen - denn das Meerwasser würde die Rechner kühlen und somit auch noch die Umwelt schonen. Die Flora und Fauna des Meeres habe den neuen Fremkörper übrigens auch sehr schnell angenommen, schreibt Microsoft.

Warum suchen die Internetkonzerne überhaupt nach neuen Orten, ihre Datenzentren zu bauen?

Nun, vor allem wegen des Platzmangels (Datenzentren sind wirklich ziemlich groß!) und dieser wirklich immens hohen Kosten der Klimaregulierung im Rechenzentrum. Laut heise-online handelt es sich um einen mehrstelligen Millionenbetrag jährlich. In Rechenzentren werden Videos, e-Mails und andere Nachrichten, Fotos, Tonaufnahmen etc. gespeichert - und der Bedarf nach Platz dafür ist besonders in Zeiten der Social Media-Nutzung steigend. Etwa 80 Millionen Bilder werden täglich bei Instagram geteilt. Große Tech-Konzerne haben eine Vorliebe für skandinavische Länder wie Island, Finnland oder Schweden, da es hier den Platz und die kühle Luft noch gibt. Google kühlt seine Rechner im Zentrum in Hamina am finnischen Meerbusen schon seit 2011 durch das Meerwasser. Das Rechenzentrum in Hamina ist allerdings auf dem Land gebaut.

Wann wird also das Atlantis der Daten gebaut?

Microsoft hält sich dahingehend noch zurück. Das ganze Unternehmen sei noch ganz am Anfang. Die zweite Phase des Projektes ist bereits angelaufen und Microsoft will etwa drei Mal größere Datenkapseln bauen, hat aber einen passenden Partner noch nicht gefunden, wie es im Business Insider heißt. Die New York Times schreibt, man möchte die neuen Kapseln mit einem ozean-basierten, alternative-Energien-System ausstatten. Dieser zweite Prototyp soll dann zu Beginn des nächsten Jahres entweder bei Florida oder in Nordeuropa in das Wasser gebracht werden. Bis zu einem ganzen Unterwasser-Rechenzentrum mag es daher vielleicht noch 10 Jahre dauern.

Aber wer weiß, die Zeiten ändern sich immens schnell, nicht wahr?


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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