Aktive Fonds versus Passive Fonds

Anlageformen und Strategien

Fondsmanager und ETFs im Vergleich

6 Minuten Lesezeit

Seit einiger Zeit tobt in der Finanzwelt eine Debatte darüber, ob es sinnvoller für Anleger ist, ihr Geld in aktiv gemanagten Investmentfonds oder in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) anzulegen. Letztere erleben seit Jahren einen ungebrochenen Höhenflug und erobern nach und nach Marktanteile im Fondssegment. Wer schneidet im direkten Vergleich besser ab: Investmentfonds oder Indexfonds?

 

Es gibt viele verschiedene Arten von Fonds (Rentenfonds, Immobilienfonds, Aktienfonds, etc.). Doch neben dem Anlageziel unterscheiden sich Fonds vor allem darin, ob sie aktiv oder passiv gemanagt werden. Bei aktiv gemanagten Investmentfonds entscheidet ein Fondsmanager darüber, in welche Einzelaktien das Kapital der Anleger investiert wird. Er spricht mit Marktteilnehmern, steht im Austausch mit Analysten und greift auf eine oft jahrelange Erfahrung im Finanzbereich zurück. Er analysiert die Entwicklungen in nationalen und internationalen Märkten und versucht davon die vielversprechendsten Investmententscheidungen abzuleiten.

Eine unglückliche Entscheidung des Fondsmanagers bedeutet zugleich Performanceeinbußen, die er an anderer Stelle ausgleichen muss. Zugleich kann er aber auch durch ein besonders glückliches Händchen die Performance nach oben ziehen, in dem er überdurchschnittlich starke Einzelaktien identifiziert. Er hat dabei immer nur soviel Handlungsspielraum wie ihm die Statuten des Fonds einräumen. Für seine Arbeit wird das Fondsmanagement entsprechend vergütet und muss dafür den Anlegern gegenüber Rechenschaft über die Performance des Fonds ablegen.

Fondsmanager müssen sich dabei an ihrem jeweiligen Vergleichsindex (auch Benchmark genannt) messen lassen. Wenn beispielsweise ein Aktienfonds weltweit in ausgewählte Einzelaktien investiert, ist seine Benchmark der Weltaktienindex MSCI World, der die Entwicklung von über 1.600 Aktien von 23 Industrieländern widerspiegelt. Für jedes Land bildet er etwa 85 Prozent des lokalen Aktienmarktes ab. Der Fondsmanager versucht, die Performance des Marktes zu schlagen, in dem er für seine Investoren mehr Rendite als der Vergleichsindex erzielt.

 

Demgegenüber stehen passiv gemanagte Fonds, bei denen es kein Fondsmanagement gibt. Bei diesen sogenannten börsengehandelten Indexfonds (ETFs) treffen Algorithmen die Auswahl der Einzelaktien. Sie versuchen dabei den jeweiligen Vergleichsindex (z.B. DAX oder MSCI World) so genau wie möglich nachzubilden.

ETFs befinden sich seit Jahren im Höhenflug. Immer mehr Privatanleger und Investmentprofis legen ihr Kapital in passiven Indexfonds an. Wie die Ratingagentur Morningstar berichtet, erreichte das Gesamtvolumen des verwalteten Vermögens durch ETFs im Jahr 2017 ein neues Allzeithoch. ETFs konnten allein im letzten Jahr 100 Milliarden Euro Kapital einsammeln. Damit setzt sich der Aufwärtstrend weiter fort: Betrug das verwaltete ETF-Vermögen in Europa im Jahr 2013 noch rund 283 Milliarden Euro, so lag es 2017 schon bei rund 670 Milliarden Euro.

Für ETFs spricht, dass sie liquide, transparent und kostengünstig sind. Da es bei ETFs kein Fondsmanagement gibt, entfällt ein Großteil der sonst anfallenden Kosten für Anleger. Hinzu kommt, dass die Passivfonds börsengehandelt sind und damit schnell abgestoßen werden können. Und schließlich überzeugen ETFs durch ein hohes Maß an Transparenz. Sowohl Wertentwicklung als auch Zusammensetzung der ETFs lassen sich für Anleger jederzeit leicht nachverfolgen, während aktive Fonds relevante Informationen nur zu bestimmten Stichtagen und zeitlich verzögert bereitstellen.

Ein Nachteil den ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds haben ist die Handlungsfähigkeit im Krisenfall. ETF-Anleger sind immer voll investiert und verfügen über identische Portfolios. Das ist in boomenden Zeiten sehr praktisch, da die optimale Performance aus dem Aufschwung herausgeholt wird. Sollte jedoch eine Kurskorrektur an den Börsen einsetzen, kann es passieren, dass alle gleichzeitig verkaufen wollen. Käufer dürften in diesem Fall allerdings schwer zu finden sein. Dagegen können Fondsmanager schon in guten Börsenjahren Barbestände aufbauen, um in Krisenzeiten flexibler zu sein. Sie sind also nicht immer voll investiert und damit handlungsfähiger.

 

In der Theorie kann ein gut gemanagter Investmentfonds den Markt schlagen und eine sogenannte Outperformance erzielen. Zwar gibt es in jedem Aktienindex jedes Jahr Ausreißer, die eine besonders starke oder schwache Performance hinlegen. Doch auf lange Sicht sollte ein guter Fondsmanager den Markt theoretisch schlagen können. In der Praxis sieht das jedoch oftmals anders aus. Der Indexanbieters S&P Dow Jones hat die Performance aktiv gemanagter Fonds über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet. Das Ergebnis ist für die Fondsbranche ernüchternd.

Rund 98 Prozent der aktiv gemanagten, global anlegenden Aktienfonds scheiterte an ihrem Vergleichsindex. Von an den aktiv gemanagten Fonds, die in US-amerikanische Aktien investierten, scheiterten ebenfalls 98 Prozent an ihrem Vergleichsindex. Bei europäische Aktienfonds waren es immerhin 88 Prozent, die ihre Benchmark nicht halten konnten. Von den aktiven Aktienfonds, die in deutsche Aktien investierten, scheiterten rund 80 Prozent am Vergleichsindex.

Dabei sollte man bedenken, dass der durchschnittliche Fondsmanager in den USA 690.000 Dollar pro Jahr verdient. Hinzukommen Verwaltungsgebühren und Weichkosten, die auf den Investor umgelegt werden, das Produkt für ihn also verteuern. Häufig handelt es sich bei den Outperformern um Fondsmanager von Spezialprodukten, die sich auf bestimmte Marktnischen spezialisiert haben. Sie sind hin und wieder in der Lage Überrenditen zu erzielen, während die Performance der großen Standardwerte-Fonds oftmals dem Markt hinter hinkt.

Betrachtet man die zehnjährige Untersuchung des Indexanbieters S&P Dow Jones anhand eines Rechenbeispiels, wird deutlich wie hoch die Renditeunterschiede sind. Wer vor zehn Jahren 100.000 Euro in einen global anlegenden, aktiv gemanagten Aktienfonds investiert hätte, hätte nach zehn Jahren 140.000 Euro zurückbekommen. Wer dagegen denselben Betrag in einen vergleichbaren Indexfonds investiert hätte, stünde nach zehn Jahren mit 185.000 Euro da – ein Unterschied von 45.000 Euro. Und aufgrund des Zinseszinseffekts geht die Differenz umso weiter auseinander, je länger die Laufzeit wird. Nach 35 Jahren läge der Unterschied schon bei 535.000 Euro.

 

Die Statistik spricht klar für Indexfonds, doch wer als Anleger überdurchschnittliche Renditen erzielen will, kommt an aktiv gemanagten Fonds nicht vorbei. Passiv gemanagte Fonds bilden letztlich nur den Markt oder ein Teilsegment des Marktes ab und werden folglich keine Outperformance hinlegen. Ein geschickter Fondsmanager dagegen, der in einem Spezialsegment agiert, kann dort überdurchschnittliche Erträge für seine Investoren einfahren. In jedem Fall sollten Anleger ein paar grundlegende Tipps beim Vermögensaufbau mit Fonds beachten.  

Für Einsteiger sind ganz klar Indexfonds zu präferieren. Sie überzeugen durch eine schlanke Kostenstruktur und hohe Transparenz. Privatanleger können sich im Internet ohne viel Aufwand über die verschiedenen ETFs informieren. Es gibt Ratingagenturen wie Morningstar, die diese Produkte detailliert durchleuchten und bewerten und so jedem Anleger bei der Entscheidung unter die Arme greifen. Worauf man bei einem gut ausgewählten ETF-Portfolio achten sollte, haben wir in einem gesonderten Beitrag festgehalten.


 


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