Crowdinvesting vs. Crowdlending

Anlageformen und Strategien

Zwei Finanzierungsformen und ihre Unterschiede

7 Minuten Lesezeit

Vielfach werden Begriffe in der Finanzwelt, die Überschneidungen haben, als Synonym verwendet. Dabei beschreiben die Begriffe Crowdlending und Crowdinvesting völlig andere Finanzierungsformen für unterschiedliche Personen, Projekte oder Institutionen.  

Wir legen für Sie die grundsätzlichen Unterschiede dar.  

 

Crowdinvesting und Crowdlending sind Unterarten des Crowdfunding. „Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, ist eine Finanzierungsform, die in der Regel über Internetplattformen erfolgt“, so schreibt es die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin hat die Aufsicht über Banken und Finanzdienstleister, Versicherer und den Wertpapierhandel.

Beim Crowdfunding schließen sich Menschen zusammen, um ein bestimmtes, meist karitatives oder künstlerisches Projekt zu finanzieren. Crowdfunding ist mit einer Art Spende zu vergleichen. Menschen helfen anderen Menschen, ein Projekt umzusetzen. Dies wird oftmals über eine Internet-Plattform betrieben.

Beim Crowdinvesting und Crowdlending unterstützen Personen andere Personen oder Projekte finanziell und erwarten im Gegenzug eine Rendite. Die eine Person erhofft sich Kapital, die andere ist auf der Suche nach einer alternativen Geldanlage. Dies geschieht bei den beiden Finanzierungsformen des Crowdfundings auf unterschiedliche Art und Weisen.

Die BaFin beschreibt das Crowdlending (Lending Based Crowdfunding) als die Vergabe eines Darlehens zwischen einem Darlehensnehmer und einem Darlehensgeber. Es wird als Alternative zu Bankkrediten gesehen.

Das Stichwort ist hier das englische Wort „lending“, zu Deutsch: Verleih. Geld wird ge- und verliehen, also ein Darlehen bzw. Kredit vergeben. Bei einem Darlehen wird jemanden für eine bestimmte Zeit Geld zur Verfügung gestellt. Der Darlehensnehmer verspricht wiederum, das Geld mit Zinsen zurückzuzahlen.

Mittels dieser Form der Finanzierung werden Kredite von Privatpersonen an andere Personen oder auch Unternehmen vermittelt. Der Begriff „Peer-to-Peer-Lending“ wird dafür als Synonym verwendet. Bei diesen Krediten gibt es auch Unterschiede: Bei P2P-Krediten (Peer-to-Peer) werden Kredite nur an Privatpersonen vergeben. Bei P2B-Kredite (Peer-to-Business) geben Privatpersonen Kredite an Unternehmen.

Auf Internet-Plattformen werden die Darlehensnehmer und -geber zusammengebracht. Der Kreditsuchende stellt dort seine Anfrage nach einem Kredit. Die Geldgeber können dann entscheiden, für wen oder was sie ihr Geld verleihen möchten.

Zopa aus Großbritannien war 2005 weltweit die erste Plattform, die dieses Prinzip etabliert hat. In Deutschland gibt es z.B. die Plattformen Kapilendo, AuxMoney oder Funding Circle. Diese verlangen dafür beim Zustandekommen des Vertrages eine Vermittlungsgebühr. Das gesamte Transaktionsvolumen beträgt laut Statista 2018 bereits etwa 590 Millionen Euro. Im Durchschnitt liegt das Funding eines Kredites im Jahr 2018 bei 27.055 Euro.

 

Von Privatpersonen wird Crowdlending für Konsumkredite genutzt, also zum Beispiel Reisen oder die Anschaffung eines Autos. Unternehmen nutzen es wiederum, um Finanzierungen zu überbrücken oder notwendige Investitionen zu tätigen, also zum Beispiel zur Anschaffung neuer Maschinen oder zur Öffnung neuer Filialen.

Für diese Investition erhält der Geldgeber, hier also die Crowd, Zinsen. Der Kreditnehmer muss das Darlehen mit einem festvereinbarten Zins zurückzahlen. Diese Kredite sind Annuitätendarlehen, das heißt es sind monatliche oder jährliche Rückzahlungen mit festen Raten vorhergesehen. Der Zins wird von der vermittelnden Plattform festgelegt, indem diese im Vorhinein die Bonität, also die Kreditwürdigkeit, der Kreditnehmer beurteilt.

Es wird oft als die „sicherste Crowdfunding-Form“ bezeichnet. Dieser Eindruck entsteht, da dem Kunden durch einen stetigen Zinsfluss Sicherheit suggeriert wird. Im Endeffekt ist Crowdlending jedoch nicht viel sicherer als andere Investmentformen aus dem Bereich Wagniskapital. Auch bei dieser Geldanlageform der Kreditvergabe besteht das Risiko, dass der Kreditnehmer in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und dadurch seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllen kann.

Die Kreditnehmer müssen wenig Sicherheiten angeben. Dafür wird im Gegenzug eine hohe Rendite für die Geldgeber in Aussicht gestellt, jedoch gibt es keine Sicherheit, ob diese ihr Geld zurückbekommen. Totalausfälle solcher Kredite sind möglich, wenn der Geldnehmer Privat- oder Unternehmensinsolvenz anmelden sollte. Die Plattformen übernehmen für den Totalausfall keine Haftung.

Von der Unternehmensseite muss bei dieser Finanzierungsform beachtet werden, dass durch die Kredite nur Fremdkapital aufgenommen wird. Dabei ist Fremdkapital auf Dauer für ein Unternehmen nicht so nachhaltig wie die Aufnahme von Eigenkapital. Das kann bilanziell nachteilhaft sein, denn es belastet das Unternehmen finanziell durch Rückstellungen für Zinszahlungen.  

 

Die Definition der BaFin macht den Unterschied der beiden Finanzierungsformen deutlich: Beim Crowdinvesting (auch Equity Based Crowdfunding genannt) investieren Nutzer in ein bestimmtes Unternehmen, um eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen und Verkaufserlösen des Unternehmens zu erhalten. Im Gegensatz zum Crowdlending wird kein festverzinstes Darlehen vermittelt, sondern eine Unternehmensbeteiligung. Als Beteiligungsform wird dabei auf partiarische Darlehen zurückgegriffen, die einer Eigenkapital-Beteiligung weitestgehend angenähert sind.

Es wird auch über spezielle Online-Plattformen betrieben.

Crowdinvesting, wie unter anderem bei Companisto, gleicht einer Unternehmensbeteiligung. Auf Companisto, als einer der professionellen Investmentplattform, ist es möglich in junge Unternehmen zu investieren und Anteilsinhaber zu werden. Crowdinvesting erlaubt es auch Privatpersonen, sich bereits mit kleinen oder größeren Beträgen an Startups und Wachstumsunternehmen zu beteiligen.

ProFunder war 2009 die weltweit erste online Crowdinvesting-Plattform. In Deutschland gehört Companisto zu den ersten Crowdinvesting-Plattformen. Europaweit sind Seedrs, Crowdcube und Anaxago bekannte Plattformen.

Eine besondere Form des Crowdinvesting ist die Finanzierung von Immobilien-Projekten. Doch da hierbei ebenfalls festverzinste Darlehen ohne Gewinn- und Exit-Beteiligung vergeben werden, ist es dem Crowdlending viel näher als dem Crowdinvesting. Zu den bekanntesten Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen in Deutschland zählen Exporo und Bergfürst.

Der Crowdinvestment-Markt in Deutschland wuchs 2017 um 171 Prozent auf 200 Millionen Euro. Das Crowdinvesting-Transaktionsvolumen beträgt, laut Statista, 2018 etwa 145 Millionen Euro. Pro Kampagne liegt das Funding 2018 im Durchschnitt bei 304.305 Euro.

 

Die Investoren profitieren beim Crowdinvesting als Anteilsinhaber von künftigen Gewinnen der finanzierten Unternehmen. Bei der Investition in Startups ist zudem eine sogenannte Exit-Beteiligung inbegriffen. Der Investor erhält einen Anteil an Erlösen, die erzielt werden, wenn das Unternehmen verkauft wird (= Exit).

Dies ist beim Crowdlending dagegen nicht möglich. Dort erhält man bei den P2B-Kredite für die Unternehmen keine Beteiligung.

Investitionen beim Crowdinvesting sind ebenso wie Crowdlending Risikoinvestments. Hier besteht die Gefahr des Verlustes der gesamten Investition. Dies kann der Fall sein, wenn ein Projekt fehlschlägt und ein Unternehmen zum Beispiel Insolvenz anmelden muss. Investoren sollten nicht ihr gesamtes Vermögen beim Crowdinvesting anlegen. Experten raten dazu, immer nur einen kleinen Teil seines Vermögens (etwa 10 Prozent) in Risikokapital zu investieren.

 

Laut der BaFin lassen sich die Crowdfunding-Plattformen nicht immer eindeutig einem Modell der Finanzierungsform zuordnen. Es käme dabei auf die vertragliche Ausgestaltung des Geschäftsmodells an, nicht auf deren formale Bezeichnung. Beide Formen nutzen aber unterschiedliche Möglichkeiten alternativer Geldanlagen, um spezielle Projekte zu finanzieren. Der Kunde müsse jeweils selbst entscheiden, welche Art der Finanzierung am besten zu ihm und seinen Bedürfnissen passt.

 


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