Crowdinvesting Crowdfunding Unterschied

Einsteiger

Wie unterscheiden sich die Finanzierungsformen?

Von André Jasch
6 Minuten Lesezeit

Die Begriffe Crowdinvesting und Crowdfunding werden fälschlicherweise als Synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Formen der Schwarmfinanzierung bezeichnen. Zwar sind Crowdinvesting und Crowdfunding miteinander verwandt, doch sie unterscheiden sich in einigen Punkten ganz grundsätzlich. Wir erklären Ihnen die wesentlichen Unterschiede zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding.

 

Viele Menschen haben eine gute Idee für ein Unternehmen, ein Produkt oder ein Projekt, aber ihnen fehlt das nötige Geld zur Umsetzung. Sie suchen deshalb über das Internet die Unterstützung der sogenannten Crowd (Zu Deutsch: Menschenmenge), die ihnen bei der Beschaffung des Geldes helfen soll.

Hierbei spricht man ganz allgemein von Crowdfinanzierung (Zu Deutsch: Schwarmfinanzierung). Dabei stellen viele Menschen jeweils einen kleinen Betrag bereit, um ein Projekt zu verwirklichen. Insgesamt gibt es vier unterschiedliche Modelle der Crowdfinanzierung: spendenbasiertes Crowdfunding, gegenleistungsbasiertes Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending.

Alle vier Formen haben eines gemeinsam: Ein Mensch richtet sich mit einem Projektvorschlag auf der Suche nach Geld an ein breites Publikum. Beim Crowdlending können sich Privatpersonen untereinander Geld leihen und verleihen, ohne dabei auf eine Bank zurückzugreifen. Wir gehen in diesem Artikel jedoch nicht näher auf Crowdlending ein. Stattdessen fokussieren wir uns auf Crowdfunding und Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform für Startups und wollen zeigen, wie sich Crowdinvesting und Crowdfunding unterscheiden.

 

Beim spendenbasierten Crowdfunding schließen sich viele Menschen zusammen, um ein bestimmtes, meist karitatives oder künstlerisches Projekt, zu finanzieren. Beim spendenbasierten Crowdfunding gibt es keine Gegenleistung monetärer Art. Diese Form des Crowdfunding ist also mit einer Art Spende zu vergleichen. Menschen helfen anderen Menschen, ein Projekt umzusetzen und ihre Motivation ist purer Altruismus.

Auch junge Unternehmen nutzen diese Form der Schwarmfinanzierung, um sich in der Seed-Phase mit Geld zu versorgen. Sie haben zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch kein fertiges Produkt, sondern erst ein Konzept. Für die Entwicklung eines Prototyps kann Crowdfunding daher durchaus Sinn ergeben, da die Gründer an Kapital kommen, aber dafür keine Anteile oder Gewinnbeteiligungen abgeben müssen.

 

Das gegenleistungsbasierte Crowdfunding ist dem spendenbasierten Crowdfunding sehr ähnlich, doch hier wird die Crowd für ihre Unterstützung auf nicht-monetäre Art belohnt. Da diese Form des Crowdfunding häufig für Kunstprojekte genutzt wird, erhalten die Unterstützer danach ein Exemplar der Musik-CD, ein T-Shirt oder ein Exemplar des Films.

Seit Anfang der 2000er Jahre machten dann Crowdfunding-Plattformen wie Artistshare und SellaBand von sich reden, über die Fans ihre Künstler unterstützen konnten und im Gegenzug CDs oder Zugang zu exklusiven Konzerten erhielten. Heute zählen Kickstarter und Indiegogo zu den größten Crowdfunding-Plattformen.

Auch Startups in einer sehr frühen Phase nutzen gegenleistungsbasiertes Crowdfunding. Häufig stammen die Unternehmen aus dem Hardware-Bereich und bringen eine Idee für ein Produkt mit, dass sie gern entwickeln möchten. Crowdfunding kann für sie ein erster Markttest sein, ob das Produkt auch auf genügend Nachfrage trifft.

Denn die Crowd besteht häufig aus Technik-Pionieren, die sich als Erste für Neuentwicklungen begeistern. Das Startup kann auf diesem Weg Vorbestellungen annehmen und die Crowdinvestoren der ersten Stunde mit den ersten Exemplaren belohnen. Außerdem kann es nützliches Feedback zum Produkt bekommen. Wenn ein Startup auf solche Netzwerk-Effekte zurückgreift, spricht man in diesem Zusammenhang auch von Crowdsourcing.

 

Bis vor wenigen Jahren war es nur wohlhabenden Privatpersonen möglich, in Startups in der Frühphase zu investieren. Doch vor einigen Jahren hat sich der Ursprungsgedanke des Crowdfunding auch auf den Bereich der Start-Finanzierung ausgedehnt. Man spricht dabei von Crowdinvesting (auch Equity-based Crowdfunding genannt). Während Crowdfunding sinnvoll ist, um ein Produkt zu entwickeln, ist Crowdinvesting sinnvoll, um ein Unternehmen aufzubauen. Bei einem Crowdinvestment handelt es sich also nicht um Spenden, sondern um Vermögensanlagen.

Beim Crowdinvesting investieren Privatanleger in ein Startup und erhalten im Gegenzug Anteile. Die Gründer des Startups stellen sich mit ihrer Geschäftsidee, einem fertigen Produkt und ihrem Finanzierungsbedarf einer Gruppe von Crowdinvestoren vor. Die Crowdinvestoren können sich dann mit kleinen oder großen Beträgen an der Finanzierung eines Startups zu einem zuvor festgelegten Unternehmenswert beteiligen. Sie werden dann zu Anteilsinhabern des Startups und profitieren von Gewinnen der Startups und falls das Startup verkauft wird (auch Exit genannt).

Beim Crowdinvesting gibt es viele mögliche Motivationen. Manche Crowdinvestoren möchten einfach eine gute Geschäftsidee und ihre Gründer fördern. Sie begeistern sich für Unternehmertum und neue Technologien. Für andere Crowdinvestoren stehen finanzielle Aspekte im Vordergrund – insbesondere die Beteiligung bei einem Unternehmensverkauf. Sie wollen sich mit ihrem Crowdinvestment sehr früh an Wachstumsunternehmen beteiligen und für dieses Risiko entsprechend entlohnt werden.

Durch den direkten Austausch zwischen Gründern und Anlegern können sich Startups wertvolles Feedback holen und auf von Netzwerk-Effekten profitieren. Die Anleger sind nicht nur Investoren, sondern auch potenzielle Kunden und Markenbotschafter. Auch hier kommt also das Prinzip des Crowdsourcing zum Einsatz.

Nicht nur in Deutschland erfreut sich diese Form der Crowdfinanzierung immer größerer Beliebtheit, denn Crowdinvesting ist auch international weit verbreitet. Es gibt Crowdinvesting-Plattformen in den USA und Israel. Aber auch in Europa – allen voran Großbritannien, Frankreich, Österreich und Schweden – gibt es große Crowdinvesting-Plattformen. Diese Länder unterscheiden sich zum Teil sehr stark, wenn es darum geht, wie sie ein Crowdinvestment regulieren. In Deutschland wird Crowdinvestment durch das Kleinanlegerschutzgesetz reguliert und unterliegt damit wie andere Vermögensanlagen auch dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlg).

Da es sich bei einem Crowdinvestment um Wagniskapital handelt, sollten Anleger nie ihr gesamtes Vermögen in Startups investieren. Doch als Bestandteil verschiedener Vermögensanlagen kann Crowdinvesting eine sinnvolle Ergänzung des  Portfolios sein. Es handelt sich um Vermögensanlagen mit hohem Risiko, aber auch hohem Renditepotenzial im Erfolgsfall. So können diese Vermögensanlagen in Zeiten historisch niedriger Zinsen eine gute Möglichkeit für Anleger darstellen, eine attraktive Rendite zu erzielen.

 

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