Venture Capital Fonds in Deutschland

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Was Anleger wissen sollten

Von André Jasch
10 Minuten Lesezeit

Jede Woche kann man in den Medien von neuen Finanzierungsrunden für Startups in Millionenhöhe lesen. Angeführt werden diese Finanzierungen meistens von großen Venture Capital Fonds (VCs). Doch wie funktioniert so ein Venture Capital Fonds eigentlich? Wie kann man sich als Privatanleger daran beteiligen und worauf sollte man bei der Auswahl achten? Und welche sind die größten Venture Capital Fonds in Deutschland?

 

Venture Capital (zu Deutsch: Wagnis- oder Risikokapital) gehört zum Bereich des außerbörslichen Beteiligungskapitals – auch Private Equity genannt. Venture Capital ist Kapital, das eine Privatperson oder ein Venture Capital Fonds einem Startup zur Verfügung stellt. Bei diesen Unternehmen handelt es sich meistens um junge Technologieunternehmen – sogenannte Startups – die nicht an der Börse gehandelt werden. Im Gegenzug erhält der Venture Capital Geber (VC) Anteile am Startup. Venture Capital Fonds erwirtschaften ihre Rendite bei einem Verkauf, einer Übernahme oder einem Börsengang des Startups.

Aufgrund des jungen Alters der Unternehmen und der damit verbundenen Unsicherheit über ihre künftige Geschäftsentwicklung gelten solche Investments als sehr riskant. Ein Großteil der Startups, in die ein Venture Capital Fonds investiert, scheitert im Laufe der Zeit. Das Geschäftsmodell eines Venture Capital Fonds ist jedoch darauf ausgerichtet, dass der kleine Teil, der später erfolgreich wird, den Verlust der anderen Ventures überkompensiert. Die Renditeerwartungen von VCs liegen dementsprechend hoch – im hohen zweistelligen und sogar dreistelligen Prozentbereich.

Eine Venture Capital Gesellschaft stellt einem Startup das Kapital entweder in Form von Eigenkapital oder in Form von eigenkapitalsähnlichen Beteiligungsformen wie Mezzanine-Kapital oder Wandelanleihen zur Verfügung. Zusätzlich eröffnen sie den Gründern Zugang zu ihrem Netzwerk an Geschäftspartnern, Experten und potenziellen Übernahmekandidaten. Sie erwarten im Gegenzug nicht nur eine Gewinnbeteiligung, sondern auch weitreichende Mitspracherechte bei der strategischen Ausrichtung des Startups sowie dem operativen Geschäft.

Bei der Risikostreuung verfolgen Venture Capital Fonds verschiedene Strategien. Bei der Zusammenstellung des Portfolios achten professionelle VCs unter anderem auf eine Diversifikation nach Branchen und Technologien, nach Entwicklungsstufe sowie nach Region und Land. Zudem sind sie bemüht, Managementrisiken zu reduzieren, indem sie einem jungen und unerfahrenen Gründerteam ein entsprechendes Netzwerk an Experten zur Verfügung stellen oder ihnen mit Coaching- und Mentoren-Programmen unter die Arme greifen.

 

Bei Venture Capital Fonds unterscheidet man zwischen börsengehandelten VC-Gesellschaften und nicht-börsengehandelten VCs. Für Privatanleger ist es einfacher, sich an börsengehandelten Venture Capital Fonds zu beteiligen, da hier die Mindestinvestitionssumme deutlich geringer liegt. Hier können Privatanleger als Aktionäre von Investitionen in Startups profitieren.

Ein Beispiel für einen börsengehandelten Venture Capital Fonds ist die German Startups Group. Diese VC-Gesellschaft hält unter anderen Beteiligungen an Startups wie Mister Spex, Delivery Hero und Soundcloud. Seit November 2015 ist die German Startups Group an der Frankfurter Börse notiert und der Aktienkurs steht derzeit bei rund 1,80 Euro.   

Für Anleger gibt es auch die Möglichkeit, über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in Venture Capital zu investieren. Ein Beispiel ist der Renaissance IPO ETF (NYSEARCA: IPO), der auf Startups setzt, die gerade erst an der Börse gelistet wurden. Hier wird nicht in Startups in einer Frühphase investiert, sondern erst in Startups, die bereits den Exit hingelegt haben. Seit seinem Start im Oktober 2013 konnte der ETF von knapp 20 Dollar auf nun 27 Dollar zulegen.

Schwieriger ist der Einstieg dagegen bei nicht-börsengehandelten Venture Capital Fonds. Dahinter stehen Emissionshäuser, die in regelmäßigen Abständen einen Venture Capital Fonds auflegen. Für einen begrenzten Zeitraum werden die Fondsanteile dann auch an Privatanleger vertrieben, allerdings liegen die Mindestinvestitionssummen hier sehr hoch – angefangen bei 5.000 Euro bis hin zu 100.000 Euro. Damit stehen nicht-börsengehandelte Venture Capital Fonds nur wohlhabenden Investoren offen.

Genau hinschauen sollten Investoren beim Kostenpunkt. Häufig kommt ein sogenannter Agio (zu Deutsch: Aufschlag) beim Kauf der Fondsanteile hinzu, der üblicherweise bei etwa 5 Prozent der Investitionssumme liegt. Außerdem fallen Einmalkosten für Marketing und Vertrieb an, die vom eingezahlten Kapital abgezogen werden. Je nach Fondsgesellschaft liegen diese Kosten zwischen 10 und 16 Prozent. Ebenfalls zu den Kosten zählen laufende Managementvergütung, die auch von der Investitionssumme abgezogen werden. Das Management erhält darüber hinaus häufig eine erfolgsabhängige Vergütung.

 

Die meisten Venture Capital Fonds in Deutschland sind im Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK e.V.) organisiert, der die regelmäßigen Befragungen von Venture Capital Gebern durchführt und Statistiken erhebt. Dem BVK sind 163 VC-Gesellschaften mit Sitz in Deutschland bekannt. Davon belegt Berlin den Spitzenplatz mit 40 VC-Gesellschaften, dicht gefolgt von München (34), Hamburg (13), Düsseldorf (7), Köln (6), Frankfurt a.M. (5) und Stuttgart (4) und Potsdam (2).

Es ist dabei kein Zufall, dass die meisten VCs in Berlin sitzen. Denn Berlin zieht auch die meisten Venture Capital Investitionen aller Bundesländer an. Rund 350 Millionen Euro wurden laut BVK im Jahr 2015 in Berliner Unternehmen investiert. Nur knapp die Hälfte (ca. 174 Millionen Euro) flossen laut BVK-Statistik nach Bayern. 91,7 Millionen Euro wurden in Technologieunternehmen in Nordrhein-Westfalen investiert, 31, 3 Millionen in Baden-Württemberg und 20,4 Millionen in Brandenburg. Im Folgenden eine Liste mit einigen der größten Venture Capital Fonds in Deutschland:

  • Hightech Gründerfonds (HTGF): Der HTGF ist ein teilstaatlicher Fonds mit Branchenfokus auf Software- und Technologieunternehmen, aber auch auf die Bereiche Chemie, Umwelttechnik und Maschinenbau. Das Beteiligungskapital stammt dabei überwiegend aus dem Bundeshaushalt und von der Förderbank KfW, aber auch von Industriekonzernen wie BASF, Bosch und SAP. Seit 2005 hat der High-Tech Gründerfons in mehr als 460 Startups investiert, wie die FAZ berichtet. Der gesamten Investitionssumme des Fonds von rund 248 Millionen Euro stehen Rückflüsse in Höhe von etwa 84 Millionen Euro gegenüber. Bekannte Investitionen sind unter anderen Mister Spex, Yatta, EBS Technologies und Natural Dental Implants AG.

  • Earlybird VC: Earlybird zählt zu den operativen VCs, die Venture Capital als Produkt für Unternehmer begreifen. Earlybird hat dazu ein Team mit eigener Unternehmenserfahrung und Finanzexpertise zusammengestellt sowie ein breites Netzwerk von Experten aus unterschiedlichen Branchen. Der Münchner VC hat seinen Fokus auf europäische Technologieunternehmen gelegt. Zu den Portfolio-Unternehmen zählen unter anderen EBS Technologies, N26, movinga und Wunderlist.

  • Eventures: Eventures ist ein global agierender VC mit Büros in Berlin, Hamburg, San Francisco, Peking, Tokio und Sao Paulo. Eventures investiert in Startups aus allen Branchen ab 500.000 Dollar und bis zu 30 Millionen Dollar. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Startups aus der Series-A-Phase, aber gelegentlich tätigt Eventures auch Seed-Investments. Bekannte Investitionen sind unter anderen Groupon, Exporo und 9flats.com.

  • German Startups Group (GSG): Die German Startups Group zählt zu den börsennotierten VCs und hat nach eigener Aussage den Anspruch, eine Brücke zwischen Startup-Welt und reguliertem Kapitalmarkt zu schlagen. Seit November 2015 ist die German Startups Group an der Frankfurter Börse notiert und der Aktienkurs steht derzeit bei rund 1,80 Euro. GSG hat seinen Fokus auf Serienunternehmer mit starkem Team und skalierbarem Geschäftsmodell aus allen Bereichen gelegt. Zu den Portfolio-Unternehmen zählen unter anderen Mister Spex, Delivery Hero und Soundcloud.

  • Point Nine Capital: Der VC-Fonds Point Nine Capital investiert in europäische und nordamerikanische Startups aus der Preseed-, Seed- und Series-A-Phase. Der Branchenfokus von Point Nine Capital liegt auf Software-as-a-Service (SaaS), Online-Marktplätzen und Online-Plattformen – vornehmlich im B2B-Bereich. Der VC mit Sitz in Berlin investiert pro Jahr etwa in zwölf Startups, zu den bisherigen Investitionen zählen unter anderen Delivery Hero, DaWanda, Westwing und Revolut.

  • SevenVentures: SevenVentures wurde 2009 gegründet und ist der Investmentarm des Medienkonzerns ProSiebenSat.1. Das erlaubt der bayerischen VC-Gesellschaft eine kombinierte Investmentstrategie aus Minderheitsbeteiligungen und Mediakooperationen. Bei sogenannten „media for equity“-Deals erhält ein Startups wertvolle Sendezeit auf den Kanälen des Medienkonzern im Gegenzug für Eigenkapital. Bei sogenannten „media for revenue“-Deals wird SevenVentures für Sendezeit am Umsatz beteiligt. Zu den bekanntesten Investitionen zählen Zalando, Lieferando, Casper und ayondo.

  • Project A Ventures: Project A versteht sich als operativer VC, der seine Gründer während ihres Wachstums begleitet und sowohl mit Knowhow als auch mit einem breiten Expertennetzwerk betreuend zur Seite steht. Der Berliner VC konzentriert sich auf Startups mit digitalem Geschäftsmodell und Sitz in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien. Project A investiert anfangs zwischen 500.000 und vier Millionen Euro und beteiligt sich an Finanzierungen in der Seed-, Early- Stage- und Series-A-Phase. Zum Portfolio gehören unter anderen Treatwell, kfzteile24 und lampenwelt.de.

  • HV Holtzbrinck Ventures: Holtzbrinck Ventures wurde schon im Jahr 2000 gegründet und zählt damit zu den erfahrensten VC-Fonds in Deutschland. Seit dem hat der VC mit Sitz in München und Berlin in mehr als 150 Startups investiert. Mit rund 735 Millionen Euro unter seiner Verwaltung ist Holtzbrink auch der größte VC-Fonds in Deutschland. Zu den bekanntesten Investitionen gehören unter anderen Home24, Wooga, Rocket Internet, Lazada und Zalando.

  • Capnamic Ventures: Der Fonds von Capnamic Ventures hat seinen Fokus auf Technologieunternehmen gelegt, die das Potenzial haben, ihre Märkte von Grund auf umzukrempeln – besonders digitale Geschäftsmodelle mit hoher Skalierbarkeit. Investiert wird vorwiegend in der Series-A-Phase, seltener auch in der Seed- und Series-B-Phase. Die Investitionen betragen zwischen 500.000 Euro bis zu drei Millionen Euro. Zum Portfolio zählen unter anderen DocMorris, Mediakraft, Mister Spex und reBuy.de.

  • BonVenture: BonVenture ist ein sozialer Venture Capital Fonds, der neben dem wirtschaftlichen auch auf den sozialen Mehrwert eines Unternehmens achtet. Investiert wird vorwiegend in soziale Unternehmer, die ein gesellschaftliches Problem lösen wollen. BonVenture investiert zwischen 200.000 und einer Million Euro über mehrere Finanzierungsrunden. Zu den bisherigen Investitionen gehören unter anderen das Wirtschaftsmagazin „enorm“, Meine Spielzeugkiste und followfish.

  • Freigeist Capital: Freigeist ist der Venture Capital Fonds von Frank Thelen („Höhle der Löwen“), Marc Sieberger, Alex Koch und Christian Reber („6Wunderkinder“). Die einzelnen Gründungsmitglieder verfügen zum Teil über 20 Jahre Investmenterfahrung sowie über eigene Erfahrungen als Gründer. Der Fokus von Freigeist liegt auf Technologieunternehmen, aber auch in Startups aus dem Lebensmittelsektor. Zu den bekanntesten Investitionen zählen unter anderen Lilium Aviation, Little Lunch, Meine Spielzeugkiste und iTravel.

 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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