von Cristin Liekfeldt

Zukunftsperspektive Crowdfinanzierung

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Zukunftsperspektive Crowdfinanzierung

Warum beschäftigen wir uns eigentlich mit Crowdfinanzierungen? Welche Vision verfolgen wir? Investiert überhaupt jemand in ein Startup oder Projekt, das nicht einmal eine verlässliche Zukunftsprognose für die nächsten 12 Monate vorzuweisen hat? Hier sind Antworten und Zahlen!

Ich habe mich ja in der Vergangenheit eher in Kunst- und Kulturgefilden bewegt und bin vornehmlich mit Crowdfunding in Berührung gekommen – für Kunst, Kultur und Musik haben Banken gefühlt am wenigsten Geld übrig, sofern es nicht um eine Ausstellung geht, die einen prestigeträchtigen Verkauf von gefragten Bildern beinhaltet. Wir organisierten zum Beispiel in Bremen einmal das ausARTen Festival. Für mich war dies eine der bewegtesten und lerneffektivsten Zeiten im Bachelorstudium, meine Mitorganisatoren waren motiviert, konstruktiv und voller Empathie. So ein Festival hatte Bremen noch gefehlt, wir arbeiteten rund um die Uhr, der Kaffee- und Matekonsum wuchs exponentiell. Nur um die Finanzierungsverantwortung drückten sich alle wie die Pest. Das Ganze war ein Non-Profit-Projekt, die Akquise von Geldern über Förderinstitutionen oder offizielle Träger war eine echte Qual. Gerade daher greifen Kultur- und Kunstprojekte, wie wir damals auch, oft auf Crowdfunding zurück. Donation- oder reward basiertes Crowdfunding ist jedoch nur ein kleiner Teil des alternativen Finanzmarktes, wie die Autoren einer Ernst-and-Young-Studie in Kooperation mit der University of Cambridge mit dem Namen „Moving Mainstream – The European Alternative Finance Benchmarking Report“ es nennen.

Robert Wardrop, Bryan Zhang, Raghavendra Rau und Mia Grey beleuchten diesen europaweit und zählen unter anderem Crowdlending, Equity-based Crowdfunding , Peer-to-Peer-Business Lending, Venture Capital und Microinvestments dazu. (Die Begriffe sind im Lexikon noch mal hinterlegt, sie werden häufiger auftauchen.) Diese Methoden nutzen auch Startups, junge Unternehmen oder Immobilienprojekte, denn überzeugende Ideen und innovative Konzepte brauchen für ihre Verwirklichung Kapital. Und zum Glück gibt es einige Menschen, die Kapital zur Verfügung stellen können. Eine Chance für all die 95% der Startups, deren Ideen bei Banken und Förderinstitutionen abgewiesen werden.

„Until very recently, crowd and peer-to-peer financing activity was seen by many observers […] as a tiny niche with little prospect of ever impacting the broader financial system. Not anymore.”

Robert Wardrop, Executive Director, Cambridge Centre for Alternative Finance, Cambridge University Judge Business School im European Alternative Finance Benchmarking Report, Februar 2015

Neue Finanzierungsalternativen zu traditionellen Bankkrediten sind spätestens seit der Finanzkrise näher ins Blickfeld gerückt. Die Studie stellt vor allem eines fest: Trotz sehr begrenzter, zuverlässiger Daten im Bereich moderner Finanztechnologien handelt es sich um einen schnell wachsenden Sektor, der innovative Geschäftsmodelle und technische Modelle für Plattformen bereithält. Dadurch, so die Herausgeber, kann der Zugang zu Finanzen ermöglicht und infolgedessen der soziale und ökonomische Beitrag erhöht werden. So viel dazu. Großbritannien und die USA sind in diesem Bereich jedoch viel weiter entwickelt als Deutschland oder das restliche Europa. Daten dazu sind unter diesem Link zu finden, nur kurz: Das United Kingdom hält momentan einen Anteil von 74,3% am gesamteuropäischen „alternativen Finanzmarkt“.

Warum investieren Menschen in junge Unternehmen und Projekte? Sogenannte „Einhörner“ – Startups, die in Windeseile bekannt werden und mindestens eine Milliarde wert sind, sind ein Anreiz. Da fallen einem AirBnB, BlaBlaCar oder natürlich das altbekannte Facebook ein. Ansonsten sind es die Menschen mit Überzeugung für ein Projekt oder schließlich die, die Freunde und Familie unterstützen. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Anteil der großen Investoren, die in mehrere Projekte investieren und so das Risiko streuen. In der Early Stage-Phase von Startups bekommt man am meisten für das Wenigste. Investitionen können sich durchaus rentieren, in keinem anderen Bereich der Investitionsmöglichkeiten sind die Renditechancen so hoch, aber eben beinahe ebenso hoch wie das Risiko zum Scheitern.

Crowdfinanzierung in Deutschland

Die Plattform fuer-gruender.de veröffentlicht regelmäßig den Crowdfinanzierungs-Monitor und hält aktuelle Zahlen und Fakten bereit. Auch hier lässt sich herauslesen: Die Crowdfinanzierung hält am Wachstum fest. Immer mehr Kapital fließt durch die Crowd in Startups und Projekte, mittlerweile wurden im ersten Halbjahr 2015 bereits 96 Millionen Euro durch Crowdfinanzierungsplattformen eingesammelt. Eine stattliche Summe, wie ich finde. Auch der vor Kurzem von Companisto veröffentlichte Performance-Monitor bestätigt die guten Zukunftsprognosen. Im Bereich Crowdfunding haben wir allerdings noch einen weiten Weg vor uns, verglichen mit Amerika: Die Plattform Kickstarter sammelte 2014 500 Millionen Euro ein, die deutschen Plattformen zusammen generierten zeitgleich eine Gesamtsumme von 8,7 Millionen. Das wäre dann ja ein rein rechnerisches Wachstumspotenzial von etwa 5647%. Da ist also noch durchaus Luft nach oben. Man darf ja wohl noch träumen.

Gründe für eine Finanzierung über die Crowd

Startups sind oft im webbasierten Dienstleistungsbereich anzusiedeln. Sie haben keine Sicherheiten zu bieten, eben deshalb stellt die Finanzierung ein Problem dar. Nur 5% der Startups können eine Finanzierung durch traditionelle Bankdarlehen erreichen, besagt der aktuelle DSM (Deutscher Startup Monitor vom Bundesverband der deutschen Startups). Dies resultiert weder aus schlechten Businessplänen noch blöden Ideen, sondern liegt schlicht und ergreifend daran, dass eine Bank Sicherheit braucht, ein Grundstück zum Beispiel. Andere Finanzquellen gewinnen daher stetig an Bedeutung. Von teils dynamischen Wachstumsraten spricht der Crowdfinanzierungs-Monitor im Bereich Crowdinvesting, im Vergleich zum Vorjahr ist das Kapital um 15% gewachsen, ebenso ist im durchschnittlichen Finanzierungsvolumen pro Projekt ein Wachstum zu verzeichnen. Seit letztem Jahr gibt es neben den Startups auch neue Anlageklassen für Investoren. Wir haben mit dem Projekt Weissenhaus zum Beispiel die Immobilienfinanzierung über die Crowd in Deutschland initiiert, aber auch ökologische Projekte oder Filmfinanzierungen werden zunehmend mit ins Portfolio genommen.

To-Do-Liste für morgen

Es gilt, weiter am Bekanntheitsgrad von Schwarmfinanzierungen zu arbeiten, somit steigendes Interesse zu erreichen und den Ausbau von Kooperationen mit Business Angel oder anderen professionellen Anlegern zu ermöglichen. Schließlich soll jede gute Idee die Chance bekommen, realisiert zu werden. Als kleines Giveaway für euch hier ein Zitat von Oliver Gajda, Executive Director vom European Crowdfunding Network zum Thema, das Interview könnt ihr im Crowdfinanzierungs-Monitor nachlesen.

„Dieses neue Segment hat eine echte Chance, sich als eine innovative und konkurrenzfähige Industrie zu etablieren, deren Wirtschaftskraft bereits heute erheblich ist. Trotz nicht gerade hilfreicher Gesetzgebungen in vielen Ländern sprechen die Wachstumsraten für sich. […] Aber wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Es gibt auch in der Politik immer wieder Zeichen von Mut und Innovationskraft.“

Das Wort zum Abend. Ab morgen kommen bitte alle in Arbeitsoveralls. Es gibt noch einiges zu tun, aber die Aussichten sind gut.


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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