von Jana Biesterfeldt

KI, Roboter und Emotionen: Nicole Nehaus-Laug zu aktuellen Innovationstrends

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KI, Roboter und Emotionen: Nicole Nehaus-Laug zu aktuellen Innovationstrends

Als Plattform für die professionelle Finanzierung von Startups interessieren uns langfristige Innovationstrends naturgemäß ganz besonders. Mit Nicole Nehaus-Laug sprechen wir deshalb über langfristig relevante Trends und Innovationen. Als kurativer Geist hinter vielen herausragenden Tech-Veranstaltungen hat sie Tag für Tag mit neuen Technologien und spannenden Persönlichkeiten des Zeitgeschehens zu tun.

Jana Biesterfeldt: Liebe Nicole Nehaus-Laug, das Jahr 2018 ist nun bereits über die Halbzeit hinaus, was für Innovationstrends zeichnen sich für dieses Jahr ab und welche könnten sich langfristig durchsetzen?

Nicole Nehaus-Laug: Wenn wir über 2018 sprechen sind das für mich Blockchain, Artificial Intelligence (deep learning, computer vision, natural language generation) und der Digital Twin. In etwas weiterer Ferne dann natürlich Quantum Computing.

Jana Biesterfeldt: Von den Medien ausgerufene Technologietrends verschwinden oft so schnell wie sie gekommen sind. Sind Trends in Technologien noch zeitgemäß und förderlich für die Entwicklung dieser Technologie?

Nicole Nehaus-Laug: Aktuell wird künstliche Intelligenz als das Thema schlechthin gespielt, dabei ist das Thema gar nicht mehr so neu. Der Ausdruck „künstliche Intelligenz“ wurde bereits in 1956 von John McCarthy auf der Dartmouth Conference geprägt. Seither gilt sie als Gründungsveranstaltung der Künstlichen Intelligenz. Die Idee, dass sich die menschliche Intelligenz oder auch ganz allgemein die Vorgänge des menschlichen Denkens möglicherweise automatisieren lassen, ist aber schon sehr viel älter. Als früheste Quelle wird zumeist auf Julien Offray de La Mettrie und sein 1748 veröffentlichtes Werk L'Homme Machine verwiesen. Das Thema beschäftigt die Menschen also offenbar schon länger. Das heißt wenn angebliche Trends in den Medien erscheinen, sind sie meist gar nicht mehr neu aber breitenwirksam. Medien klären auf, bauen meist Barrieren ab und schaffen Aufmerksamkeit. Forschungsgelder und Budgets werden freigesetzt. Das ist notwendig und wichtig für die Weiterentwicklung der aktuellen Trendthemen.

Jana Biesterfeldt: Sie interessieren sich besonders für die Beziehung von Mensch und Maschine. Was kann man sich unter Mensch-Maschine-Interaktionen vorstellen und was können wir zukünftig von ihnen erwarten?

Nicole Nehaus-Laug: In Zukunft werden intelligente Maschinen in vielen Bereichen die menschlichen Fähigkeiten ersetzen oder verbessern. Künstliche Intelligenz (AI) vs. menschliche Intelligenz (HI), Transhumanismus, Machine Learning, Genombearbeitung mit Techniken wie CRISPR eröffnen eine ganz neue Welt mit einem immensen Einfluss auf unser zukünftiges Leben, Wohnen und Arbeiten.

Tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr. Ab wann sind wir eigentlich nicht mehr Mensch sondern Maschine. Ab wann ist eine Maschine ein Mensch – eine Identität und ein (Selbst-)Bewusstsein? Wir sind fasziniert von den Gedanken unsere Körper mit Hilfe von digitaler Technologie und Manipulation des Genoms zu verbessern und aufzurüsten. Wir sind auf dem Weg zum superintelligenten Mensch. Wissen und körperliche Schnelligkeit kann in Zukunft implantiert oder eingepflanzt werden. Wenn wir mit der „Genschere“ CRSIPR nicht nur ein paar wenige Chromosomensätze entschlüsselt haben und verändern können sondern einmal vierzig – hundert, dann ist der Weg für den superintelligenten Menschen frei. Wir werden in Zukunft nicht mehr über Wissen mit künstlichen Intelligenzen konkurrieren sondern über unsere sozialen Kompetenzen.

Alles Gedanken die im Moment noch ein wenig wie Science-Fiction klingen, beruhigend ist aber, dass wir als Mensch immer noch das Zentrum bilden. Wir entwickeln Technologien damit sie uns das Leben erleichtern oder verbessern aber wir sind weit davon entfernt, dass Roboter unser Leben übernehmen. Jeder von uns ist einzigartig und wieviel „Maschine“ wir werden wollen, dass ist jedem selbst überlassen. Noch interessanter wird es aber, wenn Maschinen beginnen, sich selber weiter zu entwickeln. Und das ist, wenn man den Experten glauben darf, nicht mehr so weit entfernt. Wir sehen also zwei Entwicklungen: 1. Die Maschinen werden dem Menschen in vielen Dingen überlegen und sogar „menschlicher“. 2. Auch der Mensch rüstet auf und verbessert seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten mit Hilfe von Technologie. Wir wollen fragen: Wo werden sich diese Wege kreuzen und was sollten wir wollen?

Jana Biesterfeldt: Welche Mensch-Computer-Interaktion gibt es, die wir auf dem Schirm haben sollten?

Nicole Nehaus-Laug: Die Mensch-Maschine Entwicklung und das Verhältnis zu Robotern in Japan. Hier werden bereits verstärkt und sehr erfolgreich Roboter in der Altenpflege eingesetzt. Zur Olympiade 2020 sollen die Besucher von Robotern an allen strategisch wichtigen Punkten in der Stadt begrüßt und beraten werden. Die Beziehung zu Robotern ist sehr viel positiver als in Europa. Warum ist das so? Die japanische Bevölkerung altert weiterhin und der Arbeitskräftemangel kann kaum aufgehalten werden. Der Druck ist als entsprechend hoch. Doch auch wenn es im Westen eher kritisch betrachtet werden könnte, dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, finden viele Japaner diese Entwicklung positiv, vor allem da die Roboter in den populären Medien als freundlich und hilfsbereit dargestellt werden.

Jana Biesterfeldt: Ein weiteres Lieblingsthema von Ihnen sind Emotionen in der Technologie. Wie wichtig sind diese in der Technologie und was bedeuten sie für uns Menschen?

Nicole Nehaus-Laug: Weisheit, Kreativität sowie kognitiven Fähigkeiten wie Emotionen, der Glaube oder auch die Vorstellungskraft, sind typische menschliche Merkmale. Typisch für die künstliche Intelligenz ist hingegen die Wahrnehmung in Form von Audio- und Videosignalen, die Speicherung von unendlichen Datenmengen, sowie Informationsverarbeitung jeglicher Art. Früher hatten wir eine Menge Telefonnummern im Kopf, heute sind sie abgespeichert in unserem Smartphone. Wir haben diesen Teil des Erinnerungsvermögens dankend an unsere Geräte abgegeben. Dass schafft Kapazitäten für komplexe Denkvorgänge.

Wir können Emotionen, Bewusstsein und Kreativität nicht beschreiben woher sie kommen und wie sie entstehen. Bewusstsein ist eng verknüpft mit Kreativität. In Ruhephasen oder im Zustand der Hypnagoge (kurz vor dem Einschlafen) kommen uns oft die besten Ideen. Wie oft standen wir schon unter der Dusche und hatten eine gute Idee! Jeder hat das schon erlebt und kennt das. Wir können genau diese Phasen zwischen Bewusstsein und Kreativität, sehr schlecht beschreiben. Sie sind nicht greifbar. Emotionen sind wichtig, weil wir Menschen sie zum Überleben brauchen. Die Evolution veranlasst die Menschen über die Emotion jene Dinge zu tun, die notwendig sind, um sich an die Umwelt anzupassen oder die Umwelt an sich anzupassen. Etwa mit anderen Menschen zu streiten, ihr Revier zu verteidigen oder um einen Partner zu balzen. Wenn wir in Zukunft mit künstlichen Intelligenz interagieren wollen beispielweise beim Sport, ist es wichtig dass die KI Emotionen wie z.B. Schmerz erkennen können. Maschinen werden zwar nie emotional sein können aber sie werden Emotionen erkennen und simulieren können. Und das wird wichtig sein im Zusammenleben zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Ebenso wie Fehler. Fehler zu machen ist ein typisch menschliches Merkmal. Alles was perfekt ist, empfinden wir nicht als menschlich. Um Roboter oder Bots menschlicher erscheinen zu lassen, werden inzwischen Fehler oder sprachliche Akzente mit eingebaut.

Jana Biesterfeldt: Sie haben jeden Tag mit neuen Technologien zu tun, kann man Sie mit Innovationen noch überraschen?

Nicole Nehaus-Laug: Auf jeden Fall! 


Zur Person: 

Nicole Nehaus-Laug zählt zu den digitalen Pionierinnen in Deutschland und gilt als Kreativitäts- und Innovationstreiberin für Unternehmen. Seit über 12 Jahren arbeitet sie im Bereich der Kuratierung von Konferenzen und Workshops vorrangig zu Themen der digitalen Welt.

Anfang 2000 gründete sie ein B2B Online Portal in Johannesburg, das eng mit der südafrikanischen Regierung (Brain ThinkTank Program) zusammenarbeitete und konnte dort bereits Impulse zur digitalen Transformation in einem Schwellenland geben.

Zurück in Deutschland arbeitete sie viele Jahre für den BIKTOM und später für die Deutsche Messe. Sie baute u.a. für die CeBIT eine neue Technologie Konferenz auf, die zur Leitkonferenz der CeBIT wurde – die CeBIT Global Conferences. Sie hat mit Größen aus der Tech Szene wie Steve Wozniak, Jimmy Wales, Edward Snowden, Eugene Kaspersky, Bill McDermott, Kevin Mitnick oder Shai Agassi zusammen gearbeitet.

Sie verfügt über ein exklusiv kuratiertes internationales Netzwerk. Das ermöglicht mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen interdisziplinär zusammenzubringen, um Lösungen für komplexe Herausforderungen unserer Zeit zu finden und die Bühne für inspirierende Persönlichkeiten mit faszinierenden Themen der digitalen Welt zu schaffen.

Ihre Leidenschaft gehört dem Thema #AbenteuerMenschSein in der digitalen Welt. Nach einer 9-wöchigen Forschungsreise durch Asien und die USA und zahlreiche Interviews mit Wissenschaftlern, Tech-Experten und Futuristen vorrangig zum Thema künstliche Intelligenz, schrieb sie dazu eine Kolumne auf t3n und vertieft das Thema stetig weiter.

Sie ist international als Keynotespeakerin, Moderatorin, Szenografien und Kuratorin von immersiven Konferenzformaten sowie zu Innovations- und Kreativitätsthemen unterwegs.

Privat trifft man sie entweder auf dem Pferd, mit ihrem Hund Sam, gerne auch Unterwasser beim Tauchen oder auf der Piste beim Skifahren.  


 

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