Einfache Geldanlage in drei Schritten

Einsteiger

Der Einstieg in die Welt der Geldanlage

Von Cristin Liekfeldt
7 Minuten Lesezeit

Viele Verbraucher scheinen sich mit der Geldanlage wenig auszukennen. 82 Prozent der Befragten gaben in der Studie der Firma Natixis Global Asset Management (2015) an, einen Finanzberater bei der Auswahl ihrer Geldanlagen zu benötigen. Dabei ist das Thema gar nicht so schwierig. Mit diesem Artikel ermöglichen wir Ihnen einen Einstieg in die Geldanlage – selbstbestimmt und individuell.

 

Bevor Sie Verträge, neue Konten oder Aktienkäufe unterzeichnen, gilt es, eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Je besser Sie sich und Ihre finanzielle Situation kennen, desto besser können Sie Investment-Entscheidungen treffen. Folgende Fragen sind dabei zu beantworten:

  1. Haben Sie Schulden wie laufende Kredite oder Finanzierungen?
  2. Wie viel Geld wollen Sie sparen? Wie viel Zeit haben Sie dafür?
  3. Wie lange können Sie auf das Geld verzichten?
  4. Wie hoch sind Ihre Einkünfte? Gibt es Ausfälle oder Schwankungen, die Sie berücksichtigen müssen? Mit wie viel Geld können Sie in die Geldanlage starten?

 

Neben diesen Fragen, die Sie für sich selbst beantworten müssen, gibt es ein paar Grundsätzlichkeiten in der Geldanlage, die Ihnen bei der Vorbereitung ihrer Anlagestrategie helfen.

 

  1. Das erste Ziel bei der Geldanlage ist die Schuldenfreiheit. Wenn Sie daher die Möglichkeit haben, Ihren Kredit zu tilgen oder abzulösen, sollten Sie dies als erstes ins Auge fassen.
  2. Je höher die Rendite sein soll, die Sie erwarten, desto höher ist das Risiko. Mit Aktien oder Aktienfonds erreichen Sie eine höhere Rendite als mit Festgeld- oder Tagesgeldkonten. Im Gegenzug müssen Sie mit Wertschwankungen und vorübergehenden Verlusten rechnen.
  3. Bei der Geldanlage hilft Geduld: Je länger Sie anlegen können, desto besser können Schwankungen im Wert einzelnen Anlagen ausgeglichen werden.
  4. Je länger und breiter Sie Ihr Kapital streuen, desto weniger Risiko nehmen Sie in Kauf. Wenn Sie Ihr Geld langfristig anlegen können, kommen Sie nicht in die Situation, Aktien zu ungünstigen Zeiten wieder verkaufen zu müssen. Dies lässt sich ebenso auf andere Anlagemöglichkeiten übertragen. Eine möglichst große Verbreitung Ihres Kapitals auf mehrere Anlagen schützt vor dem Totalverlust Ihres Geldes.
  5. Beachten Sie immer Ihr gesamtes Vermögen und alle „Assets“ – also Geldprodukte, die Sie besitzen. Je nachdem, worin Sie Ihr Vermögen bereits angelegt haben, können neue Anlagemöglichkeiten gewählt werden. Dazu im Beispiel unten mehr.
  6. Viele Finanzprodukte kosten. Dies liegt an Verwaltungsgebühren oder Transaktionskosten. Wenn diese Kosten hoch sind, fällt dies auf Ihre Rendite zurück und sie verringert sich. Informieren Sie sich daher im Vorfeld über die Kosten und mögliche Alternativen.

 

Haben Sie nun die Fragen zu Beginn beantwortet, können Sie im Internet den Renditerechner nutzen, Sie werden ihn auf mehreren Seiten finden. Er errechnet aus Ihrem Anfangsbetrag, dem Endbetrag und dem Zeitraum, der Ihnen zur Verfügung steht die Rendite, die Ihr Portfolio erreichen muss. Mit dem errechneten Wert können Sie dann entscheiden, wie Sie Ihre Anlage verteilen müssen, um die gewünschte Rendite zu erwirtschaften.

 

Der Verbraucher hat bei der Wahl der Geldanlage im wahrsten Sinne die Qual der Wahl: Legt man sein Geld in Gold oder Immobilien, Aktien oder doch eher in Anleihen, Tages- oder Festgeld an?

Die einfachste Möglichkeit, etwas Geld zur Seite zu legen und zu investieren, lässt sich durch drei verschiedene Produkte bewerkstelligen. Tagesgeld, Festgeld und Aktienfonds. Nach Angaben des Finanzexperten Hermann-Josef Tenhagen sind diese drei Produkte ideal, um die größten Schwankungen auf dem Finanzmarkt auszugleichen und trotzdem eine gute Rendite zu erzielen.

Tagesgeld

Während das Girokonto für den täglichen Zahlungsverkehr gedacht und daher kaum verzinst ist, bietet das Tagesgeldkonto etwas höhere Zinsen. Innerhalb Europas gibt es auf Tagesgeldkonten eine Einlagensicherung. Das Tagesgeldkonto ist die sicherste Form der Geldanlage, denn Anleger können jederzeit über ihr dort hinterlegtes Kapital verfügen. Dafür erhalten Anleger aber auch nur sehr geringe Zinsen im Vergleich zu anderen Geldanlagen.

Momentan liegen die höchsten Zinsen auf Tagesgeld bei 1,1 Prozent pro Jahr (bei der VW Bank), wie auf tagesgeldvergleich.net ersichtlich ist. Damit kann die Inflation von derzeit etwa 1,7 Prozent (Stand: Dezember 2016) jedoch nicht ausgeglichen werden. Das Geld auf Ihrem Tagesgeldkonto wird also am Ende eines Jahres weniger Kaufkraft haben als zu Beginn, was gleichbedeutend mit negativen Renditen ist.

Festgeld

Auch Festgeldkonten zählen zu den sicheren Geldanlagen. Der Unterschied zu Tagesgeld ist die längere Anlagedauer, denn als Anleger können Sie nicht mehr täglich auf das zurückgelegte Geld zugreifen. Positiv ist: Sie stellen der Bank das Geld für einen festen Zeitraum zur Verfügung und bekommen dafür auch höhere Zinsen. Doch hohe Rendite lassen sich in Zeiten von Niedrigzinsen mit Festgeld nicht erzielen. Die Zinsen liegen momentan auch nur bei maximal 1,46 Prozent (Credit Agricole Consumer Finance aus Frankreich, die höchste Verzinsung eines deutschen Instituts liegt bei 0,9 Prozent bei der Creditplusbank). Auch damit können Sie die Inflation nicht ausgleichen. Pluspunkt: Hier gibt es ebenfalls eine europäische Einlagensicherung. Eine längere Anlagedauer bringt nach einem Vergleich über diverse Internetportale auch etwas höhere Zinsen.

Aktienfonds

Aktienfonds sind eine Bündelung mehrerer Aktien (Anteile an einem börsennotierten Unternehmen). Sie gehören ähnlich wie Aktien zu den risikoreicheren Anlageklassen. Bei aktiv gemanagten Aktienfonds werden die Einzelwerte von Fondsmanagern nach bestimmten Kriterien zusammengestellt und verwaltet. Im Gegensatz dazu stehen Indexfonds, die ohne eine Fondsmanager auskommen. Indexfonds (auch Exchange Traded Funds oder ETFs genannt) bilden durch die Auswahl ihrer Einzelwerte einen bestimmten Aktienindex (z.B.: den deutschen Leitindex DAX) exakt ab. Wenn also der Index steigt, steigt auch der Fonds und umgekehrt.

Das Risiko einer Anlage in einen Fonds ist geringer als die Kapitalanlage in nur ein einziges Unternehmen, da es sich das Kapital auf mehrere unterschiedliche Firmen verteilt und das Risiko so etwas gestreut wird. Ein Beispiel: Wer nur Samsung-Aktien hält, kann die explodierenden Akkus und die damit einhergehenden Verluste für Samsung aktuell enorm auf dem Konto spüren. Ein Investor, der neben Samsung aber auch Aktien an anderen Tech-Unternehmen wie Apple, Tesla oder Huawei hält, wird die Schwankung nicht so extrem erleben.

Aktien sind Geldanlagen mit der Möglichkeit auf überdurchschnittlich hohe Renditen, was gerade in Zeiten der Niedrigzinsen verlockend erscheint. Aufgrund niedriger Renditen bei klassichen Geldanlagen umschichten Anleger Ihr Kapital von Tagesgeld- und Festgeldkonten in Aktiendepots. Doch bevor Sie nun Ihr gesamtes Erspartes in Aktien oder Aktienfonds umschichten, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass diese Anlageformen auch mit hohen Risiken verbunden sind. Zudem kommen bei Aktienkäufen in der Regel Gebühren auf Sie zu. Verbraucherportale empfehlen deshalb die Geldanlage in Indexfonds, da diese nur geringe Kosten aufweisen.

 

Sie entscheiden im dritten Schritt, welches Portfolio Sie sich aufbauen wollen: Ein konservatives, auf Sicherheit fokussiertes Portfolio (mit 50 Prozent Geldanlagen in Tagesgeld und 50 Prozent in Festgeld), das renditeorientierte Portfolio (mit 20 Prozent Kapitalanlage in Tages- oder Festgeld und 80 Prozent Kapitalanlage in Aktien) oder etwas dazwischen.

In unseren Artikeln "Diversifikation und Moderne Portfolio-Theorie" und "Value Investing in Aktien" finden Sie den ein oder anderen nützlichen Finanztip für ein erfolgreiches Aktieninvestment. Haben Sie diese drei Produkte einmal ausprobiert und sich Ihre Meinung dazu gebildet, dann können Sie Ihren Anlagehorizont erweitern und weitere Anlagemöglichkeiten hinzunehmen. Eine mögliche Alternative in Zeiten der Niedrigzinsen wäre das Crowdinvesting.


 


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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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