Wie Investitionen in Startups die Digitalisierung fördern

Fortgeschrittene

Digitalisierung und Industrie 4.0

Von André Jasch
6 Minuten Lesezeit

Investitionen in Startups bedeutet eine Geldanlage mit weitreichender Wirkung. Sie belebt die Gründerszene und fördert damit auch die gesamte Volkswirtschaft in Deutschland. Darüber hinaus ermöglicht Crowdinvesting in junge Unternehmen innovative Geschäftsmodelle und treibt so die Digitalisierung in Deutschland voran. Gerade auf diesem Gebiet hat Deutschland im europaweiten Vergleich noch Nachholbedarf.

 

Die Gründungen in Deutschland liegen auf einem Rekordtief. Im letzten Jahr fiel die Zahl der Gründer von 763.000 auf nur noch 672.000. Das geht aus dem „KfW-Gründungsmonitor 2017“ hervor. Grund für die Gründungsflaute ist vor allem der starke Arbeitsmarkt in Deutschland. Junge Menschen suchen daher eher den Weg in ein Anstellungsverhältnis, als dass sie die Ungewissheit des Gründens auf sich nehmen.

Doch das könnte fatale Folgen für Deutschland haben, wie KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorstellung des Lageberichts sagte. „Zur steten Erneuerung unserer Volkswirtschaft benötigen wir vor allem mehr Chancengründer, die häufiger Marktneuheiten an den Start bringen“, so Zeuner. Um die Existenzgründungen in Deutschland voranzubringen, braucht es neben wagemutigen Gründern vor allem eines: Wagniskapital.

Doch genau daran mangelt es hierzulande. Sowohl in der Frühphasenfinanzierung wie auch bei der Anschlussfinanzierung hat Deutschland gewaltigen Nachholbedarf. Im letzten Jahr wurden nur noch 1,9 Milliarden Euro in Startups investiert, wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) berichtet. Im Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden Euro. Wenn Deutschland den Anschluss an die Weltspitze nicht verlieren möchte, müssen wir mehr Wagniskapital mobilisieren. Crowdinvesting kann hierzu einen wertvollen Beitrag leisten.

 

Startups greifen neue Technologien häufig als erstes auf und entwickeln daraus innovative Produkte. Die meisten Geschäftsmodelle funktionieren dabei digital, sind also auf die Nutzung des Internets ausgerichtet. Damit sind Startups einer der maßgeblichen Treiber der Digitalisierung – und dort herrscht hierzulande Nachholbedarf. Deutschland nutzt nur zehn Prozent seines Potenzials bei der Digitalisierung und schöpft sein Potential damit bei weitem nicht aus, konstatierte kürzlich ein Bericht der Unternehmensberatung McKinsey.

Damit hinkt Deutschland dem EU-Durchschnitt deutlich hinterher. Durchschnittlich nutzen die EU-Länder 12 Prozent ihres digitalen Potenzials, in Großbritannien (17 Prozent), Niederlande (15 Prozent), Schweden (15 Prozent) und den USA (18 Prozent) liegt diese Zahl sogar noch deutlich höher. „Wenn Deutschland sein digitales Potenzial optimal nutzen würde, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 um einen Prozentpunkt jährlich zusätzlich wachsen – das sind umgerechnet insgesamt rund 500 Milliarden Euro“, stellt McKinsey-Seniorpartner Karel Dörner fest.

In allen EU-Ländern seien die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie Medien und Finanzdienstleistungen am stärksten digitalisiert, so der McKinsey-Bericht weiter. Zurück lägen vor allem die Fertigungsindustrie, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie Bauwirtschaft und Hotelgewerbe. Deutschland schneidet vor allem im Dienstleistungs-, Transport- und Logistikbereich unterdurchschnittlich ab. „Der Digitalisierungsgrad der deutschen Industrie ist aktuell sehr viel geringer, als man es erwarten würde“, stellt McKinsey-Berater Dörner fest.

Um in punkto Digitalisierung mit anderen EU-Ländern Schritt zu halten, braucht es unter anderem innovative Lösungen im Industrie-Bereich. Da die alteingesessenen Konzerne oft sehr träge sind, wenn es um Innovationen geht, sind sie auch auf die schöpferische Kraft von Startups angewiesen.  Industrie 4.0 lautet hier das Stichwort. In den vergangenen zwei bis drei Jahren wurden die ersten nennenswerten Investitionen im Bereich Industrie 4.0 getätigt und erste Erfolge sind absehbar.

Die Welt schrieb im April 2017 schon von einer „Re-Industrialisierung“. Durch die Digitalisierung würden Produktionsstätten, die einst nach Osteuropa und Asien abgewandert sind, wieder nach Deutschland zurückverlagert. Neue Produktionstechniken und hohe Effizienzsteigerungen würden „Deutschland wieder zur Werkbank  machen“, so Die Welt. Einen wesentlichen Beitrag zu Entwicklung neuer Produktionsverfahren und der Digitalisierung der Industrie leisten Startups, deren Ideen dann später von Mittelständern oder Konzernen aufgegriffen werden.

 

Um zu verdeutlichen, dass die Startup -Szene schon heute einen wichtigen Beitrag zu gesamten Wirtschaft Deutschlands leisten, lohnt ein Blick nach Berlin. Dort spielen Startups inzwischen eine essentielle Rolle für die Wirtschaft, wie eine Studie des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) feststellt. Demnach beschäftigen Startups in der Bundeshauptstadt zusammen rund 13.200 Arbeitnehmer und stehen damit an fünfter Stelle, gleich hinter den Berliner Verkehrsbetrieben und noch vor Siemens.

Allein in den letzten drei Jahren hätte sich die Zahl der Mitarbeiter in Startups damit beinahe verdoppelt. In einer internen IFSE-Studie aus dem Jahr 2012 wurden insgesamt 270 Startups gezählt, während es Anfang 2016 bereits 620 waren. Die 50 größten Startup -Unternehmen, und damit nur etwa acht Prozent, beschäftigen etwa die Hälfte aller Mitarbeiter. Dagegen arbeiten in 78 Prozent der Unternehmen weniger als 22 Mitarbeiter. Halte dieser Trend weiter an, so die IFSE-Studie, würde die Startup-Szene schon in zwei Jahren der größte Arbeitgeber der Hauptstadt sein.

Der große Einfluss von Startups auf die Wirtschaftskraft Deutschlands ist längst auch in der Politik angekommen. „Startups sind der Mittelstand von morgen und damit aus Deutschland auf jeden Fall nicht mehr wegzudenken“, stellt Staatssekretär Dirk Wiese vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fest. „Weil der Arbeitsmarkt gerade sehr aufnahmefähig ist, hat die Gründungsbereitschaft in den letzten Monaten und Jahren ja sogar etwas abgenommen. Diesen Trend müssen wir umkehren und mehr die Chancen einer Unternehmensgründung aufzeigen.“

Außerdem will die Politik den Austausch zwischen Startups auf der einen und Mittelständern auf der anderen Seite weiter fördern. Deswegen hat das Wirtschaftsministerium bundesweit elf Kompetenzzentren für Digitalisierung aufgebaut, die mittelständische Unternehmen unterstützen. Weitere sechs sind in Planung und sollen noch in diesem Jahr an den Start gehen. Dort sollen Mittelständer an die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 herangeführt werden – und so auch ihre Einstellung zu Startups überdenken.

„Manchmal werden Start-ups ja sogar als Bedrohung für den deutschen Mittelstand gesehen. Doch es findet bereits ein Umdenken statt. Etablierte Firmen arbeiten etwa mit einem Startup aus dem Hochschulbereich zusammen und loten Synergieeffekte aus. Es geht also mehr um Kooperation und Wandlung als um Ablösung“, so Staatssekretär Wiese.

 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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