Rendite trotz Niedrigzinsen: So kann es gelingen

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Wie Leitzinsen die Geldanlage beeinflussen

Von André Jasch
10 Minuten Lesezeit

Als die Finanzkrise vor knapp zehn Jahren die Weltwirtschaft erfasste, senkten die Notenbanken der Welt die Leitzinsen, um die Krise zu bekämpfen. Seitdem verharren die Zinsen auf Rekordtief und machen es Anlegern und Sparern schwer, noch Erträge zu erwirtschaften. Wie genau beeinflusst die Geldpolitik der Notenbanken die Geldanlage? Und wie können Anleger trotz Minizinsen noch Rendite erzielen?

 

Die Leitzinsen werden von der Notenbank eines Landes oder einer Region festgelegt. Zu den größten und einflussreichsten Notenbanken der Welt zählen die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Europäische Zentralbank (EZB), Bank of England (BoE) und Bank of Japan (BoJ). Sie legen in regelmäßigen Abständen Leitzinsen und Einlagezinsen fest und beeinflussen dadurch zunächst den Bankensektor, dann den Finanzmarkt und schlussendlich die gesamte Wirtschaft eines Landes.

Der Leitzins legt fest, zu welchen Konditionen eine Notenbank mit den ihr angeschlossenen Kreditinstituten Geschäfte eingeht. Er bestimmt, zu welchem Zinssatz eine Geschäftsbank sich mit Zentralbankgeld versorgen kann. Vereinfacht gesagt stellt der Leitzins den Preis des Geldes dar. Ist der Leitzins hoch, ist Geld teuer und ist er niedrig ist Geld billig. Der Einlagezins, der ebenfalls von der Zentralbank festgelegt wird, bestimmt dagegen, zu welchen Konditionen eine Geschäftsbank ihre Einlagen bei einer Zentralbank „parken“ kann. Ist er hoch, werden die Einlagen gut verzinst. Ist er niedrig - oder sogar negativ, wie derzeit in der Eurozone - wird der Anreiz für Geschäftsbanken geringer, ihrer Einlagen bei der Zentralbank zu lagern.

Der Leitzins ist das zentrale Element der Geldpolitik. Die Zentralbank versucht dadurch Einfluss auf die Kreditvergabe in einer Volkswirtschaft zu nehmen. Bei einem hohen Leitzins vergeben Geschäftsbanken Kredite nur mit hohen Zinsaufschlägen. Die Kreditvergabe verringert sich, wodurch die Zentralbank einer Überhitzung der Wirtschaft vorbeugen kann. Bei einem niedrigen Leitzins vergeben Geschäftsbanken dagegen Kredite zu niedrigen Zinsaufschlägen, wodurch die Kreditvergabe angekurbelt und die Wirtschaft stimuliert werden kann.

Die Leitzinsen befinden aktuell auf einem Rekordtief. In der Eurozone liegen sie bei 0,00 Prozent, in Japan bei 0,1 Prozent, in den USA bei 0,75 Prozent und in Großbritannien bei 0,5 Prozent. In Schweden (-0,5 Prozent) und der Schweiz (-0,75 Prozent) sind die Leitzinsen sogar negativ. Dänemark könnte schon bald das dritte Land sein, das seine Leitzinsen in den Negativbereich senkt.

 

Welche Auswirkung haben Niedrigzinsen auf Sparer und Anleger weltweit?

Sparer sind in jedem Fall die Leidtragenden der Niedrigzinspolitik. Denn Banken vergeben auf Spareinlagen kaum noch Zinsen, was es für Sparer immer schwerer macht, Erträge zu erwirtschaften. Die Zinssätze für Tagesgeld liegen je nach Kreditinstitut zwischen 0 und 2 Prozent – Tendenz fallend. Wenn man die reale Rendite heutiger Sparbücher, Tagesgeld- und Festgeldkonten berechnet – also die jährlichen Zinsen den Gebühren und der Inflation gegenüberstellt – erzielen Sparguthaben keine oder sogar eine negative Rendite. Damit verlieren Spareinlagen auf Bankkonten jährlich an Wert.  

Hinzu kommt der Strafzins, den einige Geschäftsbanken bereits auf Sparguthaben erheben. Weil sie bei der Notenbank selbst mit einem negativen Einlagezins abgestraft werden, wenn sie ihre Einlagen über Nacht bei der EZB „parken“, reichen die Geschäftsbanken diese Kosten vermehrt an ihre Kunden weiter. Sie beginnen zunächst damit, große Sparguthaben mit Strafzinsen zu belasten und weiten diese Maßnahmen inzwischen auch auf gewöhnliche Tagesgeldkonten aus.

Die erste Bank, die Negativzinsen auf Tagesgeld einführte, war die Thüringer Skatbank. Kunden mit mehr als 500.000 Euro Guthaben müssen eine negative Rendite in Kauf nehmen. Auch die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee erhebt laut einem Bericht des Handelsblatts einen Strafzins von 0,4 Prozent auf Guthaben über 100.000 Euro. Und es trifft nicht nur vermögende Bankkunden: Die Volksbank Niederschlesien erhebt seit November effektiv 0,6 Prozent Strafzinsen auf jedes neue Tagesgeldkonto, wie der Tagesspiegel berichtete.

Noch schädlicher ist es für Sparer nur, das Geld in Bar Zuhause zu lagern. Die Bundesbank gibt an, dass sich etwa 550 Milliarden Euro Bargeld im Umlauf befinden. Davon horten die Deutschen, so die Bundesbank-Experten, rund ein Fünftel (110 Milliarden Euro) in großen und kleinen Scheinen in ihren Wohnungen und Häusern. Das entspricht durchschnittlich etwa 1.300 Euro pro Bundesbürger.

Mal abgesehen vom Risiko, das Ersparte im Fall eines Wohnungseinbruchs komplett einzubüßen, verliert es auch ohne kriminelle Energie jedes Jahr effektiv an Wert. Schuld daran ist die Inflation, die dazu führt, dass die Kaufkraft einer Währung über die Zeit abnimmt. Also auch wenn nach einem Jahr noch immer 1.300 Euro unter der Matratze des Sparers liegen, sind diese 1.300 Euro weniger wert als noch ein Jahr zuvor.

 

Für Anleger ist die Niedrigzinspolitik ebenfalls eine Herausforderung, denn es wird immer schwerer mit klassischen Investitionen Renditen zu erwirtschaften. Die Zinspolitik der Notenbanken bestimmt maßgeblich die Rendite auf den Kapitalmärkten. Denn von den Leitzinsen leiten sich nicht nur die Zinssätze von Sparkonten ab, sondern sie beeinflussen auch die Renditen von Staatsanleihen, Versicherungspolicen und Wertpapieren.

Die Erträge für Staatsanleihen mit Topbonität fallen dadurch sehr gering aus. Zum Teil müssen Investoren inflationsbereinigt draufzahlen, wenn sie Ländern wie Deutschland oder den USA über einen langen Zeitraum Geld leihen wollen. Dadurch wurden aus risikofreien Anlagen mit geringer Rendite, renditefreie Anlagen mit geringem Risiko. Weil mit konservativen Geldanlagen wie Staatsanleihen und Festgeldkonten also kaum noch Erträge zu erwirtschaften sind, ist seit Jahren eine Verschiebung zu risikoreicheren Anlageklassen zu beobachten. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 3 Milliarden Euro von Tagesgeldkonten in Wertpapierdepots umgeschichtet.

Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken – neben dem Niedrigzins kaufen sie monatlich Aktien und Anleihen in Milliardenumfang – treibt die Börsenkurse auf immer neue Höchststände. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen und Investmentfonds investieren verstärkt in Aktien und Unternehmensanleihen, weil sie auf anderem Weg nicht mehr die Renditeversprechen an ihre Kunden erfüllen können. Lebensversicherer sind davon besonders stark betroffen, aber auch Bausparkassen und Rentenfonds.

Private Anleger ziehen mit, weil die Börsenstände seit Jahren trotz schwächelnder Konjunktur nur eine Richtung kennen: nach oben. Sollten die Notenbanken ihre ultralockere Geldpolitik fortsetzen, ist nicht damit zu rechnen, dass die Aktienkurse fallen. Im Gegenteil, es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der ultralockeren Geldpolitik und den Allzeithochs am Dax und Dow Jones. Und eine alte Börsenweisheit besagt, niemals gegen die Notenbanken zu wetten.    

Doch dieser Logik blindlinks zu folgen, kann für Investoren gefährlich werden. Denn die Notenbanken, angefangen bei der Federal Reserve, haben ihren Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik bereits angekündigt. Die Fed hebt die Leitzinsen sukzessive an und fährt auch den monatlichen Anleihekauf zurück. Das kann Verwerfungen an den Börsen auslösen, die sich in den letzten zehn Jahren vom billigen Geld abhängig gemacht haben. Investoren sollten darauf mit der richtigen Anlagestrategie vorbereitet sein.

 

Die größte Herausforderung für Privatanleger ist dabei die gestörte Preisfindung an den Börsen, merkt etwa Daniel Steltner an, ehemaliger Berater der Boston Consulting Group und aktuell Kolumnist bei der Wirtschaftswoche. Die ultralockere Geldpolitik habe zu einer Verzerrung der Preise für alle Vermögenswerte (Aktien, Anleihen und Fonds) geführt. Die größten Zentralbanken (EZB, BoJ und Fed) halten zusammen schon rund 20 Prozent aller Staatsanleihen.

Auch in Aktien, Aktienfonds und passive Indexfonds (ETFs) sind die Zentralbanken investiert. So besitzt die japanische Notenbank mittlerweile rund 3 Prozent des Nikkei und hat knapp 130 Milliarden Dollar in ETFs investiert. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist ihrerseits stark an den US-Börsen engagiert. Sie hat Technologiewerte wie Apple, Facebook und Microsoft für rund 80 Milliarden Dollar gekauft. Das treibt die Kurse dieser Firmen nach oben.

Was bleibt Privatanlegern also übrig? „Nichts kaufen, weil alle Preise manipuliert sind, ist keine Strategie. Wir müssen uns damit abfinden, dass am Ende dieses Spiels die Autorität der Notenbanken und das Vertrauen in die vorherrschende Geldordnung ruiniert sein werden. Deshalb dürfte Geld am Schluss das schlechteste aller Investments sein“, so Steltner. Er empfiehlt eine Portfolio-Mischung aus je einem Viertel Gold, Aktien, Immobilien und Liquidität. Die Bargeldreserven sollten dann für gezielte Zukäufe bei Marktkorrekturen genutzt werden.

Das Portfolio sollte sich danach ausrichten, was für ein Investoren-Typ man selber ist. Deshalb gilt es zuerst herauszufinden, ob man eher zur Sicherheit oder zum Risiko neigt. Anschließend sollte das Portfolio ausreichend diversifiziert sein. Ein Teil des Vermögens sollte in sicheren Vermögenswerten angelegt sein, die idealerweise auch noch einen regelmäßigen Cashflow generieren.

Als sichere Vermögenswerte mit niedrigem Zinsfluss können festverzinsliche Wertpapiere dienen, also Unternehmensanleihen großer Konzerne, aber auch Staatsanleihen. Ebenfalls zu den sicheren Anlageformen zählen Immobilien, besonders, wenn sie einen regelmäßigen Mietzins erwirtschaften. Zur reinen Wertaufbewahrung eignen sich Edelmetalle, insbesondere Gold. Mit diesen Anlagen werden sie in Zeiten von Minizinsen jedoch nur einen Vermögenserhalt erreichen oder sogar eine leicht negative Rendite erzielen.

Um dennoch auf einen „grünen Zweig“ zu kommen, führt also kein Weg an ertragsorientierten Anlagen vorbei. Hier eignen sich zunächst Aktien etablierter Unternehmen,die idealerweise über eine Dividende auch einen regelmäßigen Kapitalrückfluss erzeugen. Außerdem können Aktienfonds und börsengehandelten Indexfonds (ETFs) eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios sein. ETFs überzeugen durch eine niedrige Kosten und eine solide Perfomance, da sie in der Regel nur einen Index abbilden, z.B. den deutschen Leitindex Dax. Wenn der Dax langfristig steigt, profitiert auch der Anleger davon.

Und schließlich sollte ein kleiner Teil des verfügbaren Vermögen in risikoreiche Vermögenswerte investiert werden, die aber auch ein besonders hohes Renditepotenzial aufweisen. Dazu zählen Aktien und Aktienfonds mit europäischen und außereuropäischen Standardwerten, spekulative Immobilienfonds, hochverzinste Anleihen für weniger etablierte Unternehmen und außerbörsliches Wagniskapital (sogenanntes Venture Capital). Zum letzteren Bereich zählt auch das Crowdinvesting, bei dem sich Privatanleger mit Wagniskapital an Startups beteiligen, um im Exitfall vom Verkaufserlös zu profitieren.

 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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