So erkennt man eine Spekulationsblase

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Indikatoren für Preisübertreibungen

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In der Theorie sind Märkte effizient. Durch den Preismechanismus und den freien Handel verteilen sie die Ressourcen dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden. Doch alle Theorie ist grau und die Praxis leider viel komplexer. Denn während der Mensch in der Theorie ein rein rational handelnder Marktteilnehmer ist, lässt er sich in der Praxis allzu oft von seinen Emotionen leiten. Am deutlichsten kann man dies an den Finanzmärkten beobachten. Dort bilden sich immer wieder Spekulationsblasen in verschiedenen Anlageklassen und führen so zu Preisübertreibungen.

Für Investoren ist es wichtig, wachsam für die ersten Anzeichen einer Spekulationsblase zu sein. Denn ein Anleger will eine Handelsware nach Möglichkeit immer zum niedrigsten Preis kaufen und zu einem höheren wieder verkaufen. Bei einer Blase besteht dagegen die Gefahr am höchsten Punkt, kurz bevor die Blase platzt, einzusteigen. Wenn es dann zu Preiskorrekturen kommt, verliert der Anleger viel Geld. Wir zeigen Ihnen, wie Finanzblasen entstehen und welche Hinweise auf Preisübertreibungen hindeuten.

 

Als Spekulationsblase (auch Finanzblase oder einfach nur Blase genannt; Englisch: speculative bubble, financial bubble oder economic bubble) bezeichnet man in der Makroökonomie eine Situation an den Märkten, in der Preise für bestimmte Handelsgüter (z.B.: Lebensmittel oder Rohstoffe) oder Vermögensgegenstände (Aktien, Immobilien, Devisen, etc.) bei hohem Umsatz über ihrem inneren Wert gehandelt werden.  

Blasen am Finanzmarkt gibt es schon sehr lange. Sie entstehen in erster Linie durch Spekulation. Die erste historisch gut dokumentierte Spekulationsblase war die Tulpen-Manie in den Niederlanden im 17. Jahrhundert. Das Wissen um die Zucht der seltenen Pflanzen aus dem Orient war begrenzt und sie wurden lange Zeit nur in der Blüte verkauft. Zugleich stieg die Nachfrage nach Tulpen stetig an. Die Preise der als exotisch geltenden Pflanzen stiegen so ins Unermessliche.

Händler begannen sogar, Tulpenzwiebeln weiterzuverkaufen, die noch nicht in ihrem Besitz waren. Damit waren die ersten Leerverkäufe geboren.  Zwischen Dezember 1636 und Februar 1637 erreichte die Blase ihren Höhepunkt. Tulpenzwiebeln wurden bis zu zehn Mal weiterverkauft, wodurch sich ihr Wert teilweise verzehnfachte. Schließlich kollabierten am 7. Februar die Preise ohne erkennbaren Auslöser und fielen um fast 100 Prozent. Das markierte das Ende einer dreijährigen Spekulationsblase. Das Platzen dieser Blase hatte jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die niederländische Wirtschaft, da nur eine sehr kleine und wohlhabende Bevölkerungsschicht in das Spekulationsgeschäft investiert war.

Das Muster hinter einer Spekulationsblase verläuft fast immer gleich. Der Preis einer Ware steigt nicht mehr aufgrund ihrer Fundamentalwerte, sondern aufgrund der Hoffnungen, die in die Ware gesetzt werden. Das zieht Spekulanten an, die sich nicht für die Ware interessieren, sondern nur für kurzfristige Kursgewinne. Jede Vorsicht wird über Bord geworfen, stattdessen bestimmt Euphorie das Marktverhalten. Dadurch erhöht sich der Umsatz, der mit der Ware erzielt wird und die Preise steigen immer schneller, bis sie schließlich binnen kurzer Zeit kollabieren.

 

Die Gründe für Spekulationsblasen sind vielfältig und Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Mit den gängigsten Marktmodellen lassen sich Spekulationsblasen nicht erklären, da die Marktteilnehmer in diesen Modellen über die vollständigen Informationen verfügen und rational handeln.

Die meisten Erklärungen bauen also darauf auf, dass Marktteilnehmer unterschiedliche Informationsstände haben und teilweise irrational handeln. Der Forschungszweig der Neurofinanz hat inzwischen auch empirisch belegt, dass sich viele Anleger an den Finanzmärkten von Emotionen leiten lassen. Besonders in euphorischen Phasen während einer Spekulationsblase herrscht das Prinzip, das man umgangssprachlich „Gier frisst Gehirn“ nennt.

Zu den häufigsten Erklärungen einer Finanzblase zählt die Theorie des „Greater Fool“ (zu Deutsch: „größerer Narr“). Diese Theorie geht davon aus, dass sich im Markt immer ein Investor findet, der bereit ist, einen noch höheren Preis zu bezahlen, weil er seine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten überschätzt. Dadurch zahlen einige Investoren willentlich einen übertriebenen Preis, in der Annahme, trotzdem noch einen höheren Preis zu erzielen.

Auch der Herdentrieb gilt als ein Grund für das Auftreten von Spekulationsblasen. In den Sozialwissenschaften spricht man von einer Institutionalisierung, wenn ein Individuum an soziale Normen gebunden ist. Auf das Anlageverhalten übertragen bedeutet dies, dass Anleger sich nicht mehr auf die eigene Einschätzung verlassen, sondern auf die Einschätzung anderer – vermeintlich kompetenterer – Investoren.

Ein weiterer Grund für Blasen am Finanzmarkt kann Inflation sein. Wenn die Währung eines Landes rapide an Kaufkraft verliert, fliehen Anleger in andere Vermögenswerte und lösen dadurch einen künstlichen Boom dieser Werte aus. In der Absicht, die verfallende Kaufkraft ihres Geldes zu retten, investieren Anleger verstärkt in Immobilien oder Aktien.

Aktuell kann man dieses Phänomen in Venezuela beobachten. Obwohl sich die Wirtschaft in einer schweren Rezession befindet, die Regierung kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht und das Land die höchste Inflation der Welt verzeichnet, hat der Aktienmarkt Venezuelas in diesem Jahr um 4446 Prozent zugelegt (Stand: 06. Dezember 2017).

 

Derzeit gibt es Anzeichen für eine Blasenbildung in mehreren Anlageklassen. Steen Jakobsen, der Chefstratege der Saxo Bank, beschreibt die akutelle Finanzmarktsituation so. Die Märkte hätten eine Phase erreicht, in der Blasen an den Aktienbörsen, bei Kryptowährungen, bei Staats- und Unternehmensschulden und Immobilien auf eine neue wirtschaftliche Realität mit negativen Kredit-Impulsen und dem Ende der Stützung durch die Notenbanken treffen würden. Doch woran erkennt man eine Spekulationsblase? Die folgenden sieben Warnsignale sind wichtige Indikatoren für Preisübertreibungen in einer Anlageklasse. Sollten drei oder mehr Indikatoren zurteffen, ist für Investoren höchste Vorsicht angesagt.

Warnsignal 1: „Dieses Mal ist alles anders“

Als sicheres Indiz für eine Blase gilt, wenn die Marktteilnehmer sich gegenseitig versichern, dass „dieses Mal alles ganz anders ist“ und die bisherigen Regeln des Finanzmarkts nicht mehr gelten. Sie sind übermäßig optimistisch für die künftige Entwicklung der Anlageklasse und sehen bei den Wertzuwächsen keine Grenzen nach oben. Als Grund werden häufig „revolutionäre Technologien“ angeführt.

Warnsignal 2: Markt zieht vermehrt Spekulanten an

Ein sicheres Indiz für eine Blase ist, wenn vermehrt Spekulanten in den Markt einsteigen. Sie verfügen über wenig oder gar kein Hintergrundwissen über die jeweilige Technologie oder Anlageklasse, sondern wollen nur mit kurzfristigen Wetten auf die Kursentwicklung Profite erzielen.

Auf die Frage, ob wir aktuell bei Kryptowährungen eine Blase erleben, sagte der Hedgefonds-Manager Mike Novogratz: „Das wird die größte Blase zu unseren Lebzeiten, doch bis zum Platzen lässt sich eine Menge Geld damit verdienen.“ Der Milliardär ist mit Spekulation reich geworden und eigens aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um auf die Preisentwicklung von Kryptowährungen zu wetten.

Warnsignal 3: Immer schneller steigende Preise

Eine Blase zeichnet sich dadurch aus, dass Spekulanten in immer kürzeren Abständen zwischen den verschiedenen Segmenten einer neuen Anlageklasse wechseln, um ihre Profite aus dem Handel zu maximieren. Langfristiges Anlegen verliert an Attraktivität. Dadurch erhöht sich der Umsatz der Anlageklasse und die Preise steigen immer schneller. Am Beispiel Bitcoin lässt sich dieses Phänomen gut verdeutlichen.

Die bekannteste Kryptowährung vollzieht Preissprünge in immer kürzeren Abständen – ein sicheres Anzeichen für eine Spekulationsblase. Bis zum Durchbrechen der 1.000-Dollar-Marke brauchte Bitcoin noch 1.789 Tage, von dort bis zur 2.000-Dollar-Marke nur noch 1.271 Tage. Von 2.000 auf 3.000 Dollar sprang die Digitalwährung in 23 Tagen. Darauf wurden die Abstände immer kürzer: Von 10.000 auf 11.000 Dollar kletterte Bitcoin an nur einem Tag, von 13.000 auf 14.000 Dollar in nur 4 Stunden und von 18.000 auf 19.000 Dollar in nur 3 Minuten.

Warnsignal 4: Immer mehr Medienberichte

Ein guter Indikator für eine Überhitzung und damit für überteuerte Preise sind gehäufte Medienberichte über den Boom einer Anlageklasse. Wenn es „die Spatzen schon von den Dächern pfeifen“, dann ist die Zeit der hohen Renditen in der Regel schon vorbei. Profi-Investoren, die früh auf Kursgewinne spekuliert haben, suchen nur einen Weg aus der Anlageklasse. Sie suchen den „größeren Narr“, der bereit ist, die Vermögenswerte zu deutlich überteuerten Preisen zu kaufen.

Die Medienberichte führen dazu, dass immer mehr Laien-Investoren den Markt betreten. Hier setzt der Herdentrieb ein. Privatanleger lassen sich von der Euphorie anstecken und verlassen sich dabei nicht auf ihre eigene Einschätzung, sondern folgen den vermeintlichen Experten, die sich positiv zur künftigen Marktentwicklung äußern. Daher lautet ein guter Investment-Tipp von Warren Buffett: „Seien Sie ängstlich, wenn andere gierig sind. Und seien Sie gierig, wenn andere ängstlich sind”

Warnsignal 5: Niedrige Zinsen begünstigen Spekulation

In einem Umfeld niedriger Zinsen gedeihen Spekulationsblasen besonders gut. Denn Zinsen zeigen den Preis des Geldes an und niedrige Zinsen bedeuten „billiges“ Geld. In Zeiten eines Aktienbooms führt das dazu, dass zuerst professionelle und später auch unerfahrene Investoren beginnen, mit geliehenem Geld die vermeintlich sichere Wette einzugehen.

Ablesen lässt sich das an der Hebelung der Aktienmarkts (Englisch: „margin debt“). Wenn Aktienspekulation mit geliehenem Geld neue Höchststände erreicht, sollten Anleger Vorsicht walten lassen. Denn die Hebelung erhöht das Risiko schnell kollabierender Preise. Sollten die Aktienkurse einmal fallen, fordern die Banken als Kreditgeber die Spekulanten auf, Geld nachzuschießen (Englisch: „margin call“). Diese Nachschusspflicht kann zu Panikverkäufen und rapiden fallenden Kursen führen.

Warnsignal 6: Künstlich niedrige Volatilität

Die Volatilität zeigt an, wie anfällig eine Anlageklasse für Schwankungen ist. Eine niedrige Volatilität ist ein Anzeichen für einen stabilen Markt. Doch wenn die Volatilität nicht aufgrund der Fundamentaldaten niedrig ist, sondern durch irrationale Annahmen der Marktteilnehmer, ist Vorsicht angesagt. Ein Beispiel ist der Anleihemarkt in Europa. Dort sind die Zinsen für südeuropäische Anleihen auf einem extrem niedrigen Stand, obwohl die dortigen Länder (Italien, Griechenland, Spanien, Portugal) die strukturellen Probleme nicht gelöst haben.

Einziger Grund für die Euphorie der Investoren ist die Europäische Zentralbank (EZB). EZB-Chef Mario Draghi sagte auf einer Pressekonferenz, dass die EZB „alles tun werde, was nötig ist“ um ein weitere Finanzkrise zu verhindern. Das schließt den Aufkauf von Staatsanleihen aus Krisenstaaten ein, was Investoren dazu veranlasste, die Wertpapiere überhaupt erst zu kaufen. Fortan verfolgen sie die Strategie, auch bei schlechten Nachrichten in diese Anleihen zu investieren, in der Annahme, die EZB steht im Notfall als Käufer bereit.

Warnsignal 7: „Der Trend ist dein Freund!“

Alle Marktteilnehmer gehen fest davon aus, dass der Markt auch morgen noch so aussieht wie heute. Die allgemeine Euphorie sorgt dafür, dass fallende Kurse nicht mehr vorstellbar erscheinen. Während dieser Phase versuchen Finanzinstitute mit Hilfe von „Financial Engineering“ noch mehr Profit aus dem boomenden Markt zu schlagen. Sie entwickeln abgeleitete Finanzprodukte, mit denen auf die Marktentwicklung gewettet werden kann (Derivate). Diese vervielfachen das Risiko einer Ansteckung anderer Märkte im Falle eines Platzens der Blase.

Ein Beispiel ist die  Immobilienkrise 2007 in den USA. Weil über Jahre hinweg Immobilien an Menschen mit schlechter Kreditwürdigkeit verkauft wurden, implodierte 2007 der Immobilienmarkt. Die Banken wussten um die drohenden Kreditausfälle. Also hatten sie die notleidenden Kredite in ein neues Finanzprodukt verpackt (verbriefte Hypotheken) und um die halbe Welt weiter verkauft. Die Käufer gingen fest davon aus, dass der US-Immobilienmarkt auch morgen noch weiter wachsen würde. So wurde aus einer Immobilienblase in den USA eine weltweite Finanzkrise.


 


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André Jasch

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