von Deborah Dunkel

Bergbau im Weltall – Ein Rennen um die Ressourcen der Zukunft

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Bergbau im Weltall – Ein Rennen um die Ressourcen der Zukunft

Was für manche zuerst nach einer weit entfernten Sci-Fi-Vision klingt, ist für andere bereits in greifbare Nähe gerückt. Wie eine Fortsetzung der 50er und 60er Jahre befindet sich die Welt in einem „Space Race 2.0“. Dabei geht es dieses Mal um mehr, als nur darum ins All vorzudringen. Ziel des neuen Wettrennens ist es, die Weltraumfahrt wirtschaftlich zu machen, indem man Ressourcen aus dem All gewinnt.


Bergbau im All – Worum geht es?

Rohstoffe aus dem Weltraum zu gewinnen klingt teuer, ist es auch. Lohnt es sich denn? Was erhofft man sich dabei?

Seltene Erden, Helium -3, Metalle wie Gold, Platin, Titan, und mehr – das alles soll von anderen Himmelskörpern wie dem Mond und Asteroiden gewonnen werden. Diese Ressourcen sind auf der Erde begrenzt, im Weltall sind sie um ein Vielfaches vorhanden.

Seltene Erden werden vor allem in der Herstellung moderner Technologien verwendet. Metalle werden in der Industrie immer benötigt, während Helium-3 als Brennstoff für Fusionsreaktoren eine wichtige Energiequelle der Zukunft ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt kostet es noch mehr, diese Rohstoffe zur Erde zu bringen, als sie dann in ihrer Verwendung wert sind. Daher interessiert man sich vor allem dafür, wie man sie im Weltraum selbst nutzen kann – als Baumaterial für Weltraumstationen und als Treibstoff, quasi als galaktische Tankstellen, um die Kosten der Raumfahrt und somit für die Forschung des Weltraums zu reduzieren.


Wer sind die Favoriten des Wettrennens?

Wie schon in den 60er Jahren gehören Russland und die USA zu den größten Playern auf dem Feld. Doch es sind auch neue dazu gekommen, zum Beispiel China und Luxemburg.

Durch dessen langjährige Aktivität im All, vor allem in der Internationalen Raumstation ISS, und der staatlichen Förderung solcher Bestreben ist und bleibt Russland ein wichtiger Akteur im aktuellen Space Race. Wie sein Hauptkonkurrent verfügt Russland bereits über ein Gesetz für die Reglung des Ressourcenabbaus im Weltall.

Seit dem 2015 verabschiedeten U.S. Commercial Space Launch Competitiveness Act (Space Act) bestimmen die USA das Rennen um die Ressourcen des Weltraums. Durch den Space Act erklären sich die USA zum Verwalter von Schürfrechten im All. Dementsprechend müssten Firmen, die in Zukunft Rohstoffe von Himmelskörpern gewinnen wollen, zuerst eine entsprechende Lizenz der US-Regierung erhalten.

Dieses Gesetz stieß international auf viel Kritik. Es handele sich dabei um einen Verstoß gegen ein Abkommen der UN, welches es Staaten verbietet, Eigentumsansprüche auf Asteroiden, Monde oder Planeten zu erheben. Dieser Vertrag sollte vor allem die Besetzung des Mondes durch die USA oder die Sowjetunion verhindern, um den Frieden zu wahren. Wie könnten also die USA Rechte übertragen, über die sie selbst nicht verfügen?

Das Gegenargument ist ein juristischer Trick: Das Eigentum sei nicht der Himmelskörper selbst, sondern der gewonnene Rohstoff. Dieser wird nämlich nicht im UN-Vertrag geregelt. Das ist wie bei beim Fischen in internationalen Gewässern – dem Fischkutter, der das Netz auswirft, gehört der Fang. Das bedeutet aber nicht, ihm gehört auch der Ozean.

Auf diese Logik stützt sich auch ein kleiner europäischer Staat. Luxemburg hat sich vorgenommen, weltweit die erste Anlaufstelle für den Bergbau im Weltraum zu werden. Zu diesem Zweck hat das Land als erster europäischer Staat ein Gesetz verabschiedet, welches den Abbau von Ressourcen im All regeln soll.

„Das Silicon Valley für Weltraumressourcen wird hier in Luxemburg sein“, sagt Simon Worden, langjähriger Direktor des Ames Research Center der NASA, gegenüber dem Spiegel. Diesem Aufruf sind bereits einige Firmen weltweit gefolgt und haben einen Sitz in Luxemburg eröffnet, unter anderem ein Weltraum-Forschungslabor aus China, aufgebaut vom führenden chinesischen Weltraumforschungsinstitut National Space Science Center (NSSC).

Wie in den meisten Wirtschafts- und Forschungsbereichen mischt auch China schon seit Jahren aktiv mit. Dies zeigt sich vor allem in den chinesischen Plänen für das Jahr 2018: Ganze 40 Raketenstarts sind geplant. Dies ist das Doppelte von dem, was sie letztes Jahr geschafft haben. Weitere Highlights sind die Chang’e 4 und Chang’e 5 Missionen. Mit der Chang’e 4 wollen die Chinesen erstmals auf der Rückseite des Mondes landen, was bisher nicht einmal die USA und Russland geschafft haben. Passagier der Chang’e 5 wird ein Roboterfahrzeug sein, welches Mondgestein-Proben sammeln und zur Erde bringen soll.


Private Unternehmen an der Spitze

Neben staatlichen Akteuren verfolgen auch private Unternehmen und Investoren aktiv das Ziel, wertvolle Rohstoffe aus dem All zu gewinnen oder den Mond und Mars zu kolonialisieren. Die größte Hürde dabei sind die Kosten des Raketenstarts, weshalb sich mehrere Unternehmen damit beschäftigen, diese zu reduzieren.

Für internationale Aufmerksamkeit hat SpaceX mit mehreren Raketenstarts gesorgt, insbesondere durch die Flugwiederholung der Falcon 9 im März 2017. Diese Flugwiederholung entspricht ganz der Vision des Unternehmensgründers Elon Musk:

„Wenn man herausfinden kann, wie man Raketen wie Flugzeuge effektiv wiederverwenden kann, werden die Kosten für den Zugang zum Weltraum um den Faktor 100 reduziert. Eine voll wiederverwendbare Rakete wurde noch nie gebaut. Das ist wirklich der grundlegende Durchbruch, um den Zugang zum Weltraum zu revolutionieren.“

Weitere Unternehmen, die sich mit der Wiederverwendung von Raketen befassen, sind Deep Space Industries und Blue Origin. Durch die resultierende Kostenreduzierung soll privaten Firmen und Staaten günstigerer Zugang zum Weltraum ermöglicht werden. Firmen, die davon profitieren könnten, sind unter anderem solche wie Planetary Resources, welches Weltraumforschung zur Gewinnung von Wasser betreibt.


Und was macht Deutschland?

Deutschland ist Mitglied der Europäischen Weltraumorganisation ESA, welche die Entwicklung der europäischen Raumfahrt koordiniert und fördert. Somit ist Deutschland, auch in wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Hinsicht, mit an der Spitze der Luft- und Raumfahrt. Es gibt die notwendigen Technologien und Unternehmen, um eine der führenden Nationen in diesem Bereich zu sein.

Weltweit flossen zwischen 2000 und 2016 über 16 Milliarden US-Dollar in Weltraum-Startups, wovon jedoch wenig in private Raumfahrt-Unternehmen in Deutschland investiert wurde. Anders als die großen Player im Wettrennen und sogar seinem kleinen Nachbarn, Luxemburg, gibt es in Deutschland kein Weltraumgesetz. Dies erzeugt laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für eine Rechtsunsicherheit, welche dazu führt das „private Initiativen zur Entwicklung der Raumfahrt und des Weltraumbergbaus […] in Deutschland dadurch gehemmt oder sogar im Keim erstickt [werden].“ Aus diesem Grund fordert der BDI ein Weltraumbergbau-Gesetz, um einen Rahmen für Rohstoffabbau im All vorzugeben.


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