von Jana Biesterfeldt

Diversität in der Startup-Szene?

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Diversität in der Startup-Szene?

Schauen wir uns in einem typischen Büro von einem Berliner Startup um. Was finden wir dort vor, außer einem Großraumbüro mit Kicker und frischem Obst? Die Mitarbeiter. Dabei sollten idealerweise nicht nur (weiße) Männer mit Bärten vorhanden sein. Divers zusammengestellte Teams sind immer mehr gefragt und Unternehmen versprechen sich positive Effekte.

Diversität bedeutet Vielfältigkeit. Diese äußert sich in der Vielfalt von Geschlecht, Alter, Nationalität, Bildungshintergrund, aber auch sexueller Identität, Weltanschauung oder Sozialisation.

Es ist ein Begriff, der bereits Aufmerksamkeit und Bedeutung im Unternehmensumfeld gewonnen hat. Wie sieht es aber in der Startup-Szene aus? Gibt es dort überhaupt Diversität?

Vorteile von Diversität

Immer wieder hört man, dass eine Kultur der Diversität in Unternehmen wichtig ist. Mehr Diversität im Team soll Innovationen fördern, eine effektivere und produktivere Arbeit und effizientere Ergebnisse versprechen. In gemischten Teams werden am Ende bessere Entscheidungen getroffen, so eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW). Die Forscher fanden heraus, dass wenn Teams gleichermaßen aus beiden Geschlechter bestehen, die Beschlüsse ausgewogener seien. Risikofreudige Männer und risikoscheue Frauen würden sich ausgleichen.

Jeder Mitarbeiter bringt verschiedene Eigenheiten, Perspektiven oder nationale Besonderheiten in ein Team und seine Entscheidungen mit ein. Dies führt dazu, dass mehr Kreativität entstehen kann und mehr demografische Zielgruppen angesprochen werden können.

Diversität gilt als vielversprechendes Rezept für den wirtschaftlichen Erfolg. Diversity Management, die Förderung und Nutzbarmachung von Vielfalt im Unternehmen, wird auch von größeren Unternehmen praktiziert, unter anderem von der Deutschen Bank, Lufthansa oder der Deutschen Telekom.

Die Deutsche Bank zum Beispiel fördert die Vielfalt seiner Mitarbeiter und erhofft sich positive Effekte für das Arbeitsumfeld:

 „Wir schaffen ein Arbeitsumfeld des Miteinanders, in dem die Menschen ihr Potenzial voll entfalten können. Vielfalt und Wertschätzung der Unterschiede helfen der Deutschen Bank, die Beziehungen zu unseren Kunden und Partnern sowie zur Gesellschaft zu stärken, in der wir tätig sind.“ 

Dies äußert sich bei der Deutschen Bank durch zahlreiche Mitarbeiternetzwerke für „Menschen mit Behinderung, Familien, verschiedene Generationen, LGBTQI, multikulturell/People of Color und Frauen.“

Wie divers sind aber noch nicht etablierte und kleiner aufgestellte Startups?

Zusammensetzung von Startups

Der Deutsche Startup-Monitor untersucht das deutsche Startup-Ökosystem und befragt dazu Gründerinnen und Gründer. Laut dem Deutschen Startup-Monitor 2017 kommt jeder zehnte Gründer aus dem Ausland. Staatsbürger aus der EU machen 4,7 Prozent der befragten Gründer aus; 3,3 Prozent stammen aus Nicht-EU-Ländern.

Berliner Startups haben die meisten internationalen Mitarbeiter, fast jeder zweite kommt aus dem EU-Ausland. Insgesamt liegt der Anteil der Mitarbeiter aus dem Ausland in der Startup-Szene bei 28,6 Prozent.

Nach Berlin sind internationale Mitarbeiter am häufigsten in München und Hamburg angesiedelt. Es sind also die Großstädte, die schon ein internationales Flair bieten, die anziehend sind und Internationalität in Startup-Teams bringen.

Auch interessant ist in diesem Zusammenhang der Diversität, dass Menschen mit Migrationshintergrund mehr gründen, während in Deutschland allgemein die Zahl der Gründer sinkt. Jeder fünfte Existenzgründer hat ausländische Wurzeln, so eine Studie der staatlichen Förderbank KfW.

Wie sieht es mit Frauen in der Startup-Szene aus? Der Anteil an weiblichen Gründern steigt seit zwar Jahren an (14,6 Prozent), dennoch sind Frauen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen immer noch in der Minderheit was Unternehmensgründungen angeht. Unter anderem sind zu wenige Frauen im Tech-Bereich tätig und daher auch in Startups eher seltener zu finden.

Das Durchschnittsalter der Startup-Gründer liegt bei 35,3 Jahren, wobei der Anteil an jüngeren Gründern steigt.

Frauen, Erfahrene und Internationale

Die Norm eines Mitarbeiters ist oft der weiße, junge Mann. Wie könnten Teams in Startups also diverser zusammengesetzt werden?

Das Thema Nummer Eins hierbei sind Frauen. Nicht nur weniger Gründerinnen, auch überwiegend weniger Frauen sind in den Startup-Teams zu finden. Der Frauenanteil beträgt im Durchschnitt nur 27 Prozent. Die Tech-Branche besteht generell aus viel weniger Frauen. Nicht mal im Silicon Valley, dem Hort der technischen Innovation, sind viele Frauen.

Mehr Frauen im Team bedeuten oft eine höhere Arbeitsperformance. Das fand das Massachusetts Institute of Technology (MIT) heraus. Frauen sorgen mit ihrer größeren Empathie  gegenüber Kollegen für eine angenehmere Teamatmosphäre und besseres Arbeitsklima, was zu besseren Ergebnissen führe.

Doch sollte nicht nur von Gender Diversity, also dem Bestreben mehr Frauen in die Unternehmen zu bringen, gesprochen werden. Untersucht werden in Bezug auf Startups neben den Frauenquoten auch die Herkunft der Mitarbeiter.

Die Internationalität, ein positives Merkmal der Diversität von Startups, kann dazu führen, dass das Netzwerk des Startups internationaler wird, andere Mitarbeiter ihre interkulturelle Kompetenz und sprachlichen Fähigkeiten erweitern können. Hier belegen die Zahlen, dass die Startups in dieser Hinsicht gut aufgestellt sind. Schwierigkeiten bei Einstellungen von Mitarbeitern aus dem Ausland sind allerdings bürokratische Hürden und die entstehenden Sprachbarrieren.

Auch das Alter der Mitarbeiter ist ein Faktor. Bei Startups denkt man immer an jung und dynamisch, weniger an Weisheit und Erfahrung. Erfahrene und ältere Teammitglieder können daher einen differenzierten Beitrag leisten. Erfahrung sei besonders bei der Wachstumsphase eines Unternehmens vonnöten, so Feliks Eyser, Gründer und CEO von RegioHelden GmbH. Eyser weiter: 

„In dieser späteren Phase geht es darum, mithilfe erfahrener Kollegen mögliche Hürden frühzeitig zu erkennen, damit Probleme erst gar nicht entstehen können“.

Der Bildungshintergrund von Startups ist, zumindest bei den Gründern, akademisch geprägt. Laut dem Deutschen Startup Monitor 2017 besitzen über 80 Prozent der Startup-Gründer einen Abschluss einer Hochschule oder Universität. Für die Mitarbeiter gibt es keine vergleichbare Studie, die Aufschluss darüber gibt, ob sie eher aus akademischen oder nicht-akademischen Bereichen kommen.

Diversität in der Kritik

Wird Diversität überschätzt? Denn gegenüber Diversitätsmaßnahmen gibt es auch kritische Stimmen.

Sven Schmidt-Rohr von Artiminds zum Beispiel lehnt die entstehenden Kategorien ab, in die Menschen eingeordnet werden und sagte gegenüber der Zeitung "Die Welt" über Diversität im Startup-Bereich: 

„Statt Menschen in Schubladen von Alter, Hautfarbe, Geschlecht zu werfen und zu messen, ob auch jede Schublade jeder möglichen Kombination an Kategorien genug Murmeln enthält, müssen wir uns auf das Individuum an sich besinnen.“

Weiteres Argument von Gegnern ist, dass Diversität durch die unterschiedliche Zusammensetzung zu Konflikten führen kann. Dies ist aber nicht nur in diversen Teams der Fall. Auch kontraproduktiv entpuppt sich das Diversity Management, wenn es mit Frauenförderung und der Frauenquote gleichgesetzt wird. Frauen, die über Diversitäts-Programme unterstützt werden, bekommen oft den Stempel „Quotenfrau“ aufgedrückt und fühlen sich stigmatisiert als Mitarbeiter, die ihren Job nicht aufgrund ihrer Qualifikation erhalten haben.

Das Kritisieren von Diversitätsprogrammen kann zu unangenehmen Schlagzeilen führen, wie ein Beispiel aus den USA zeigt. Der Google-Mitarbeiter James Damore beanstandete in einem internen Memo die Gleichstellungsbemühungen von Google, wo seiner Meinung nach unter anderem Frauen gegenüber Männern bevorzugt werden. Die Effektivität solcher Programme zur Diversitätsförderung schließt er aus. Gegen Gleichberechtigung sei er nicht, er halte nur die aktuellen Methoden für nicht geeignet. Damore wurde wegen des „Verstoßes gegen interne Verhaltensregeln“ entlassen. Nun verklagt er Google wegen Diskriminierung.


Es gibt viele Kategorien, wie ein Team diverser werden kann. Anreize für Unternehmen und Startups Diversität umzusetzen gibt es. Wenn sie denn wollen. Ob sich Startups von den großen Unternehmen in puncto Diversität abheben, geben die Zahlen nicht her. Eine Untersuchung unter den Startup-Mitarbeitern zu starten wäre eine spannende Möglichkeit dies herauszufinden. 


Glauben Sie, dass die Startup-Szene diverser ist als die großen Unternehmen? Wird Diversität in der Arbeitswelt überschätzt? Diskutieren Sie mit uns!


 

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