von Jana Biesterfeldt

Mentoring - Ein Fitmacher für Gründer?

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Mentoring - Ein Fitmacher für Gründer?

Aller Anfang ist schwer, besonders alleine. Das Gründen eines Unternehmens ist nicht einfach und eine Herausforderung. Eine wertvolle Unterstützung ist in vielerlei Hinsicht entscheidend. Wenn man etwas Neues beginnt, ist es nützlich von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

Mentoring ist eine Lösung dafür. Aber was bedeutet das eigentlich? Wozu kann Mentoring für Gründer nützlich sein?


Was kann Mentoring?

Die Initiative „Existenzgründerinnen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie definiert Mentoring folgendermaßen:

„Der Grundgedanke beim Mentoring ist: Erfahrene Personen, die Mentorinnen, geben anderen Personen mit Entwicklungspotenzial ihre Erfahrungen weiter.“

Mentoring ist eine zeitlich befristete persönliche Begleitung durch den Prozess des Gründens und darüber hinaus. Mit erfahrenem Know-how und nützlichen Ratschlägen können etablierte den jüngeren, in Geschäftsfragen unerfahrenen Gründern Hilfestellungen geben sowie Zugang zu neuen Netzwerke verschaffen.

„Bei Mentoren ist es wie beim Wein: Ihre Attraktivität steigt mit den Jahren“, wusste schon der Wirtschaftsjournalist und Unternehmer Karl Pilsl. Eine umfangreiche Erfahrung von Mentoren spielt daher eine ganz wichtige Rolle, besonders für junge Startups. Denn die Frühphase eines Startups ist eine risikoreiche Zeit. Laut t3n kann diese „von operativen Defiziten wie etwa fehlender Management-Erfahrung und Wissenslücken in Technologie, Marketing und Vertrieb geprägt“ sein.

Ein Blick von außen ist hilfreich, wenn es darum geht elementare Fragen zu stellen und zu beantworten: Ergibt meine Geschäftsidee Sinn? Ist mein Businessplan realistisch? Wie sind die Märkte aufgebaut, wer sind meine Kunden? Wie finanziere ich mich am besten?

Der Mentor muss nicht immer aus der gleichen Branche sein. Verschiedene Expertisen, die man selbst nicht hat, auf bestimmten Gebieten sind wertvoll und ermöglichen zugleich eine andere Perspektive.

Durch eine konstruktive Beratung des erfahrenen Mentors können Empfehlungen für strategische Entscheidungen gegeben werden. Auch zur Problemidentifikation und -lösung kann ein langfristiger Austausch hilfreich sein. Eleonore Wall von biz4d, einer internationalen Mentoring-Plattform, ist davon überzeugt, dass Mentoring für eine Selbstermächtigung des Mentees sorgen kann: 

„Mentees können selbst immer besser darin zu werden, Hürden zu meistern und an diesen Erfolgen zu wachsen.“

Die Gründer können lernen, ihr Geschäftsmodell zu verteidigen, ihre Kritikfähigkeit auszubauen, Betriebsblindheit zu vermeiden, aber auch ihre Stärken zu erkennen. Viele Probleme und Herausforderungen lassen sich so gleich zu Anfang erkennen und beseitigen.

Die Nachfrage nach Mentoren reduziert sich nicht nur auf frisch gebackene Gründer. Auch andere Berufsgruppen, die sich umorientieren oder ihrer Karriere einen Aufschwung geben wollen, sehen die Vorteile solcher Partnerschaften. Die Bedeutung von Vorbildern darf nicht unterschätzt werden.


Mentoring: Ein Geben und Nehmen

Die Beziehung Mentor und Mentee ist eine Gemeinschaft, die zu einem konkreten Zweck geschaffen wird. Daher gilt einiges zu beachten.

Zuerst sollte man auf sich und sein Geschäft blicken und überlegen: Was sind meine Ziele? Was brauche ich von einem Mentor? In welchen Bereichen benötige ich Hilfe? Weiterhin von Nöten ist die genaue Analyse der Ausgangssituation für den Mentor und den Mentee. Ziele und Erwartungen an diese Beziehung müssen zu anfangs gemeinsam formuliert werden. An diesen Punkten kann sich der Erfolg messen lassen.

Mentoring ist nicht einseitig. Eine weitere Frage sollte immer sein: Was haben die Mentoren selbst davon? Schließlich investieren die Mentoren auch ihre Zeit und Mühe bei diesem Austausch. Die Beziehung sollte ein Geben und Nehmen beinhalten. Jeder angehende Mentee sollte erwägen, was man selbst geben könnte und sich eine Gegenleistung überlegen. Kann man seinen Mentor mit besonderen Fähigkeiten, wie zum Beispiel IT- oder Grafikkenntnissen, oder Input unterstützen? Auch die erfahrenen Leute können noch dazu lernen.

Der Business Angel, und Companist, Ralph Suikat sieht die Vorteile des Austausches mit jungen Gründern: 

„Es bereitet mir sehr große Freude, mit den häufig jungen Gründern zusammenzuarbeiten, Strategien zu entwickeln, Businesspläne zu hinterfragen oder Kontakte herzustellen.“

Auch der Vorsitzende des Startup-Verbandes Florian Nöll resümiert: 

„Bringt man junge Unternehmensgründer mit erfahrenen Unternehmern und Managern zusammen, haben beide Seiten etwas davon: die einen profitieren vom Zugang zu Innovatoren, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, die anderen von unbezahlbarer Erfahrung und Vernetzung.”

Ehrenamtlich tauschen die allermeisten Mentoren gerne ihre Erfahrung mit jüngeren Personen, die sich noch am Anfang befinden. Voraussetzung ist natürlich die Überzeugung des Mentors von seinem Schützling und dessen Idee.

Eine aktive Beteiligung und Pflege der Beziehung kann unter anderem durch regelmäßige Berichte per Mail, Telefonat, Skype-Calls oder persönlichen Treffen erfolgen. Eine räumliche Nähe der beiden ist natürlich am günstigsten. Daher sollten sich künftige Mentees ihre Mentoren aus ihrem Einzugsgebiet suchen.


Beim Mentoring ist für jeden etwas dabei

Nun hat man sich entschieden: Ich will einen Mentor finden. Wo fängt man mit der Suche an?

Die Stichworte Netzwerke und Networking sind entscheidend. Zuerst kann man sich in seinem eigenen Netzwerk umsehen. Kenne ich vielleicht schon Menschen mit Erfahrungen? Besonders die sozialen Netzwerke wie Xing und LinkedIn sind ein erster Anhaltspunkt, um zu sehen, welche Expertisen potentielle Mentoren anbieten können. 

Oft nehmen auch Business Angels eine Mentorenrolle ein. Business Angels sind etablierte Unternehmer, die mit ihrem Geld Startups und Wachstumsunternehmen unterstützen. Neben der Finanzierung geben sie Gründern die Chance, von ihren vielfältigen Kontakten und Expertennetzwerk zu profitieren.

Auch hier bei Companisto haben wir ein Experten-Netzwerk. Auf Companisto registrierten Investoren ist es möglich, den Startups ihre Expertise zur Verfügung zu stellen und die Startups können auf ein Netzwerk von Experten zurückzugreifen.

Fündig wird ein potentieller Gründer vermehrt bei speziellen Mentoring-Programmen. Diese bieten die Möglichkeit, für unterschiedliche Personengruppen mit verschiedenen Bedürfnissen und Hintergründen einen Mentor zu finden. Viele Netzwerkprogramme haben sich komplett der Vermittlung von Mentoren verschrieben. Dabei werden Formate angeboten, wie Veranstaltungen im Speed-Dating-Format, Workshops oder Pitch-Nights.

Der Bedarf ist da. Viele Mentoren engagieren sich unentgeltlich, aber manche Programme verlangen eine Gebühr. 

Gegen Gebühr arbeitet zum Beispiel das Frankfurter Startup MentorLane. Dort werden „aufstrebende Angestellte, Unternehmer und Startup-Talents“ mit den passenden Mentoren vermittelt. Das sechsmonatige Programm wird zusätzlich mit Veranstaltungen oder einer Persönlichkeitsanalyse verbunden, um eine umfangreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Speziell für Gründerinnen wurde das Push up Mentoringprogramm in Berlin ins Leben gerufen. „Push up richtet sich an Existenzgründerinnen und Frauen in der Gründungsphase. Bewerben kann sich jede Berlinerin, die eine konkrete Gründungsidee hat oder innerhalb der letzten zwei Jahre gegründet hat.“. Eine Jury sucht die Mentees aus. Am Ende winkt für sie eine „handverlesene“ ehrenamtliche Mentorin für mindestens ein halbes Jahr. Betont wird hier, dass es sich bei Mentorinnen nicht um Unternehmensberater handelt.

Die „Alt hilft Jung Bundesarbeitsgemeinschaft“ macht es möglich vom Wissen ehemaliger Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft zu profitieren. Die „alten Hasen im Geschäft bezeichnen sich selbst als Wirtschaftssenioren und sind in Vereinen in ganz Deutschland organisiert.

Auch der Bundesverband Deutsche Startups startete eine Mentoring-Initiative: „Mittelstand von heute plus Startups = Mittelstand von morgen”. Zur Vernetzung von Mittelstand und Startups werden mehrere Veranstaltungsformate angeboten. Dies wird mithilfe eines Mentorennetzwerks koordiniert. Der Startup-Verband übernimmt die Vermittlung von Gründern und Mentoren.

Die Gründerinitiative WECONOMY der Wissensfabrik Deutschland ist ein Wettbewerb, bei dem 20 Startups mit etablierten Großunternehmen und Top-Managern in Kontakt kommen. Diese Unternehmen versprechen sich von den Startups einen „frischen Wind, den ihr mit eurer Innovationskraft in den Dialog mit einbringt.“

Die Suche nach dem richtigen Mentor kann aufwendig sein, aber sich lohnen. Gründer, die gerne die Erfahrungen anderer für sich nutzen möchten, haben vielfältige Optionen einen Mentor zu finden.


Haben Sie schon einmal von einem Mentor profitiert? Oder sind Sie selbst ein Mentor? Berichten Sie uns davon!


 

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