von Jana Biesterfeldt

Nachhaltigkeit durch „Grüne“ Startups

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Nachhaltigkeit durch „Grüne“ Startups

Eine bekannte indianische Weisheit lehrt uns: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“. Dieser Satz beschreibt im Grunde das Anliegen der Nachhaltigkeit.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird inflationär als Modebegriff für viele Themen genutzt. Doch sollte er deshalb nicht unterschätzt werden. Der Gegenstand der Nachhaltigkeit wird zukünftig, vor allem in Wirtschaft und Politik, immer wichtiger.

Nachhaltigkeit wird als Leitbild für politisches, wirtschaftliches und ökologisches Handeln begriffen. Dieses möchte sicherstellen, dass ein natürliches System langfristig in seinen zentralen Funktionen erhalten bleibt. Erhalten bleiben sollen die Umwelt und seine biologische Vielfalt, bei gleichzeitig weniger Verbrauch und Schutz unserer Ressourcen und Erhöhung oder Erhaltung unserer Lebensqualität. Nachhaltigkeit ist immer mit Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft sowie die nachfolgenden Generationen gerichtet.

Laut dem BUND e.V. (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) kann Nachhaltigkeit durch verschiedenste Ansätze erreicht werden, unter anderem durch „eine naturverträgliche Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien, nachhaltige Mobilität, ökologische Landwirtschaft auf ganzer Fläche und internationale Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Handeln“.

Grüne Startups: Starke Nachfrage facht den Trend an

„Grüne“ Startups, auch Green-Economy-Startups genannt, sind im Trend. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die sich nachhaltigen und grünen Themen verschreiben und den Wunsch haben, sich mit ihren Konzepten aktiv für eine bessere Zukunft einzusetzen. Diese wollen, platt gesagt, „die Welt retten“. Dabei bedeutet Nachhaltigkeit für Unternehmen „soziale Verantwortung [zu] übernehmen, respektvoll mit den natürlichen Ressourcen unserer Erde um[zu]gehen und fairen Handel [zu] betreiben“, fasst es der Nachrichtendienst UmweltDialog zusammen.

„Grüne“ Startups treiben nachhaltige Denkanstöße in vielen Branchen voran, indem sie fragliche Produkte oder Dienstleistungen durch nachhaltige ersetzen oder idealere Möglichkeiten finden wollen, um Prozesse zu gestalten.

Der Anteil an „grünen“ Gründungen in Deutschland liegt laut einer Studie des Borderstep Instituts bereits bei über 15 Prozent. Alle möglichen Bereiche des Lebens werden von grünen Startups umgekrempelt, zum Beispiel Erneuerbare Energien, Mobilität, Ressourceneffizienz, Agrar oder Ernährung. Dabei ist die Herausforderung solche Geschäftsmodelle zu erarbeiten, die Konsum ökologisch nachhaltig, und sogar noch sozial machen können, nicht leicht.

Getrieben wird der Trend der Nachhaltigkeit von Konsumenten und Investoren. Die Verbraucher achten bei ihrem Konsum immer mehr auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. „Grüne“ Produkte haben sich in vielen Bereichen etabliert und erreichen positive Absatzzahlen, so ein Marktbericht des Umweltbundesamtes. Selbst bei Finanzprodukten gibt es bei Anlegern eine stärke Nachfrage nach „grünen“ Geldanlagen.

Auch unter Investoren wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Investoren wie der Müncher VC BonVenture investieren ausschließlich in Unternehmen, die neben einer wirtschaftlichen auch eine soziale Rendite erwirtschaften. Mit speziellen Kennzahlen wird die soziale Wirksamkeit regelmäßig vom Investor überprüft.

Trotz Vorreitern wie BonVenture oder auch Ashoka fehlt es Green-Economy-Startups noch an Finanzierungsquellen. „Grüne Startups brauchen mehr Sichtbarkeit, Transparenz von Finanzierungsströmen und besseren Zugang zu Investoren“, so die Green-Start-up Investment Alliance. Ihr Finanzierungsbedarf ist zudem größer als bei nicht-grünen Startups, denn oft sind deren Entwicklungsphasen länger. Bis ein Startup, das sich bestimmten ethischen und ökologischen Standards verpflichtet hat, profitabel wird, vergeht mitunter mehr Zeit als bei konventionellen Startups. Denn das Geldverdienen steht bei ihnen nicht im Vordergrund.

Grüne Startups: Mehr Gründungen, aber zu wenig verfügbares Kapital

Die Green Start-Up Investment Alliance, vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, möchte Finanzierungen für „grüne“ Gründungen in Deutschland fördern. Denn auch „grüne“ Startups müssen wirtschaftlich denken, um ein profitables Wirtschaftswachstum zu erzielen. „Als nachhaltiges Unternehmen möchten wir ja wachsen. Doch gebe es sicherlich Grenzen, denn eigentlich sollten ja in der Gesellschaft nur die guten Dinge wachsen“, sagt Geschäftsführer Raphael Fellmer von SirPlus.

Gewöhnliche Probleme von grünen Startups skizziert Romek Vogel, Gründer der Plattform Grüne-Startups.de

„Die wichtigste Herausforderung für grüne Gründer hierzulande ist die Kapitalbeschaffung. Vielen Investoren mangelt es leider an Mut, Vorreiter zu sein und in grüne Ideen zu investieren“. 

Dennoch sieht er eine positive Entwicklung für diese Startups. Es gäbe auch einige Venture-Capital-Investoren, die sich besonders auf grüne Startups spezialisiert haben, neben den bereits genannten BonVenture und Ashoka sind das unter anderen VNT Management, eCapital oder MVP – Munich Venture Partners. Auch große Unternehmen wie Innogy (Innogy Innovation Hub), Siemens (next47) oder Veolia (U-Start) haben Startup-Programme, Inkubatoren oder Fonds für nachhaltige Startups eingerichtet.

Um wirklich erfolgreich zu sein, brauchen die grünen Startups aber Kunden. Kunden, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen. Die Konsumenten müssen die Bereitschaft zeigen, die nachhaltigen und grünen Produkte oder Dienstleistungen, oft zu höheren Preisen, zu erwerben. Erst dann können sich solche Geschäftsmodelle im Massenmarkt etablieren.

Ein Sinneswandel zu mehr Nachhaltigkeit sei nicht nur bei den Verbrauchern gefordert, sondern auch von der Industrie, so Andreas Sujata, Vertriebsleiter bei Pedelec/Cargo Pedelec, einem Hersteller für Elektrofahrzeuge für eine umweltfreundliche Logistik. Er plädiert für mehr Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Unternehmen, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Grüne Startups: Ein paar Beispiele

Was können wir als Verbraucher und Kunden tun, um diese Startups und ihre nachhaltigen Produkte für mehr Lebensqualität unterstützen?

Das fängt schon im Kleinen beim Einkaufen an: So können Verbraucher Lebensmittel vor der Mülltonne retten mit dem Startup SirPlus. Mit einem Online-Shop und eigenen Supermärkten (bisher nur in Berlin) will das Unternehmen aus der Hauptstadt sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Dazu kauft es kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehende, aber noch gut erhaltene Lebensmittel auf und verkauft diese weiter.

Oder speziell nachhaltig produzierte Produkte kaufen. Zum Beispiel mit Von Ocker und Rot. Das junge Unternehmen aus Dresden produziert nachhaltige Hygieneartikel für Frauen. Deren Slipeinlagen und Binden in verschieden Größen und Qualitäten werden in ihrem Atelier aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt und sind wiederverwendbar.

Oder wie wäre es mit einem „typisch“ deutschem Konzept: Pfand. Um den übermäßigen Verbrauch von Coffee-to-go-Bechern zu reduzieren, nutzt man das deutschlandweite Pfandsystem vom Münchener Startup Recup. Viele deutsche Städte und Partner-Unternehmen beteiligen sich bereits an diesem Geschäftsmodell. Die Kunden leihen sich die Becher in Cafés und Bäckereien aus und geben sie – nach getaner Arbeit - in allen teilnehmenden Geschäften wieder ab.

Oder im Kinderzimmer auf geliehene Spielzeuge setzen statt zu viele ungenutzte Produkte zu kaufen und so zu viel Müll zu produzieren. Möglich macht dies MeineSpielzeugkiste. Deren Flatrate auf Spielzeuge spart, laut eigenen Aussagen, 80 Prozent CO2 zum konventionellen Kauf. BonVenture investierte gemeinsam mit Companisto in diese Geschäftsidee. „Neben dem soliden Geschäftsmodell gibt es ganz klar einen ökologischen und auch einen sozialen Nutzen. Durch den Verleih und die Wiederverwendung von Spielzeug werden CO-Einsparungen in der Produktion und im Transport erreicht. Diese Einsparungen schonen signifikant Ressourcen“, so der Geschäftsführer von Bon Venture, Dr. Erwin Stahl.

Oder auch seine Lebensmittel bei Unternehmen kaufen, die langfristige Änderungen unseres Lebensstils durchsetzen wollen. So wie die BE Food AG und und ihre erste kommerzielle StadtFarm. Mit dem Geschäftsmodell Smart Urban Farming sind sie auch unter dem Banner der Nachhaltigkeit unterwegs. Ihr Konzept einer zukunftsfähige Ernährungswirtschaft wird heute schon eingesetzt: mit einer speziellen Technologie („AquaTerraPonik“) werden in Gewächshäusern direkt nachhaltige und gesunde Lebensmittel erzeugt und direkt vor Ort in Berlin an den Verbrauchern verkauft. Es soll sich als eine wirtschaftliche Alternative für die zukünftige Ernährung der Menschen in den Städten entwickeln.


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