von Jana Biesterfeldt

Politiker, die in Startups investieren

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Politiker, die in Startups investieren

Was haben ein Gesundheitsminister, eine Digitalministerin, ein Ex-Verteidigungsminister, eine Ex-Wirtschaftsministerin und ein Vorsitzender einer Bundespartei gemeinsam? Sie haben in Startups investiert oder sogar selbst gegründet.

Nicht wenige bekannte Politiker haben Lust auf Innovationen und Veränderungen. Sie wurden dazu inspiriert, neue Ideen voranzutreiben oder zu unterstützen.

Politiker sind oft nah an der Wirtschaft. Diese Nähe wird Ihnen dabei nicht immer positiv ausgelegt. Wir stellen ein paar deutsche Politiker vor, die den Sprung in die Startup-Szene gewagt haben.

Dorothee Bär

Die CSU-Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, soll die Digitalisierung in Deutschland voranbringen. Für ihre Vision der Flugtaxis erntete sie viel Spott. Doch sie meint es ernst und lässt Worten Taten folgen.

Kürzlich wurde bekannt, dass Dorothee Bär sich an einem Startup beteiligt, welches Flugtaxis zur Wirklichkeit werden lassen möchte.

Ehang, ein chinesisches Startup, arbeitet zurzeit an einer bemannten Drohne. Vollständiger autonomer Transport soll durch die Bedienung mit einem Tablet möglich werden. Testflüge, unter anderem in Dubai, hat die Drohne schon hinter sich. Eine Nutzung als „Flugtaxi“ wird langfristig angestrebt.

Das Startup wollte sich mit der CSU-Politikerin anscheinend „eine ausgewiesene Digital-Expertin aus Deutschland“ an Bord holen. Ihre Verbindungen in höchste politische Kreise dürften ebenfalls ein schlagkräftiges Argument gewesen sein. Mit mehr als 52 Millionen Dollar wird Ehang bereits finanziert. Die Investitionssumme von Frau Bär ist nicht öffentlich bekannt.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Der CSU-Politiker und ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenbergist eher durch seine Plagiats-Affäre bekannt. Aber seit neuestem hat er sich mit seiner Tätigkeit in der Startup-Szene hervorgetan.

Nach seinem Ausstieg aus der Politik hat er 2013 die Investment- und Beratungsfirma Spitzberg Partners gegründet. Diese Firma hat ihren Sitz in New York. Guttenberg ist als Chairman eingetragen.

Er selbst sei ein „begeisterter Investor in hoffentlich gute Start-ups“. Vor allen sei er an Innovationen in der Bitcoin- und Blockchain-Technologie interessiert. Auch KI und Cyber-Security bleiben bei ihm nicht unbeachtet.

Vor seiner Tätigkeit bei Spitzberg Partners beriet er das US-Startup Ripple Labs, welches eine der führenden Kryptowährungen namens Ripple (XRP) herausgibt. Das Krypto-Startup hat ein System zur Zahlungsabwicklung zwischen Großbanken entwickelt und zählt unter anderen Bank of America, die Schweizer Großbank UBS und das spanische Geldinstitut BBVA zu seinen Kunden.

Konkrete Namen von Startups, in die er und seine Firma bereits investiert haben, finden sich aber nicht. Guttenberg kritisierte bereits Deutschland und dessen Verhältnis zu Startups. Aus Sicht einer Investmentfirma sei der deutsche Markt unattraktiver als der US-amerikanische, resümierte er in einem Interview. Zudem merkte er an, dass der Mangel an Wagniskapital in Deutschland ein Problem sei und die Gesetzgebung wenig für die Förderung tue.

Birgitte Zypries

Die SPD-Politikerin Brigitte Zypries war bis 2018 zuletzt Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Damit war sie die erste Frau in diesem Amt. Zuvor war sie schon von 2002 bis 2009 Justizministerin unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Nach dem Amt als Bundeswirtschaftsministerin stieg sie aus der Politik aus.

Brigitte Zypries war in ihrer Funktion als Ministerin oft in der Startup-Szene unterwegs und bewertete diese positiv: „Eine lebendige Start-up-Szene ist unverzichtbar für die deutsche Wirtschaft.“

Während ihrer Zeit als Politikerin hat sie die Inspiration gefunden, ein Startup zu gründen zu wollen. Frau Zypries wolle eine App speziell für Frauen entwickeln. Das Problem, dass Frauen ihre Finanzangelegenheit lieber ihrem Partner überlassen, wollte sie damit lösen und ihnen diese Hürde nehmen. Ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, ist für viele Frauen noch immer schwierig.

Bis jetzt ist es nur eine Idee der ehemaligen SPD-Politikerin. Konkrete Pläne für den Start des Unternehmens wurden noch nicht öffentlich bekannt gemacht.

Christian Lindner

Der FDP-Bundesvorsitzende, Christian Lindner, war schon in jungen Jahren ein mutiger Gründer. Bereits in der Schule neben dem Abitur gründete er ein Unternehmen, eine kleine Werbeagentur.

Zusammen mit Freunden gründete er im Jahr 2000 das Software-Unternehmen Moomax GmbH. Die Gründer wollten Online-Shopping für die Kunden optimieren. Das Startup fand damals einen privaten Wagniskapital-Geber.

Diese zweite Unternehmung scheiterte. Aber Christian Lindner zeigt in der Öffentlichkeit, dass Scheitern nicht gleich das Ende bedeutet. Heute geht er damit offensiv um und erzählt anderen Gründern die Geschichte dahinter. Er möchte öffentlich zeigen, das Scheitern kein Makel ist und man aus Fehlern lernen kann.

Am Ende wurde die Pläne des Startup als noch nicht durchdacht eingestuft. Das Platzen der Dotcom-Blase sorgte für die Pleite des Unternehmens. Ob Christian Lindner aktuell in andere Startups investiert, ist nicht bekannt.

Jens Spahn

Auch der aktuelle Gesundheitsminister im Kabinett Merkel IV, Jens Spahn (CDU), war von einem Startup begeistert und wollte es mit Kapital unterstützen. Dies brachte ihm von vielen Seiten Kritik ein.

Noch während seiner Zeit als Regierungsbeauftragter für Startups und Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen unter Wolfgang Schäuble investierte er 15.000 Euro in das FinTech-Startup Pareton.

Pareton bot mit seiner Software „Taxbutler“ an, die Lohnsteuererklärung online zu erfassen. „Ich fand das eine pfiffige Idee“, sagte der Politiker der CDU in einem Interview mit dem Magazin DER SPIEGEL. Über den staatlichen INVEST-Zuschuss erhielt Spahn 20 Prozent der Gesamtsumme, um die 3000 Euro, erstattet.

Unter dem Stichwort Interessenkonflikt wurde dieses Investment in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Denn in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für FinTechs war er auch für die Ausrichtung gesetzlicher Rahmenbedingungen für FinTech-Unternehmen wie Pareton zuständig. Unter ihm brachte das Finanzministerium auch eine Studie zum FinTech-Markt heraus.

Nach öffentlichem Druck verkaufte Spahn seine Anteile wieder. Gesetzlich ist der Kauf von Unternehmensanteilen für Staatsekretäre nicht verboten. Das Startup musste Ende Juni 2018 Insolvenz anmelden.

Zur Frage, ob sich Politiker besser nicht an Startups beteiligten sollte, sagte Jens Spahn gegenüber Berlin Valley dennoch: „Natürlich kann Politik sich an Startups beteiligen, man sollte seine Beteiligungsentscheidung nur klug treffen.“


Was halten Sie von Politikern, die in Startups investieren? Sagen Sie uns ihre Meinung. 


Foto: © ISM | CC BY-ND 2.0 / FDP-Parteichef Christian Lindner 


 

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