von Cristin Liekfeldt

So macht man einen kleinen Entrepreneur

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So macht man einen kleinen Entrepreneur

Ich erinnere mich gut an eine Szene aus meiner Schulzeit: Meine Eltern hatten die Fernseh-Zeit für mich und meine Schwester auf eine halbe Stunde pro Tag limitiert. Besonders wichtig: Wir durften nicht vor den Hausaufgaben fernsehen, also genau dann, wenn das beste Programm lief. Nachdem wir das Verbot einige Male ignoriert hatten, begann mein Vater, allerhand Schwierigkeiten zu machen. Auf einmal waren dort lauter Zeitschaltuhren und Kindersicherungen, die uns wirklich verärgerten. 

Ich hatte ausgesprochen wenig Interesse an Kabeln und Schaltern und so ließ ich das ein paar Tage ruhen. Meine kleine Schwester aber, mit ihren 10 Jahren, schlich jeden Tag ins Wohnzimmer und probierte. Drückte Knöpfe, stöpselte Kabel aus und anderswo wieder rein, stellte die Kindersicherungen um und nach knapp vier Tagen hatte sie das ausgeklügelte System meines Vaters raus. Dementsprechend saßen wir vor dem Fernseher und hatten eine eigene Strategie entwickelt: Meine Schwester klärte den Kabelsalat, ich holte eine Packung Tiefkühlerbsen aus dem Kühlschrank und legte sie auf den Kasten (Wir hatten noch einen Röhrenfernseher damals und der wurde warm, also musste dagegen gewirkt werden). Entgegen aller Gewohnheit waren wir uns absolut einig und agierten im Team. Sobald wir die Türen des Autos zufallen hörten und damit wussten, dass unsere Eltern wieder da waren, sprang meine Schwester zur Technik, ich zum Tiefkühlfach, wischte den Fernseher ab und beide rannten wir im Schweinsgalopp die Treppe hoch. Als wäre nie etwas geschehen. Über unsere Schlauheit (und dabei steht der meiste Teil meiner Schwester zu) haben wir uns an einigen Tagen richtig kaputtgelacht.


Kinder sind unheimlich schlau und haben eine fast unbändige Neugier in sich. Zumindest bis zum 12. Lebensjahr, wenn es mit Volldampf in die Pubertät geht und nach außen möglichst völlige Gleichgültigkeit transportiert werden muss. Dabei ist natürlich nicht jedes Kind gleich, in meinem Fall war meine Neugier auf die Verschlüsselungsversuche meines Vaters relativ begrenzt. So dringend wollte ich dann doch nicht fernsehen. Ich bin dann malen gegangen oder lesen, aber als sich herauskristallisierte, dass es eine Lösung geben könnte, übernahm ich die analogen "Vertuschungsmaßnahmen". Auch das ist eine Art der Problemerkennung und Lösungsentwicklung.

Alexandra Samuel ist nicht erst seit ihrer Professur 2004 in Harvard Internet-Forscherin und Social Media-Aktivistin. Im Wall Street Journal beschreibt sie, wie man die Kinder von heute auf eine erfolgreiche Karriere übermorgen vorbereiten kann: nämlich mit dem richtigen Mix an Eigenschaften, die auch ein Entrepreneur braucht. Da uns gerade in Deutschland noch ganz schön viele "Techies" (Programmierer und Coder) fehlen, hab ich da mal reingehört.


"Die Kinder darauf vorzubereiten, möglicherweise mal Entrepreneur zu werden, bedeutet, sie für fast jeden Weg in ihrem Leben vorzubereiten. Dabei geht es um die Nutzung von Technologien und Berührungen mit der Business-Welt. Man muss die Möglichkeiten, Taschengeld zu verdienen nicht auf Babysitten, Rasenmähen oder Hundeausführen limitieren." so Samuel. 

Wie wird mein Kind ein kleiner Mark Zuckerberg oder eine Sheryl Sandberg?  

Wie sonst Kinder Geld verdienen könnten und vor allem, welche erzieherischen Maßnahmen dabei helfen könnten, dass sie sich selbst Möglichkeiten ausdenken, beantwortet Samuel so: 

Zunächst möchte man die Fähigkeit zum Problemlösen fördern, dann (vor dem 13. Lebensalter) den Umgang mit Social Media zu erlernen und im dritten Schritt sie zu ermutigen, das eigene kleine Geschäft zu führen. 

Die Problemlöser

"Wenn man sich die großen Entrepreneure der Welt einmal ansieht, haben sie alle diese unerbittliche Neugier. Nicht nur einfach die Lust, Produkte so wie sie sind zu benutzen und zu erleben, sondern sich fragen: Wie kann ich dieses Ding besser machen? Das passiert in der Tech-Welt immer zu! Und wenn ein Kind sich zum Beispiel beschwert, dass Netflix die Lieblingssendung nicht gut abspielt, dann warum nur der Beschwerde zuhören und nicht einfach mal fragen: Wie würdest du das denn lösen? Wie würdest du ein besseres Netflix machen?" so Samuel. 

"Kinder beschweren sich ziemlich oft. Man sollte diese Beschwerden nutzen und zu Aufgabenstellungen machen." Alexandra Samuel

Diese Beschwerden sind zu nutzen, denn viele von diesen können Probleme für Lösungsansätze sein. Also: Immer wieder nachfragen, wie die Kinder ein Problem besser lösen würden. Denn genau das - ein Problem erkennen - ist schon die eine Hälfte der Kunst. 

Um den Kindern diese Fähigkeit beizubringen, rät Alexandra Samuel, jede Beschwerde als Lern-Möglichkeit zu sehen und auch die technischen Probleme der Kinder nicht zu lösen, sondern ihnen beizubringen, wie man diese selber löst. So können sie zum Beispiel die auf der letzten Konferenz gesammelten Visitenkarten scannen oder den Familien-Computer upzudaten, um schon ganz jung mit Technik in Berührung zu kommen. 

Die Social Media-Kenner

"Social Media zu kennen und richtig zu nutzen, bedeutet nicht, einen Facebook-, Instagram- oder Twitter-Account zu haben. Das fängt vorher an. Die Kinder in die eigene Konversation über die sozialen Netzwerke miteinzubeziehen, ist wichtig. Wir haben ganz früh etabliert, dass keiner in der Familie etwas postet, ohne die anderen zu fragen, ob das okay ist. Wenn ich etwas posten möchte, das meine Kinder gesagt haben, frage ich sie vorher um Erlaubnis. So haben sie ein gutes Bewusstsein dafür entwickelt, was man mit der digitalen Welt teilt und was nicht.So wurde social media ein Art Ausweitung unserer Familie."

Social Media kann allerdings auch ziemlich hart, oberflächlich und grausam werden. Mobbing macht auch vor den sozialen Netzwerken nicht halt. Können Kinder schon so früh damit umgehen? Haben sie die emotionale Reife schon vor ihrem 13. Lebensjahr, um solche Dinge zu verstehen? 

Samuel zeigte ihrer Tochter gerne positive Reaktionen auf ihre Ideen oder Basteleien, die schlechten Seiten kommen später. So hat ihre 12-jährige Tochter auf ihrem nagelneuen Twitter-Account ein paar Jahre später auch einige seltsame, in die Richtung Kinderpornographie-gehende Follower, die die Eltern blockieren mussten. "Aber gerade weil wir sehr offen darüber reden, können wir unseren Kindern helfen, dadurch zu navigieren." sagt Samuel. 

Um Social Media später selbst nutzen zu können, sei es durch die Anregung für neue soziale Netze oder die Vermarktung des eigenen Startups, sollten die Kinder die social media-Sprache flüssig sprechen. Auch gegenüber Mobbing sieht Samuel die Chance in einer frühkindlichen Erziehung. "Man sollte zeigen, wie man auf Troll-Posts oder Beleidigungen reagiert und Privatsphäre schützt, wenn sie noch so klein sind, dass sie auf einen hören." 


Alexandra Samuel und kindliche Startupper

Die Unternehmer-Kinder

"Wir leben in einer Welt, in der die Menschen durch AirBnB, Uber und Etsy ihren Lebensunterhalt verdienen. Natürlich würde ich nicht empfehlen, die 12-jährige Tochter als Uber-Fahrerin anzumelden. Es gibt aber eine ganze Reihe von Webseiten, die es ermöglichen, ganz einfach einen eigenen Shop aufzumachen. Produkte zu verkaufen finde ich viel besser als Dienstleistungen. Das ist viel unbedenklicher als eine Craigslist-Werbung, die da sagt "14-jährige verfügbar für Babysitting". Unsere Tochter hat zum Beispiel einen Etsy-Shop, seitdem sie acht Jahre alt ist."

Außerdem können Kinder mit Hang zu Gestaltung und Design früh anfangen, digital zu zeichnen und diese dann auf dem Kreativ-Markt verkaufen. Oder zum Coding neigende Kinder, die durch Computerspiele wie Minecraft ihr Interesse entdeckt haben, können mit Hilfe einfacher Programme wie Scratch oder GameSalad ihre eigenen Apps und Programme schreiben und ebenfalls verkaufen oder mit anderen teilen. 


In ihren Beispielen nennt Samuel oft diese virtuellen Marktplätze und Plattformen, mit denen wir uns heute umgeben. Sie empfiehlt Sommerkurse zum Erlernen von Photoshop oder Programmierung. Ich frage mich aber hier, ob man die Kinder in solch eine Richtung drücken sollte, gerade wenn es noch vor dem 13. Lebensjahr ist. Allerdings lernen Kinder bis zum diesem Zeitpunkt am schnellsten, ihnen also auch digitales Handwerk beizubringen, ist nur logisch und bereitet sie auf eine höchstwahrscheinlich digitale Arbeit vor. 

Aber das, was Entrepreneure ausmacht, nämlich Neugier, Durchhaltevermögen, die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen und ein allgemeines Interesse sind übrigens alles Eigenschaften der Kreativität und von kreativen Menschen. Diese Eigenschaften erreicht man, meiner bescheidenen Meinung nach, jedoch nicht nur aus dem Vermitteln technischer Kenntnisse von Soft- oder Hardware. Die Kinder ruhig mal raus zu schicken, sie sich selbst beschäftigen lassen und Baumhäuser bauen zu gehen, auch das kann Kreativität fördern. 

Ich bin gespannt auf eure Meinung! 





 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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