von Cristin Liekfeldt

Wir, Du und die Anderen

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Wir, Du und die Anderen

Definitionen funktionieren oft durch Abgrenzungen: Anstatt zu sagen, wer ich bin, sage ich, wer ich nicht bin. 

Ich bin anders, weil ich nicht bin wie du. 

Gerade in der Startup-Welt ist das ganz oft Thema, die Konkurrenz untereinander ist groß. Daher gibt es zum einen die Abgrenzung untereinander, zum anderen die Abgrenzung gegenüber dem Rest der Welt. Und an dieser Stelle könnte ein bisschen Selbstironie nicht schaden.

Anders als die in Kreuzberg

Wenn viele helle Köpfe an einem Ort versammelt sind, kann es schon mal vorkommen, dass ein paar dieser Köpfe das gleiche Problem sehen und ähnliche Lösungen entwickeln. Die ständige Angst vor Copycats ist spürbar. Und so streiten sich Movinga und Movago - beides Umzugsservices - wer besser im Anders-Sein ist.

Foodora ist anders als Lieferheld, die wiederum sind anders als Deliveroo und die sind wirklich nicht zu verwechseln mit eatclever. Kein einfaches Dasein als Essens-Lieferservice. Die Urlaubspiraten sind anders als der Urlaubsguru - oder nicht? 


Anders als die Beamten

Wir sind disruptiv und revolutionär, jung und innovativ und haben die Lösungen für Probleme, die sich den meisten noch gar nicht gestellt haben.

Wir machen alles neu. Unsere Büros haben Tischkicker, Drohnen und Obstkörbe und jeden Freitag gibt´s Freibier. Wir sind schneller als die BaFin erlaubt, international und flexibel und die Silver Surfer (alles jenseits der 60 Jahre) bringen uns mit Digitalisierungs-Sorgen zum Grinsen. 

Die Bürokratie, graue Tische, Wände und Gesichter sind uns ein Greuel, wir machen uns sogar Steuererklärungen sexy. Old Economy? Nichts für die coolen Kids.

"Die Anderen" sind eingestaubt, unflexibel, eingefahren, mit einem starken Bedürfnis nach Sicherheit. Würden auch nach fünf Jahren noch nicht nach einer Gehaltserhöhung fragen, sondern weiter das Eigenheim in kleinen Raten zahlen.

Und dann diese Faxe! Kann die nicht einmal einer in den Schredderer schmeißen! Aber Hauptsache immer fleißig biedermännisch in Schlips und Krawatte ins Büro marschieren. Morgens um halb acht. Als ob dann irgendein normaler Mensch wach wäre! Wo ist eigentlich mein Kaputzenpulli? 


Anders als die Generation X

Und was sagt die Generation X  (also diejenigen, die zwischen 1965 und 1980 geboren wurden) über die "jungen Kollegen" (in unserem Falle alle in diesem Büro)? 

Über die meisten Startupper, die entweder Generation Y oder schon Millennials (so nennt man die Generation derjenigen, die um 2000 geboren sind)  sind, sagt man, die hätten ein Anpassungsproblem. Vor lauter Individualisierung wüssten die gar nicht mehr, wie man von anderen lernt. 

Die sind laut, haben übermäßig hohe Ansprüche an Einstiegsgehälter und Arbeitgeber, lassen sich nichts mehr sagen und wurden in dem Glauben aufgezogen, wirklich etwas Besonderes zu sein. Generation Y ist auch Generation Yuppie. Diese Art Yuppie, für die die einfache Gleichung des Lebens nicht mehr aufgeht:

                                                                                      

                                                                                        Zufriedenheit = Realität - Erwartungen


Wenn also die Realität besser ist als die Erwartungen, dann ist man glücklich. Ist die Realität schlechter als die Erwartungen, ist man unglücklich. 

Die "jungen Kollegen" sind ständig unglücklich, unzufrieden, getrieben. Ihre Eltern, die wiederum von den kriegserfahrenen Großeltern großgezogen wurden, lernten, dass harte Arbeit nach vielen, vielen Jahren schließlich zum Erfolg führt. Sie sind deshalb sicherheitsaffin aber auch hoffnungsvoll, dass am Ende alles gut wird. Diese Hoffnung haben die Eltern der Millennials den "jungen Kollegen" von Kindesbeinen an mitgegeben. Und daher stellt sich für diese Generation Y gar nicht mehr die Frage, ob man rein theoretisch irgendwann Bundeskanzler werden kann, sondern ob das wirklich der Job wäre, der das kleine, hoffnungsvolle Herz wirklich glücklich macht. 


So. Jetzt hat der Jan Böhmermann ein wirklich witziges Video gemacht, dass Startups auf´s Korn nimmt. Und da wir die nötige Selbstironie besitzen, möchten wir euch das Video nicht vorenthalten. 


Vorbehalte gibt es auf beiden Seiten. Jeder muss mit der Andersartigkeit der "Anderen" zurechtkommen, denn meist haben sowohl die Alten als auch die Jungen wichtige und richtige Dinge zu sagen. Um diese Differenzen zu überbrücken, könnte man damit anfangen, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. 

Völkerverständigung quasi. 

Vielleicht ist die Akzeptanz des Anders-Seins der erste Schritt zur wirklichen Zusammenarbeit zwischen old- und new economy. Zur friedlichen Co-Existens von Generation X und Y und Millennials. Denn wenn es wirklich darum geht, langfristig Werte zu schaffen - und das behaupten viele Startups ja - dann sitzen wir alle im selben Boot.

Verlieren wir das vor lauter Individualismus und Andersartigkeit nicht aus den Augen. 



 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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