von Julia Kümper

Building your Startup-Team – Was tun, wenn der Sechser das Spiel nicht eröffnet

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Building your Startup-Team – Was tun, wenn der Sechser das Spiel nicht eröffnet

Die richtigen Lösungsstrategien für den Umgang mit dem schwächsten Spieler (Mitarbeiter) umzusetzen, bedarf einer hohen Kompetenz des Trainers (Projektleiter, Manager, Geschäftsführer). Im Sport hat der Trainer mit seinen Entscheidungen 15 Prozent Einfluss auf den Erfolg der Mannschaft, in der Wirtschaft hat der Geschäftsführer 14,5 Prozent Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. Allerdings gelten diese Zahlen nicht explizit für Startups sondern sind ein Querschnitt durch die Wirtschaft. Welche Möglichkeiten hat ein Gründer bzw. Geschäftsführer eines Startups, wenn in seinem Team einer nicht mitspielt? Teams im Startup sind zu Beginn recht klein, umso wichtiger, dass jeder seine Rolle erfüllt und annimmt. Aber was tun, wenn der Sechser das Spiel nicht eröffnet? Etablierter Unternehmen und Startups mit größeren Teams haben 4+1 Möglichkeiten: Helfen, Auswechseln, Qualifizieren und Ignorieren plus Entlassung.

Helfen

Ein Mitspieler funktioniert als Backup, falls der eigentliche Mitspieler den Ball verliert. Dies funktioniert, wenn ein Mitspieler frei im Raum agieren kann ohne andere strategische Aufgabe. Der Vorteil besteht darin, dass alle mitspielen Der Nachteil ist, die Schwachstelle muss bekannt sein, eine Strategie entwickelt sowie langfristig trainiert und umgesetzt werden. Der Mitspieler im freien Raum kann flexibel agieren, fehlt aber gegebenenfalls an einer entscheidenden Stelle im Passspiel. Im Unternehmen würde ein schwächerer Mitarbeiter durch einen weiteren Mitarbeiter bei Bedarf unterstützt werden. Dafür müsste das Unternehmen aber in ihren Prozessen diese Flexibilität auch vorsehen. Außerdem muss ein Weg gefunden werden, wie die Zusammenarbeit zwischen dem Backup und dem eigentlich ausführenden Mitarbeiter funktioniert. Der schwierigste Punkt bei dieser Lösung ist es, die Schwachstelle während des normalen Alltagsgeschäfts zu identifizieren und Zeit in eine Lösung zu investieren. Häufig wird die Schwachstelle erkannt, aber aus verschiedenen Gründen nicht behoben. Auf dem Fußballfeld würde dies unweigerlich zu einem Gegentor führen. Viele Unternehmen haben noch nicht erkannt, dass diese Schwachstelle Ursache für ein selbstverschuldetes Gegentor ist. Das Problem eines Startups: Die Anzahl der Mitarbeitenden ist eh schon viel zu gering für den riesigen Berg an arbeiten. Also noch eine zusätzliche Kraft als freischwebende Unterstützung bereit zu halten erscheint utopisch. Wie sieht es mit der nächsten Option aus?

Auswechseln

Der Mitspieler (Mitarbeitende) wird in der Startformation(zu Beginn des Projektes) eingesetzt, aber nach einer gewissen Zeit ausgewechselt (mit Aufgaben außerhalb des Projektes betraut). Dies setzt voraus, dass der Spieler für einen begrenzten Zeitraum aktiv und positiv das Spiel mitgestaltet (der Mitarbeiter z.B. kreativen Input liefert). Der Vorteilhierbei ist, dass der Mitspieler (Mitarbeitende) kann sein spezielles Talent (Kreativität) einen gewissen Zeitraum in das Spiel (Arbeitsprozess) mit einbringen. Der Nachteil aber ist, dass der Trainer (Projektleiter) den perfekten Zeitpunkt zur Auswechslung finden muss. Falls er ihn zu früh auswechselt, kann er seine Stärken (Kreativität) nicht komplett ins Spiel einbringen, wechselt er ihn zu spät aus, schwächt er durch seine z.B. fehlende Kondition (Konzentrationsfähigkeit) die gesamte Mannschaft (Projektteam). Diese Entscheidung kann der Trainer (Projektleiter) nur treffen, wenn er den Mitspieler (Mitarbeiter) und seine Fähigkeiten sehr gut kennt. Dies wäre zumindest denkbar, wenn das Startup-Team schon spezialisierte Rollen und Prozessabläufe hat. Aber gerade in der pre-Seed bzw. Seed-Phase wäre auch diese Variante nicht zielführend.

Qualifizieren

Direkt vorweggenommen: Welches Startup kann oder will sich eine Weiterqualifizierung seiner Mitarbeitenden leisten? Prinzipiell sind ja erstmal alle froh, wenn sie Gehalt bekommen und auch das Gründungsteam zumindest ein Minimum an Lebenshaltungskosten selber tragen kann. Allerdings würde sich das Qualifizierungsmodell den Köhler-Effekt zu nutze machen. Schwächere Mitspieler (Mitarbeitende) halten länger durch, um mit dem Rest des Teams mithalten zu können. Sie wollen zu den anderen Mitspielern (Mitarbeitenden) aufschließen oder halten Ihre eigene Mitarbeit für unverzichtbar. Der Mitspieler (Mitarbeiter) lernt neue Techniken oder übernimmt neue Aufgaben. Die Aufgabe des Trainers (Projektleiter) ist es, dass im Verein (Unternehmen) ein Klima herrscht, in dem schwächere Mitspieler (Mitarbeiter) gewillt sind, Hilfe und Ratschläge der besseren Mitspieler (Mitarbeiter) und Trainer (Projektleiter) anzunehmen.

Ignorieren

Der betreffende Mitspieler (Mitarbeiter) wird nicht mehr angespielt und ist in das Spielsystem (Arbeitsaufträge) nicht eingebunden. Positiv: Das Passspiel (die Arbeitsprozesse) funktioniert ohne Probleme. Der Nachteil liegt allerdings auf der Hand. Das eigen Startup spielt mit einem Mitspieler (Mitarbeiter) weniger und die gegnerische Mannschaft (Mitbewerber) spielt mit dem gesamten Team.

Entlassung

Spieler, die durch die vier anderen Optionen nicht besser werden, müssen verkauft werden. Andernfalls würde die Mannschaftssituation sich verschlechtern und das gesamte Team eine schwache Leistung bringen. Der schwächste Spieler beeinflusst nicht mehr die Teamleistung, der Verein hat aber eine Menge Arbeit. Er (Unternehmen) muss einen Ersatz für diesen Mitspieler (Mitarbeiter) finden, damit das Team nicht zu klein wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass der neue Mitspieler (Mitarbeiter) schlechter ist als der bisherige schwächste Mitspieler (Mitarbeiter). Nach einem Vereinswechsel (Jobwechsel) lässt sich bei vielen Mitspielern (Mitarbeiter) zunächst eine Leistungsverschlechterung, bedingt durch erlernen des neuen Spielsystems, neue soziale Kontakte, andere Trainingsmethoden usw. (Einarbeitungszeit!), nachweisen. Des Weiteren muss der Mitspieler (Mitarbeiter) dem Vereinswechsel (Jobwechsel) gegebenenfalls zu stimmen.

Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann ein Spieler verkauft werden muss. Oder wann das Level so gut ist, auch wenn er der schlechteste Spieler ist, dass es nichts ausmacht ihn zu halten.

Genau dies ist aber ein hohes Konfliktpotential insbesondere in Startup Teams. Dort wird häufig zu lange das Thema einfach ignoriert und keine der fünf Optionen in Betracht gezogen. Im Sinne des Startups, und gerade auch dann, wenn man als Freunde ein Unternehmen gegründet hat, sollte allen daran gelegen sein, durch offene und transparente Kommunikation schnelle Entscheidungen zum Wohl des Startups zu treffen und mitzutragen. Dazu gehört insbesondere in den frühen Gründungsphasen die Frage: Wen brauche ich in meinem Team und noch viel wichtiger: wer passt in mein Team. 


Über die Autorin: Julia Kümper ist Gründerin der Match-Watch GmbH. Zudem ist sie an der Hochschule Osnabrück als Unternehmensberaterin im Enterprise Europe Network für Internationalisierung und Innovationsmanagement tätig. Ihre Leidenschaft gilt der Startup Community, weshalb Sie sich auch als Mentorin u.a. bei der VentureVilla Accelerator GmbH und weltweit als Trainerin und Moderatorin engagiert. 2017 wurde sie mit dem NEW WORK AWARD von XING als “Helferin und Vorbild der Arbeitswelt von Morgen” ausgezeichnet. Das von ihr gegründete Unternehmen, Match-Watch - Personalentwicklung mit Kick (www.match-watch.de), verwendet Fußball-, Handball-, Basketball- und Footballspiele als Projektionsfläche für die Teamentwicklung im Unternehmen. Dabei bleibt es nicht nur theoretisch, sondern auch der praktische Besuch im Stadion mit Stadionwurst und emotionaler Beteiligung ist garantiert.


 

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