von Cristin Liekfeldt

Crowdinvesting Einblicke: "Ich habe ein Limitsystem für mein Portfolio"

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Crowdinvesting Einblicke:

Crowdinvesting Einblick: Enrico Bitto kommt aus Frankfurt am Main, ist Supervisor in der Finanzbranche und einer der ersten Crowdinvestoren Deutschlands. Wir haben ihn im Interview nach seiner Strategie und seinen Crowdinvesting-Erfahrungen gefragt. 


Cristin (Companisto): Hallo Enrico! Ich bin über deinen Blog "Der Startup-Investor" auf dich aufmerksam geworden. Was machst du denn eigentlich beruflich und wieso interessierst du dich für das Crowdinvesting?

Enrico Bitto: Hallo Cristin! Schön, dass du mehr über mich erfahren möchtest! Mein Name ist Enrico und ich arbeite in Frankfurt im Finanzsektor. Ich war einer der ersten Crowd-Investoren in Deutschland und kann damit auf mehr als fünf Jahre Erfahrung in dem Bereich zurückschauen.

Zum Investieren in Startups – hauptsächlich übers Crowdfunding – bin ich direkt nach meinem Studium gekommen, weil es mir die Gelegenheit gab, mein Geld alternativ anzulegen und die Einsätze ausreichend zu streuen.

Cristin (Companisto): Was interessiert dich ausgerechnet an den Investitionen in Startups?

Enrico Bitto: Ich bin grundsätzlich neugierig und interessiere mich für den wirtschaftlichen Wandel. Was kann da besser sein, als ein Startup in seiner Idee von Beginn an zu unterstützen und zu begleiten?

Gleichzeitig sehe ich meine Anlage aber nicht als eine Spende an. Ich investiere nur in Startups, wo dem Risiko auch eine entsprechende Ertragsperspektive gegenübersteht. Meine Ideen dazu teile ich auf meinem Blog.

"Crowdinvesting gibt mir die Möglichkeit, Kleinstbeträge in Startups zu investieren"

Cristin (Companisto): Und warum hast du dich für das Crowdinvesting entschieden?

Enrico Bitto: Der Aspekt in einer Gruppe zu investieren ist sicherlich interessant und kann für manche Startups, insbesondere aus dem B2C-Bereich, zu enormen Wachstumsschüben führen, allerdings ist Crowdinvesting in erster Linie für mich interessant geworden, weil es mir die Möglichkeit gibt, mit Kleinstbeträgen ohne große Transaktionskosten an Startups zu beteiligen.

Cristin (Companisto): Worauf achtest du beim Investieren? Was muss dich überzeugen?

Enrico Bitto: In erster Linie interessiere ich mich für das Geschäftsmodell und das Team. Wenn ich überzeugt bin, dass die Jungs (und Mädels) kompetent sind und einen guten Markt anpeilen und/oder eine gute Idee haben, dann werfe ich einen Blick auf die Unternehmensbewertung und die Finanzzahlen. Passen diese auch, schaue ich noch kurz in den Vertrag, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Cristin (Companisto): Hast du eine Strategie für deine Geldanlage?

Enrico Bitto: Ja, ich habe ein Limitsystem für mein Portfolio und jede einzelne Anlageklasse. Für die einzelne Anlageklasse habe ich dann eine oder auch mehrere Strategien. Das Wichtigste für mich ist aber tatsächlich konsistent vorzugehen. Da haben illiquide Anlageformen sogar den Vorteil gegenüber liquiden Investments, weil mein kleines Affenhirn nicht jedes Mal verkaufen kann, wenn es das aufgrund negativer Emotionen, zum Bespiel Verlustangst, gerade möchte.

Cristin (Companisto): Du bist mittlerweile seit fünf Jahren Crowdinvestor und unterstützt Startups. Was müssen „absolute Beginner“ des Crowdinvestings wissen?

Enrico Bitto: Absolute Beginner des Crowdinvesting sollten wissen, dass das Geld in den meisten Fällen weg ist. Sicherlich kann man Glück haben und DAS Investment auswählen, aber in der Regel stellt sich der Erfolg nur ein, wenn das Portfolio ausreichend gestreut wird, um auch einen Gewinner zu haben, der die Verluste der Verlierer auffängt und zusätzlich Rendite erwirtschaftet.

Cristin (Companisto): Wie misst du denn ein erfolgreiches Investment?

Enrico Bitto: Im besten Fall ziehe ich aus einem Investment eine emotionale und eine finanzielle Rendite. Ein Geschäftsmodell zu unterstützen, das mir gefällt, und mit den Geschäftsführern aktiv und/oder passiv zu interagieren, sorgt für die emotionale Rendite. Der in meinem Fall zugegebener Weise wichtigere Part ist jedoch die finanzielle Rendite.

Crowdinvesting ist Risikokapital: "Risiko und Rendite gehören immer zusammen."


Cristin (Companisto): Die Branche ist noch sehr jung. Companisto ist seit etwa vier Jahren jetzt online und langsam verzeichnen wir die ersten Exits. In der Theorie geht man davon aus, dass die meisten Startups zwischen drei und acht Jahren bis zum Exit brauchen. Hattest du schon Erfolgserlebnisse?

Enrico Bitto: Ja, die gab es. Bei zwei, drei Startups, in denen ich noch investiert bin, rechne ich mit einer Verzehnfachung meines Einsatzes. Einige andere Verträge sind aufgrund von Exits oder Umwandlungen bereits gekündigt worden und hier bin ich jeweils mit einer kleinen positiven Rendite raus.

Cristin (Companisto): Crowdinvesting ist Teil des Wagniskapitals. Was bedeutet das Wort „Risikoinvestment“ für dich? Wie gehst du damit um?

Enrico Bitto: Was viele Menschen in meinen Augen nicht verstehen – und für die Beantwortung der Frage essentiell ist – ist, dass Risiko und Rendite immer zusammengehören. Ein Beispiel: Zu einer Unternehmensbewertung von 1€ würde ich jedes Start-up kaufen, weil die erwartete Rendite astronomisch hoch wäre. Im Gegenzug würde ich aber keine Anteile an einem Top-Unternehmen kaufen, wenn es zu teuer ist, weil ich dann nur verlieren kann. Dennoch würde die Mehrheit der Bevölkerung das Investment in ein Startup als riskant einschätzen.

Ich löse das Problem für mich, indem ich die Risiken streue (siehe oben) und die Unternehmensbewertung immer gegenrechne. Damit kann ich dann mein eigenes Risiko-Rendite-Profil für ein Investment erstellen und entscheiden, ob das in mein Portfolio passt, oder eben nicht.

Cristin (Companisto): Risiko und Rendite gehen Hand in Hand - je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Wie gehst du mit Verlusten um?

Enrico Bitto: Man muss sich natürlich anschauen, was zur Insolvenz des Startups geführt hat und ob man selber Fehler beim Investieren gemacht hat. Im Grunde genommen heißt es aber: Mund abputzen und weitermachen. Verluste gehören zum Geschäft und treten am Ende vermutlich in jedem zweiten Fall ein. Wichtig ist nur, dass die Gewinner diese Verluste überkompensieren. 

Cristin (Companisto): Was würdest du dir von Plattformen wünschen, die Crowdinvesting anbieten? Wie können wir das gemeinsam verbessern?

Enrico Bitto: Bislang haben sich Plattformen eher als Vermittler von Geld verstanden. Ich würde mich freuen, wenn Plattformen darüber hinaus auch als Dienstleister in Erscheinung treten. Die angebotenen Dienste können dabei sowohl den Startups als auch den Investoren nützen. Das Wissen der Investoren könnte noch besser genutzt werden, wenn es eine bessere Anlegerexploration oder eine direktere Ansprache gäbe. 

Die (noch nicht ausgereifte) Portfolioübersicht ist ein erster Schritt, um Anlegern das Leben leichter zu machen. Bislang hantieren viele Serien-Investoren mit individuellen Excel-Dateien. Die Plattform könnte auch als Bote für Kündigungen der Investoren agieren, sodass der Investor kein individuelles Schreiben je Startup verschicken muss, sondern stattdessen einfach auf einen Knopf drückt. Dass es noch Raum für Verbesserung gibt, ist aber nicht weiter schlimm. Die Branche steht schließlich noch am Anfang.

Vielen Dank für die Einsicht in dein Leben als Startup-Investor, lieber Enrico!


Warum Crowdinvesting eine sinnvolle Erweiterung des Anlegerportfolios ist, lesen Sie außerdem im neuen Akademie-Artikel.


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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