von Mario Böhl (Companisto)

„Die Anamnese ist unser wichtigstes Handwerk“

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„Die Anamnese ist unser wichtigstes Handwerk“

Idana will die Anamnese intelligent digitalisieren. Doch am Ende entscheidet die Praxis über den Erfolg. Wir haben zwei Ärzte gefragt, was bei der Anamnese wichtig ist und ob bzw. wie Idana ihnen dabei helfen kann. Dr. Marta Rettegi ist seit 25 Jahren selbstständige Ärztin mit eigener Gemeinschafts-Hausarztpraxis in Würselen. Dr. Michael Wittwer ist seit über 30 Jahren Arzt und seit 24 Jahren niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Teilgebiet Nephrologie, in Kiel. 


Mario Böhl: Wie viel Zeit haben Sie für einen Patienten zur Verfügung und wofür verwenden Sie diese?

Dr. Rettegi: Es ist sehr unterschiedlich. Ich bin Hausärztin. 80 Prozent der Patienten kenne ich schon. Manchmal reichen 3 bis 4 Minuten, manchmal sind 20 bis 25 auch nicht genug. Bei neuen Patienten oder neuen Erkrankungen muss man immer eine ausführlichere Anamnese erheben. Dies kann bei multimorbiden Patienten 30 bis 40 Minuten dauern.

Dr. Wittwer: Im Schnitt dürften es so 15 Minuten in meiner fachinternistischen Praxis sein. Für ein Erstgespräch mit neuen Patienten nehmen ich mir mehr Zeit, mindestens 30 Minuten für die Anamnese, das Besprechen der Befunde, einen ersten Eindruck usw.


Dr. Marta Rettegi ist seit 25 Jahren selbstständige Ärztin mit eigener Gemeinschafts-Hausarztpraxis in Würselen.
Dr. Marta Rettegi ist seit 25 Jahren selbstständige Ärztin mit eigener Gemeinschafts-Hausarztpraxis in Würselen.

Mario Böhl: Welchen Stellenwert hat die Anamnese in der Praxis für Sie als Ärztin?

Dr. Rettegi: Die Anamnese ist unser wichtigstes ‚Handwerk‘.

Dr. Wittwer: Extrem hoch. Die Anamnese ist das wichtigste Instrument, um zu einer Diagnose zu kommen. Immerhin werden bis zu 80 Prozent der Diagnosen im Anamnesegespräch gestellt. Und ich verbringe in der Regel nie wieder so viel Zeit mit dem Patienten. Dabei geht es ums gegenseitige Kennenlernen. Der Patient soll das Gefühl haben verstanden worden zu sein und verstehen, was genau passiert und das es richtig und wichtig ist.


Mario Böhl: Wie wird die Anamnese von Patienten momentan gehandhabt? Welche Meinung haben Sie dazu?

Dr. Wittwer: Für mich ist der persönliche Kontakt enorm wichtig. In lasse den Patienten erstmal frei reden um herauszufinden, was ihn zu mir führt, was er erwartet, wie ich ihm helfen kann. Meine Erkenntnisse schreibe ich noch – absichtlich – mit Füller und Zettel mit. Später wird die Dokumentation dann diktiert und digital erfasst.

Dr. Rettegi: Die Anamnese fängt schon an der Anmeldung an, damit die Sprechstundenhilfen einige Untersuchungen einleiten können. Ein Beispiel: Kommt ein Patient mit Brustschmerzen, wird ein EKG durchgeführt und Blut entnommen. Bei der körperlichen Untersuchung stellen wir fest, dass nur ein Nerv eingeklemmt ist. Durch eine bessere Anamnese hätte man die unnötigen kostspieligen Untersuchungen sparen können.


Mario Böhl: Haben Sie bereits Erfahrungen mit Idana oder ähnlichen Systemen sammeln können? Was sagen die Patienten?

Dr. Rettegi: Ich habe immer wieder versucht, durch Fragebögen mehr Infos von den Patienten zu bekommen. Habe einen Anamnesebogen zusammengestellt, damit ich wichtige Fragen nicht vergessen. Aber am Ende musste ich die Dokumentationen manuell eintragen. Seit 25 Jahren versuchen wir immer wieder etwas Neues einzuführen. Die Patienten haben immer positiv reagiert. Selbst viele alte Menschen informieren sich im Internet über ihre Symptomen und Erkrankungen und haben kein Problem, mit einem Tablet umzugehen. Natürlich gibt es einige, die immer unzufrieden sind.

Dr. Wittwer: Wir nutzen selbst digitale Systeme, um die Erkenntnisse zu dokumentieren. Allerdings erst nach dem Gespräch. Auf dem Gebiet der Nephrologie ist die Anamnese sehr komplex und vielschichtig. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ältere Patienten haben dazu gerne noch lieber Papier in der Hand statt ein Tablet. Natürlich nutzen wir auch strukturelle Bögen (auf Papier) als zusätzliche Quelle, gerade wenn es um Eingriffe geht.

Dr. Michael Wittwer ist seit über 30 Jahren Arzt und seit 24 Jahren niedergelassener Facharzt für Innere Medizin in Kiel. 
Dr. Michael Wittwer ist seit über 30 Jahren Arzt und seit 24 Jahren niedergelassener Facharzt für Innere Medizin in Kiel. 


Mario Böhl: Welchen positiven Beitrag können Lösungen wie Idana in Ihrer täglichen Arbeit leisten? Was sollte man nicht erwarten dürfen?

Dr. Wittwer: Ein großer Mehrwert ist sicherlich, dass es sehr viel schwerer ist, wichtige Informationen zu vergessen. Zudem wird Papier und vor allem Platz gespart und es gibt einen schnellen Zugriff auf die benötigten Daten. Daher sind solche Systeme schon eine sinnvolle Ergänzung. Was sie nicht ersetzen können, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Und ganz klar die Verantwortlichkeit des Arztes, sich für den Patienten verantwortlich zu fühlen. Also der menschliche Faktor, unabhängig von der Telemedizin.

Dr. Rettegi: Ich weiß noch nicht wieviel Aufwand eine digitale Lösung für unsere Praxis bedeuten würde. Wir möchten es aber auf jeden Fall einführen. Junge Leute sind froh, wenn sie solche Modernisierungen sehen. Der Patient-Arzt-Kontakt ist in einer Hausarztpraxis sehr wichtig. Ich würde mich nie 100 Prozent auf die Digitalisierung verlassen. Das ist aber auch nicht der Ziel der digitalisierten Anamnese.


Das komplette Interview und mehr gibt es auch in den aktuellen Companisto Deal-Lights zu lesen. 


Anmerkung: Die Interviews mit beiden Ärzten wurden mit den gleichen Fragen separat geführt.


 

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