von Cristin Liekfeldt

Oliver Kremers über die Insolvenz von Homefort

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Oliver Kremers über die Insolvenz von Homefort

Oliver Kremers ist Gründer und Geschäftsführer von Homefort. Das Smart-Home-Alarmanlagen-Startup meldete Anfang November Insolvenz an. Im Interview haben wir mit ihm über die Umstände und sein Scheitern gesprochen.


Cristin Liekfeldt: Lieber Herr Kremers, am Freitag, den 03.11.2017 meldeten Sie die vorläufige Insolvenz für homefort an. Was führte dazu? Gab es einen einzelnen Grund oder wirkten hier unglückliche Umstände zusammen?

Oliver Kremers: „Als wir mit homefort gestartet sind, war das Thema Smart Home noch Innovation. 2016 zogen dann auch die etablierten Unternehmen wie RWE und die Telekom nach. Unsere Marketingkosten sind plötzlich stark angestiegen, ein Klick kostete zum Beispiel 8 Euro im Online-Marketing. Dazu kam, dass unser Lieferant das Produkt dann selbst im Baumarkt vertrieben hat – und das 20 Prozent unter dem Listenpreis. Das hält man nicht lange durch. Bei den Gesprächen mit Investoren wurde die Crowdinvesting-Kampagne bei Companisto als Proof of Concept begriffen. Wenn nur wenige Prozent der investierten Companisten Kunden geworden wären, hätte ein Anschlussinvestment geklappt. Aber nur einer ist Kunde geworden. Im Feedback finden viele die Lösung gut, aber keiner kauft sie. In Deutschland fühlt man sich außerdem immer noch sehr sicher, trotz steigender Kriminalstatistiken. Bei einem Einbruch zahlt ja die Versicherung.“


Cristin Liekfeldt: Wie liefen die letzten Wochen und Monate für Sie ab?

Oliver Kremers: „Die letzten Monate waren ein Kampf. Alles drehte sich um Überlegungen, wie man das Geschäft noch drehen könnte. Ich habe die Kosten gesenkt, einen neuen Fokus auf Alarmanlagen in Fachhändler-Qualität gelegt und uns dafür zertifizieren lassen, aber das hat nicht gereicht, obwohl wir für dieses Jahr gerade bei 100.000 Euro Umsatz für 2017 liegen. Das reicht aber nicht um die Kosten zu decken. Ich habe selbst ja auch rund 180.000 Euro in homefort gesteckt - vor der Gründung acht Monate ohne Gehalt gearbeitet, die Gründungskosten übernommen und seit Februar auch das Gehalt in der Firma gelassen.“


Cristin Liekfeldt: Ab welchem Punkt wussten Sie, dass homefort Probleme hat? Wie sind Sie damit umgegangen und wie haben Sie reagiert?

Oliver Kremers: „Dass das Geschäftsmodell nicht funktioniert, habe ich schon im Januar gemerkt. Dann kam die Neu-Fokussierung und im Februar schon die Schulungen für unsere Fachkräfte, sodass wir im März loslegen konnten. Der Umsatz ist ja auch angestiegen, ich habe mich von Mitarbeitern getrennt und die Kosten drastisch gesenkt, bis auf die Miete, zwei Mitarbeiter und ein Auto für einen Mitarbeiter. Dann habe ich mich mit Beratern auseinander gesetzt. Die haben empfohlen, dass man jetzt am besten geht, aber das wollte ich nicht. Da hängen ja Mitarbeiter dran und ich habe selbst Zeit und Geld investiert. 

Und schlussendlich sind auch die Companisten involviert. Also haben wir versucht, den Vertrieb weiter aufzubauen, haben zum Beispiel mit der Saarbrücker Zeitung und der Trierer Zeitung einen Deal besprochen, dass die Produkte von homefort über deren Online-Shop vertrieben werden. Der Deal ist jetzt aber noch nicht geschlossen worden und die Frage ist, ob er nach der Insolvenz noch zustande kommt. Außerdem haben wir im November einen SOS-Button entwickelt und dafür auch eine entsprechende Website. Das Produkt hat dann aber technisch nicht das halten können, was wir uns vorgestellt haben, funktionierte nur auf Android-Smartphones und hier auch mit Ausnahmen. Das kann man ja den Menschen nicht verkaufen. Auch die Radiowerbung bei Big FM hat uns keinerlei Kunden gebracht. Irgendwann kommt dann die Frage der privaten Haftung auf und ich habe mir selbst die Vorgabe gesetzt, dass ich bei unter 10.000 Euro Liquidität einen Schlussstrich ziehen muss. Dann hat die Firma wenigstens noch eine reale Chance weiterzubestehen.“


Cristin Liekfeldt: Gibt es Dinge, die Sie rückblickend anders machen würden?

Oliver Kremers: „Ich würde definitiv einiges anders machen. Die Kosten zum Anfang zum Beispiel nicht so hoch setzen, das Personal nach aktuellem Bedarf der Firma einsetzen und nicht ein Team aufbauen, das nur mit einer hohen Nachfrage einsatzfähig ist, aber nicht wenn die Nachfrage ausbleibt. Ich würde außerdem mehr Sorgfalt im Online-Marketing walten lassen und das anders angehen. Zum Beispiel die Website besser aufbauen und mehr Fokus auf gutes Online-Marketing legen. Ich dachte, ich kenne mich damit sehr gut aus, aber anscheinend nicht gut genug. Und ich muss auch sagen, mit dem Wissen über den Markt würde ich nicht noch mal gründen. Oder eben mit viel mehr Kapital.“


Cristin Liekfeldt: Was macht die Insolvenz-Anmeldung mit Ihnen? Wie fühlen Sie sich?

Oliver Kremers: „Das vorherrschende Gefühl ist Scham. Scham, dass ich es nicht geschafft habe. Die Menschen haben ja in mich investiert, weil sie an mich und die Idee geglaubt haben. Dem Vertrauen konnte ich nicht entsprechen. Das möchte man natürlich irgendwie ausgleichen, aber das Thema ist gelaufen. Auf der anderen Seite hat jeder auch gewusst, dass das passieren kann, dass das nicht immer klappt. Aber das war natürlich auch ein Stück von einem selbst, ich habe ja auch eigenes Geld investiert, und das über Monate. Das ist traurig. Und in Kombination mit Scham keine schöne Kombination. Da hängt ja auch die Familie mit drin.“


Cristin Liekfeldt: Was bedeutet die Insolvenz für die Companisten?

Oliver Kremers: „Dazu kann ich leider noch nicht viel sagen. Die Absicht ist ganz klar, die Firma weiterzuführen. Der Geschäftsbetrieb läuft normal weiter. Voraussichtlich kann es bis 01.02.2018 eine Auffanglösung geben."“ 


Cristin Liekfeldt: Eine Insolvenzanmeldung bedeutet noch nicht das Aus. Was können Sie aus der jetzigen Situation mitnehmen? Birgt sie vielleicht auch Chancen?

Oliver Kremers: „Wir haben lang laufende Verträge, die noch über 1,5 bis zwei Jahre laufen. Es gibt die Möglichkeit, sich mit der Firma weiterzuentwickeln. Jetzt wird erst einmal der Bestand aufgenommen, die Daten gesichert und das Inventar gesichtet.“


Cristin Liekfeldt: Welche Erfahrung haben Sie mit dem Scheitern gemacht? Gibt es Reaktionen aus ihrem Umfeld?

Oliver Kremers: „Nach wie vor haftet einem in Deutschland der Makel an, gescheitert zu sein. Wir müssen jetzt erst einmal gucken wie es weitergeht. Es zeigt jetzt aber keiner mit dem Finger auf mich. Es kommt aber auch darauf an, wie man Insolvenz anmeldet. Es gibt Verträge und 50 zahlende Kunden pro Monat, im Prinzip sind wir gerade ein kleiner Handwerksbetrieb, der Alarmanlagen vertreibt. Damit kann man etwas anfangen.“


Cristin Liekfeldt: Vielen Dank für das Interview, Herr Kremers.  


 

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Quelle: Eigene Recherchen. Hierbei wurde u.a. auf Daten des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zurückgegriffen.
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