von Jana Biesterfeldt

„Wir bieten Audio-Erotik, die das Kopfkino von Frauen anheizt“

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„Wir bieten Audio-Erotik, die das Kopfkino von Frauen anheizt“

Startups aus dem SexTech-Bereich sind im Kommen - und bringen Sexualität aus der Schmuddelecke in die breite Öffentlichkeit. Besonders für die weibliche Zielgruppe entstehen immer mehr Dienstleistungen, die eine Sexualität für ihre besonderen Bedürfnisse ermöglichen sollen. Die Plattform femtasy von Gründerin Nina Julie Lepique ist so ein SexTech. 

Jana Biesterfeldt: Wie kamen Sie auf die Idee eine „Online-(Streaming)-Plattform für erotische Hörgeschichten“ zu gründen?

Nina Julie Lepique: Ich habe einen sehr offenen Freundeskreis und bekam mit, wie unzufrieden viele meiner Freundinnen mit dem bestehenden Angebot an Erotik-Inhalten waren: zu schmuddelig, zu grell, zu wenig auf die weiblichen Bedürfnisse ausgerichtet. Der Frust war groß und ich war mir sicher, dass das besser ginge. Parallel dazu las ich in einem großen deutschen Magazin von einem Sexualforscher, der beschrieb, dass Frauen weit weniger visuell orientiert sind als Männer, wenn sie sich stimulieren lassen wollen. Die Fantasie sei bei ihnen ganz besonders wichtig. So war die Idee für femtasy geboren: Audio-Erotik, die das Kopfkino anheizt.

Jana Biesterfeldt: Warum sollte ich als Frau femtasy nutzen?

Nina Julie Lepique: Weil es auf femtasy viele hundert Tonaufnahmen gibt, die zum Genießen, Erkunden, Befriedigen und Intensivieren der weiblichen Lust gemacht sind.

Jana Biesterfeldt: Über Sex und weibliche sexuelle Befriedigung zu sprechen, gilt immer noch als ein Tabu für viele. Können die neu aufkommenden SexTechs dieses Tabu aufbrechen? Wenn ja, wie kann dies auch in der breiten Öffentlichkeit gelingen?

Nina Julie Lepique: Das hoffe ich! Ich denke das passiert dann, wenn der Markt es als Ganzes schafft, sich stärker in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren. Weniger Schmuddel, mehr Lifestyle – und gute Produkte natürlich. Sexualität ist etwas Schönes! Das sollten wir feiern, anstatt es zu tabuisieren.

Jana Biesterfeldt: Begegnen Ihnen in der männerdominierten Startup- und Venture-Capital-Szene als Gründerin eines SexTechs bestimmte Herausforderungen, wie Zweideutigkeiten oder anzügliche Bemerkungen?

Nina Julie Lepique: Das ist mir noch nie passiert, nein. Mein Mitgründer und ich legen aber auch viel Wert darauf, eine professionelle Unternehmung aufzubauen und ich bin mir sicher, dass das jeder merkt, der mit uns zusammenarbeitet. Da bleibt kein Platz für Zweideutigkeiten.

Jana Biesterfeldt: Gab es bei dieser Geschäftsidee Probleme bei der Suche nach Wagniskapitalgebern?

Nina Julie Lepique: Wir haben zwei erfolgreiche Finanzierungsrunden hinter uns und renommierte Investoren für uns gewinnen können. Insofern: nein, es gab bisher keine Probleme, wenngleich es sicherlich ein wenig Überzeugungsarbeit bedeutete. Aber so ist es ja immer, nicht nur bei Erotik-Startups.

Jana Biesterfeldt: Zu den Investoren von femtasy gehören auch viele weibliche Business Angels. Braucht es mehr weibliche Investorinnen, und wenn ja, warum?

Nina Julie Lepique: Für uns war es mit einem auf Frauen ausgerichteten Produkt sehr wichtig, weibliche Business Angels für uns gewinnen zu können – gerade, weil Männer weniger den Need für ein Produkt wie femtasy sehen als Frauen dies tun. In unseren Gesprächen mit den Investoren entsteht durch die Diversität unseres Investorenkreises viel Gutes für femtasy – somit: ja, wir wünschen uns mehr Vielfalt am „Business Angel Markt“.

Jana Biesterfeldt: Der Markt für Hörbücher boomt. Macht sich dieser Boom auch bei Ihrem Geschäft bemerkbar?

Nina Julie Lepique: Unser Produkt ist kein echtes Hörbuch, das man auf dem Weg zur Arbeit hört oder beim Einkaufen, sondern eine Audio-Geschichte, die in den intimsten Momenten genutzt wird. Dennoch ist es so, dass das Verständnis und die Akzeptanz von Audio als Medium für unser Geschäft elementar sind – und da hilft der Podcast- und Hörbuch-Trend sicherlich enorm, sowohl auf Nutzer- als auch auf Investoren-Seite.

Jana Biesterfeldt: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Wo geht es mit femtasy hin?

Nina Julie Lepique: Wir wollen femtasy als Marke und Angebot in die Mitte der Gesellschaft bringen, ein Angebot schaffen, welches Frauen begeistert und somit ein wirtschaftlich florierendes Unternehmen aufbauen. Unser Purpose, "Wir wollen mit femtasy die weibliche Sexualität feiern und zelebrieren", zahlt voll darauf ein. Am Ende ist unser Ziel für jede Frau die perfekte Audio-Aufnahme anzubieten, mit der sie ihre eigene Lust genießen, entdecken und befriedigen kann. Das klingt trivial, ist es aber nicht, denn Sexualität ist hoch-individuell und intim. Zur wirklich perfekten Aufnahme müssen viele, viele Faktoren ganz genau stimmen: Inhalt der Geschichte, Stimme, Wortwahl, Timing, … es braucht sehr viel Varianz, um das gewährleisten zu können.



Zur Person: Nina Julie wurde 1993 in Hamburg geboren. An der HSBA Hamburg School of Business Administration sowie der University of Dubai, VAE absolvierte Nina Julie ein duales Studium im Bereich Business Administration mit dem Schwerpunkt digitale Geschäftsmodelle. Parallel dazu begann sie ihre Tätigkeit bei der XING SE im Bereich Corporate Development (Strategie, M&A, Market Intelligence). Hier arbeitete sie mit Gründern und jungen Unternehmen in den verschiedensten Unternehmensphasen zusammen, u.a. im Rahmen eines mehrmonatigen Projekts bei der kununu GmbH in Wien kurz nach der Übernahme durch die XING SE. 2016 wurde Nina Julie für ein Strategie-Projekt nach Boston, MA entsandt, wo sie die erste Idee für femtasy entwickelt. Im Frühsommer 2017 kündigte Nina Julie ihren Vollzeitjob, um femtasy Tag und Nacht mit Vollgas und viel Freude voranzutreiben. Mittlerweile besteht femtasy aus 10 Mitarbeitern (80% Frauenquote) und knapp 60 Sprecher/innen und Autor/innen.


 

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